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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-25 · 8 (25.2.1898) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 8 Vr. Bloch's WochenPtzrM- Seite 1LS züglichen Volksüberlieferungen und Kunsterzeugnisse und rechnet hierbei auf die Tbeilnahme Aller, die für die Eigenart Israels Sinn und Interesse haben". Ein treffliches Programm und der eingeschlagene Weg, es zu verwirklichen, scheint der richtige. Schon die Wanderung zum Ziele ist an lohnenden Ausblicken reich. Die Methode ist streng wissenschaftlich, ohne gelehrt langweilig zu werden. Interessant sind die Abschnitte über die Sprache der Juden, über die verschiedene Aussprache des Hebräischen, charakteristische Ausdrücke, Namen, Spitznamen, endlich Sprichwörter! Diesen aufgespeicherten Schatz an Witz und Weisheit sollte jeder kennen lernen. Manchmal derb, immer zutreffend ist das jüdische Sprichwort. Jellinek s. A. hat es bearbeitet. Hier liegt es aber im Dialekt vor. Der Erdgeruch haftet ihm noch an, es ist noch nicht verfeinert, es hat noch nicht Toilette angelegt für den literarischen Salon. Dann folgt ein nicht minder lesenswerthes Capitel über Grüße, Flüche, Lob und Tadel. Bauernkalender und Redensart schließen sich hier an, auch Sagen und Lieder. Einige Bilder schmücken das stattliche Heft, welches so überaus reiches, volkskundliches Material in guter Anordnung enthält: 1. Eine „Trauung", Farbendruck in Facsimile aus einem italienischen Machsor des 14. Jahrhunderts, das Original im Besitze des Dr. H. B. Levy in Hamburg. 2. Ein jüdischer Trauring mit einem merkwürdigen Burgdach en miniature. 3. Wieder die bildliche Darstellung einer Trauung aus einer Handschrift der Hamburger Stadtbibliothek (Cod. hebr. 337). Heft 2 der Publication ist für Juli d. I. in Aussicht genommen. Der Abonnementspreis von 3 Mk. 50 Pfg. — für Nichtmitglieder ganzjährig — erscheint in Anbetracht des Gebotenen sehr billig bemessen. Modernes Judenthum. Von Rabbiner Dr. L. Goldschmied. Wien und Leipzig 1898. Verlag von M. .B r e i t e n st e i n's Buchhandlung. Der Verfasser hält dem modernen Judenthum einen Spiegel vor. Aber es ist ein Hohlspiegel, der die Züge, zur grotesken Lächerlichkeit verzerrt, zurückwirft. Ein Mißvergnügter, dem nichts recht ist, absolut gar nichts. In jeder Suppe findet er ein Haar. Und wenn er blos fände, aber er ißt überhaupt nur Suppe, um Haare darin zu finden! Das ist die beliebte Methode Max Nordau's. Oder um ein weniger unappetitliches Bild zu gebrauchen : er haut eifrig zu mit dem Hammer und trifft manchmal auch wirklich den Nagel auf den Kopf. Bei so viel Schlägen nicht zu verwundern. Aber die allermeisten gehen deswegen doch daneben. Er ist oft ungerecht und dann so eigensinnig, wie Alle, die ungerecht gewesen sind. „Die Juden sind ein Culturvolk. Sie waren eines, bevor noch unsere Cultur vorhanden war." Damit hebt das Buch an. „U n s e r e C u l t u r?" Wessen Cultur? Die Proßnitzer Rabbiner find doch hoffentlich noch Juden?? Weiter! „Neben dem formgewandten Griechen steht der ideenreiche Hebräer. Jener meißelt aus Stein die schönsten Formen, und begründet den Canon der Schönheit, dieser bildet gewaltige Ideen und schafft die Gesetze der Moral." Die Griechen waren doch nicht lauter Phidiasse; Sokrates, Plato, Aristoteles waren ja doch auch Griechen. Das darf man nicht vergessen oder vergessen wollen. Widerspruch dürfte auch die Behauptung Hervorrufen: „Nicht eine Stärkung, sondern eine Schwächung des religiösen Gefühls bewirkt der Antisemitismus," oder etwa: „Der jüdische Sinn ist in unseren Tagen weit schwächer, als er beispielsweise vor nicht ganz vierzig Jahren war." Das Gegentheil ist richtig, der religiöse Sinn ist überall erstarkt, jedenfalls ist er gewiß nicht schwächer geworden. Erbitterte Hiebe werden gegen die armen jüdischen Bildungs- und Vortragsvereine geführt, an deren Spitze angeblich Persönlichkeiten und keine Personen stehen. „Unsere Prediger haben von der Kanzel aus die Schlacht gegen den Jndifferentismus verloren (?) nun soll sie vom Vortragtisch aus gewonnen werden." Orthodoxe und Reformer erfahren gleich herbe Kritik. Das Urtheil über den Zionismus enthält ja einiges recht Zutreffendes. Aber die Form ist apodictisch schroff und lieblos. Wogegen aber die entschiedenste Verwahrung einzulegen, wäre beispielsweise ein in die Welt laut hinausgerufener ungeheuerlicher Satz, wie: „Die glaubenstreuen Juden sind durchwegs intolerant." Auch findet Verfasser — hoffentlich er ganz allein — daß durch das moderne Judenthum „ein b i ldungsfeindlicher Zug geht." (?!?) Dem soll doch wohl nicht durch Aufhebung der Bildung verbreitenden Vereine abgeholfen werden. Dann wird aber doch wieder an anderer Stelle der.Wunsch ausgesprochen, das Bildungsniveau möge gehoben werden. Wir schließen die Auslese mit einem markanten Citat: „M an lege weder der hebräischen Sprache, noch dem Religionsunterrichte eine Bedeutung bei, die ihnen nicht zu kommt. Das einzigeDogmades Judenthums ist das von der Electio U." J- Saschar. Synagogen-Gesänge für Cantor, Gemeinde und Chor mit Orgelbegleitung, componirt, bearbeitet und herausgegeben von E m a n u e l K i r s ch n e r, erster Cantor an der Synagoge in München. München, Jos. Aibl's Sortiment. II. Heft: Sabbathgesänge. Das Werk ist für Gemeinden mit reiormirter Lithurgie bestimmt. Es soll nach der Absicht des Autors den Theilnehmern am Gottesdienste mehr Gelegenheit zur activen Betheiligung geboten werden. Die Nummern für Gemeindegesang hat er getreu im Geist und Charakter der älteren und guten neueren Tempelweisen gebildet. Seine Absicht hat er auch größtentheils erreicht und mit Glück das opernmäßige Recitativ und die bequeme Melodik der biederen deutschen Liedertafel vermieden. Dem Verfasser scheint es ernst zu sein mit seinem Kampf gegen die unglaublichen Stylwidrigkeiten im modernen synagogalen Gesang, an die man sich leider schon gewöhnt hat. Er wünscht zu den eigenthümlichen nationalen Schönheiten des alten Chasen-Gesanges zurückzukehren. Diese Rückkehr würde den eigentlichen Fortschritt bedeuten. Das Heft, welches Empfehlung vollauf verdient, hat der dankbare Schüler seinem Meister Obercantor Josef Singer in Wien zugeeignet. Briefkasten. „Begeisterter Zolafreund" in Fiume. Ungefähr dasselbe wie Sie, blos besser und kurzer sagt Junius im 41. Brief: „Ein ehrlicher Mann macht es wie die wahre Religion, er beruft sich auf den Verstand oder vertraut bescheiden auf das innere Zeugniß seines Gewissens. Der Betrüger greift an st att des Beweises zur Gewalt, gebietet Schweigen, wo er nicht übe rzeugen kann und verbreitet seine Ansicht durch das Schwer t." „L. Anton", Graz. Vergani freut sich ganz unbändig darüber, daß in Paris die Droschkenkutscher sich „aale jnif“ und „vienx jnif“ schimpfen. Sein Berichterstatter scheint übrigens diesen „leitenden Kreisen" anzugehören. Wie würde er sich erst wundern, wenn sie sich „Ehrenbürger" und „Gemeiudeobligationäre" tituliren würden! Aber solche Insulten werfen sie sich doch nicht an die mit Lackhüten becylinderten Dickschädel. R. &. in P. Für Gedichte nur ganz ausnahmsweise Verwendung. In solchem Umfange und wenn unactuell — niemals! Danken verbindlich. „Alter Freund des Blattes" in Pohrlitz. Es dürfte Sie ohne Zweifel interessiren, was Schönerer in seinen „Unverfälschten deutschen.Worten" Nr. 4. 16. Hornung 2011 (!) im Briefkasten schreibt. „Es soll auf Thatsache beruhen, daß der bewußte Herr gemeinen Wucher betreibt. Das darf Sie übrigens nicht Wunder nehmen; der saubere Herr ist ja auch an eine Racenjüdin verheiratet und niit getauftem und ungetauftem Judenthume versippt!" Armer Schmul Leeb Kohn, wie hast Du dich verändert! In derselben Nummer leistet sich der teutonische Hanswurst Hermann v. Pfister-Schwaighusen noch den nachfolgenden Blödsinn: „Kaum ein Gebiet klassischer sowol als gewerkischer Wissenschaften gibt es, worauf deutsche Forscher und berufliche Gelehrte etwa nicht in sachmäßiger Bethätigung einen ersten Rang ansprechen dürften. Wären solche Männer nach großer Anzahl, ja nach ihrer Mehrheit, seit Jahrhunderten nicht in völkischer Hinsicht so stumpf und tot, zum Teile sogar eigener Diet feindselig gewesen, in ihrer Hand wäre gelegen, deutsche Sprache an Stelle des abtretenden Lateins nahezu doch allniählich zu allweltlich vermittelnder Sprache des gesamten wißenschaftlichen Lebens aller Länder zu machen . . . . Von Metz bis Memel soll deutsche Präge Schildwache stehen, allem Leben seinen Stempel leihen, und, jedem Welschen künden: fremder Mann du bist in Deutschland' kommen! Heil-t" Herrn Anton K. in K-n. Sie geben Ihrer Entrüstung über das empörende, schamlose Treiben der tollwüthigen Kläffer im Landtage berechtigten Ausdruck. Wir halten diejenigen, welche es ungerügt lassen, für noch weitaus verächtlicher. Frl. Ottilie N. IX. Wien. Wie Victor Hugo sich zum Fall Zola-Dreyfus gestellt haben würde? Gewiß wäre er auf der Seite des verfolgten Rechtes der bedrängten Unschuld gewesen. Wir geben mit Ihnen die Möglichkeit gern zu, daß vielleicht er die Stelle Zola's vor den Richtern als Angeklagter angenommen haben könnte.

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