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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-25 · 8 (25.2.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 8 Vr. Bloch'» WochrnptzrM Seite 157 Der große Jahve unbesiegter Heere, Der Saul geführt und Juda Makkabi, Der führet uns und spricht zu Dir durch mich. R u f u s: Ich kenne Gott nur. welcher Sieg verleiht, Und der heißt Rom — warum schweigt Euer Gott? (Fortsetzung folgt.) Spätes Glück. Erzählung von Regina Neißer. (Fortsetzung.) Der späte Abend fand die Freunde unter den zahlreichen Gästen, welche sich in den taghell erleuchteten glänzenden Festräumen des Bankier Bergheim, anläßlich der.Confirmationsfeier seines einzigen Sohnes bewegten. Die noch immer schöne Frau des Hauses, deren hohe stattliche Gestalt in dem langen, faltenreichen schwarzell Sammtkleide, welches um Hals und Arme nur alte kostbare Pointe d’Alenfjon als einzigen Schmuck trug, heute besonders imponirend erschien, erfüllte ihre Pflichten als Wirthin in den mit ebenso feinem Kunstverständnisse, als wahrhaft geläutertem Geschmacke eingerichteten Räumen sicher und anmuthig und so viel es ihre Pflichten gestatteten, zeichnete sie vorzugsweise die Freunde aus, zog sie selber in ihre Nähe und unterhielt sich mit ihnen. Gastfreundschaft im großartigsten Style, wie dieselbe auf den Herrensitzen Altenglands gefunden wird, wurde neben unbegrenzter Wohlthätigkeit besonders von dem Bankier und seiner Gattin geübt. Frau Rosa Bergheim hatte in dem elterlichen Hause ihres Mannes als Erzieherin der jüngeren Kinder gewirkt, als er, der älteste Sohn, von ausgedehnten überseeischen Reisen, seine Anschauungen zu erweitern, die Verbindungen des großen Handelshauses zu vergrößern, heimkehrte und das junge, schöne, sanfte Mädchen auf den ersten Blick lieben lernte. Wohl hatten seine Eltern andere Pläne und Ziele für den ältesten Sohn und Erben im Auge gehabt, als die arme Erzieherin einst Tochter zu nennen, doch als er ihnen fest und bestimmt erklärte, unvermählt zu bleiben, wein: sie seiner Liebe den geringsten Widerstand entgegensetzen würden, hatten sie seinen Wünschen Gehör gegeben und das Mädchen, das er seiner Liebe würdig hielt, das ja ihnen auch lieb und werth war, als Tochter willkommen geheißen. Die junge Schwiegertochter warb so eifrig um ihre Zuneigung, ordnete sich ihnen so bescheiden unter, daß sie ihnen in kürzester Zeit ein theures Familienglied wurde, und als sie ihre Augen zum ewigen Schlafe schlossert, hatten sie Frau Rosa tausendfach gesegnet, für das reiche Glück, welches sie dem geliebten Sohne bereitete, für die treue kindliche Liebe und Ehrerbietung, die sie ihnen stets gezollt hatte. Inmitten großen Reichthuntes hatte sich Frau Rosa die wahre Bescheidenheit und schöne Herzenswärme, welche ein Grundzug ihres festen, edlen Charakters waren, unverändert bewahrt und genoß in den weitesten Kreisen, ohne Unterschied der Cvnfession, den Ruf einer vorzüglichen Frau. Der frühe Tod ihrer beiden ersten Kinder, zweier lieblicher Mädchen, hatte sie des Lebens bittersten Schmerz kennen gelernt; fürchtend, sie würde sich allzusehr in ihren gerechten Schmerz versenken, lenkte ihr Gatte nach der ersten Trauerzeit ihren Sinn dahin, sich neue Lebensfteuden zu schaffen, Bedürftigen von dem Ueberflusse, den sie besaß, mitzutheilen, verschämter Armer sich besonders anzunehmen, junge, aufstrebende Talente durch ihr Interesse, ihre Hilfe, zu unterstützen und zu fördern! Die später erfolgte Geburt eines Sohnes erfüllte ihr Herz mit so hoher Freude, daß sie in überquellender Dankbarkeit gegen die gütige Vorsehung ihre Wohlthaten immer reicher spendete. Da Frau Rosa dem Vorstande mehrerer wohlthätig wirkender Frauenvereine angehörte, war Dr. Seefeld bald nach Antritt seines Amtes mit ihr bekannt geworden; er hatte das hochsinnige Ehepaar bald nach Gebühr schätzen gelernt und besuchte oft und gern das gastliche Haus desselben; selbstverständlich zählte er stets zu den liebsten und geehrtesten Gästen. Auch Professor Heller war dem Bankier und seiner Gattin durch seine Marie nicht fremd. Marie Ansfeld hatte vor Jahren, in dem altberühmten Lehrerinnenseminar zu B. ausgebildet, an der höheren Töchterschule in P. Anstellung gefunden. Bei einem Weihnachtsbazare war sie Frau Bergheim, welche zum Counts gehörte, vorgestellt worden; die warmherzige Frau hatte eine lebhafte Zuneigung für die junge Lehrerin gefaßt, die, fremd, elternlos, noch ohne nähere Bekannte in der großen Stadt, nur zu gern das freundliche Entgegenkommen der liebenswürdigen Frau auch annahm, und in kurzer Zeit ihr in schwärmerischer Verehrung anhing. War auch Marie anfangs schüchtern und zurückhaltend und besuchte nur selten ihre gütige Gönnerin, die zartsinnige Ausinerksamkeit, welche ihr stets im Hause des Bankiers erwiesen wurde, besiegte ihre Schüchternheit, regte sie zu häufigen Besuchen an, und bald zählte sie die Stunden, die sie im Bergheim'schen Hause zubringen konnte, zu den schönsten ihres arbeitsreichen Lebetts. Als Marie später die gütige Frau zur Vertrauten ihres Herzensgeheimnisses gemacht hatte, begann Frau Rosa, deren Lebenselement war, Freude und Liebe zu geben, Segen zn spenden, manch' schönes und nützliches Stück für den künftigen Haushalt ihrer jungen Freundin zu schenken. Frau Rosa hatte auch später, als Marie verheiratet war, derselben ihr Interesse bewahrt und fteute sich nun der Zeit, in welcher sie wieder öfters mit Marie werde verkehren können. Sie bot dem Professor in herzgewinnender Freundlichkeit ihren Beistand für die Einrichtung seiner Wohnung an, er beabsichtigte seine Familie erst in die neue Heimat zu führen, wenn Alles zu ihrem Empfange vollständig bereit; da Marie in Folge längerer Krankheit der Kinder selbst der Erholung bedurfte, hatte er seine Familie zu Verwandten geleitet und wollte Marien alle Mühen des Umzuges fern halten. Den Freunden war unter den anwesenden zumeist reich gekleideten, prächtig geschmückten Damen ein luuges Mädchen, welches kaum die Grenze zwischen Kind und Jungfrau überschritten zn haben schien, durch die große Einfachheit des Anzuges wie durch bescheidenes Zurücktreten besonders aufgefallen. Cornelie Marburg war die Tochter einer Jugendfreundin, der Frau Bergheim; sterbend hatte dieselbe ihr einziges Kind in die Hände und an das Herz der edlen Frau gelegt, welche im Einverständnisse mit ihrem Gatten das verwaiste Mädchen in ihr Haus aufnahm. Je mehr Cornelie heranreifte, desto mehr sie die Güte und Hochherzigkeit ihrer Pflegeeltern nach Verdienst zu würdigen wußte, iu unbegrenzter Dankbarkeit und leidenschaftlicher Innigkeit schlug ihr junges Herz besonders für Frau Rosa und ihr Verkehr mit derselben war für jeden Beobachter geradezu rührend. Cornelie hatte in ihrer Kindheit und Jugend ihren Vater nur wenig gekannt. Ein Freund, Studien- und Gesinnungsgenosse Kinkels, Karl Schurz's und Hecker's, war der junge jüdische Arzt jedoch minder glücklich als diese, da sein Fluchtversuch aus den Kerkermauern ntißglückte. Erst nach Jahren gelang es den verzweifelten Anstrengungen seines Weibes, sich eine Audienz bei dem König Friedrich Wilhelm IV. zu verschaffen und durch ihre ergreifenden Bitten eine Abkürzung der fünfzehnjährigen Festungshaft ihres Mannes zu erwirken; es war dies einer der letzten Gnadenacte, welchen der hochbegabte edle Fürst ausführte, ehe die schwere Krankheit ihn heimsuchte, die seinen lichten Geist umdunkelte. Innerlich und geistig gebrochen kehrte Dr. Marburg zu Weib und Kind zurück und hauchte kurze Zeit darauf in ihren Armen sein Leben aus. Der Gram um das zerstörte Lebensglück hatte die Kraft der Frau erschöpft, nach Jahresfrist vereinte sie der Tod mit dem geliebten Gatten, als Cornelie kaum zwölf Jahre zählte. Cornelie hatte schon als Kind ungewöhnlich große musikalische Begabung gezeigt und das silberhelle Sümmchen war der Aufmerksamkeit der Lehrer nicht entgangen, sie hatten große Schonung anempfohlen, da sie mit Recht ein schlummerndes Talent in der Kehle des kleinen Mädchens vermutheten, für dessen Ausbildung es noch zu ftüh war. Als Cornelie die Schule verlassen hatte, übergab Frau Bergheim sie den Händen des besten Gesangslehrers der Stadt, welcher das schöne vielverheißende Talent mit Sorgfalt hegte und bildete; immer herrlicher entfaltete sich der Sopran und bald erklärte ihr Meister, sie müsse nun ihre Lehr- und Wanderjahre antreten. Je mehr Corneliens Fortschritte wuchsen, desto mehr sich in ihrem Herzen der Wunsch befestigte, sich ganz dem Gesänge zu widmen; vorurtheilslos wie Frau Bergheim dachte, wollte sie auch diesem Zukunftsplane nicht hindernd entgegentreten. Cornelie, jetzt neunzehn Jahre alt, hatte schon in Berlin bei Profeffor Stockhausen und in Wien bei Frau Profeffor

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