Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 8 (25.2.1898)
- Date
- 1898-02-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 8 Vr Vloch's Worhrnsttzrift Seite 155 st e i n, der den Gefühlen besonderer Hochachtung des Vereines Ausdruck gab und als kleines Zeichen der Verehrung desselben dem Jubilar einen Ring überreichte, dankte Herr Dr. Lieben mit freundlichen Worten. — Der Verein „Gemiles Chesed" beabsichtigt die Gründung eines eigenen Heims. Trebitsch, 15. Februar. (Spende.) Der hier weilende Wiener Kaufmann, Herr Leopold Schwarz, der sich bereits bei vielfachen Anlässen als Wohlthüter der Armen erwiesen hat, überraschte dieser Tage unsere Gemeinde mit einem ansehnlichen Geschenke in Form einer kostbaren Versenkungsmaschine, wodurch alle jene Unannehmlichkeiten, die sich mitunter bei Begräbnissen ergaben, für die Zukunft behoben sein werden. Anch spendete dieser edle Menschenfreund einen namhaften Betrag zur Erbauung einer Friedhofshalle. Die Bewohner der hiesigen Gemeinde werden die Munificenz des gütigen Spenders stets in dankbarer Erinnerung behalten. Mährisch-Ostrau. Im Sitzungssaale der Cultusgemeinde fand die diesjährige Generalversammlung des israelitischen Frauen- Wohlthätigkeitsvereines für Mährisch-Ostrau und Umgebung unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Lina K r a s n y und in Anwesenheit des Delegirten der Cultusgemeinde Herrn Professor Schwarz statt. Letzterer begrüßte die Versammlung im Namen der Cultusgemeinde und sprach dem Vereine namens derselben die besondere Anerkennung für die rastlose und erfolgreiche Thätigkeit im Dienste der Humanität, um welche sich besonders die Vereinsleitung besondere Verdienste erworben hat, ans. Der von der Schriftführerin Frau Alvine S p i r a erstattete Jahresbericht wies eine neuerliche Steigerung der Thütigkeit des Vereines auf. Die Ausgaben im abgelaufenen Jahre betrugen 1456 fl., welche als Unterstützungen und für Bekleidung armer Schulkinder verwendet wurden; das Vereinsvermögen betrug am Ende dieses Jahres 1558 st. Bei der constituirenden Sitzung wurde der frühere Vorstand per Acclamation wiedergewühlt, und zwar: Frau Lina Krasny als Präsidentin, Frau Anna Wechsberg und Frau Caroline Neu m a im (Radwauitz), als Vicepräsidentinnen, Frau Alvine S p i r a als Schriftführerin und Frau Johanna B e l l a k als Cassierin. Da Frau Caroline N e u m a n n ihre Wiederwahl als Vicepräsidentin ablehnte, wurde an ihrer Stelle Frau Bertha Kafka gewählt, lieber Anregung des Ausschußmitgliedes Frau Carla Roth wurde beschlossen, ein Huldigungstelegramm an Emil Zola im Namen des Vereines abzusenden. — Am 16. d. M. ist in Privos im hohen Alter von 76 Jahren Frau Johanna Fluß, die Mutter des Herrn Jacques Fluß, Directors der Ostraner Miueralölraffinerie Max Böhm & Co., gestorben. Frau Fluß, eine intelligente, äußerst bescheidene Dame und musterhafte Mutter, hinterläßt bei Allen, die sie kannten, ein ehrenvolles Andenken. Die Theilnahme an dem Begräbnisse war eine sehr zahlreiche. Rabbiner Dr. S p i r a hielt eine ergreifende Grabrede. Tarnow. Dieser Tage weilte bei uns der berühmte Talmudist Herr Nathan L e w i n, Rabbiner in Rohatyn, Schwiegersohn des Oberrabbiners Herrn Isaak Schmelkes, der vom hiesigen Cultusvorstande zur Abhaltung der Candidatenrede berufen wurde. Der Empfang des erwähnten Herrn Rabbiners, der am 12. d. M. hier angelangt ist, seitens des Cultuspräsidenten Herrn Josef Maschler und des Cultusvorstandes in corpore war am Bahnhof ein überaus herzlicher. Samstag hielt Herr Rabbiner Lewin in der Synagoge eine Disputationsrede in Talmud und Agade, die von der conservativen Partei beifällig ausgenommen wurde. Sonntag Nachmittag 4 Uhr hielt er die Candidatenrede, in welcher er die Eigenschaften eines Rabbiners, der über den Parteien stehen muß, um den Frieden in der Gemeinde zu erhalten darlegte. Anwesend waren alle Honoratioren der Stadt sammt dem Bezirkshauptmanne Herrn Hofrath von Dunajewski, der Herrn Rabbiner Lewin zu dessen glänzender Rede beglückwünschte. Zum Schlüsse sprach Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Lewin das Gebet für Se. Majestät unseren geliebten Kaiser Franz Josef und das Haus Habsburg. Vom Cultusrathshause waren anwesend: alle Führer der conservativen und fortschrittlichen Gemeindemitglieder, darunter Dr. G o l d h a m m e r, <s ch a n § e v, wie die Familie M a s ch l e r, Bloch rc. und ist die Wahl des Rabbiners Lewin (die Wahl findet am 17. März statt) gesichert. Bei der Abreise des Rabbiners Lewin war er Gegenstand der Auszeichnung, der Cultusrath in corpore war am Bahnhof um vom Rabbiner Lewin Abschied zu nehmen mit den Worten: Auf Wiedersehen! Brüssel, 19. Februar. Der hiesige „Soir" veröffentlicht ein Interview mit dem Cardinal Erzbischof G o o s s en von Mecheln, worin der Cardinal sich vom Papste für ermächtigt erklärte, den Autisemitismus aus das Schärfste zu verurtheilen. Der Erzbischof betonte, jeder gute Katholik müsse die antisemitischen Hetzereien zurückweisen. Hamburg, 16. Februar. Bei den gestrigen Bürgerschafts-Wahlen haben die Antisemiten trotz lebhaftester Anstrengungen nur einen Candidaten, den Porzellan-Arbeiter Raab, der bereits dem Collegium angehörte, durchgebracht. Schwerin, 10. Februar. Der Herzog-Regent hat Herrn Landrabbiner Dr. F e i l ch e n f e l d die Erinnerungs- M e d a i l l e an den Hochseligen Großherzog Friedrich Franz HI. verliehen. Hagen, 12. Februar. Der „Rector aller Deutschen" A h l w a r d t, der gegenwärtig unseren Reichstagswahlkreis, in dem er allen Ernstes zu candidiren gedenkt, heimsucht, erfährt überall kräftige Abfertigung. In Langenfelde machte sich die Versammlung den Scherz und wählte einen anwesenden Juden zum Vorsitzenden, was Herrn Ahlwardt nicht wenig verblüffte, da er seinen Vorsitzenden sich schon mitgebracht hatte. Bar Rochba (Epos). Von Jaroslav Vrchlicky. Uebersetzt von Dr. Joses Zalud. IV. Gesang. Der Auserwählte Gottes. (Ein Zelt am Fuße des Berges Zion. Jin Hintergründe ein Vorhang welcher in der Richtung der weiten Landschaft geöffnet werden kann. Links ein Ruhebett, rechts ein Tisch und Sessel. Auf dem Tische liegen Urkunden und Kriegskarten. O u i n t u s T i n e u s R u f u s sitzt hinter'm Tisch, versenkt in das Studium der Kriegskarte. Titus Annius steht bei dem großen Vorhang im Hintergrund.) Titus Annius: Die Juden haben Boten hergesandt Zur letzten Audienz, bevor erfüllt Soll werden der Befehl des Hadrian. R n f u s : (ohne den Kopf zu erheben von dem Tische.) Was wollen sie nun wieder? Was kann i ch Denn für sie thun? . . . Nach Hause sollen sie Und zwar ganz stille geh'n. Titus Annius: Erhab'ue Greise die Boten sind, und ehrwürdig, Herr, Auf ihrem Antlitz Seher^Sinnen ruht, Und nicht Rebellion. — R u s u s : Ich glaub' es schon, Doch kann ich ihnen nichts zu Liebe thun, Denn stricte lautet der Befehl von Rom, Und jeder Schritt abseits verderbet u n s. Doch — wer ist Führer? Titus Annius: Rabbi Ben Akiba. R u f u s : Ich kenn' ihn wohl! „Wohin nicht Moses könnt', Akiba drang", so lautet das 'Gerücht, Wer ist mit ihm? Titus Annius: Rabbi Theradion, So dieser der Vernunft gebanntes Eis, Ist jener feuersprühendes Gefühl. R u f u s: Ich kenn' sie beid' — sie sind ganz Israel! Der Dritte ist? Titus Annius: Ein unbekannter Mann, Doch götterähnlich ist sein Antlitz, Wuchs, Und soll beredt fein, einem Vulcan gleich. Zur That bereit. — R u f u s : Und heißt?