Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 8 (25.2.1898)
- Date
- 1898-02-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 8 Vr. Bloch'» WochrnschrM Seite 153 schichte der Medicin an der Universität, ist zum Professor ernannt worden. Er ist der Einzige dieses Wissenszweiges, den es in Preußen gibt. Die ordentlichen Professuren für Geschichte der Medicin in Berlin und Breslau sind seit Jahren eingegangen. Pagel wurde als Medicin-Historiker" in weiteren ärztlichen Kreisen zuerst durch seinen Antheil am „Biographischen Lexikon berühmter Aerzte" bekannt. — Herr Dr. Otto K ö b n e r, Sohn des Herrn Professors Dr. H. Köbner, ist zum Hilfsarbeiter im Marine-Mini st erium ernannt worden. 0 London. Einen ungewöhnlich interessanten Verlauf nahm das Monatsmeeting der Anglo Jewish Association am Sonntag den 13. Februar. Der erste Punkt der Tagesordnung war die Antwort der Gesellschaft auf die Einladung, welche an den Chawawe Zion zu der zionistischen Conferenz vom 6. März ergangen war. Das Executiv-Comit« schlug die folgende Resolution vor: „Da die Meinungen über den Zionismus so weit auseinauhergehen, ist es für die Anglo Jewish Association als Körperschaft nicht rathsam, an der Conferenz theilzunehmen." Zur Bertheidigung dieser Resolution führten die Herren L. Philipp Magern, B. Karl Schloß, F. D. Mocatta und der Vorsitzende Claude G. Montefiore aus, daß die Arbeiten der A. I. A. gestört sein würden, wenn sie der Theilnahme am Zionismus verdächtig erscheinen. Sowohl die Beziehungen mit der Alliance würden geschädigt werden, als ganz besonders die Verbindungen mit den fremden Mächten und dem englischen auswärtigen Amt und auf letzterem beruhe gerade die Möglichkeit für die A. I. A. zu Gunsten der auswärts verfolgten Juden thatkräftig einzugreifen. Wenn man daher auch nicht blind gegen die Bedeutung der zionistischen Frage sei, müsse die A. I. A. doch ablehnen, sich officiell mit derselben zu beschäftigen. Obwohl Rev. Gaster, der sephardische Oberrabbiner, und Mr. Seligmann dieser Anschauung entgegentreten, wurde die Resolutton doch mit großer Mehrheit angenommen. Dann folgte ein sehr interessanter Bericht des Executivcomites, über die einzelnen Schulen, aus dem wir erwähnen wollen, daß die Schule in Magnesia von 163 Knaben, darunter 100 Freischüler, besucht ist, in Philippopolis sind unter 418 Knaben, 260 Freischüler, auch in Saloniki ist die Zahl der Schüler gewachsen um 19 Knaben, 38 Mädchen und 29 Kinder im Kindergarten. Das Executivcomits schlägt die folgenden Bewilligungen vor, die einstimmig angenommen werden: für die Schulen in Chio 400 Mark, in Crajowa 400 Mark, Magnesia 400 Mark, Philippopolis 400 Mark, Saloniki 3000 Mark, sowie noch 500 Mark für den englischen Unterricht, endlich zur Anschaffung von englischen Wörterbüchern der Smyrnaer Schule 75 Mark. London. Die United Synagoge hatte im Jahre 1897 einen bedeutenden finanziellen Erfolg. Ihr Gesammteinkommen belief sich auf rund 620.000 Mark, dem Ausgaben in der Höhe von 550.000 Mark gegenüberstehen, so daß circa 70.000 Mark Ueberschuß blieben. In ihren 14 Synagogen werden 3824 männliche Mitglieder gezählt. — Mr. Arnold White hat sich wieder einmal über das von ihm so dringend geforderte Einwanderungsverbot öffentlich hören lassen. Er hat aber jetzt die Hoffnung aufgegeben, vom gegenwärtigen Ministerium dieses Verbot zu erreichen. Unter einem liberalen, wird ihm dies aber noch weniger gelingen und so wird er seine Hoffnung wohl aufgeben müssen. Bei den Ben Zion, sprach Generallieutenant Charles Warren, der bekannte Palästinaforscher, über Ausgrabungen in Jerusalem. Er besprach bei dieser Gelegenheit auch die Fruchtbarkeit des heiligen Landes und constatirte, daß dasselbe, richtig bebaut, leicht mehrere Millionen jüdische Bewohner mit seinen Bodenproducten ernähren könne. Er sprach gleichzeitig seine Ansicht aus, daß der Jude gleichzeitig ein glühender Zionist und ein guter Bürger Englands sein könne. Constantinopel. Während das englische Counts, welches die Wasserleitung in Jerusalem wiederherstellen wollte, sich vor Kurzem aufgelöst hat, ist bereits ein neuer Antrag bei dem hiesigen Ministerium für öffentliche Arbeiten eingegangen, eine Concession für den Wiederaufbau der alten Wasserleitung zu ertheilen. Diesmal sind die Bewerber Zia Pascha, der frühere Bürgermeister von Jerusalem, und ein Herr Lachire. Dieselben wollen einfach ein Geschäft machen und aus den zu zahlenden Gebühren für das von ihnen zu liefernde Wasser Selbstkosten und Gewinn herausschlagen. Vielleicht haben daher diese Bewerber mehr Glück, als die früheren Concessionswerber, welche diese Angelegenheit nicht geschäftlich, sondern philanthropisch betreiben wollten. Vermischtes. Politischer Bolksverein. Die zwei weiteren Vorträge des diesjährigen, von diesem Vereine veranstalteten Vortragscyklus sind für den 28. Februar und den 9. März — jedesmal halb 8 Uhr Abends, im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines I., Eschenbachgasse 9 — bestimmt. An ersterem Abende gelangt zum .Worte der bekannte Schriftsteller Dr. Adolph K o h u t ans Berlin über das Thema: „Friedrich der Große und Kaiser Josef ll. in ihren Beziehungen zum Judenthn m", — ein historischer Essay, der jedoch der actuellen Bezugnahme auf die Verhältnisse der Gegenwart nicht ermangeln wird. Am 9. März spricht einer der hervorragendsten zeitgenössischen Repräsentanten der philosophischen Forschung, Herr Dr. Hermann Cohen, ordentlicher Professor an der deutschen Universität in M a r b u r g, über: „Das I u d e n t h u m als Weltanschauung und dieMessias-Jdee" — ein universeller Stoff, geeignet, das Interesse der weitesten Kreise wachzurufen. Die Eintrittskarten zu diesen Vorträgen, deren erhebliche Kosten der Verein theils aus eigenen Mitteln, mehr aber aus den Beiträgen eines kleinen Kreises von Gönnern und Freunden bestreitet, werden dem Publicum über Anmeldung im Vereinsbureau, I., S ch o t t e n r i n g 23, unentgeltlich verabfolgt oder zugeschickt. Den Schluß des Cyklus wird in der zweiten Hälfte des Monates März ein Vortrag des bekannten Orientreisenden und Arabisten Herrn Dr. Eduard Glaser bilden. Wien. Dr. Adolph Ko Hut gehört zu den beliebtesten und bekanntesten der gegenwärtigen deutschen Schriftsteller. Kohut ist am 10. November 1848 in einer kleinen ungarischen Stadt geboren und beabsichtigte anfänglich sich der Theologie zu widmen; allein die philosophischen, historischen und literaturgeschichtlichen Vorlesungen an der Breslauer und Wiener Universität sprachen ihm bald mehr an als die theologischen; er gab das ursprünglich gewählte Fach auf und widmete sich zunächst der Journalistik. Nach einander gehörte er den Redacttonen der „Breslauer Nachrichten", der „Düsseldorfer Ztg.", der Berliner „Tribüne" und „Berliner Ztg." als Mitglied an, wurde jedoch 1884 auf gewisse Denunciationen hin aus Berlin ausgewiesen und verlegte seinen Wohnsitz nach Dresden. Auf specielle Ordre des F ü r st e n Bismarck wurde er jedoch nach Berlin zurückgerufen und ihm volle Genugthuung geboten. Der Herzog Ern st von Sachsen-Altenburg verlieh ihm die silberne Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft mit der Krone und der Kaiser Franz Josef I. von Oesterreich machte ihn zum Ritter des Franz Josef-Ordens, außerdem ist er auch Inhaber des goldenen Berdienstkreuzes mit der Krone und anderer Auszeichnungen. Er schrieb unter anderem : Am Dünensand der Ostsee, Kaiser Josef der II., sein Wirken als Mensch. Fürst Bismarck als Humorist, Moltke als Denker. Fürst Bismarck in der Literatur, Das Buch berühmter Duelle, Heinrich Heine und die Frauen, Moses Mendelssohn, Jüdische Culturskizzen, Die goldenen Worte der Bibel, Alexander von Humboldt und das Judenthum — kurz er bewährte eine überaus reiche Thätigkeit auf literarhistorischem, kulturgeschichtlichem, feuilletonistischem und selbst musikalischem Gebiete. Dem Bortrage des auch durch vorzügliche Rednerbegabung ausgezeichneten Mannes sehen wir mit gerechtfertigtem Interesse entgegen. Wien. (Jubiläum des Obercantors Goldst e i u.) Die von uns in der vorletzten Nummer signalisirte 40jährige Jubelfeier des Obercantors Josef Gold stein von der Wiener Cultusgemeinde wird nicht, wie gemeldet, am 6. März, sondern am 2. April d. I. stattfinden. Wien. (Auszeichnung.) Die bekannten k. u. k. Hof- Uniformlieferanten Moritz T i l l e r L Co. in Wien, Budapest und Belgrad wurden neuerdings zu ihren vielen bereits innehabenden Hoflieferanten-Diplomen vom König von Rumänien mit dem Titel von königlich rumänischen Hoflieferanten ausgezeichnet. Bei dem jüngsten Industriellen Balle, welcher am 12. d. M. stal tfand, wurde der Verwaltungsrath der Eisen-Blech-Union und Besitzer der Simmeringer Dampfmühle, Herr Alfred Vogel junior, von Sr. Majestät dem Kaiser mit einer Ansprache ausgezeichnet und über die gegenwärttgen Mahlverhältniffe befragt.