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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-25 · 8 (25.2.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 Seite 151 Vr. »Untz's WochrnschrMgreifen und sie mit den Händen an den vor der Synagoge errichteten Galgen aufzuhängen. Die zum Tode erschreckten Genossen trugen nicht nur das letzte Baargeld, sondern auch goldene und silberne Geräthe herbei, um die Summe zu erlegen. Daß nun die Juden die ihnen geraubten und erpreßten Gegenstände von den schwedischen Soldaten um billiges Geld zurückkauften, wie Zubrzycki klagt, das nennt auch Herr Dr. Czolowski eine traurige Rolle! Ist das nicht traurig? —" Diese Erklärung des Herrn Rabbiner verfehlte nicht, auf den Gemeinderath einen tiefen und ernsten Eindruck zu machen. Alle hier erscheinenden Blätter, auch die antisemitischen, veröffentlichten sie in Berichten, so daß Herr Dr. Czolowski sich bemüssigt fand, zu erklären, er besitze für seine Behauptung schwedische und polnische Quellen, die zuverlässiger seien, als die Chronisten Zubrzycki und Chodiniecki. Nur heraus damit, dann werden wir auch jüdische Zeugen vernehmen, deren Herzensqual vernehmlicher sprechen wird, als die verheißenen schwedischen Berichte. Lemberg. (W a h l b e w e g u n g.) Am 14. März findet die Wahl für die hiesige Cultusrepräsentanz statt. Endlich ist auch unsere Gemeinde aus ihrer Lethargie erwacht. Am 16. d. M. hat hier in der „Kwai Jtim-Sqnagoge" eine Wählerversammlung stattgefunden. Dieselbe war von den Herren Julius H o ch f e l d und Dr. Gerson Zipper einberufen, um über die Stellungnahme der conservativen Partei zur bevorstehenden Wahl im dritten Wahlkörper zu berathen. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Alterspräsidenten Herrn Aaron Philipp ergriff Herr Dr. Z i p p e r das Wort und bemängelte das neue Statut, durch welches die conservative Partei, die zumeist aus indirecten Steuerträgern besteht, zurückgesetzt werde. Redner plaidirte für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes und beantragte, das noch bestehende ' Centralcomite zur Revision der Statuten mit dessen Präsidenten Herrn Samuel R o k a ch als Wahlcomits mit dem Rechte der Cooptirung auf hundert Mitglieder zu bestellen. Der Antrag wurde angenommen. Hierauf ergriff der Schriftführer des conservativen Centraleomites, Herr Julius H o ch f e l d, das Wort. Anknüpfend an die Ausführungen des Vorredners, daß die ganze Gemeinde den Frieden wolle, betonte Redner, daß die bekannten „Wahlmacher", die immerfort demonstriren und Zwietracht in der Gemeinde säen wollen, auch jetzt in der Versammlung anwesend seien und daß gegen deren Corruption angekämpft werden müffe. Die conservative Partei müsse sich bei den bevorstehenden Wahlen als die eigentliche Fortschrittspartei erweisen und Mißgunst und Parteihaß aus dem Spiele lassen. Das Programm der neu zu wählenden Cultusräthe müsse analog den vier Minim des Laubhüttenfestes sein und lauten: Menschenfreundlichkeit, religiöse Kraft, Demuth und Bescheidenheit. Redner stellte als Beispiel Herrn Director Lazarus hin, der anläßlich des Kaiserjubiläums 130.000 fl. für ein jüdisches Spital spendete. Demgemäß wäre zu wünschen, daß die künftigen Cultusvorsteher sich folgende Punkte vor Augen halten: 1. Der Religion in der israelitischen Schule mehr Aufmerksamkeit zu schenken. 2. Die Geschichte des Judenthums zu pflegen. 3. Der Erwerbslosigkeit in Galizien entgegenzuarbeiten. 4. Die Armenpflege zu organisiren. 5. Die Wohlthätigkeitsbureaux der Baron Hirsch-Stiftung zu reactiviren. 6. Abwehr des Antisemitismus analog der Wiener Cultusgemeinde. — Die Wahl müsse auf verdienstvolle Männer fallen und alle Corruption beseitigt werden. Die Versammlung verlief bis zum Schluffe ruhig. Als aber die „Wahlmacher" des Centralcomites zu demonstriren begannen, erklärte der Vorsitzende die Versammlung für geschlossen. Krakau. Auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1890, das jetzt in Galizien eingeführt wird, fanden hier vorige Woche die Wahlen in den Cultusvorstand statt, wodurch Krakau die erste größere Gemeinde in Galizien ist, die einen Cultusvorstand auf Grund des neuen Gesetzes hat. Gewählt wurden im I. Wahlkörper die Herren: Gemeinderath und bisheriger Präsident der Cultusgemeinde Dr. Leon Horowitz, Handelskammerrath Max Ehrenpreis, D. Hirsch, H. Kamsler, Dr. Sigmund Klein, Dr. Lustgarten, Dr. Joh. A. Popper, Ignatz Schneid und Dr. Tilles. Aus dem II. Wahlkörper die Herren: Handelskammerrath Jacob Bober, B. Eichhorn, M. Jsenberg, Rachem Jacobsohn, Handelskammerrath und Grmeinderath Hirsch Landau, Abraham Margulies, Mendel Pamm, Handelskammerrath Sal. Rittermann. S. Süsser und Em. Tilles. Aus dem III. Wahlkörper die Herren: I. Anisfeld, L. S. Anisfeld, I. Bandet, I. Bauminger, M. Landau, Elias Rakorer, N. Roßbach, M. L. Ohrenstein, B. Schönberg und S. Wasserberger. Herr Elias Rakorer ist an Jahren das älteste Mitglied des Vorstandes und wird bei der Constituirung die Functionen des Alterspräsidenten versehen, dagegen sitzt Herr Hirsch Landau am längsten, denn ununterbrochen seit 27 Jahren, im Cultusvorstande. Die Constituirung des Vorstandes findet in den allernächsten Tagen statt. Budapest, 10. Februar. Folgender Minist erial- Erlaßin Angelegenheit derPreßburger Jeschi b a h bietet Zeugniß wahrhafter Toleranz und Gerechtigkeitsliebe der ungarischen Regierung: „Infolge der am 13. August 1896 unterbreiteten Vorlage iu Angelegenheit der im Interesse der ungarischen Cultur gelegenen Ergänzung der Organisation der Preßburger Jeschibah bringe ich Ihnen behufs weiterer Amtshandlung Folgendes zur Kenntniß: Die Rabbiner-Ausbildung ist das ausschließliche Recht der israelitischen C o n f e s s i o n, die auf autonomen Wege den Lehrstoff für die Jeschibah festzustellen hat. Es muß aber auch berücksichtigt werden, daß die Jeschibah nicht ausschließlich zur Ausbildung von Rabbinern dient, sondern daß ihre Hauptaufgabe zugleich der Taluiudunterricht ist. Ich finde cs daher nicht angemessen, anzuordnen, daß in der Jeschibah irgend welcher Prosa nerLehrgegen st and unterrichtetwerde — weil ich mich der Erkenntniß dessen nicht verschließen kann, daß die Jeschibah im Allgemeinen und die mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene Preßburger Jeschibah infolge ihres eigenthiimlichen confessionellen Charakters nur zu Vorträgen über rein confessionelle Lehrgegenstände geeignet sind. Nachdem es aber wünschenswerth ist, daß die Rabbiner, welche die Preßburger Jeschibah absolvirt haben, in der ungarischen Sprache und Literatur, sowie in der Geschichte Ungarns bewandert sein mögen, und da ihnen zur Aneignung solcher Kenntnisse auf der Jeschibah keine Gelegenheit geboten ist, ferner weil im Sinne des bestehenden Gesetzes und der Verordnungen Rabbiner nur der sein kann, der ungarischer Staatsbürger ist und außer der an der Jeschibah erworbenen und in dem durch Allerhöchste Entschließung bestätigten Organisationsstatut umschriebenen Qualification noch vier Classen der Mittel- oder Bürgerschule absolvirt bat, erachte ich es für angemessen, ohne die autonomen Rechte der jüdischen Confession verletzen zu wollen, anzuordnen, daß die Zöglinge der Preßburger Jeschibah, die sich der Rabbinerlaufbahn widmen verpflichtet werden, in der von der Preßburger-Eultusgemeiude unterhaltenen Bürgerschule wöchentlich wenigstens zwei Stunden Vorträge über ungarische Sprache und Literatur, sowie über die Geschichte Ungarns zu hören, was der kgl. Schulinspector zu controliren berufen ist." Prestburg. („Unitas".) Den Wunsch, auch außerhalb der Mauern des hierorts tatsächlich bestehenden Ghettos zur Geltung zu gelangen, in entsprechender Weise an dem öffentlichen Leben sich betheiligen zu können, dürfte wohl so manche Generation unserer alten Gemeinde im Stillen schon gehegt haben, aber erst unserem Zeitalter ist es Vorbehalten geblieben, auch in dieser Richtung die lobenswerthe Initiative zu ergreifen und mit mannhaftem Ernste die hiezu nothwendigen Schritte unternehmen zu können. Der alten Thatsache Rechnung tragend, daß vereinte Kräfte stets und rascher ans Ziel führen, sind die hiezu berufenen Elemente der hiesigen Cultusgemeinde mit einander in Fühlung getreten und haben nach reiflicher Erwägung der eben hierorts besonders complicirten localen Verhältnisse und Umstände, die Gründung eines auf breitester Basis befindlichen, also sämmtliche Schichten der hiesigen Judenschaft umfassenden Vereines für zweckmäßig gefunden. Rasch, ohne Aufsehen, ist es gelungen, einen solchen ins Leben zu rufen. „W ahrung der jüdischen Interessen auf sämmtlichen Gebieten des öffentlichen Lebens; Hebung des Gemeinsinnes und Förderung der Geselligkeit" sind die Ziele, die sich dieser Verein gesetzt hat. An der Spitze dieses sich „U n i t a s" nennenden Vereines steht der hier allgemein als tüchtiger Arzt und Menschenfreund hochgeschätzte Dr. Josef L ö w y, während die in industriellen Kreisen eines hohen Ansehens sich erfreuenden Herren Magen und Naß die Agenden der Vicepräsidenten übernommen haben. Ein vorläufig aus 18 Mitgliedern bestehender Ausschuß hat sich der Aufgabe unterzogen, der Bereinsleitung die Arbeit zu erleichtern und dem Vereine Anhänger zu gewinnen. Die imposante Betheiligung an den bisherigen zwei Vortragsabenden spricht dafür, daß die Vereinsleitung es versteht, für ihre Sache die richtige Stimmung zu machen. Schuldirector Berger hielt den ersten Vortrag: eine Biographie der weit über die engeren Grenzen dieser Ge-

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