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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-25 · 8 (25.2.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
8 (25.2.1898)
Date
1898-02-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 8 Seüe 150 Vr. Vwch's MorrrenlchrM verewigten, gehalten von Prof. Antscherl, folgte. Anknüpfend an den Wochenabschnitt entrollte der Vortragende ein Lebensbild desselben. Als junger Handwerker war Gustav Simon aus 'Deutschland nach Wien gekommen und brachte zwei besonders für die Arbeit eingeübte Hände, einen Geist, der für alles Große, Gute und Schöne empfänglich war, eine besondere Willens- und Schaffenskraft und ein gutes, echt jüdisches Herz mit und brachte es zu einem hochangesehenen Fabrikanten . . . Außer seinen Verdiensten um die Hebung dev Wiener Industrie erwarb er sich auch solche als langjähriger Gemeinderath der Stadt Wien, als Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde und des oben genannten Handwerkervereines, überall eine segensreiche Thätigkeit entfaltend. Sein nachahmenswürdiges Vorbild werde der jungen, strebsamen Arbeiterschaft fftets voranleuchten. Auf die anwesenden israelitischen Handwerkszöglinge — der Verein hat jetzt weit über 1000 unter seiner Leitung — machte die Trauerfeier einen besonderen Eindruck. Der Verein ehrte durch diese Feier in besonders würdiger Weise das Andenken eines großen und verdienstvollen Mannes. Wie«. Der 3. Vortragsabend der,,Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" ward Donnerstag den 10. d. M. abgehalten. Zum Worte gelangte das Mitglied des Wiener Cultusvorstandes der renommirte Architekt Herr Max Fleischer. Im geräumigen Festsaale des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereines sprach derselbe über „Wasserversorgung im alten Jerusalem". Die Wand beim Podium war mit Plänen und mit Karten decorirt, an denen der Redner seinen Vortrag veranschaulichte und demonstrirte. Der philosophische Denker und umsichtige Beobachter des Weltgetriebes im biblischen Buche „Koheleth" hält es wohl für unklug, die Vorzeit über die jeweilige Gegenwart zu rühmen. Herr Fleischer zeigte dagegen, daß schon zu Zeiten des Königs Salomons erstaunliche technische Baulichleiten und künstliche Wasserleitungen der nie ruhende Menschengeist zu schaffen vermochte. Obwohl die modernen Errungenschaften und Vortheile, Sprengmittel, wie Pulver, Dynamit und Dampfkraft den Alten völlig unbekannt waren, verstanden es dennoch ingeniöse jüdische Geister, das gebirgige volkreiche Jerusalem, das zur Zeit der Festwallfahrten über zwei Millionen beherbergte, derart mit Wasser zu versorgen, daß dieses unentbehrliche Erhaltungsmittel immer reichlich vorhanden war, den Durst an heißen Tagen zu stillen und die Kloaken auszuspülen, um die Gesundheit nicht zu schädigen. Der Vortrag war ebenso instructiv als interessant und fesselnd. Dem Redner stand ein reiches Material zu Gebote, das er sich durch gründliche, eingehende Studien der Reise- und Fachwerke eigen zu machen wußte. Er wurde auch vom zahlreichen, meist distinguirten Auditorium am Schluffe enthusiastisch acclamirt. Wien, 21. Februar. Die gesetzestreue Judenheit Wiens, fpeciell diejenige, deren Andachtsstätte die „Schissschul" und das Beth Hamidrasch „Thora Ez Chaim" ist, hat verflossene Woche einen großen und herben Verlust erlitten. Durch den unerforschlichen Rathschluß Gottes ist Rabbi Josef Beer K o h n, der eine lange Reihe von Jahren als Vereinsrabbiner im Beth Hamidrah „Thora Ez Chaim" wie auch im Bethausverein „Talmud Thora" segensreich wirkte und als Dajan der Schiffschulgemeinde bei ein und einhalb Decennien fungirte, Donnerstag den 17. d. M. gestorben. Wenn auch der Eintritt dieses Todesfalls nicht unvorbereitet traf, da der Verblichene schon seit Monaten hoffnungslos darnieder lag und vor Wochen aufgegeben war, so wirkte doch die Nachricht erschütternd, nicht nur auf die große Schaar seiner Gemeindemitglieder, sondern auch auf unsere einer anderen Richtung angehörenden Glaubensgenossen. Diese allgemeine Theilnahme kam auch bei der Samstag Abends TU Uhr stattgefundenen Halwajah zum Ausdrucke. Das Trauerhaus in der Herminengasse war von Trauergästen überfüllt. Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Rabbiner Dr. Schmiedl und Breier, der Chacham der türkischen Gemeinde waren erschienen, die Cultusgemeinde durch den Vicepräsidenten Dr. Gustav Kohn, die Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Berger, Arthur Edler v. Mises und Dr. Marcus Spitzer vertreten. Nachdem nun der Schwiegersohn des Verblichenen, Rabbiner Weber aus R6the, und der Schwager, Vereinsrabbiner N. Friedmann in ergreifenden Worten von dem theuren Verblichenen Abschied genommen, wurde der Niftor von den Vorstandsmitgliedern der Schiffschul und des Beth Hamidrasch zum Wagen getragen und der Zug setzte sich in Bewegung. Die finstere Nacht, der steruenlose Himmel, die dunkle Masse der nach Tausenden zählenden Begleiter, die in lautloser, von dumpfem Gemurmel des „Joschew beseser Eljon" kaum unterbrochenen Stille dem Wagen folgte, machte auf jeden Anwesenden tiefen Eindruck. Vor der Schiffschule wurde halt gemacht und der Sarg in den großen Hof des Kunstadt'schen Garten gebracht. Dort hatten schon früher Hunderte von Gemeindemitgliedern Posto gefaßt und herrschte ein lebensgefährliches Gedränge. Herr Rabbiner I. Fürst bestteg die im Hofe errichtete Kanzel und hielt eine, die ganze Versammlung tiefergreifende Trauerrede. Derselbe hob die Bedeutung des Verblichenen als Talmudgelehrter und dessen Gottergebenheit hervor und schloß mit einen warmen Appell an die Gemeinde, der tieftrauernden Witwe und den zwei unmündigen Kindern die kräfttgste Unterstützung angedeihen zu lassen. Nachdem noch der zweite Dajon der Schiffjchulgemeinde, Vereinsrabbiner Rabbi Josef Baumgarten, seinen tiefen Schmerz über den Verlust Ausdruck verliehen, wurde der Sarg gehoben und unter Begleitung von Tausenden von Glaubensgenossen bis zur Stefaniebrücke geleitet, von wo dann derselbe per Wagen über die Landstraße nach Mattersdorf, dem Geburtsorte des Verblichenen, zur Bestattung überführt wurde. Zum Begräbnisse hatten sich Hunderte von Mitgliedern des Beth Hamidrasch, der Schiffschul und des Talmud Thora-Vereines Sonntag Früh hinbegeben, wo unter großen Ehren die Bestattung erfolgte. Am dortigen Beth Olem hielten Trauerreden Rabbiner B. Ehrenfeld aus Mattersdorf, Oberrabbiner Friedmann ans Deutsch- Kreuz und Herr Kohn aus Baden bei Wien. Besonders ergreifend wirkte der Hesped des Rabbiner Friedmann aus Deutsch-Kreuz. Wir schließen mit dem Wunsche, daß der Allgütige - der trauernden Familie Trost spenden möge. H. L—r. Lemberg, im Februar. In unserem Gemeinderathe gab es neulich eine nicht auf dem Gebiete städtischer Angelegenheit liegende Discussion. Der städtische Archivar Dr. Czolowski erstattete Bericht über seine auf Kosten der Stadt unternommene Reise nach Schweden, um die dort befindlichen Alterthümer polnischen Ursprunges zu besichtigen. Bei der Besprechung der Ursachen seiner ziemlich mageren Ausbeute gab er verschiedene Gründe für den Untergang jener Alterthümer an, unter Anderem sagte er, daß auch „unsere Juden bei der Einnahme Lembergs durch die Schweden eine traurige Rolle spielten". Der Gemeinderath, Rabbiner Dr. Caro protestirte sofort gegen diesen Vorwurf durch den Zwischenruf: „ohne historische Begründung ".'In der folgenden Sitzung des Gemeinderathes aber ergriff Herr Rabbiner Dr. Caro vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu folgender Erklärung: „In seinem Berichte über die Reise nach Schweden hat der Archivar Herr Czolowski von einer traurigen Rolle gesprochen, die unsere Juden bei der Einnahme Lembergs durch die Schweden (1704) gespielt hatten. Nicht nur als Jude und als Rabbiner, sondern auch als Verfasser einer Geschichte der Juden Lembergs kann ich jene Behauptung nicht unwidersprochen lassen. Die einzige historische Quelle, auf die sich der Herr Archivar stützen kann, ist die Chronik Lembergs von Zubrzycki. Dieser Autor beklagt sich bitter über die Juden, daß sie von den Schweden für billiges Geld die in der Stadt erbeuteten Kostbarkeiten zurückgekauft hätten. Ein anderer Chronist Chadinicki behauptet, es haben die Juden im entscheidenden Augenblick ihr Schicksal von dem der Stadt getrennt. Bon den Leiden der Juden in diesen Tagen nach jüdischen Quellen mag hier nicht die Rede sein, aber dieselben Chronisten berichten Folgendes: Durch Vermittlung des Stanislaus Lerzczynski kam ein Vergleich zu Stande, nach welchem die Stadt ein Lösegeld von 132.000 harten Thalern zu zahlen hatte. Zu dieser Summe trugen bei die Kirchen und Klöster 33.680, die Christen aller drei Bekenntnisse 54.320, die Juden hingegen, deren Häuser in der vorhergehenden Nacht völlig niedergebrannt waren, die ungeheure Summe von 40.000 harten Thalern, fast ein Drittel der Gesammtsumme. (Panietnik twowski tom 3, p. 179.) Der den Juden gewiß nicht günstige Kapuziner Chodinecki berichtet, daß die Juden sich bei der Belagerung tapfer betheiligt haben und daß ein Jude in dem Augenblick getödtet wurde, als er auf der Bastei ein Geschütz gegen die Schweden richtete. Ferner sagt er'wörtlich (Chod, p. 257: „Der geldgierige General Stenbock erschreckte die Juden derart, daß sie nach Einnahme der Stadt, außer der ihnen auferlegten Conttibution, noch zur Zahlung von 20.000 harten Thalern sich verpflichteten. Mit unersättlicher Gier drückte er auf die Juden, und als diese den unermeßlichen Schaden schilderten, den sie durch den gestrigen Brand ihrer Häuser erlitten hatten, befahl er, einige der Vorsteher zu er-

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