Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 8 (25.2.1898)
- Date
- 1898-02-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 148 Vr. Bloch » »ochrnschrlfl Nr 8 Unter dem Titel „Orientalische Eindrücke" schildert unser Landsmann Samuel Leopold eine Palästinareise. Interessant ist auch das Streiflicht, das Ignaz Peitzn.er, der Mitarbeiter des „Neuen Pester Journal", auf die Theilnahme der ungarischen Juden an dem Freiheitskriege vor fünfzig Jahren wirst, indem er eine lange Reihe jüdischer Emigranten vorführt,^die theils mit dem Schwerte, theils mit der Feder fürs Vaterland >. gekämpft hatten. Ueber die ebenfalls im Jahre 1848 aufgetauchten radicalen Reformbewegungen im ungarischen Judenthum berichtet Rabbiner Dr. Bela Bernstein (Steinamanger), welcher schon so manchen werthvollen Beitrag zur Geschichte der neueren jüdischen Culturbewegungen lieferte. Mit einer schönen Ghettogeschichte bereichert das Jahrbuch unsere bekannte Schriftstellerin Frau Irene Gerö-Cserholmi. Rabbiner Dr. Leopold Kecskemeti (Großwardein) theilt eine Religionsstudie über die göttliche Heiligkeit im Buche Jesaias mit; Professor Dr. Bernhard Heller, absolvirter Hörer des Landes- Rabbinerseminars, über die Gestatt der polnisch-jüdischen Esther in der ungarischen Ltteratur; Rabbiner Dr. Max P o l l a k (Oedenburg) in einem ethisch-philosophischen Essay unter dem .Titel „Ueber den Werth des Lebens" die altjüdische Lebensanschauung. Auch die zwischen die letzterwähnten Abhandlungen wie Entrefilets zwischen schwere Gänge eingestreuten ltterarischen Leckerbissen in Gestalt von formvollendeten Md stimmungsvollen Gedichten fesseln das Interesse des Lesers Md führen uns in den Verfassern — mit Ausnahme des Rabbiners Dr. Arnold Klein (Veszprim), den wir schon Ms den früheren Jahrgängen als gemüthsttefen magyarischen Pajeton keMen — eine ganz neue Garde ungarisch-jüdischer Dichter vor; namentttch Alexander Feleki mit dem Gedichte: „Im Pester allen Judenfriedhof", Professor Heinrich L e n k e i mit der schönen poettschen Bearbeitung einer Agada: „Moses' Maske" und Professor Carl Sebestyen mit einer liturgischen Nachdichtung des »Uneszane Tokef.« Es muß den Redacteuren des Jahrbuches als besonderes Verdienst angerechnet werden, diese jungen Kräfte in die Reihe der geistigen Vorbilder nnseres JMg-Jsraels eingeführt zu haben und so das Interesse für die ideale Verschmelzung des jüdischen Geistes mit den nattonalen Gefühlen in immer weitere Kreise Mseres Judenthums zu verpflanzen. B u d a P e st, 1. Februar. Bernhard Mandl. Iudendeutfche Volkslieder aus Russland. I» Nr. 4 unserer Wochenschrift (Seite 70) bespricht Herr Dr. Max Grünfeld in anregender Weise nach Otto S ch e l l's „Bergischen Sagen" die Juden in der niederrheinischen Volksüberlieferung und erwähnt hiebei, daß dieses Buch eine Frucht der folkloristischen Forschungen sei, die in der von Dr. Friedrich S. Krauß herausgegebenen Zeitschrift „Urquell" *) gepflegt werden. Wir ergänzen diese Mittheilung mit dem Bemerken, daß Schell's Sammlung, die 927 Sagen enthüll, von Dr. Krauß auch bevorwortet ist und daß seine Zeitschrift speciell für die Förderung der Kenntniß jüdischer Sitten, Gebräuche und Bolksüberlieferungen aller Art ständig sehr wichtige und schätzenswerthe Beiträge beibringt. Besonderen Werth legen wir darauf, weil im „Urquell" das jüdische Volksthum neben und mtt den Ueberlieferungen anderer Völker mit gleicher wissenschaftlicher Sachlichkeit und Unbefangenheit zur Geltung gelangt und in einer Form dargeboten wird, die das Verständniß der Texte auch allen Jenen erschließt, die der judendeutschen Mundarten unkundig sirä. In dieser Zeitschrift ist die schimpfliche Bezeichnung eines Jargons für judendeutsche Mundart als unwissenschaftlich verpönt. Vor uns liegt das I. Heft des ll. Bandes der neuen Folge, das auf 50 Seiten neben einer Menge höchst eigenthümlicher und merkwürdiger Beiträge über chinesische Folklore (von Prof. G. S ch l e g e I), Guslarenlieder (von Krauß), holländischer (von I. C o r n e l i s s e n), czechischer, ruthenischer und deutscher Beiträge in vielen Mundarten auch ungemein fesselnde Arbeiten auf dem Gebiete jüdischen Volksthums enthält; so von Dr. Emil Friedländer in Sküle einen Aufsatz über Volksmedicin der Juden in den Karpathen, I. Robinsohn, ein Wiegenlied aus Ostgalizien, wiederkehrende Geister (von Dr. Friedländer) und sechs judendeutsche Volkslieder aus Rußland, die *) Der „Urquell", eine Monatsschrift für Volkskunde. Verlag von E. I. B r i l l in Leiden, Oude Rije 39a. Niederlande. Preis gMzjährig 2 fl. 50 kr. der bestens bekannte hebräische Schriftsteller L. P e r e z (in Warschau) aus dem Bolksmunde ausgezeichnet und erläutert hat. Diese Lieder sind lyrischen Inhaltes und ihrem Tone und ihrer Form nach echt deutsche Geisteserzeugnisse, die getrost den schönsten und anmuthigsten Stücken in E r k - B ö h m e's „Deutschen Liederhort" angereiht zu werden verdienen. Man ersieht aus diesen Beispielen deutlich, daß die jüdischen Flüchtlinge, die im XUI. bis XV. Jahrhundert aus Deutschland nach Polen ausgewandert waren, jenes Fühlen, Empfinden und Denken besessen und auf ihre Nachkommen vererbt haben,, das man so häufig mit Emphase als Kerndeutsch, - als den Ausdruck unverfälschter deutscher Gemüthsttefe zu bezeichnen pflegt. Wir reproduciren mit Erlaubniß des „Urquell"-Redacteurs diese Lieder und knüpfen daran den Wunsch, unsere Leser mögen derartigen Schöpfungen jüdischen, oder jüdisch-deutschen Volksgeistes eine größere Aufmerksamkeit zuwenden, als dies bisher in unseren Kreisen üblich war. Iudendeutfche Volkslieder aus Rutzland. Mittheilungen von L. Perez. Sie unterlag.... I. Oj, oj, oj man') liebes Kind Vün2) man Reich') willst dü wissen; Ich hob gehat a tajentt) Wangarten8) Ich fleg") ihn thun verschließen. II. Er Hot sich gur nischt ungefregt, Er is in ihm arangekimmen?); . Dus schönste Peire'le') Vün'm schönsten Zwagele Hot er ba'mir2) zügenimmen. Abschied. I. As") ich bin a") klein Kind gewen'2) Hob ich mich vün alle ausgelacht. Und hant") wus is var inane") Ojgen") Was der liebe Gott Hot vün nur gemacht! II. Auf dem Bimmelei), .thüt dus Blättele blühen, Jedes Zwagele") get") san") Frucht araus! Himmel ün Erd hot gewußt vün üns Sekreten") Uen Ijartt21) muß men") sich züscheiden, loßt sich Alles aus III. Och, wie kän dus der lieber Gott züseh'n, Wi mir") beide wellen2*) sich zescheiden! As man Harz zieht zü dir, wi a25) Magnes K'n'ein") Wort, kän ich zü dir nit reiden! IV. Men soll ausgein2') alle Gassen Wet") men") kein so traje30) Liebe nischt gefiiteit3') Ich soll wissen man ganz Leben zü verpassen32) Uen dich müß ich Huben in Sinnen! Die Enttäuschte. I.' Bin ich mir a Kaie") — Ach wi wojl3*) is mir! Freien sich mit mir alle, Die Freid is nor bei mir! II. Schikt mir der Chussen38) a 23ritoe’Ie86) — Zü kuschen3') sane Wörter! Ch'wollt noch nischt gewollt schwören. Dus soll san man Bescherter! UI. Schickt mir der Chussen Matunes38) — Ach wi wojl is mir! Es fteien sich mit mir alle, Di Freid is nor bei mir! IV. Führt men mich zu der Chüpe33), Führt men mich z'rück, — Steh'n Wabelech ün Meidelech Uen^wünschen mir Glück. V. Zü nwrgens in der Früh Is di Simche") in Ganzen; Der Chussen sitzt ba'm Tisch, Di Kale geht sich tanzen! *