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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-18 · 7 (18.2.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 132 Vr. runV» Wvchrnptzrtst Nr. 7 3. Es ist nicht wahr, daß der Bürgerverein unter meiner Führung in seiner jüngsten Vollversammlung mit fliegenden Fahnen und dröhnendem Heilo in das Lager des deutschnationalen Antisemitismus übergegangen ist. Hochachtungsvoll Hans Feller, k. u. k. Hofbuchhändler, Herausgeber des „Carlsbader Tagblatt". Karlsbad, den 13. Februar. Die Gemeinderathswahlen endigten mit dem vollständigen Sieg der Antisemiten, wobei die Deutschnationalen ein mit dem Fortschrittlichen geschlossenes Compromiß in „echt deutscher Treue" gebrochen haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Ergebniß der gestrigen Wah l als ein für dieisraelitischeBevölkerungCarlsbads sehr ungünstiges aufgefaßt werden muß, und mit Rücksicht auf die vielen Tausende Badegäste, welche von Aerzten israelitischer Co nfes sion und von Gegnern der antisemitischen Bewegung hieher empfohlen werden, kann es für den Eurort nicht als ganz belanglos a u gesehen w erden, d aß die Majorität der wahlberechtigten Wähler sich als Anhänger einer national-arischen Strömung erklärt habe. Pilsen. Vor einigen Tagen wurde der hiesige arische Handelsmann Josef E r n d t wegen Verdachtes der betrügerischen Crida verhaftet. Zu diesem Herrn, von dem es allgemein bekannt war, daß er keine Gelegenheit Vorbeigehen ließ, um wie ein Rohrspatz aus die Juden zu schimpfen, haben sich die jüdischen Verkäufer förmlich die Füße abgelaufen, um ihm die Waaren ohne Bedenken auf den Hals werfen zu können, wohingegen dieselben Herren, wenn es sich um einen noch so geringen Credit handelt, sehr vorsichtig zu Werke gehen und alle Informations-Bureaus der Welt in Bewegung setzen. Die Gläubiger dieses famosen Erndt beklagen zusammen den Verlust von ca. 25.000 fl. Rokitzan, 14. Februar. Einige Verehrer Zola's haben an denselben folgendes Telegramm gesandt: „Dem unerschrockenen Kämpfer für Wahrheit, Recht und Humanität unsere tiefste Verehrung und Hochachtung." — Der hiesige czechische volkswirthschastliche Verein hielt unlängst eine Versammlung ab, in welcher ein Redner zur stricken Einhaltung des „svnj k svemu“ („Kauft nur bei Christen!") aufforderte und den Wunsch aussprach, die Juden mögen nur recht bald in ihr gelobtes Land ziehen. — Der gegenwärtig hier in Böhmen herrschenden nationalen Strömung ist auch die hier seit 1862 bestehende und mit dem Oeffentlichkeitsrechte ausgestattete israelitische Volksschule zum Opfer gefallen, indem selbe mit Schluß des laufenden Schuljahres aufgelöst wird. Ob die Juden Böhmens für ihr Entgegenkommen den erhofften Dank ernten werden, ist nach den gemachten traurigen Erfahrungen der jüngsten Zeit sehr fraglich. Beritas. Czernowitz. (Der blamirte Antisem.) Wer je daran gezweifelt hat, daß wir Antisemiten in Czernowitz haben, dem wird es jetzt zur Gewißheit werden. Denn wie man den Vogel an seinem Schnabel, den Esel an seinen Ohren, das Schwein an seinem Rüssel erkennt, so erkennt man den Antisemiten an seiner unfteiwilligen Vorliebe für's Zuchthaus, au seinem besonderen Triebe zum Verbrechen, seinem Hange zu allerlei Schandthaten. An seiner Blamage könnt ihr den Antisemitismus erkennen. Es wird nicht lange dauern, so wird ein liebliches Schreiben der k. k. Staatsanwaltschaft in allen Gauen Oesterreichs und über dessen Grenze hinaus einen Mann verfolgen, deffeu Personsbeschreibung ganz auffallend auf das vieljährige Haupt der hiesigen Antisemitenliga paßt. Herr G e l ec z y n s k i — wer kennt nicht den wackern Mann! — h a t aus der bürgerlichen Vorschüße asse einen größeren Betrag defraudirt und ist, nachdem er sein ganzes bewegliches und unbewegliches Vermögen versilbert hat, durchgebrannt. Warum sollten die Czernowitzer Antisemiten nicht auch ihren Mittermayer, Vergani haben? Der Eine ist ein Dieb, der Andere ein Betrüger, der Dritte ein Defraudant. Wenn er wenigstens einen Juden bestohlen oder betrogen hätte! Aber die eigene antisemitische Vorschußcasse! Ist das nicht unerhört? Mittermayer hat nur einen armen Kellner bestohlen, Vergani nur die Casse einer kleinen Gemeinde. Schneider hat nur fremde Stampiglien gefälscht, aber im eigenen Fleische zu wühlen — Herr Andreas G e l e c z y n s k i, das ist von Ihnen nicht schön und edel gewesen! D'rum.weine Antisem, Geleczynski ist gefallen! Wer wird jetzt die Kleinen lehren, Juden fressen und die Taschen leeren? Durch Andreas Geleczynski wurden geschädigt: Die bürgerliche Vereins-Vorschußcaffe mn. 20.800 fl., Schneidermeister Zalodek um 3100 fl., Mefferschmied Ferdinand Richter um 3000 fl., Jnstitutsinhaberin Gertrude Berger um 1000 fl., Steinmetz Kundl um 700 fl. und der Diener der bürgerlichen Vorschußcasse, Sadowski, um 250 fl., zusammen 28.850 fl. Sämmtliche Gläubiger sind Antisemiten. Berlin, 8. Februar. (Auflös ungdesBankhauses Jacob Landau.) Das Bankhaus Jacob Landau, eines der vornehmsten und größten Berlins, löst sich aus. Die Clientel wird zu der von ihm vor 19 Jahren gegründeten Nationalbank für Deutschland übergeführt, die ihr Actiencapital von 45 auf 60 Millionen Mark erhöht. Das Bankhaus Jacob Landau, von dem Geheimen Commercienrath Jacob Landau vor mehr als 50 Jahren begründet und später von den Söhnen Commercienrath Hugo Landau und Generalconsul Eugen Landau geleitet, war der Bankier zahlreicher Corporationen und Communen, seit 25 Jahren auch der Stadt Berlin. Sein hauptsächliches Thätigkeitsgebiet suchte und fand es in richtiger und rechtzeitiger Erkenntniß der wirtschaftlichen Entwicklung im Anschluß an die Industrie, namentlich die der Elektrotechnik, die heute den Mittelpunkt der größten industriellen Thätigkeit bildet. Aber auch Eisenbahn-, Bank- und industrielle Gesellschaften hat die Firma Jacob Landau geschaffen und zur Blüthe gebracht. Die genannten Chefs des Hauses haben die Ehre des Platzes und die Standesehre jederzeit namentlich durch das Beispiel ihres Verhaltens gewahrt. Commercienrath Hugo Landau ist Mitglied des Aeltestencollegiums und der Zulassungsstelle, Generalconsul Eugen Landau Vorsitzender des Vereines für die Interessen der Fondsbörse und, was uns hier besonders angeht, Vorsitzender oder Mitglied zahlreicher Wohlthätigkeitsanstalten, z. B. des Auerbach'schen Waisenhauses, des Comitas für die auswandernden russischen Juden u. s. w. Den Wohlthätigkeitssinn haben die Söhne vom Vater geerbt. Berlin, 7. Februar. (Zur zionistischen Beweg u n g.) Von Herrn Dr. Bernhard Cohn, zweitem Vorsitzenden der „Berliner Zionistischen Vereinigung", geht der „Jüdischen Presse" mit Rücksicht auf die auch von uns reproducirte Warnung nachstehende Zuschrift zu: „In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes befindet sich eine Notiz, nach welcher von „hiesigen Zionisten" ein Flugblatt, gegen den „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" verbreitet wird. Um Mißverständnissen vorzubeugen, gestatte ich mir, da der erste Vorsitzende der „Berliner Zionistischen Vereinigung" zur Zeit in Berlin nicht anwesend ist, hierüber folgende klarstellende Bemerkungen: 1. Als wahr gebe ich zu, -daß der Vorstand unserer Vereinigung, die Herausgabe eines Flugblattes gegen den Centralverein beabsichtigt, um die Angriffe des letzteren gegen den Zionismus, welche er sich ohne jede Provocation von unserer Seite erlaubt hat, zurückzuweisen. Wir halten uns hiezu nicht nur für berechtigt, sondern auch für verpflichtet. 2. Das $ it r Versendung gelangte Flugblatt stellt einen Entwurf dar, welcher die Sanction des Vorstandes nicht erhalten hat. 3. Das übrigens nur in einer beschränken Anzahl von Exemplaren und ohne unser Wissen zur Versendung gelangte Flugblatt ist also als eine E rklärung der „Berliner Zionistischen Vereinigung" nicht anzusehen, sondern stellt weiter nichts als die Privatäußeruug eines Einzelnen dar, für welche der Vorstand die Verantwortlichkeit ablehnen muß." Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung sendet der „Oesterreichischeu Wochenschrift" gegenüber der vorwöchentlicheu telegraphischen Meldung über eine blutige Schlägerei in einer Zionisten-Bersammlung eine Richtigstellung, dahin lautend: „Weder in dem Saale, noch vor oder im Hause hat irgend eine Schlägerei stattgefunden. Vielmehr wurde die Versammlung von der Polizei aufgelöst, weil sich bei Freunden und Gegnern des Zionismus die Entrüstung in lauten Zurufen geltend machte über die Aeußerung des Apothekers Löwenstein — der selbst die Polizei in die Versammlung bestellt hatte — daß „Pastor Faber von den Zionisten „bestellt" sei, um gegen Juden zu reden." Es ist ferner unwahr, daß Pastor Faber Judenmissionär sei. Dem gegenüber constatiren wir, daß die Meldung von der blutigen Schlägerei telegraphisch den meisten Wiener Journalen zugemittelt worden. Bezeichnend für den Werth dieser Berichtigung aber ist die Tbatsache, daß gewagt wird, öffentlich die Behauptung aufzustellen, Pastor Faber sei kein Judenmissionär. Wir kennen den Herrn seit vielen Jahren, und zwar sehr genau. Die Berliner „Allgemeine Israelitische Wochenschrift" meldet über diese Versammlung: . Gestern Abend fand im Königstädtischen Casino eine recht zahlreich besuchte Zionistenversammlung statt, die sich bis nach Mitter-

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