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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-18 · 7 (18.2.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
7 (18.2.1898)
Date
1898-02-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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'Jtx. 7 Kr. »Loch » Wochenschrift Sette 131 nut bedeutenden Beiträgen, dem Vereine beigestellt hat, obgleich sich unter den Kostgängern kein einziger aus Mislitz befindet. Der Verein verfügt Dank der Munificenz verschiedener Wohlthäter über ein Stammvermögen von 7750 fl., welches statutengemäß nur mit dem Zinsenertrage ausgenntzt werden darf. Die Zahl der Mitglieder hat das erste Tausend bereits überstiegen, deren Beiträge rund 7800 fl. ausmachen. Außerdem sind an verschiedenen Spenden circa 1200 fl. eingegangen. Die Kostgänger erhalten eine gesunde und nahrhafte Kost und derjenige, der die Räume des Freitischvereines während der Mittagszeit besichtigt, gewinnt die Ueberzeugung, daß auf den Mienen aller Bespeisten der Ausdruck der Zufriedenheit nicht nur für das Empfangene, sondern auch für die Art und Weise der Darreichung klar und deutlich ausgeprägt ist. Für das zweite Vereinsjahr wurden sämmtliche ausgeloste Vorstandsmitglieder wiedergewählt. Prag. (Ein Philanthro p.) Bor wenigen Tagen feierte ein Mann in voller geistiger und physischer Rüstigkeit seinen siebzigsten Geburtstag im engsten Familienkreise, der es wohl verdient, Worte des Lobes und der Anerkennung für sein in seiner Art einziges Wirken auf humanitärem Gebiete zu erhalten. Friedrich Freu n d, der lange Jahre in der Nähe von Prag als einer der angesehensten Kaufleute ansässig war, hatte vor 23 Jahren das Unglück, seinen hoffnungsvollsten Sohn Dr. August Freund, etite Zierde der Prager Universität, durch den Tod zu verlieren. Dr. August Freund, ein Studien-College des Fürsten W i n d i s ch g r ä tz und des Grafen Eberhard zu Erbach, welche ihm in inniger Freundschaft zugethan waren, war auch ein hervorragender Musiker und Organist. Diese seine Kunst hatte er in den Dienst der Humanität gestellt, indenl er zu Gunsten des von ihm und einigen Collegen gegründeten Vereines zur Unterstützung mittelloser, jüdischer Universitätshörer in Prag Concerte veranstaltete, welche von der besten Gesellschaft Prag besucht wurden und dem Verein reiche Erträge brachten. Mit allen Fasern seines edlen Herzens hing Dr. Freund an dieser seiner Schöpfung und ließ sich keine Gelegenheit entgehen, dem Fonde des Vereines neue Einnahmsquellen zu finden. Dem Allem setzte der unerbittliche Tod ein jähes Ende.-Gramgebeugt und untröstlich sahen die Eltern ihr bestes hoffnungsvollstes Kind, die Geschwister ihren theuren Liebling, die ganze jüdische Studentenschaft Prags ihren Freund und Wohlthäter dahinscheiden. Als Dr. August Freund sein Ende herannahen fühlte, legte er die Zukunft seines Vereines dem Vater noch recht ans Herz und bat ihn, für den Verein zu thun, was in seinen Kräften stehe; und mit rührender Pietät hat Friedrich Freund die Bitte seines sterbenden Sohnes erfüllt. Die edle Mutter Dr. August Freund's legte ihren ganzen reichen Schmuck ab,,verkaufte denselben und übergab den Erlös dem Fonde des Unterstützungsvereines. Friedrich Freund aber, welcher nach Wien übersiedelte und hier als Privatier lebt, machte es sich zu seiner Lebensaufgabe, für den Verein, dem Vermächtnisse seines Sohnes, Beiträge zu sammeln. 2000 Gulden hat Friedrich Freund im abgelaufenen Jahre gesammelt, trotzdem ihn seine Söhne inständig baten, sich doch endlich Ruhe zu gönnen; der Vereinsausschuß jedoch wird nicht müde, sein ältestes Ehrenmitglied zu beschwören, dem Verein seine unersetzliche Kraft und Hilfe nicht zu entziehen; und so sammelt der alte wackere Mann, weiter, unverdrossen und unermüdlich. Vor Kurzem suchte er auch einen Mann in seiner Wohnung auf, der die oberste Ehrenstelle der angesehensten Handels-Corporation einnimmt, um ihn um einen Beitrag für die jüdisch-deutschen Studenten in Prag zu bitten; doch dieser wies ihn sehr kurz mit der Erwiderung ab: „Ich bin kein Jude"! „Wenn Sie auch kein Jude mehr sind, so sind Sie doch ein Dentschböhme, tragen Sie als solcher Ihr Schärflein bei". „Der bin ich auch nicht mehr", gab der Gewaltige trotzig zur Antwort und entließ Freund. Aber Freund gibt nicht die Hoffnung auf, auch im Herzen dieses Mannes das scheinbar erloschene Fünkchen jüdischen Bewußtseins und deutsch-böhmischer Erinnerungen nochmals anzusachen und es wird ihm hoffentlich bei passender Gelegenheit gelingen, ihn gleich dem reuigen Zöllner oder Mauthner im Tempel des Herrn demüthig an die Brust schlagen zu sehen. Zu seinem siebzigsten Geburtsfeste erhielt Friedrich Freund Glückwünsche von Nah und Fern, insbesondere der Verein, den er seinen ganzen Lebensabend widmete, ehrte ihn in überaus herzlicher Weise durch Ueberreichung eines prächtigen Ehrenbechers. Krakau. Der hiesige Literaturverein „Sfas Emes". der vor circa sechs Jahren durch den thatkräftigen Redacteur des „Hamagid" in's Leben gerufen wurde, entfaltet seit einigen Monaten eine mustergiltige Thätigkeit. Außer wissenschaftlichen Borträgen, die jeden Sonntag von berufenen Gelehrten gehalten werden, wurden verschiedene unentgeltliche Lehrcurse in hebräischer Sprache und Literatur eröffnet, an denen etwa 200 Erwachsene theilnehmen. Diese Lehrcurse, deren Entstehen der besonderen Sorgfalt des rührigen Rabbinatscandidaten Dr. I. G ü n z i g zu verdanken ist, sind ein wahrer Segen für unsere Gemeinde. Es ist nämlich kaum glaublich, wie sehr die Kenntniß der heiligen Sprache und des jüdischen Wissens in unserer altehrwürdigen Stadt, die einst große jüdische Gelehrte hervorbrachte, für überflüssig gehalten wird oder zumindest ein längst außer Mode gesetzter Luxus geworden ist. Von sämmtlichen Volksschulen ist der Unterricht in der hebräischen Sprache unbegreiflicher Weise s i st i r t worden, indem man auf die homöopathische Dosis des Religionsunterrichtes sich beschränkt. Der Verein „Sfas Emes" ist daher bedeutungsvoll für unsere Gemeinde, und ihre wackeren Leiter, an deren Spitze Herr Rabbiner Dr. S. Lauda u steht, verdienen ungetheiltes Lob. Am 6. d. M. hielt in diesem Vereine der Gründer desselben, Herr Redacteur S. Fuchs, einen Bortrag über „Die Bedeutung der hebräischen Umgangssprache". Redner sprach aus dem freiesten Stegreif hebräisch mehr als eine Stunde. Auch die anderen Redner, die Herren Dr. G ü n z i g und S. M. L a z a r, sprachen ausschließlich hebräisch. Die Vorstandswahlen der hiesigen Cultusgemeinde finden künftigen Montag statt. N. B. Kolin. Es wurde nicht Einem der Arrangeure des von mir gemeldeten Steinbombardements, sämmtlich Schüler des großen Seifensiedermeisters, ein Haar gekrümmt, alle wurden sie wegen Mangel au Beweis freigesprochen!! Ein solches Glück hat nicht Jeder! Da sitzt im Conventikel ein kleiner Nero, um ihn herum seine Jünger, aufhorchend auf das Wort des „Meisters"; wie denn anders, als Vertrauensmann des Abgeordneten B a x a, sozusagen sein hiesiger Repräsentant, Besitzer der „L. P.", eines der perfidesten Localblättchen in Böhmen, wirkt jeder seiner A n- und Vorschläge wie elektrisch — bei promptester Ausführung. Ad vocem »electric.« Da hat vorige Woche die hiesige Lesko zidovskä beseda zu Gunsten armer Studirender eine Akademie im Saale der Schloßrestauration arrangirt; das Comitä war nicht wenig überrascht, als ihm einige Tage vorher sowohl vom Schloßherrn, als auch vom Pächter Briefe vorgelegt wurden, in welchen Beiden mit Demolirung der Locale gedroht wird, wenn sie den Juden den Saal zur Verfügung stellen. Die Arrangeure der Unterhaltung hielten eine kurze Berathung und kamen zu dem Beschlüsse, der Drohung kein Gewicht beizulegen und die Akademie abzuhalten. Der Abend verlief auch ohne Störung und dennoch war die Drohung keine leere, denn nur einem glücklichen Zufalle ist es vielleicht zu danken, daß an jenem Abend eine folgenschwere Panik vereitelt wurde; das in unmittelbarer Nähe der Schloßrestauration gelegene Dampfbrauhaus versorgt sowohl die Restaurationslocälitäten, als auch den Garten mit elektrischem Licht, und nur der Umstand, daß die Leitung für die Saallocalitäten separat von Dach zu Dach gelegt ist, hat vielleicht ein großes Unglück verhütet, denn am nächsten Morgen fand man die Leitung für den Garten durchschnitten. Zweifellos war das Bubenstück auf ein plötzliches Finstermachen angelegt; was daraus bei einer solch' großen Ansammlung von Menschen, zumeist Frauen und Mädchen, passiren konnte, das kümmert die B e st i e n nicht. Sie werden wohl denken, die Polizei könnte doch die Urheber ausforschen? Ja gewiß, wenn — sie wollte. Heinrich Polacek. Carlsbad, 8. Februar. Herrn Dr. Josef S. Bloch, Wien! In der von Ihnen herausgegebenen „Dr. Bloch's Oesterreichische Wochenschrift", 1898, Nr. 4, finde ich soeben auf Seite 73 unter dem Schlagworte „Carlsbad" eine Correspondenz aus Carlsbad, bezüglich welcher ich unter Bezugnahme auf § 19 des Paßgesetzes folgende „Berichtigung" in der nächsten Nummer Ihres Blattes zu bringen ersuche: 1. Es ist nicht wahr, daß durch Veröffentlichung eines Telegrammes aus Eger in der Extra-Ausgabe meines „Carlsbader Tagblatt" vom 29. November 1897 das Fenstereinschlagen bei Juden indireet, aber deswegen nicht minder nachdrücklich empfohlen wurde. 2. Es ist nicht wahr, daß ich mich aus Geschäftsrücksichten gegen den Borwurf der antisemitischen Gesinnung verwahrte.

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