Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 7 (18.2.1898)
- Date
- 1898-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Vr. BUntz's MortzenkchrM Nr. 7 Seite 130 jüdischen Bewohner dieser Stadt, eine ungewöhnte Höhe erreicht. Trotzdem und weil wir nach den Vorkommnissen der letzten Zeit eine objective Beurtheilung unserer Thätigkeit von Seiteder dermaligen Gemeindeverwaltung nicht erwarten können, wie sich beispielsweise vor Kurzem zeigte, als armen Schulkindern nur üm ihres jüdischen Glaubens willen die erbetene Schulgeldbefreiung verweigert wurde, hat der Vereinsausschuß in seiner Sitzung vom 8. Februar d. I. beschlossen, das unter dem 8. Jänner 1896 gestellte Ansuchen zurückzuziehen und Sie, hochgeehrter Herr Bürgermeister, zu bitten, von der weiteren Erledigung desselben absehen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung . Für den Verein „Frauenhort" : Rosa Feigenbaum rn. p. Rosa Ziff er er m. p. Schriftführerin. Präsidentin. Wien. (Geehrter Herr Redacteur!) Infolge einiger von einer mit R. F. Unterzeichneten Einsenderin in Ihrem geschätzten Blatte gemachten Bemerkungen, die Armen-Anstalt der israelitischen Cultusgemeinde betreffend, erlaube ich mir höflich um die Ausnahme der folgenden Berichtigung zu bitten. Vor einigen Wochen tadelte es die genannte Einsenderin, daß sowohl von der Armen-Anstalt der israelitischen Cultusgemeinde, als auch von anderen Wohlthätigkeitsvereinen diejenigen Petenten abgewiesen würden, welche nur nach mosaischem Ritus, nicht aber dem staatlichen Gesetze entsprechend getraut sind. Der Vorstand der Armen-Anstalt erklärte darauf, daß dies niemals bei der Armen-Anstalt der Fall gewesen wäre. Trotzdem wiederholte die nicht mit vollem Namen unterschriebene Einsenderin ihre Behauptung mit der Bemerkung: »daß derartige Vorkommnisse möglicherweise dem schlecht angebrachten Uebereifer von Beamten, die einen allzugroßen Andrang von Petenten abwehren wollen, zuzuschreiben sind." Damit kann nur meine Person gemeint sein, da ich als Secretär der Armen-Anstalt den Verkehr mit den Parteien zu vermitteln habe. Ich erkläre darauf mit allem Nachdruck, daß diese hier erwähnte Bemerkung absolut unrichtig ist. Ich habe niemals einem Armen gesagt, daß ihm aus dem angeführten Grunde eine Unterstützung von Seiten der Armen- Anstalt verweigert würde. Der Widerspruch zwischen den thatsächlichen Verhältnissen und der Behauptung der Einsenderin dürste in der einfachen Erklärung zu finden sein, daß der oder die Arme mit richtigem Blick die gutmüthige Leichtgläubigkeit ausgenützt, um eine größere Unterstützung zu erlangen und darum vorgegeben hat, daß ihm alle anderen Hilfsquellen verschloffen seien. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung Isidor P o l l a k, Secretär der israel. Armen-Anstalt. Wie«. (Interessanter Damenabend.) Vor einem überaus distinguirten und zahlreichen Auditorium hielt der Verein zur Hebung der Gewerbe am 5. d. M. zur Ehrung jener Frauen, welche sich für seine gewerblichen Bestrebungen besondere Verdienste erwarben, einen Dame n- Abend ab, in welchem die Präsidentin des Wiener Haussrauenvereines Frau Ottilie B o n d y einen Vortrag „über Wohlfahrtseinrichtungen" hielt. Wer kennt nicht diese rastlose und energische Vorkämpferin für erweiterte Frauenbildung und Frauenrechte! In feffelnder Weise erzählte die Vortragende von ihren großen Reisen, die sie in den letzten Jahren nach Deutschland, Frankreich und Amerika unternommen und was sie hier auf dem Gebiete der Wohlfahrtseinrichtungeu gesehen und kennen gelernt hat. Ganz besonders hob sie hervor eine Einrichtung des Vereines „Bolkswohl" in Dresden, der sich zur Aufgabe stellt, dem Volke Vergnügungsabende zu schaffen, wobei Speisen und Getränke verabreicht, Borträge abgehalteu werden re. Ferner die Halbferien- Colonien in Berlin, die jedem Kinde zugänglich sind, dessen Eltern nicht in der Lage sind, ihm einen kurzen'Landaufenthalt zu bieten. Auch die Anhaltung der Kinder zur Blumenpflege, wie sie in Hannover besteht, die K o chu n d Haushaltungsschulen der Großherzogin von Baden, die Wohlsahrtseinrichtuugen der Miß Adams in Chicago rc. Unter rauschendem Beifalle schloß die Vortragende mtt dem Wunsche, daß die anwesenden Vertreterinnen der Frauenvereine alle ihre Kräfte einsetzen mögen, unsere Wohlfahrtseinrichtungen auf dem Frauengebiew zu vervollkommnen und zu bereichern. (Die Rednerin wird allseitig beglückwünscht.) Nun folgte ein zweiter, in ebenso geistvoller Weise gehaltener und überaus feffelnder Vortrag der Schriftführerin des „Ferienheim" Frau Antonie Graf „über die Aufgaben der Zeit". Dieser Vortrag wird gelegentlich ausführlich besprochen werden. (Allgemeiner Beifall. Die Rednerin wird allseitig beglückwünscht.) Und nun entspann sich eine überaus lebhafte und interessante Debatte unter den anwesenden Vertreterinnen der Frauenvereine. Es muß zum Lobe der Frauen hervorgehoben werden, daß sie ihre Ansichten mit einem Feuer und einer Ueberzeugung aussprachen und dabei eine bewunderungswürdige Redekunst entwickelten, wie sie leider heutzutage in Versammlungen spärlich zu finden sind. Die Anschauung über die Anwendung der Mittel für die Erhaltung und Vermehrung der humanen Wohlfahrtseinrichtungen war sehr verschieden. An diesen Debatten beteiligten sich die Frauen: Dr. Sofie Grünfeld, kaiserlicher Rath Dr. Bertha K o h n, Amalia Beck, Marie K o h n und Ernestine W e r t h e i m, ferner die Herren: Professor Richard Singer, Dr. I. S. Bloch und Prediger D. L ö w y. Allgemeine Begeisterung rief es hervor, als der Präsident Herr B r o d die Anregung gab, in dieser feierlichen Stunde ein Huldigungstelegramm an die edle Philanthropin Baronin Hirsch nach Paris abzusenden. Erhöht wurde noch die Begeisterung als die Antwortdepesche der Frau Baronin öffentlich zur Verlesung gelangte. Vertreten war: Der Frauen-Wohlthätigkeitsverein f ü r Hausarme durch Frau Adele von Mises, das Ferienheim durch die Frauen: Präsidentin Dr. Sofie Grünfeld, Regine Heit und Adele Friedmann; der Frauen-Wohlthätigkeitsverein des II. Bezirkes durch die Präsidentin kaiserlicher Rath Dr. Bertha Kohn und sämmtliche Vorstandsdamen; der Frauen-Wohlthätigkeitsverein der Brigittenau durch die Frauen: Marie Kohn, Louise Gallia, u. s. w; der Frauen-Wohlthätigkeitsverein des IV. unb V. Bezirkes durch die Frau Eugenie Walther; der Frauen- Wohlthätigkeitsverein des VI. und VII. Bezirkes durch die Frau Präsidentin Cäcilie Eisenberger; der Frauen-Wohlthätigkeitsverein des Ml. Bezirkes durch die Frau Präsidentin Amalia Beck und dem gesammten Vorstande; der Frauen-Wohltätigkeitsverein des IX. Bezirkes durch die Frau Dr.Philippine Gelbhaus (Präsidentin Frau Rosa Zifferer entschuldigt). Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Vorsteher: v o n Mises und Dr. Grünfeld, die Herren Ortsschulräthe: S. Heit, und K a u d e r s, kaiserlicher Rath Dr. Kohn, Professor Richard Singer, Kammerrath E i s e n b e r g e r, die Herren Prediger: Dr. G el b h aus, Dr. T a g li ch t und Dr. L ö w y, Bezirksausschuß W a l d st e i n, Dr. Bloch, Dr. Brenner u. A. m. Mit dem Wunsche, das angestrebte G e w e r b e h e i m zu erreichen, in welchem große und bequeme Räume zur Abhaltung so imposanter Versammlungen vorhanden sein werden, schloß der Präsident nach Mitternacht die interessante Versammlung, die uns allen unvergeßlich bleiben wird. Brün«. Vor kaum Jahresfrist faßten einige beherzte Männer unter der Aegide des Bnai Brith-Vereines „Moravia" den Plan, einen „Israelitischen Freitischverein in Brünn" ins Leben zu rufen. Der von denselben erlassene Aufruf kam seinerzeit auch in der „Oesterreichischen Wochenschrift" zum Abdruck, und es dürfte an der Zeit sein, an dieser Stelle auch über die bisher erzielten günstigen Resultate und die erfreuliche Entwicklung des wohlthätigen Werkes Bericht zu erstatten. Die im Folgenden angeführten Daten sind theils dem gedruckt vorliegenden Mitglieder- und Spenden-Berzeichniffe, theils auch dem bei der unlängst stattgefundenen Generalversammlung des Vereines von dem Schriftführer, Herrn S. Frankl, mündlich erstatteten Rechenschaftsbericht entnommen. Nicht weniger als 111 Knaben und Jünglinge, Studierende mit einem geringen Percentsatz von Lehrlingen, erhalten täglich ein nahrhaftes Mittagmahl. Die Wohlthat wird zumeist auswärttgen Studierenden zu Theil, denn nur 9 Zöglinge sind Brünner Kinder, die anderen Kostgänger sind alle von auswärts, und zwar 95 aus Mähren, außerhalb Brünn, und 6 aus anderen Ländern. Die Erwartung ist daher auch berechtigt, daß dem Freitischverein von nun an aus den mährischen Gemeinden reichlichere Beiträge zufließen werden, als es bisher geschehen ist. Der Verein hat Kostgänger, welche Empfehlungen aus ihrer Heimatsgemeinde mitbrachten, während aus letzteren dem Vereine bis jetzt noch kein rother Heller an Unterstützung zugeflossen ist. Andere Gemeinden haben es rasch erkannt, daß der Brünner Verein eigentlich dem ganzen Lande seine Thätigkeit zugute kommen läßt, und es verdient hervorgehoben zu werden, daß von den mährischen Landgemeinden Mislitz die größte Anzahl von Mitgliedern, und darunter welche