Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 7 (18.2.1898)
- Date
- 1898-02-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 12 V erschienenen Artikel die Berechtigung des gemachten Vorwurfs an und erklärt bestimmt, in einer eventuellen zweiten Auflage seines Werkes den Passus bezüglich der Blutbeschuldigung in folgender Weise zu formuliren: (zu deutsch) „Für den rituellen Mord ist weder in der Mischnah, noch in der Gemarah auch nur eine unbestimmte oder dunkle Angabe zu finden." A b r. G u t t m a n n. Was das ungarische Judenthum in den letzten Wochen bewegt hat. Der ungarisch-israelitische Landesfond — der bekanntlich schon eine Stiftung von 150.000 Kronen zur Ausbildung von Honvedofficieren gemacht und Se. Majestät geruhten auch, daß die Stiftung den Namen des obersten Kriegsherrn führen darf — hat nun beschlossen, vorläufig in den drei Comitaten: Marmaros, Bereg nud Ung, confessionelle Volksschulen mit ungarischer Unterrichtssprache zu errichten und die daselbst schon bestehenden zu subventioniren. Es werden jedoch auch nichtjüdische Kinder ausgenommen werden, welchen auch jede den israelitischen Kindern gewährte Begünstigung zutheil werden soll. Wem da der erschreckend klägliche Zustand der Volksbildung unter den Glaubensgenossen dieser Gegend bekannt ist, kann nicht genug Worte des Lobes für diesen weisen und praktischen Entschluß ° des von der Elite der ungarischen Judenheit verwalteten Landesfond finden. Leitet doch in selbstloser, hingebender Weise die Geldgebahrung dieses bisher schon beinahe zur Höhe von einer Million Gulden gediehenen Fonds der populäre, von Jud und Christ hochgeachtete und verehrte Director der Ungarischen allgemeinen Creditbank, Herr Sigmund Kornfeld, diese Zierde des ungarischen Judenthums, in eigener Person. Nach den dem Schreiber dieser Zeilen zur Verfiigung stehenden statistischen Daten befinden sich in diesen drei Comitaten nicht mehr als vier öffentliche israelitische Volksschulen für über 15.000 schulpflichtige israelitische Kinder. Es manifestirt sich der Geist der Versöhnung und Brüderlichkeit, von welchem gegenwärtig die leitenden fortschrittlichen Kreise des ungarischen Judenthums den orthodoxen Brüdern gegenüber erfüllt sind, auch in der weisen Bestimmung, daß der Religionsunterricht in den zu errichtenden Schulen der Aufsicht der betreffenden Ortsrabbinen überlassen wird. Galgücz. A b r. G u t t m a n n. Jüdische Arbeiter. Pierre Mille schildert in der »Revue des Deux Mondes« eine Reise durch Thessalien und erwähnt auch die Juden in der Stadt Salonicki, die mit jedem Jahre mehr den Charakter einer rein jüdischen Stadt annehme. „Längst befassen sich die Juden nicht mehr ausschließlich mit dem Betriebe des Handels und des Geldgeschäftes. Sie haben Handwerker und Taglöhner, Fischer und in der Umgegend der Stadt sogar Bauern, welche das Land bebauen. Diese körperliche Thätigkeit hat die alte Kraft der Race bewahrt, nnd man sieht am Hafen häufig Lastträger mit den Muskeln von Athleten, mit gewaltigem Nacken und kräftigem Rücken, aber auch mit den Schläfenlocken, die für jene Juden so charakteristisch sind. Man wird durch diese Figuren der assyrischen Steinbilder erinnert. Es gibt übrigens hier keinen Gegensatz zwischen der jüdischen Bevölkerung und dem jüdischen Gouvernement, und während die Serben, Griechen und Bulgaren davon träumen, daß Salonicki eines Tages ihnen gehören werde, unterwerfen sich die Israeliten willig dem türkischen Joch. Und diese Unterwerfung ist so ernsthaft gemeint, daß sie den türkischen Krieg gegen Griechenland wie ein nationales Werk aufgefaßt, auf ihre Befreiung vom Militärdienst freiwillig verzichtet und eine ganze Anzahl von Freiwilligen zu der Armee Edhem Pascha's gesandt haben." Vom Reichthum der Juden. Aus B j e l o st o k in Rußland wird dem „Vorwärts" gemeldet, daß der Ausstand der jüdischen Cigarettenarbeiterinnen mit einem Siege der Arbeiterinnen geendet hat. Sie erhalten nun 20 Kopeken für das Tausend Cigaretten anstatt 14'/,. Die Schneider-, Schuhmacher- und Tischlermeister verlangten von den Arbeitern, daß sie 11'/- Stunden statt 10'/- Stunden arbeiten. Die Arbeiter beantworteten dieses Ansinnen mit einem allgemeinen Strike, der zwei Wochen dauerte und von einem allgemeinen Erfolge gekrönt wurde. Die Weberei-Fabrikanten wollten ebenfalls ihren Arbeitern die Löhne herabsetzen, allein die Weber, die gewöhnlich im Winter eine Lohnherabsetzung ohne Murren hinnehmen, haben diesmal starken Widerstand geleistet. In einer im Walde abgehaltenen Versammlung beschlossen sie, an ihren Forderungen festzuhalten. Die Polizei versuchte die Versammelten zu zerstreuen, nahm aber keine Verhaftungen vor. Nach der Versammlung zogen 600 Arbeiter unter Absingen der Arbeiter- Marseillaise in jüdischer Sprache durch die Hauptstraßen der Stadt. Das abgebifsene Ohr des Juden. Aus München berichtet die „Neue Freie Presse": Großes Aufsehen erregt hierein erst jetzt bekannt gewordener Vorfall, der sich in einem bekannten Cafe-Restaurant Heck am Hofgarten ereignete. An einem Künstlerkneiptisch, an dem auch der Maler Königsb e r g e r, Sohn eines hiesigen jüdischen Großhändlers, saß, erging sich der Bildhauer B e y r e r jun. längere Zeit in antisemitischen Aeußerungen. Als er das Local verließ, folgte ihm Königsberger, stellte ihn zur Rede und ohrfeigte ihü. Darauf packte ihn Beyrer und biß ihm das rechte Ohr ab. Heftig blutend kehrte Königsberger in das Local zurück, wo nach etwa einer halben Stunde Aerzte ihm den auf dem Boden aufgefundenen Ohrsckheil annähten. Correspondenzen. Wien. (Gegen den Mißbrauch der Immunität.) Der Verein „Oestereichisch-Jsraelitische Union" hat in seiner am 12. d. M. abgehaltenen Plenar-Versammlung auf Antrag des Herrn Bezirksausschusses Dr. Oscar Hein einstimmig folgende Resolution beschlossen: „In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 26. Jänner d. I. riet der Abgeordnete Schneider nach dem stenographischen Protokolle wörtlich aus: „Wir führen ein Schußgeld für die Juden ein?" „Die heutige Plenarversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" protestirt gegen diesen Mißbrauch der parlamentarischen Immunität zum Zwecke verbrechischer Aufreizung zu offener Gewaltthätigkeit und spricht ihre schärfste Mißbilligung darüber aus, daß es der Vorsitzende, Herr Landmarschall Baron G u d e n u s, gegenüber dieser gröblichen Verletzung der parlamentarischen Sitten unterlaßen hat, dem Zwischenrufer, entsprechend seiner gesetzlichen Obliegenheit und der speciellen Norm des § 37 der Geschäftsordnung des niederösterreichischen Landtages pflichtgemäß die gebührende Zurechtweisung zu ertheilen. Wien. (Ausweis eingegangenerSpenden zum Baue eines Tempels in der Brigitte na u.) Herr Dr. Mittler 5 fl.; Herr Gerson Böhm 5 fl.; Herr O. R. Weil 10 fl.; Herr Dr. Jacob Holitscher 5 fl.; Herr Heinrich Rapapyrt 50 fl.; Herr Alois Bezchleba 50 fl.; Herr Hermann Kohn 3 fl.; Herr Theodor Roubitschek 15 fl.; Herr Rudolf und Kupfer 50 fl.; Herr Josef Münster 1 fl.; Herr S. Steiner 10 fl.; Herr Ferdinand Spiegel 10 fl.; Herr N. Glaser 2 fl.; Herr Eduard Blau 1 fl.; Herr S. Brod 5 fl; Herr M. Fink 1 fl.; Herr N. Mützl 1 fl.; Herr N. Löw 1 fl.; Herr Jacob Kohn B. 5 fl.; Herr H- Werner 2 fl.; Herr Max Weiß 10 fl.; Herr Moses Gewürz 4 fl.; Herr Julius Seidner 5 fl.; Herr Leopold Weiß 5 fl.; Herr Professor A. Weiß 3 fl.; Herr Em. Markstein 2 fl.; zusammen 261 fl.; bereits ausgewieseu 14.432 fl.: im Ganzen 14.693 fl. Wien. Der Verein „Frauenhort" in Wien,!X.,Müllnergaffe 21, hat an den Bürgermeister Dr. Lueger nachstehendes Schreiben gerichtet: Euer Hochwohlgeboren! Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Der Verein „Frauenhort" hat unter dem 8. Jänner des Jahres 1896 an den zu jener Zeit fungirenden landesfürstlichen Commiffär das Ersuchen um Subvention aus Gemeindemitteln gerichtet, ohne daß dasselbe bisher zur Erledigung gekommen wäre. Die Vereinsleitung ist daher von der Annahme ausgegangen, daß das Gesuch bei Uebertragung der Geschäfte an die autonome Gemeindeverwaltung in Verstoß gerathen oder einer Erledigung nicht zugeführt wurde. Zu unserer nicht geringen Verwunderung wird uns jedoch die Mittheilung, daß die Beschlußfassung über dieses nunmehr antiquitirte Gesuch auf der Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen des Gemeinberathes steht. Der Andrang der Armen unseres, wie nicht minder der allgrenzenden Bezirke und ihre Hilferufe an unseren Verein haben sich seit dieser Zeit noch wesentlich vermehrt und hat die Noth, insbesondere der armen