Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 7 (18.2.1898)
- Date
- 1898-02-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021231--07574-3031909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 128 9& Bloch » Wochenschrift Nr 7 Nr. 312. Lueger, mit Dornenkrone. Nr. 318. Wiener Straßenscene. Strobach und der Einspänner. Der Bicebürgermeister ist dargestellt, wie er in leutseliger Weise einem Comfortablekutscher das Unrichtige seiner Weltanschauung darlegt. Er schlägt eben den Pelz zurück, daß die goldene Kette sichtbar wird und spricht in gewohnter Sanftheit die ewig denkwürdigen Worte: „Meinen Namen sollt Ihr me erfahren, forschet nicht darnach, es wäre vergebens, ich bm der Bicebürgermeister Strobach!" Nr. 487. T h i e r st ü ck. Prinz Liechtenstein, den Zahnstocher im Munde, reitet die hohe Schule auf einem goldenen Luchsen. Das Vieh — der Luchs — benimmt sich vollständig parlamentarisch und streckt die Zunge heraus. Nr. 769. Stilleben. Gregorig beim Wimberger. Querbild. Der Herr Pfaidler trinkt eben Sodawasser zur Erhaltung seiner Gesundheit. Im Makart'schen Style. Leidenschaftlich, farbenglühend, von starker Sinnlichkeit durchwehtes Gemälde. Feigenbaum aus dem Atelier Fossati. Im Hintergründe Jro, wie er gerade sein Ehrenwort gibt. Nr. 842. Jagdstück. Der Abgeordnete Schneider auf der Judenjagd. Im Vordergründe, von anderen Hunden umgeben, die Hauptfigur im Lodencostüm, aber nicht grün, sondern roth ausgeschlagen, was sehr pikanten und hübschen Farbeneffect macht; sie stützt sich auf die Flinte und blickt vergnügt auf die Hirsche und Beeren und Wölfe, die er zur Strecke gebracht hat. Links der Baron Gudenus, ihm freundlich zunickend; rechts eilt ein Laudtagsbeamter herbei, der dem wackeren Waidmann sein wohlverdientes Judenschußgeld überreichen wird. Waidmannsheil! , Nr. 987. Die fröhlichen Lehrer. Eine heitere Genresceue. Die gemaßregelten Lehrer, in hübscher Gruppirung, haben für einen Augenblick aufgehört am Hungertuch zu nagen und bringen ein begeistertes „Hoch Lueger!" aus. Sehr freundliches Blldchen. Nr. 878. Im Hochgebirg. Langhin sich dehnende Bergzüge, für den ersten Blick aber nur. Näher betrachtet sind es die aufgeworfenen Erdhügel von der Gasrohrlegung in Wien. Staffage: Allerlei kleine Geschäftsleute, welche die Hände ringen. . Nr. 766. Historiengemälde. Lueger „Geschichten" machend. Er ist soeben aus der Hofburg gekommen und hält von der Rampe des Parlaments herab eine großartige Rede an die begeisterte Bevölkerung, die in den Ruf: „Hoch der liebe Doctor Lueger!" begeistert ausbricht. Nr. 2345. Schneider in seinem Studirzimmer, von Stampiglien und Schächtmeffern umgeben. Er liest gerade den Talmud. Megorische Darstellung des Wiener Gasanlehens. Nr. 8795. Triptychon. Linker Flügel: Rechnitzer auf den Knien, Sanct Lueger bittend, mit gefalteten, hoch erhobenen Händen, doch seine Bank auch eine Kleinigkeit verdienen zu lasten. — Rechter Flügel: Dr. Siemens mit langer Nase abzichend, vor zugeschlagenen Thüren. — Mittelflügel: Apotheose! Lueger auf Wolken thronend, in antiker Gewandung. Rechts ein Rudel alte Abwasch- und Closetweiber, die ihn anbeten. Links Weihrauchfäffer schwingende Mameluken, darunter auch Director Gloffy, eine Rolle — sein Gutachten in der Bilderpreis-Frage — in Händen. Das wären so einige kleine Vorschläge für aufstrebende junge Künfüer, die damit sicherlich aus einen Preis rechnen könnten und auf den Ankauf ihrer Gemälde für das Museum der Stadt Wien. Also nur frisch sich darangemacht! In dieser neuen Art von Kunst kommt es vielmehr auf das Was als auf das Wie au. Früher war das umgekehrt, aber das gilt nicht mehr anno Lueger! Johann Jacob Wendehals. Beiträge zur antisemitischen Sittlichkeit. Der derzettige Herausgeber des berüchtigten antisemitischen Hetzblattes niedrigster Ordnung „Kikeriki", der sich mit Vorliebe zum höhnischen Sittenrichter über seine andersgläubigen Nebenmenschen aufspielt, Oberlieutenant Fritz Gabriel Jlger, stand am 12. Februar vor dem Einzelrichter des Bezirksgerichtes Bruck an der Leicha, Adjuncteu Dr. Pick, von seiner eigenen Gattin Anna Jlger, einer Tochter des verstorbenen O. F. Berg, angeklagt des Ehebruches und der Uebertretung gegen die eheliche Treue. Die Klage vertrat Dr. Otto Frischauer, die Verteidigung führte der Substitut des Dr. P a t t a i, Dr. Stärket, Beide aus Wien. Gleich die Eröffnung der Verhandlung brachte eiue Ueberraschung. Zum erstenmale seit Bestand unserer Staatsgrundgesetze hatte ein österreichisches Gericht über ein Ansuchen um Ablehung eines Richters wegen seiner Confessio n zu entscheiden. Der Verhandlungsrichter gab nämlich bekannt, daß ein solches Gesuch um Ablehnung des Richters Dr. Pick vom Abgeordneten Dr. P a t t a i eingelaufen sei. Das Gesuch wurde damit begründet, daß Fritz Gabriel I l g e r, der Herausgeber des „K i k e r i k i", ein „p r o n o n c i r t e r A n t i s e m i t", der Richter aber mosaischer Confession sei. Der Bezirksrichter als Gerichtsvorstand, so theilte der Richter weiters mit, hat dieses in letzter Stunde überreichte Ablehnungsgesuch abweisl i ch beschicken, mit der Begründung, daß dieConfession des Richters selbst im vorliegenden Falle durchaus keinen Ablehnungsgr.und bilden könne, zumal dies zuConsequenzen führen würde, die weder mit den S t u a t s g r u n d g e s e tz e n, noch mit dem Richtereide in Einklang zu bringen wären. Es wurde hierauf die Anklage vorgetragen, laut welcher Fritz Gabriel Jlger in einer Nacht, entweder den 14. oder 21. November v. I. gegen Mitternacht in Begleitung einer jungen Dame Namens Bertha H. v. B. in Bruck ankam und bis zum Nachmittage des folgende!: Tages im Zimmer Nr. 1 des Hotels „Zum grünen Baum" verblieb. Er habe dort die Eintragung ins Fremdenbuck verweigert, sei aber von den Hotelbediensteten, die als Zeugen namhaft gemacht werden, sowohl nach seiner Uniform als Officier des 66. Linien-Jnfanterie- Regiments, als auch nach der sonstigen Personsbeschreibung, ferner auch nach der Photographie mit vollster Bestimmtheit agnoscirt worden. — Die Dame seiner Gesellschaft konnte bisher nicht eruirt werden, weshalb Dr. Otto Frischauer die Anklage-Wider sie zurückzog, sich jedoch vorbehielt, sie als Zeugin zu führen. Der Angeklagte erklärte unter Lächeln, er sei weder am 14. noch am 21. November in Bruck gewesen. Beftagt, ob er in einer anderen Nacht im Hotel „Zum grünen Baum" übernachtete, erklärt I l g e r, k e i n e A u s k u n f t geben z u wollen. Die Hotelbesitzerin, der Zählkellner, das Stubenmädchen bestätigten, daß Herr Jlger mit einer Dame im Hotel gewesen sei. Frau Jlger, in Begleitung eines kleineren Herrn, erschien bald nachher im Hotel und stellten Recherchen an. Jlger beschuldigt hierauf seine Gattin des mehrfachen Ehebruches und behauptet, daß sie ein Berhältniß mit jenem Herrn habe, der in Bruck ihr Begleiter war. Dieser Herr sei es, der seine Frau zu allen Schritten wider ihn veranlasse und der auch schon seine Gattin geprügelt habe. Dr. Frischauer beantragt schließlich die Requisition des am kritischen Tage von der Dame „Bertha" in Bruck aufgegebenen Telegramms, um mit Rücksicht auf den Ein wand der Verjährung hiedurch das Datum der strafbaren T h a t zu eruiren. Zu diesem Zweck, sowie zur Vorladung einer Reihe von beiden Seiten namhaft gemachten Zeugen wurde die Verhandlung vertagt. Man darf auf den Ausgang dieser, die antisemitischen Sittlichkeitsanschauungen grell beleuchtenden Vorgänge gespannt sein! Das Bekenntnis eines katholischen Theologieprofesfors. Leopold Huber, katholischer Priester und Profeffor der Theologie in der Bischofsstadt Kalocsa, hat mit bewundernswerther Sachkenntniß und gründlicher Gelehrsamkeit ein Werk über den Talmud verfaßt. Wenn auch die katholische Tendenz vorwaltet — was ja von einem katholischen Priester nicht zu verwundern ist — muß dennoch anerkannt werden, daß der hochwürdige Herr Verfasser in gewissem Maße gegenüber dem giganttschen geistigen Inhalte des jüdischen Nationalschatzes sich objectiv und gerecht verhält. „Eine wirkliche Sünde wäre es", sagt das verbreitetste jüdischconfeffionelle Blatt »Egyenlös6g«, „das Huber'sche Werk dem Rohling'schen Machwerke an die Seite zu stellen." Nur einen schweren Vorwurf erhebt der gelehrte Redacteur des genannten Blattes gegen den katholischen Priester. Er habe nämlich nicht mit genügender Deutlichkeit und Entschiedenheit erklärt, wornach im ganzen talmudischen Riesenwerke nicht die mindeste Handhabe für die boshafte Blutbeschuldigung der Judenhasser geboten ist, wie es der ernsten Wissenschaft ansteht. Nun erkennt der gelehrte Verfasser in einem in der letzten Nummer des »Egyenlös6g«