Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 7 (18.2.1898)
- Date
- 1898-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 Vr. BU»V» MochrnfttzrM Seite 127 werden. Ich verstehe sehr gut die Worte des Psalmisten: Herr Gott, gib mir mein täglich Brot, daß ich Deinen Namen nicht lästere". Dieselbe Sentenz spricht aus den Worten, die er zu Anfang des Jahres 1824 an seinen Freund schrieb: „Ich wollte, ich könnte mich eine einzige Stunde mit Dir unterhalten über das, was ich, meist durch die eigene Lage angeregt, über Israel gedacht, und Du würdest sehen, wie — die Eselzucht auf dem Steinweg gedeiht, und wie Heine immer Heine sein wird und muß". Charakteristisch ist auch in folgender Stelle die Thatsache, daß je näher der Zeitpunkt der Taufe rückt, desto lebhafter in ihm das Interesse für das Judenthum, für den „Geist der jüdischen Geschichte" wird: „Außerdem treibe ich viel Chronikenstudium und ganz besonders viel histona judaica. Letztere wegen Berührung mit dem Rabbi (von Vacharach) und vielleicht auch wegen inneren Bedürfnisses. Ganz eigene Gefühle bewegen mich, wenn ich jene traurigen Qualen durchblättere, eine Fülle der Belehrung und des Schmerzes. Der Gei st der jüdischen Geschichte offenbart sich mirimmer mehr und mehr und diese geistige Richtung wird mir gewiß in der Folge sehr zu statten kommen." — „Ueber die Frankfurter Juden war mir der Schudt sehr nützlich, ich habe beide Quartbände ganz durchgelesen und weiß nicht, ob ich mich geärgert über das Rischeß, das über jedes Blatt ausgegossen, oder ob ich mich mehr amüsirt habe über die Rindviehhaftigkeit, womit das Rischeß vorgebracht wird. O wie haben wir Deutsche uns vervollkommnet". Auf den bereits erwähnten Berliner Verein, dem Eduard Gans, der sich noch vor Heine taufen ließ, Leop. Zunz und Moritz (Markus) Mo'er angehörten, beziehen sich folgende im October 1824 an Letzteren aus Göttingen, woselbst Heine studirte, gerichtete Zeilen: „Hat der Verein schon Karten herumgeschickt pour prendre cong6? Oder wird er sich halten? Wird Gott stark sein in den Schwachen, in Auerbach und Consorten? Wird ein Messias gewählt werden? Da Gans sich taufen lassen will, so wird er es wohl nicht werden können, und die Wahl eines Messias hält schwer. Die Wahl des Esels* *) wäre schon weit leichter". Nach bestandenem Examen und vor Ueberreichung des Doctordiploms findet in aller Sttlle die Taufe statt. Der vom December 1825. von Hamburg aus datirte Brief enthält folgende Stellen: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Cohn versichert mich, Gans predige das Christenthum und suche die Kinder Israel zu bekehren. T h u t er dieses aus Ueberzeugung, so ist er ein Narr; thut er es ausGleißnerei. so. ist er ein Lump. Ich werde zwar nicht aufhören, Gans zu lieben, dennoch gestehe ich, weit lieber tvär's mir -gewesen, wenn ich, statt obiger Nachricht, erfahren hätte, Gans habe silberne Löffel gestohlen". . . . „Es wäre mir sehr leid, wenn mein eigenes Getauftsein Dir in einem günstigen Lichte erscheinen könnte. Ich versichere Dich, wenn die Gesetze das Stehlen silberner Löffel erlaubt hätten, so würde ich mich nicht getauft haben." Ein Stück Heine, wie er leibt uud lebt, tritt uns dann entgegen: „Vorigen Sonnabend war ich im Tempel und habe die Freude gehabt, eigenohrig anzuhören, wie Dr. Salomon gegen die getauften Inden loszog, und besonders stichelte „wie sie von der bloßen Hoffnung eine Stelle (ipsissima verba) zu bekommen, sich verlocken lassen, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden. Ich versichere Dir die Predigt war gut und ich beabsichtige, den Mann diese Tage zu besuchen." — „Cohn zeigt sich groß gegen mich. Ich esse bei ihm am Schabbes, er sammelt glühende Kugel auf mein Haupt und mit Zerknirschung esse ich dieses heilige Nationalgericht, das für die Erhaltung des Jndenthums mehr gewirkt hat, als alle drei Hefte der Zeitschrift. Indessen es hat auch größereu Absatz gehabt." In diese Zeit gehört auch der Ausspruch, wie ihn ähnlich auch Börne gethan hat: „So lange ich Jude war, nannte man mich einen Hellenen*) und kaum bin ich getauft, so Werde ich als Jude verschrieen." In den folgenden, Anfangs 1826 niedergeschriebenen Worten liegt eine so tiefe Tragik, daß sie zugleich sich selbst Commentar sind: „Ich bin jetzt bei Christ und Jude verhaßt. Ich bereue sehr, daßich mich getaufthab'; ich seh' noch gar nicht ein, daß es mir seitdem besser gegangen ist, im Gegenthell, ich habe settdem nichts als Unglück; doch still hievon, Du bist zu sehr aufgeklärt, um nicht hierüber zu lächeln." „Du hattest damals auch einige sehr gute Gedanken über Judenthum, christliche Niederträchtigkett der Proselytenmacherei, Niederträchtigkeit der Juden, die durch die Taufe nicht nur Absicht haben, Schwierigkeiten fortzuräumen, sondern durch die Taufe Etwas erlangen, Etwas erschachern wollen, und dergleichen gute Gedanken mebr, die Du gelegentlich einmal auffchreiben solltest. Du bist ja selbstständig genug, als daß Du es wegen Gans nicht wagen dürstest; was mich betrifft, so brauchst Du Dich wegen meiner gar nicht zu gemren."-„So dachte ich diese Nacht; mit welchem Gesicht *) Auf welchem der Messias heranreiten soll. *) Wahrscheinlich ist damit die Bezeichnung „Epikuräer" gemeint. würde wohl Gans*) vor Moses treten, wenn dieser plötzlich auf Erden wieder erschiene." Und Moses ist doch der größte Jurist, der je gelebt hat, denn seine Gesetzgebung dauert noch bis auf den heuttgen Tag." Zehn Jahre später nimmt der Haß gegen die Religion seiner Wahl in ihm schon so feste Formen au, daß er aus Avignon im November 1836 schreibt: „Ich werde angefemdet, zugleich von Christen und Juden; letztere sind gegen mich erbost, daß ich nicht das Schwert ziehe für ihre Emancipation in Baden, Nassau oder sonstigen Krähwinkelstaaten. O die Kurzsichtigkeit! — Nur vor den Thoren Roms kann man Karthago vertheidigen. Hast auch Du mich mißverstanden? Ich schreibe Dir diese Zeilen aus Avignon, der ehemaligen Residenz der Päpste und der Muse Petrarka's; ich liebe diesen ebensowenig, wie jene; ich Haffe die christliche Lüge in der Poesie ebensosehr, wie im Leben." Dieser letztere Gedanke erfährt nur eine Variirung in den Motten: „Du ersiehst daraus, daß die Japaner das civilisirteste, urbanste Volk auf der Erde find. Ja ich möchte sagen, das christlichste Volk, wenn ich nicht zu meinem Erstaunen gelesen, wie eben diesem Volk nichts so sehr verhaßt und zum Greuel ist, als eben das Chttstenthum. Ich will ein Japaner werden. Es ist ihnen nichts so verhaßt, wie das Kreuz. Ich will ein Japaner werden!" Vom Jahrmarkt des Lebens. Städtische Galeriestudie«. Bekanntlich hat die antisemitische Mehrheit des Wiener Gemeinderathes, deren Kunstliebe mit ihrem Wohlthätigkettssinne auf der gleichen Höhe steht, ursprünglich beschlossen, der Wiener Künstlergenossenschast aus Anlaß ihrer großen Jubiläumsausstellung einen schönen Ehrenpreis im Betrage von viertausend Kronen zu stiften. Aber nur bedingungsweise! Versteht sich! Genau so bedingungsweise wie damals die Subvention siur die Freiwillige Rettuygsgesellschaft! Die Herren wollen auch den Preis vertheilen. Sie verstehen sich ja auf allerlei Künste. Warum sollen sie, deren großer Führer bereits alle Farben gespielt hat, die die Zeichnungen von judenreinen Anlehen entwerfen können und die Anatomie und Plastik nur beim Wimberger studirt haben, nicht berufen sein, auch das würdigste Haupt für Lorbeerkränze auszusuchen. Also, sie wollten mitreoen für ihr Geld. Und der Herr Director des städtischen Museums, G l o s s y, fand so was nur in Ordnung, beftirwortete es mit dem ganzen Aufwands seiner erstaunlichen Beredtsamkeit. Aber die Künstlergenossenschast lehnte entschieden und höflich ab, unter so schimpflichen Bedingungen einen Preis der Stadt Wien überhaupt anzunehmen. Sie verzichtete auf das Almosen und den Fußtritt, nachdem eins ohne das andere nicht zu haben war oder höchstens nur der letztere allein. Das verdroß die wohlweisen Herren im Rathhaus gewaltig. Daran konnten doch nur die Juden schuld sein. Sie sind ja an Allem unbedingt Schuld. Den eigentlichen Grund, warum sie sich aber gar so sehr spreitzten, die K ü n st l e r den Preis an Künstler vertheilen zu lassen, hat aber Niemand von der Opposition ausgesprochen, so zutreffende Argumente auch sonst ins Treffen geführt worden sind. Wir wollen ihn Nipp und klar sagen: Man fürchtete sich, daß ein Jude den Preis davontragen könnte!! Das mußte auf jeden Fall und mit allen Mitteln verhindert werden. Deshalb der große Lärm, deshalb verzichtete man auf die ganze Idee und deshalb wurde beschlossen, den Betrag von ein paar lumpigen Tausend Kronen, wobei auch jüdische Steuergelder sein dürften, zum Ankauf von Kunstsachen zu verwenden, wobei natürlich Niemand anderer, als waschechte Antisemiten mit dreinzureden haben werden. Das ist Alles so fein, so diplomatisch wie nur möglich, so graziös strobachisch, so geistreich neumayerisch! Und wenn keine antisemitischen Bilder da find, so wird man eben nicht ankaufen, sondern einfach bestellen! Wir sehen das Alles kommen. Eine Gemäldegalerie im Sinne der Machthaber wird angelegt werden und, wenn wir richtig informirt find, ist der Entwurf dazu auch schon in großen Zügen fertig gestellt. Der Jndiscretion oder Mystification eines Eingeweihten verdanke:! wir einige Andeutungen. Wir wählen das Markanteste daraus, übernehmen jedoch keinerlei Verantwortung für die Richtigkeit sowohl der Idee, als der Einzelheiten. *) G. war Professor der Rechtsphilosophie der Berliner Universität.