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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 118 Vr. VUntz's WmtzrnfttzrM Nr. 6 zu verscheuchen, jedoch es wollte mir nicht gelingen, ich konnte mich seiner durchaus nicht erwehren. Zu einem ungestörten traulichen Beisammensein mit Blanca kam ich fast gar nicht. Besuche und Toilettenfragen nahmen den größten Theil der Zeit in Anspruch und ich konnte meinen Aufenthalt in K. nicht lange ausdehnen, meine Rückkehr nach B. war dringend nothwendig geworden, um eine wissenschaftliche Arbeit, für welche die Frist ablief, zu beenden. Ich hatte in B. bald, Blanca's Ansprüchen und Gewohnheiten einige Rechnung tragend, eine schöne Passende Wohnung gefunden; der Commercienrath hatte die Sorge für die Einrichtung unseres künftigen Heim übernommen, und da die Herbstfesttaae in jenem Jahre sehr frühe waren, wurde unsere Hochzeit für Anfang October festgesetzt. Mit Blanca stand ich in regem Briefverkehr; immer mehr erschloß sich mir ihr reicher Geist, welcher mir geradezu Bewunderung abzwang, aber immer noch blieb ich über ihr Gemüthsleben im Unklaren. Allerdings hatte ich, der Idealist, auch von einem anderen Liebesfrühlinge geträumt, als sich der meine nun in Wirklichkeit gestaltete! Noch zweimal besuchte ich auf kurze Zeit meine schöne Braut, jedoch auch diese Wiederbegegnungen wurden uns zu meinem großen Mißvergnügen wieder durch Einladungen verkürzt und gestört. Die Einrichtung unserer Wohnung war mittlerweile fortgeschritten und nahezu vollendet; mein Schwiegervater hatte dieselbe allerdings für meinen bescheidenen Sinn viel zu glänzend und prächtig geschaffen, jedoch mein Studierzimmer so glücklich gewählt, daß ich um Blanca's willen die so reich ausgestatteten Zimmer auch mit in den Kauf nahm. Unsere Hochzeit wurde auf meinen sehr bestimmt ausgesprochenen Wunsch nur im engsten Kreise der Verwandten und nächsten Freunde des Hauses gefeiert. Blanca sah strahlend schön aus in dem die herrliche Gestalt in reichem Faltenwürfe umfließenden, mit echten Brüsseler Points garnirten weißen Atlaskleide. welches in langer Schleppe endete; dieser Toilette hätte sich eine fürstliche Braut nicht schämen dürfen, im Schmucke der duftigen Myrthenkrone, die den kostbaren Schleier hielt, und die Brillanten, welche in ihren kleinen Ohren funkelten, vermochten den Glanz ihrer Augen nicht zu beeinträchtigen. Dennoch vermißte ich an ihr jene holde bräutliche Demuth, welche ich an meiner Braut zu sehen gewünscht hätte, und als nach beendeten! Trauungsacte der Kranz der Gäste uns glückwünschend umringte, erschien mir das Lächeln der schönen Lippen als ein triumphirendes, als ein Lächeln befriedigter Eitelkeit! Fast zieh ich mich der Sünde, daß mir an der Seite, im Besitze dieses entzückenden Geschöpfes, während mich sicher viele beneideten, daß ich Blanca errungen, solch böse Gedanken aufstiegen, jedoch so sehr ich mich auch bemühte, dieselben zu verbannen, sie wollten nicht von mir weichen, kehrten ungerufen immer wieder. Blanca wäre noch sehr gern mit mir ungeachtet der so weit vorgerückten Jahreszeit in ein vielbesuchtes Modebad oder nach Italien gereist, jedoch da ihr Vater wünschte, wir möchten unsere Flitterwochen auf seinem Landsitze Blankenruhe zubringen und ich ihm aus verschiedenen Gründen beipflichtete, fügte sich Blanca. Dort in der ländlichen Stille war sie so ganz das liebende hingebende Weib, ihre stolze Schönheit erschien mir von einem eigenartig neuen Reize umflossen, daß ich sie in meinem Innern tausendmal fußfällig um Verzeihung bat, sie ungerecht der Eckelkeit beschuldigt zu haben, mir zürnte, daß ich gewagt hatte, selbst nur in Gedanken an ihr zu sündigen. Vier Wochen blieben wir auf Blankenruhe. Die sonnigen milden Herbsttage erschienen uns wie Frühlingstage und gestatteten uns noch viel im Freien umherzustreifen; die duftlosen prächtigen, farbenreichen letzten Kinder des Herbstes dänchten uns duftige Frühlingsblüthen, die fallenden Blätter ewiges Immergrün, die Vergänglichkeit in der Natur war für uns nicht' das Bild verwehrter Hoffnungen, zerstörter Träume! Der Beginn der Vorlesungen au der Universität rief uns Ausgang October nach B. zurück. Mein junges Weib schien gern die Vorbereitungen zur Abreise zu treffen, und in den letzten Tagen bildeten die Personen, die mir in B. lieb und werth waren, mit denen ich gern verkehrte und denen ich Blanca zuzuführen gedachte, oft den Mittelpunkt unserer Unterhaltung. War es ein Ahnen, ein Vorgefühl, daß diesen schönen Tagen minder sonnige folgen würden, das mich, als wir Blankenruhe verließen, seltsam bewegte, mein Herz krampfhaft zusammenzog? Ich weiß es nicht! Unsere Wohnung strahlte uns, als wir in B. eintrafen, in einem Meer von Licht entgegen; mein Schwiegervater empfing uns ganz unvermuthet bei unserem Eintritte in unser Heim, Blanca erdrückte ihren Vater fast in Liebkosungen und konnte nicht genug Worte des Dankes und der Bewunderung für die in denselben aufgespeicherten kostbaren und seltenen Kunstgegenstände finden; namentlich gefiel ihr das ganz in hellblauem Atlas gehaltene Boudoir ungemein; da ich einsah,' daß für sie, die in Reichthum und Ueberfluß groß geworden, gar vieles Nothwendiges Lebensbedürfniß war, was ich kaum als Luxus dem Namen nach kannte, störte ich ihre Freude, ungeachtet mir eine bescheidenere Häuslichkeit vollkommen genügt hätte, mir um Vieles lieber gewesen wäre, auch nicht durch ein Wort oder eine Miene. Nachdem wir die nothwendigsten Besuche gemacht und empfangen hatten, wendete ich mich wieder voll und ganz meinen Vorlesungen an der Universität und besonders mit verdoppelter Schaffensfreudigkeit meiner schriftstellerischen Thätigkeit zu; ich hoffte, Blanca würde nun auch mit Feuereifer ihre Pflichten als Gattin und Hausfrau aufnehmen, jedoch ich hatte nicht alle Factoren in Erwägung gezogen, als ich die reiche Erbin freite. -_ (Fortsetzung folgt.) Literatur. Profeffor Dr. M. Lazarus „Ethik des Judenthnms." Im Anschlüsse an unsere flüchtige, literarische Nachricht in Nummer 51 der „O e st e r r e i ch i s ch e n Wochenschrift" vom Jahre 1897 glauben wir den zahlreichen Kreisen, in denen man das Erscheinen der Ethik mit dem gespanntesten Interesse begleitet, die Mittheilung nicht vorenthalten zu sollen, daß der Druck derselben in beschleunigtem Tempo von statten geht und daß uns bereits der fünfzehnte Aushängebogen, der mit Capitel 5 schließt, vorliegt. Der erste Band der E t h i k im Umfange von circa 25 Bogen zerfällt in zwei Abschnitte: I. „Die Grundlegung der Sittenlehre"; II. „Das Ziel der S i t t l i ch k e i t". Der erste Abschnitt enthält drei Capitel: 1. „Von den Quellen der jiidischen Sittenlehre"; 2. „Das P r i n c i p der jüdischen Sittenlehre"; 3. „Der Charakter der jüdischen Sittenlehre". Der zweite Abschnitt enthält vier Capitel: 4. „Heiligung i st V erst t t l i ch u n g"; 5. „Versittlichung i st Gesetzlichk e i t"; 6. „Naturgesetz und S i t t e n g e s e tz"; 7. „H e iligungi st Vereinig un g". Je weiter man in der Lectüre der Ethik vordringt, desto lebhafter drängt sich Einem die Ueberzeugung auf, daß man da einer literarischen Schöpfung gegenübersteht, in welche Lazarus seine ganze Seele gelegt hat und die berufen 'ist, einem dringenden und allgemein gefühlten Bedürfnisse, dem Bedürfnisse nach einer wissenschaftlichen Darstellung der Ethik des Judenthums, in wahrhaft glänzender Weise abzuhelfen. Der logische Aufbau, sowie die licht- und stylvolle Diction des Werkes verräth. überall den gewiegten philosophischen Schriftsteller, der, wie kaum ein Anderer, philosophische Gedanken zu popularifiren versteht und den Völkerpsychologen, der für die feinsten Nüancen des ethisch-jüdischen Ideals nicht nur den durchdringenden Blick, sondern auch den adäquaten Ausdruck zur Verfügung hat. Daß Lazarus übrigens den äußerst reichhaltigen Stoff mit souveräner Meisterschaft bewältigt, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. Von der Erwägung geleitet, daß der volle Sinn des in der Ethik Dargebotenen meist doch nur durch den Zusammenhang zu erfassen ist, haben wir die ursprüngliche Absicht, Proben mitzutheilen, fallen lassen, zumal die E t h i k in Kurzem die Presse verlassen wird« Nur einer einzigen Ausführung Lazarus' möchten wir hier den Platz ein geräumt wissen, nämlich dem § 74, dem letzten des ersten Capitels, und zwar deswegen, weil er über die Forschungsmethode und Darstellungsform des Verfassers eine wohlthuende Lichtwelle ergießt. Wir lassen hier darum jenen Schlußparagraphen in extenso folgen: „Dies also sind die Gründe, weshalb ich glaube, daß man — neben und nach allem Schristthum — den lebendig, historisch fortgeerbten und fortbewegten Gesammtgeist des jüdischen Stammes als Quelle der Belehrung über den ethischen Gehalt des Judenthums betrachten darf und muß. — Wie sehr es dabei für den Darsteller seiner Sittenlehre des innigen, hingegebenen Einlebens in den Gesammtgeist, wie sehr es des festen und klaren Berichtes bedarf,

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