Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 6 Vr. Bloch » WochrnPtzrM Seite 117 Prag. Trotz der hüben wie drüben grassirenden modernen Krankheit, „Antisemitismus" genannt, finden doch jüdische Künstler in nichtjüdischen Kreisen die gebührende Anerkennung. Am 30. Jänner d. I. fand inl Theater des Deutschen Dilettantenvereines eine Vorstellung zu Gunsten eines wohlthätigeu Zweckes statt. Bei derselben wirkten zwei junge Sänger. Söhne Israels, zum ersten Male mit und fanden bei dem zahlreichen Publicum stürmischen Beifall. Die hiesigen deutschen Zeitungen brachten eine äußerst günstige Kritik. So z. B. schreibt das „Prager Tagblatt" vom 3. Februar: „Die erste musikalische Aufführung in der Henrigen Saison kennzeichnete sich, wie immer, auch äußerlich in einem dichtgefüllten Saale. Zur Aufführung gelangte ein Theil des ersten Actes der Gounod'schen Oper „Faust", und zwar die Sccnen zwischen Faust und Mephistopheles. Die Herren Friedhelm (G. Friedländer) (Faust) und Poltert (Mephisto), stimmbegabte und talentvolle Zöglinge der hiesigen Gesangsschule Wallerstein, unterzogen sich ihrer schwierigen Aufgabe niit überraschendem Geschick und anerkennenswerther Sicherheit, und der frische Zusammenklang der beiden trefflich geschulten Stimmen hinterließ einen sehr vortheilhaften Eindruck ec. Mit den beiden Sängern wurde auch der Gesangmeister am Schlüsse der Aufführung stürmisch gerufen." Loschen. Herr Moritz F r ä n k e l in Jablunkau, Che! des Großhandlungshanses M. Frankel & Söhne, hat einen schweren Verlust erlitten; seine Gattin, Frau Anna Frankel, geborne Löwy, starb im Alter von 55 Jahren nach längerem schweren Leiden. Durch mehr als 36 Jahre ist sie ihrem Gatten mit aufopferungsvoller Liebe und Treue zur Seite gestanden.; es kann das Leben und Wirken dieser biederen wackeren Frau nacki jeder Richtung hin als ein gott- und menschengefälliges bezeichnet werden. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Unmittelbar vor Beginn der Trauerfeier im Sterbehause zu Jablunkau versammelten sich daselbst die Spitzen der Stadt, Deputationen sämmtlicher Vereine, sowie die städtische Feuerwehr corporativ, der Präses der Teschener Cnltusgemeiude, Herr I. Ph. G l e s i n g e r und andere Mitglieder des Cnltusausschusses; ferner fanden sich auch nebst Seiner Ehrwürden dem Teschener Kreisrabbiner Herrn Dr. Adolf Leimdörfer die Herren Cantoren aus Teschen zur Function ein. Seiner Ehrwürden der Herr Kreisrabbiner Dr. Adolf Leimdörfer widmete sowohl im Trauerhause, als auch am Friedhofe der Verblichenen Nachrufe, welche aus die Trauerversammlung einen erschütternden Eindruck machten. Seine Ehrwürden war selbst vom Schmerze tief ergriffen. Möge der Allmächtige den großen Schmerz der schwergeprüften Familie lindern! Vierzigjähriges Jubiläum des Obercantors Jos. Goldstein. Am Samstag den 6. März 1898 feiert der Meister synagogalen Gesanges Herr Obercantor I o s e p h G o l d st e i n die vierzigste Jahreswende seiner Wirksamkeit als Obercantor der Wiener Cultusgemeinde am größten Tempel der Leopoldstadt. Dieses seltene Fest, das. dem vortrefflichen Sänger zu feiern gegönnt ist, wird sicherlich in allen Kreisen und Schichten, wo das Interesse nicht nur für synagogalen. sondern auch für den Kunstgesang flammt, freudigst begrüßt werden, blickt doch der sangesfrische Jubilar noch immer von der Zinne seiner Wirksamkeit auf eine lange,, an Triumphen reiche Wirksamkeit zurück, umso erhebender, erwägt mau, daß Obercantor Goldstein seine herrliche Stimme in den Dienst der synagogalen Verherrlichung stellte. Vor 41 Jahren war's, als der Zufall zwei junge Menschen goldgesegnet in den altehrwürdigen Tempel in der Seitenstettengasse zusammenführte. Baron Albert Rothschild wurde am Sabbath Wojigasch confirmirt, und ein junger Sänger — unser Jubilar — sang mit dem Golde seiner Kehle Probe und führte mit dem seltenen Wohlklang seiner Stimnie den Confirnlanden, mit einem in den heiligen Bund der Väter ein, .... Joseph Goldstein wurde zum Cantor ernannt und trat am 1. März 1858 seine Stelle an, um bis zur Fertigstellung des Leopoldstädter Tempels mit dem unvergeßlichen Altmeister S n l z e r im Tempel der Seitenstettengasse zu alterniren. Und seit jenem Tage lauschten Generationen mit andachtsvollem Entzücken dem heiligen Sang G o l d st e i u's, der in glücklicher Vereinigung die traditionellen alten Weisen mit der modernen von Sulzer eingeschlagenen Richtung verband, einmüthig jedoch galt und gilt die Art des Vortrages von I o s e p h G o l d st e i n als m u st e rg i l t i g bis auf den heutigen Tag, ein nachahmendes, befeuerndes Beispiel. Nicht geringe Verdienste erwarb sich Jos. Goldstein durch sein bereits vor 35 Jahren erschienenes musikalisches Werk „Hebure Jeschurun", eine treffliche Sammlung gottesdienstlicher Gesänge für das ganze Jahr, welches Verbreitung fand überall, wo Juden leben, ferner zahllos sind die Psalmen und Choräle, die er zur Verherrlichung jüdischen Gottesdienstes schuf. Feuilleton. Spätes Glück. Erzählung von Regina Reißer. (Fortsetzung.) War ihr künftiger Gatte ihr überlegen, imponirte er ihr nur einigermaßen, so war er befugt und berufen, ihr Gemüth zu veredeln, den Keim echter, wahrer Weiblichkeit in ihr ihm in Liebe entgegeuschlagendes Herz zu pflanzen, ihren Blick auf die höchsten idealen Güter des Lebens zu richten, sie von dem luxuriösen Leben, an welches sie bisher gewöhnt war, zu einem einfacheren, bescheideneren hinzulenken. Und gewiß, sie würde eine dankbare Schülerin sein! In jenem Augenblicke wähnte ich, es würde mir in kürzester Zeit gelingen, sie mir in dieser Weise zu meiner Gefährtin im edelsten Sinne des Wortes erziehen zu können. Eine geraume Zeit saßen wir uns schweigend gegenüber, während diese Fluth von Gedanken mein Hirn durchjagte; gespannt hing der forscherrde Blick des Commercienrathes an meinen Lippen; endlich sagte ich: „So hoch mich Ihr Antrag ehrt, mein Verehrtester Freund, derselbe versetzt mich in Staunen. Ich war stets der Meinung, Sie würden bei der Wahl Ihres künftigen Eidams weit eher Ihr Augenmerk auf den Sohn eines reichen Patricierhauses, als auf mich lenken. Blanca hat mir vom ersten Augenblick, da ich sie hier wiedersah, sehr gefallen, ich hoffe, sie wird sich an dem stillen Leben, welches ich aus Neigung und Gewohnheit führe, genügen lassen; ich will um sie werben, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen streben und Ihr geliebtes Kind Hoch- Halten, lieben, ehren, schützen und führen in guten und trüben Tagen, so lange ich athme!" Der Commercienrath zog mich mit feucht schimmernden Augen an sein Herz und mit festem Händedrucke schieden wir, als die Geisterstunde schon längst verklungen war. Lange noch ging ich, in ernste Betrachtungen versunken, in meinem Zimmer auf und nieder. War es auch nicht jene himmelstürmende Liebe, von welcher ich einst geträumt hatte, daß sie mein Herz erfüllen sollte und mußte, wenn ich uni ein Mädchen werben würde, sondern nur ein hohes, doch ruhiges Wohlgefallen, das ich bei dem Gedanken an Blanca empfand, mich beseelte die frohe Hoffnung, daß je mehr sich das schöne Wesen von mir leiten lassen, desto mehr es mir gewissermaßen als mein Geschöpf werden würde, und meine Phantasie sah Blanca schon als die lieblichste Predigerfrau, zu welcher sie ja mit Gottes Hilfe dereinst berufen sein sollte. Diese freundlichen Zukunftsbilder umgaukelten mich, als ich im Morgengrauen noch einige Stunden Schlafes fand und begleiteten mich, als ich am Vormittag Blanca allein im Garten traf und sie um Herz und Hand bat. Fehlte auch jener Stunde der poetische Duft, den ich mir einst von ihr vorgezaubert hatte, war meine Werbung conventioneller, als ich je geahnt, daß sie es sein könne und würde, blieb das seligste Wort der Erde: „Ich liebe Dich" auch ungesprochen, in dem höheren Erglühen der Wangen, mit deu in feuchtem Glanze leuchtenden Augen, dem bezaubernd süßen Lächeln, das den feinen Mund umspielte, erschien sie mir schöner und begehrenswerther denn je, diese reizende Mädchenblume, die ich nun mein nennen sollte! Mit einer ihr sonst fremden Weichheit, in liebreichster, mädchenhaft zurückhaltender, zartester Weise gelobte sie mir, die beglückende Genossin meines Lebens werden zu wollen; Hand in Hand traten wir vor den Commercienrath, welcher unter Thränen des Glückes und der Rührung unseren Bund segnete. Noch an demselben Abend verließen wir Prag und reisten, unserem ursprünglichen Plane, noch einige Tage in dem lieblichen Elbflorenz zu bleiben, entgegen, direct nach unserer gemeinsamen Vaterstadt; nachdem wir an den Gräbern meiner Eltern und an der Ruhestätte von Blancas Mutter, welche in einem kostbaren Mausoleum den ewigen Schlaf schlief, gebetet hatten, wurde unsere Verlobung veröffentlicht. Bei der großen Gratulationscour, welche Blanca — jeder Zoll eine Fürstin — hielt, beschlich mich oftmals das Gefühl, als präsentire mich meine schöne Braut fast in der Weise, wie man ein glänzendes Schaustück, ein seltenes Schmuckstück seinen Freunden zeigt; ich suchte natürlich diesen thörichteu Gedanken