Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 115 mühen erhielt das Comits die Nachricht, daß in Folge der Spannung zwischen England und der Türkei jetzt keine Aussicht auf Ertheilung des Fermans sei, und hat sich daher ausgelöst. Mr. Spielmann ist der Meinung, nicht die Politik ist der Grund des Scheiterns, sondern das Comitä habe nicht Bakschisch genug gegeben, es sei indessen dazu nicht in der Lage gewesen, da das Unternehmen eben ein philanthropisches und kein Geschäftsunternehmen werden sollte. Chicago. Wir erhalten einen interessanten Bericht aus Chicago, dem wir Folgendes entnehmen: Die Tempel der Stadt Chicago sind: K. k. Anschai Maario, Rabbiner Jacobson; B'nai Abraham, Rabbiner Dr. A. R. Levy; B'nai Scholom, Rabbiner Dr. A. I. Messing; Jsayah Temple, Rabbiner Dr. Stolz; Waisenhaus-Temple, Rabbiner Rev. A. A. Loewenheim; North-Chicago-Templ, Rabbiner Dr. Norden; Tempel Beth-El, Rabbiner Dr. Julius Rappoport; Tempel Israel am Oakwood Boulevard, Rabbiner Rev. Jsaac S. Moses. Zion und Sinai, Tempel, zwei der größten und herrlichsten in den vereinigten Staaten, Rabbiner Dr. Emil H. Hirsch und Associe Dr. B. K. Arnold. Die ausgezeichnete Frau Hannah G. Salomon*), Gattin des Herrn Henry Salomon, ist Präsident des National Conncil of tht Uuitid stat>s, dessen Haupt-Aufgabe es ist, a l t e h r w ü r d i g e Sitten und Gebräuche des Judenthums in den Familien wieder zu beleben und zu fördern und in der Familie sowohl, als in Schule und Gotteshaus den wahrhaft religiösen Sinn zu erwecken und zu heben; zur Observanz des Sabbaths und der Feiertage zu ermuntern, den Religionsunterricht thatkräftig zu unterstützen, und in alldem, und noch mehr, mit gutem Beispiel stets unermüdlich und unter allen Verhältnissen unverdrossen voran zu gehen. Das Council of Jewish Womea hat in allen Staaten und Städten der Union an dreihundert „Abteilungen" (Brauches) und obzwar noch jung — wirkt es sehr segensreich für's Judenthum. Functionen haben durchwegs Frauen übernommen; die Religion lehrt Frau Max Landsberg, Religions School Worb Fräulein Julia Richman, Philanthrope Frau Hugo Rosenberg. Vermischtes. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - Israelitische U n i o n.) Samstag den 12. Februar 1898, Abends, halb 8 Uhr, findet im Restaurant K h u n e r, I., Schottenring 19 eine Bereinsversammlung statt. Tages-Ordnnng: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Univ.-Docenten Dr. S. Ehrmann: „Die kunsthistorische Bedeutung der Inden als Aerzte." 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Am 13. Februar findet Nachmittags 743 Uhr in Wien, I., Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Marie Neuern mit Herrn Emil D e w i d e l s statt. Wien. Wie wir erfahren, findet bei der israelitischen Cultusgemeinde eine junge Conceptskraft Aufnahme. Bewerber müssen die juridischen Studien absolvirt und das Doctorat erlangt, beziehungsweise ihre Staatsprüfungen abgelegt haben. Wien. U e b e r die G o l d m i u e n i n d u st r i e im Transvaal hielt Herr Dr. Paul Cohn, der Sohn des Cultusvorstandes, Herrn S a l o Cohn, letzten Donnerstag den 10. d. M. im ^Wissenschaftlichen Club einen sehr beifällig aufgenommenen Bortrag. Nach einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Transvaals hob der Vortragende die Bedeutung der Goldminen für den Reichthum und die culturelle Entwicklung des Landes hervor. Dann schilderte er die langsame Erkeunlniß von der Bedeutung der Goldfunde für den Staat, um auf sein eigentliches Thema, das ist aus die Art und Weise, wie das Gold aus den Erzen gewonnen wird, überzugehen. Er erläuterte dies durch Vorführung zahlreicher chemischer Formeln, sowie eines umfangreichen kartographischen Materials. Mit der Hoffnung, daß aus der Arbeit um das Gold das edle Streben nach Gold erwachsen werde, schloß der Vortragende seine sehr interessanten Ausführungen, denen ein sehr distinguirtes Publicum beiwohnte, das sich hauptsächlich aus Professoren- und Gelehrtenkreisen recrutirte. Wien. (Politischer Volks verein.) Dieser Verein veranstaltet Mittwoch den 16. d. M., halb 8 Uhr, im Saale^ des Ingenieur- und Architektenvereines'einen sehr interessanten öffent¬ *) Hannah G. Salomon ist Präsidentin, Sadie Amerikan correspondirender Secretär. lichen Vortrag, den der bekannte gelehrte Schriftsteller Herr Dr. B. Rippner aus Glogau (Preußen) über das Thema: „Ein katholischer Priester als Herold der Jndenemancipation" abhalten wird. Anmeldungen aus Eintrittskarten, welche unentgeltlich verabfolgt werden, sind an den Politischen Volksverein, 1, Schottenring 23, zn richten. Wien. Bei der am 2. Februar l. I. stattgefundenen Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Beth- Hachneteth" 111, Untere Viaductgasse Nr. 13, bei welcher als Delegirter der Cultusgemeinde Herr Arthur Edler von Mises anwesend war, wurde der vom Vorstände vorgelegte Rechenschaftsbericht genehmigt. Bei der am 6. d. M. stattgefundenen Constituirnng des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Dr. Ludwig Straßer,! Obmann; Markus Slatky, Obmann-Stellvertreter; Max Wolff, Schriftführer; Philipp Schön, Cassier; Samuel Spitzer, Philipp Löwy, Controlore; Salamou Elias, Moritz Köpper, Bethausverwalter; Josef Freund, Salamon Grünhnt, Julius Weiß, Beisitzer. Lr:ien. Ein zahlreiches Trauergeleite war es, welches Freitag den 28. Jänner in Wien denk Leichenbegängnisse des Herrn Michael Fried, Gesellschafters der Hutfabriken Brüder Fried, beiwohnte, Au der aufrichtigen Trauer aller der erschienenen Leidtragenden, unter welchen sich außer den sämmtlichen Angestellten der Wiener Fabrik auch die ersten Beamten der Troppauer Fabrik rc. befanden, konnte man ersehen, welcher Beliebtheit sich der Verewigte im Leben zu erfreuen gehabt. Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n hielt eine herzbewegende Trauerrede. Wenn im Anslande österreichische Industrie mit Anerkennung genannt wird, so sind die Hutfabricate der Firma Brüder Fried unter den ersten, die den Ruhm österreichischen Gewerbefleißes im Aus lande begründen halfen. Möge die Erde dem Verewigten leicht sein, sein Andenken wird in den Herzen aller Derer fortlebeu, die Gelegenheit hatten, feine gütigen und liebenswürdigen Eigenschaften kennen zu lernen. Wien. (K ü n st l e r - A k a d e m i e m i t B a l l.) Eines der gelungensten Feste der diesjährigen Ballsaison verspricht die am Samstag den 12. d. M. in den Musikvereinssälen stattfindende Jubiläums-Akademie des Josefstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines zu werden. Außer dem überaus reichen und intereffarkten Programm, welches die Namen der Damen E l i z z a, Glöckner. Brio n, der Herren Felix D örm a n n, Felix K r a m e r und D r ö ß l e r enthält, wird noch der Schriftsteller Hermann Bahr eine Conferenz abhalten, das beliebte Qllartett B a ch r i ch seine schönsten Weisen zum Vortrag bringen. Das Tanz-Arrangement des Festes, das auch der tanzenden Jugend einige hübsche Ueberraschungen bringen wird, hat Professor R a b e n st e i n e r übernommen. . Das Reinerträgniß ist für den Grüudungsfond eines Reconvalesceutenheims bestimmt, das der Verein einer bleibenden Erinnerung an das 50jährige Regierurrgs-Jubiläum Sr. Majestät unseres Kaisers zu errichten beschlossen hat. Die überaus rege Nachfrage nach Karten beweist das lebhafte Interesse, welches bas Publicum dem Feste entgegenbringt. Karten, reservirte Logen und Logensitze sind durch die Comite-Mitglieder, ferner am 10., 11. und 12. Februar täglich von 10 bis 1 Uhr und von 3 bis 5 Uhr im Comite-Locale, l., Franzensring 20, 1. Stock (via-ä-vis der Universität) zu haben. Wien. (E i n e schöne Spende.) Letzten Samstag, an welchem in allen Gotteshäusern einer der erhebendsten, historisch merkwürdigsten und iutereffanteften Wochenabschnitte zur Verlesung gelangte, wurde im Stadttempel eine schöne Feier abgehalten. Der Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Heinrich Bloch spendete vor einigen Jahren ein Siddur für Werktage und nun ließ er ein ähnliches für die Sabbathtage schreiben, welches Samstag feierlichst eingeweiht wurde. Der edle Spender wurde zur Thora gerufen und ihm vom Obercantor Singer ein eigens für diesen weihevollen Moment zusammengestelltes Mischeberach gebracht, welches, mit vieler Wärme vorgetragen, aus die das Gotteshaus füllenden Besucher tiefen Eindruck machte. Das Buch selbst gereicht aber auch dem „Schmuckkästchen", wie der Tempel nach dessen Renovirung benamset wird, zur vollsten Zierde. In hochrothem Leder gebunden, die Ecken mit Silberbeschlag versehen, finden wir beim Oeffnen gleich ein kunstvoll ausgestattetes Titelblatt, während des Blätterns fällt die außerordentlich gleichmäßig gehaltene, sehr reine Schritt ans und ist in erster Reihe dem edlen Spender, dann dem Borstande der Cultusgemeinde zu diesem Schatze zu gratnliren, insbesondere aber dem bekannten Schriftmeister, Kalligraphen Maier