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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 114 Vr. Vloch's WvchrnlkchrM Nr. 6 bekannt gegeben. Es waren zwei Bearbeitungen eingegangen, die beide des Josef Lehmann'schen Preises für würdig erachtet wurden, wenngleich sie vor ihrer Veröffentlichung noch einer kritischen lleberarbeitu.ig bedürfen. Die Verfasser sind cand. phil. Julius Grünthal und smd. x>bil. Robert Kelter. — Die philosophisch-historische Claffe der Akademie der Wissenschaften hat Herrn Professor Dr. F r e u d e n t h a l in Breslau 700 Mark zu Forschungen über das Leben Spinoza's bewilligt. — Dem Fabriksbesitzer Louis L e d e r m a u n in Oltaschin, Kreis Breslau, ist der Titel Cvmmercienrath verliehen worden. — Außer den vielen Kriegsveteranen hat auch eine Dame in R a w i c z, Inhaberin der Kriegsdenkmünze von 1870/71, die anläßlich des hundertsten Geburtstages Kaiser Wilhelms I. gestiftete Erinnerungsmedaille verliehen erhalten. Es ist dies Frau Commissionsrath Cohn. Die Dame hat sich um die Kriegskrankenpflege verdient gemacht. Lübeck, 30. Jänner. Herr Adolf F r a n k e n t h a l, Sohn des hiesigen Gemeindemitgliedes Herrn Levy Frankenthal, ist als Consul der Vereinigten Staaten von Nordamerika bei der schweizerischen Eidgenossenschaft mit dem Sitze in Bern gewählt worden und wird Anfangs Februar seine Stellung antceten. Der neue Consul steht im 47. Lebensjahre und lebt schon seit etwa 30 Jahren in Amerika, wo er in Boston ein bedeutendes Geschäft unterhält. Ueber die einen! ihrer Söhne zugefallene Auszeichnung herrscht in unserer Gemeinde freudige Genugthuung, umsomehr, als die alten, wackeren, noch sehr rüstigen Eltern dieses ihrem Sohne zu Theil gewordenen Glückes recht würdig sind. Hoffentlich hat der Sohn die religiöse Erziehung, die er im Elteruhause empfangen, in der Fremde nicht völlig abgestreist und wird sich nicht nur als guter Bürger und würdiger Vertreter seines jetzigen Vaterlandes, sondern auch als treuer Bekenner seines angestammten Glaubens bewähren. Nur dann haben wir Juden eigentlich Recht und Veranlassung, über die einem Glaubensgenossen zutheil gewordene Ehrenstellung uns zu freuen. Hildesheim. (Bericht über die Thätigkeit des Vereines zur Förderung von Handwerken und sonstigen bürgerlichen Bcrufsarten unter den Juden der Synagogen ge mein de und des Landrabbinatsbezirks Hildes heim für das Jahr 1896.) Die Direction beehrt sich, den diesjährigen Bericht mit der Mittheilung zu überreichen, daß nunmehr außer den in den früheren Berichten genannten Synagogengemeinden auch die Gemeinde Goslar durch die Bewilligung eines Jahresbeitrages die Veremsinteresscn bereitwilligst fördert. Die Direction gibt der Hoffnung Ausdruck, daß auch diejenigen Gemeinden, aus deren Mitte bisher keine Beiträge der Vereinscaffe zugeflossen, in richtiger Erkenntniß der Vereinsbestrebungen denselben ihre thatkräftige Theilnahme in Zukunft nicht verweigern werden. Wir weisen noch darauf hin, daß em jährlicher Beitrag von nur 2 Mark zur Mitgliedaufnahme in den Verein genügt. Die Einnahmen betrugen 777 Mark 81 Pfennige. Die Ausgaben betrugen 626 Mark 42 Pfennige. Cassenbestand am 31. December 1896 151 Mark 69 Pfennige. Das Capitalsvermögen des Vereins inclusive Caffenbestandes betrug am 31. December 1896: 8608 Mark 31 Pfennige. Es erhielten Beihilfen im Betrage von 50—100 Mark: 1 Tabakspinnerlehrling aus Hannov.-Münden und ein Maschinenfabriks-Schlosserlehrling aus Hannov.-Münden: 1 Mechanikerlehrling aus Güttingen; 1 Buchdruckerlehrling aus Kassel; 1 Malergehilfe, der die städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule zu Hannover besuchte, aus Mackensen; 1 Zögling der israelitischen Erziehungsanstalt für Bodencultur in Ahlem aus Hildesheim und 1 Zögling der Berliner Schneiderakademie aus Hildesheim. Es wurden zwei Prämien aus den Zinsen des von dem weil. H. Meyersfeld in Braunschweig testamentarisch vermachten Eapitals den besten Lehrlingen gewährt. Die Direction. Landrabbiner Dr. Lewinsky. Rechtsanwalt Oppenheimer. Gustav Sabel. M. Friedheim. D. Goldberg. Paris. (Die A f f a i r e D r e y f u s.) In der Anklageschrift gegen Dreyfus hatte der Commandant d'Ormescheville, um den Angeklagten aus feinem Vorleben zu belasten, behauptet, er habe mit einer „Frau D i d a, die älter als er, verheiratet, sehr reich war und in dem Rufe stand, daß sie ihre Liebhaber bezahle, Beziehungen unterhalten. Sie wurde Ende 1890 von Wladimiro ermordet, und der Hauptmann Dreyfus, der sich damals gerade verheiratet hatte, wurde in diesem Scandalprocesse, der am 21. Jänner 1891 verhandelt wurde, als Zeuge vernommen." Darauf hat vor einigen Tagen der Arzt der Familie Dida, Dr. Sutand, Herausgeber des Blattes „Journal de Medecine", in seiner Zeitung durch folgende Richtigstellung geantwortet: Frau Dida, so erzählt er, sei morphiumsüchtig und später noch obendrein cocarnsüchtig geworden, auch seien mehrfache Spuren von Geistesstörung aufgetreten. Eines Tages habe ihm, dem Arzte, der Vater dieser Frau erzählt: „Vor Kurzem besuchte mich ein junger Officier, der mir empfahl, meine arme Kranke besser zu überwachen; dieser Officier habe bemerkt, daß sie ihm auffällig entgegengekommen, und meinte, daß dem eine Krankheit zu Grunde liege. Er hat dieseLage nicht aus nützen wollen. Ich habe sein Verhalten sehr ehrenwerth gefunden." „Dieser junge Officier aber," fährt Dr. Sutand fort, „war der Hauptmann Dreyfus." In jener Gerichtsverhandlung hat denn auch der Vorsitzende den Zeugen Hauptmann Dreyfus wegen seiner würdigen Haltung Frau Dida gegenüber beglückwünscht. Selbst auf die Gefahr hin, beschuldigt zu werden, ich gehöre zum Syndicat, kann ich behaupten, daß Frau Dida niemals die Geliebte Dreyfus' war und daß dieser nie Geld von ihr erhalten hat. Es ist doch zum Mindesten eine Fahrlässigkeit sondergleichen, daß der Kamerad des Hauptmann Dreyfus, der die Anklage gegen ihn zu betreiben hatte, zwar ganz genau über die ungünstigen Gerüchte unterrichtet war, die gegen Dreyfus umgingen, nicht aber über ihre für Dreyfus so ehrenvolle Klärung, die er sich z. B. aus dem Protokoll der Gerichtsverhandlung, deren Datum er genau angibt, hätte verschaffen können. Somit ist der Anklage gegen Dreyfus wiederum einer der Gründe, auf die sic sich stützt, entzogen. Algier. Widerspruchsvoll ist die Politik der Regierung' trotz der durch Abberufung Cainbon's eingetretenen WendunÜ immer noch geblieben. Oder sollte die Regierung Meline etw" uns Juden für ihre Fehler in der Dreyfus-Affaire bestrafe" wollen? Abermals hat der Stadtrath von Coustantine di Wählerlisten geprüft und 663 jüdische Wähler daraus entfern" und die Regierung sieht dem ruhig zu. Diese 663 Familien kommen in die schlimmste Lage, sie sind keine Franzosen, aber sie sind auch nicht mehr Bürger eines anderen Staates. Sie müssen Militärdienst leisten, aber sie können, nachdem sie ihre Dienstpflicht absolvirt haben, nicht einmal die Naturalisation nachsuchen, denn dazu müssen sie die bisherige Unterthanenschaft aufgeben und sie sind in keinem Lande Unterthanen. Die Herren im Stadtraih aber, die eine solche Maßregel vornehmen, sind erst vor wenigen Jahren und wesentlich durch die Stimmen der Juden gewählt worden. Auch in Algier ist es ebenso, dort ist ein gewisser Letellin seinerzeit durch die Juden zum Abgeordneten von Algier gewählt worden und auch für die nächsten Wahlen ist er der Candidat der Israeliten. Und derselbe Mann überläßt als Vorsitzender der Gesellschaft ehemaliger Schüler am Lycee d'Algier die Räume dieser Gesellschaft'.den antisemitischen Studentenvereinen. Der Führer der Antisemiten unserer Stadt, der relegirte Student Max Regis und der Gereut des „Antijuif" Mr. Philipp: sind soeben wegen Beleidigung des Staatsanwaltsubstituten zu je zwei Monaten Gefängniß und 500 Francs Strafe verurtheilt worden. 1500 ihrer Anhänger empfingen sie beim Verlassen des Gerichtsbäudes mit stürmischen Rufen: „Nieder mit den Juden!" indeß verhinderte das Einschreiten der Polizei ernstere Excesse. Auch der Führer der Antisemiten in Constantine. der Advocat Morinand, ist wegen Veröffentlichung schmähender Artikel gegen die Richter in Oran und Algier von denk Ehrengerichte der Advocaten mit dreimonatlicher Suspension vom Amte bestraft worden. London Wie wir dem „Jewish Chronicle" entnehmen, hat sich das Comite für die Anlage einer Wasserleitung in Jerusalem aufgelöst. Herr Juda Spielmann, der Secretär desselben, gab einem Interviewer des „I. C." folgende Aufklärung darüber: Die Frage des Bedürfnisses braucht nicht mehr discntirt zu werden, denn ganz unzweifelhaft ist die gegenwärtige Wasserversorgung der heiligen Stadt jetzt im Sommer ganz ungenügend und das wird naturgemäß immer schlimmer, je größer die Zahl der Bewohner wird. Diese Nothlage hat schon zu wiederholten Versuchen geführt, die alte Wasserleitung wieder herzustellen, die noch aus den Zeiten des Tempels in großen Theilen erhalten ist. Technische Schwierigkeiten bietet das Werk gar nicht, auch die Geldfrage ist nicht entscheidend, denn es gehört nur eine Million Mark dazu, und da Christen und Juden sich daran betheiligen, zudem eine bescheidene Rentabilität wahrscheinlich ist, so würde diese Summe wohl aufzubringen sein. Aber die türkischen Autoritäten in Constantinopel sind nicht zu bewegen, den nöthigen Ferman, den der Sultan selbst schon versprochen bat, herauszugeben; wie Mr. Spielmann meint, nur aus Bakschischnoth. Das Project hat schon viele Male die Pbilanthropen beschäftigt. Erst Henry Maidesby, dann Msgr. Montefiore, dann die Baronin Burditt-Contti befaßten sich mit dem Plane. Vor zehn Jahren begründete Sir Clemand Lechnure ein Comite in London, dem die angesehensten jüdischen und christlichen Bürger angehörten. Aber nach zehnjährigem Be-

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