Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 6 Vr Vloch's WochenfttzrM Seite 113 Am 147. März: Herr Privatdocent Dr. G. H ut h : „Meine Reise nach den Goldwäschen des Jenissei". Am 11. März: Herr Rabbiner Dr. S. Weisse: „Geistesleben der Inden am Beginn der Neuzeit". Am 28. März: Herr Rechtsanwalt B. Breslauer: „Hermann Makower". Beginn 8 Uhr. Einlaßkarten ä 5 Mark für den ganzen Cyclus, » 1 Mark für eine Vorlesung sind zu haben bei den Herren Gebrüder Friedlünder, Unter den Linden 28, und beim Eingang in den Saal. Berlin, 28. Jänner. Im Sitzungssaals der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde tagte gestern die G e n e r a l versa m m l u n g des Deutschen C e n t r a l c o m i t 6 s für die russischen Jude n", zu welcher sich außer den hiesigen Mitgliedern die Herren M. W. Hinrichsen- Hamburg, Amtsgerichtsrath Lev Y-Beuthen und Rabbiner Dr. Vogel st ei n-Stettin eingefunden hatten. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Herr Justizrath Meyer, begrüßte die Erschienenen und warf einen Rückblick auf die Thätigkeit des Centralcomitss, welche in jeder Hinsicht voll befriedigen könne; allüberall regte sich die altbewährte Wohlthätigkeit und der werkthätige Hilfseifer, welche namentlich an den Grenzen und in Amerika Großartiges geleistet haben. Redner gedenkt sodann in pietätvoll-rühmenden Worten der beiden Heimgegangenen hervorragenden Förderer und Mitarbeiter an dem Hilfswerk, Baron Harsch und Rabbiner Dr. Bamberge r-Königsberg. Das Deutsche Centralcomite habe gegenwärtig keine Existenzberechtigung mehr, und seine Thätigkeit officiell zu beschließen, sei Zweck der Versammlung. Aber es müsse die Erneuerung ähnlicher Nothstände, wie die, welche die Begründung des Comites veranlaßten, befürchtet werden und der geschäftsführende Ausschuß sei deshalb der Ansicht, daß nach Abzug der zur Rückzahlung gelangenden Beträge der Restbestand als ein Fond unter Verwaltung der jüdischen Gemeinde gestellt werden möge, dessen Zinsen für ähnliche Zwecke zu verwenden seien, während das Capital aufbewahrt werden möge, um dereinst als Grundstock für Fälle ähnlicher Art zu dienen. Redner verliest ein Schreiben des Frankfurter Comites, das die Competeuz der Versammlung, über den Bestand zu verfügen, bestreitet, fern-r ein solches des Grenz-Comites in Königsberg und eine Zuschrift des Herrn Dr. Heinrich Meyer Cohn- Berlin. Hierauf referirt der Schriftführer des Comites, Herr Rechtsanwalt Breslauer, über die Thätigkeit seit der Versendung des letzten Berichts Während der Jahre 1896 und 1897 wurden 458 Personen mit einem Kostenanfwande von 14.767 Mark, seit Bestehen des Comites 195.034 Personen (zumeist während der Jahre 1891—92 nach Amerika) befördert. Die Gesanlmteinnahmen betrugen 2,954.660 Mark, die Ausgaben 2,767.594 Mark, der Bestand 106.322 Mark, darunter 40.837 Mark, die Baron Hirsch der Verfügung des geschäftsführenden Ausschusses überwiesen. Von den verbleibenden 65.485 Mark sollen die Comitss pro rata bestimmte Beträge zurückerhalten. Der Vorsitzende stellt nunmehr die Frage der Auflösung zur Discussion und verliest die von auswärtigen Comites eingegangenen zahlreichen Anträge, welche die Verwendung des Bestandes betreffen. — Herr Sanitätsrath Dr. N e u m a n n beginnt mit Worten des Dankes an das Centralcomite für dessen hingebungsvolle Thätigkeit, erklärt sich aber mit den jetzigen Anträgen desselben nicht einverstanden. Es liege kein Grund vor, die Thätigkeit des Comites einzustellen, denn nicht etwa zur Beförderung oder Unterstützung der Auswanderung allein sei das Comite gegründet worden, sondern um den bedrängten russischen Juden zu helfen, und hiezu biete sich in den mannigfachsten Formen Anlaß und Gelegenheit übergenug. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß der einzige Unterschied zwischen der Anschauung des Vorredners und der des geschäftsführenden Ausschusses darin bestehe, daß letzterer nur die Zinsen, Herr Dr. Neumann auch das Capital verwendet wissen will. — Herr M. W. Hinrichsen - Hamburg erachtet eine Anflösung des Centralcomites, da die Thätigkeit, zu der es entstanden , aufgehört habe, für natürlich, wünscht aber, daß dasselbe ein Collegium von drei Herren mit dem Rechte der Cooptation und Selbstergänzung ernennen möge, welche das Capital der Verwaltung der hiesigen Gemeinde überweisen und die Zinsen für russische Juden verwenden, eventuell auch berechtigt sein solle, über das Capital zu verfügen. Redner kann das Recht der Comites, ihre Beträge zurückzufordern, nicht anerkennen und erachtet das für umso bedenklicher, da cs nöthig sei, gegenüber etwaigen Calamitäten, die jedesmal spontan ausbrachen, rechtzeitig mit namhaften Summen gerüstet zu sein. — Herr General-Consul Eugen Landau hebt die Verdienste der Herren Justizrath Meyer, Rechtsanwalt Breslauer und M. W. Hinrichsen um das Hilfswerk rühmend hervor und betont gleichfalls die Nothwendigkeit, ein Capital zu reserviren. — Herr Amtsgerichtsrath Lev y-Beuthen verweist auf die betreffenden Paragraphen des im Jahre 1891 festgestellten Statuts des Central-Comites und billigt dementsprechend den Antrag auf Auflösung, dessen Berechtigung er in eingehender Rede begründet, um dann für Ueberweisung eines Theiles des Bestandes an das oberschlesische Grenzcomite zu plaidiren. — Herr M. A. Klausner glaubt, daß wohl noch ein Tätigkeitsgebiet für das Comite vorhanden sei, und empfiehlt den Fortbestand. — Herr Rabbiner Dr. Vogel st ein - Stettin schließt sich dem Anträge Hinrichsen an und wendet sich nachdrücklichst gegen jede Rückzahlung. — Dr. Hirsch Hildesheimer ist gleichfalls für Schaffung irgend einer die Thätigkeit des Comites fortsetzenden Organisation etwa nach dem Muster der von Hinrichsen vorgeschlagenen. — Bei der Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses auf Auflösung des Comites genehmigt und sodann befchloffen, daß ein ständiges Comite von drei Personen mit dem Rechte der Selbstergänzung ernannt werde, welches befugt ist, über das Capital, das au sicherer Stelle deponirt wird, und über die Zinsen für bedrängte ruffische Juden zu verfügen. In das Comite werden gewählt die Herren Rechtsanwalt Breslauer, Regierungsrath Magnus und General-Consul Land a ». — Hierauf wird die Frage, ob und in welchem Umfange Rückzahlung zn leisten ist, erörtert. Herr Rechtsanwalt Breslauer verliest den Antrag des geschäftsführenden Ausschuffes über Art und Höhe der zurückzuzahlenden Raten. Herr Dr. Bogelstein- Stettin wünscht, daß nur an diejenigen Comites, welche eine dahingehende Forderung stellen, Rückzahlung erfolgen soll, während die Herren M. W e i ß-Berlin und M. W. H i n r i ch s e n- Hamburg derselben überhaupt widersprechen, Letzterer unter Hinweis darauf, daß ja die Thätigkeit fortdauert; jedenfalls soll eventuell das neugewählte Comits über die Berechtigung der Rückforderungen nach eigenem Ermessen entscheiden. Entsprechend diesem Anträge wird beschloffen, dem neuen Comits die Prüfung zu überlassen, ob und in welchem Umfange Rückzahlung erfolgen soll. Herr Hinrichsen beantragt, durch Vermittlung des Hamburger Comites dem dortigen „Israelitischen Unterstützungs- Verein für Obdachlose" (der z. B. im Jahre 1897 23.000 Speiseportionen in der Auswandererhalle verausgabt hat) 5000 Mark aus dem vorhandenen Capital zu überweisen, was beschlossen wird. Desgleichen werden nach dem Anträge des Ausschusses je 5000 Mk. für die Grenzcomites in Königsberg und in Oberschlesien und 3000 Mk. für das in Stettin bewilligt. — Herr Hinrichsen spricht dem Vorsitzenden und Schriftführer für die Leitung der Verhandlungen und für ihre unermüdliche Thätigkeit im Dienste des Hilfswerkes in warmen Worten Dank aus, dem die Versammlung durch Erheben von den Sitzen sich anschließt. Nachdem hierauf Herr Rabbiner Dr. Vogel st ein dem Wunsche, daß ähnliche Prüfungen, wie die, welche das Entstehen des Central-Comites nöthig gemacht, von unseren ruffischen Brüdern abgewehrt bleiben, daß aber, wenn der Rathschluß des Allmächtigen es anders gefügt, sich opferwillige, werkthätige Helfer in Israel finden mögen, Ausdruck gegeben, schließt der Vorsitzende die Versammlung. Breslau, 1. Februar. (Vom Fränckel'schenRabb i n e r s e m i n a r.) Der 44. Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars Fränckel'scher Stiftung bringt außer den Angaben über die Verwaltung und den inneren Geschäftsgang den ersten Theil einer wissenschaftlich werthvollen Abhandlung des Herrn Dr. S. H o r w i tz über die Psychologie bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Saadie bis dlsäim uni. Zu den fundirten Legaten der Anstalt ist im Berichtsjahre ein Betrag von 800 Mark gekommen, den Frau Rudolfine Haber, geborne Friedländer, Witwe des früheren Curators der Stiftung, gespendet hat. Zwei Candidaten, Dr. Moses Fried und Doctor Maximilian Schornstein, sind nach bestandener theologischwissenschaftlicher und talmudisch-rabbinischer Prüfung mit dem Rabbinatszeugniß entlassen worden. Am Stiftungstag (27. Jänner) behandelte Herr Dr. Horwitz in seiner geistvollen Festrede „die Entwicklung der Predigt von den ältesten Epochen jüdischen Volkslebens bis auf die Gegenwart". Danach wurde das Ergebniß der Bewerbung um die Preisarbeit: „Wie verhält sich die Darstellung des Josephus über die makkabäische Erhebung zu den Berichten der ersten beiden Makkabäerbücher?"