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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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^eitc 112 Agram. Von dem Zeitpunkte an, da Herr Dr. K a m i n k a das Essegger Rabbinat angetreten hat, begann in einem Essegger Localblättchen niedrigster Sorte ein eigenartiges, revolverjournalistisches Kesseltreiben gegen den Veröczer Rabbiner Dr. Kaufmann, der zu jenem wegen dessen Thätigkeit in Verhetzung der Bürger sattsam bekannten Blättchen in keiner wie immer gearteten Beziehung stand. Man darf aber beileibe nicht etwa glauben, daß genanntes Ehrenblättchen dies oder jenes an dem Veröczer Rabbiner bemängelt hätte. Dies gewiß nicht, denn zu einer solch' offenen Sprache, derentwegen es sich hätte verantworten nmssen, ist das in günstigstem Fall von dreieinhalb Dutzend Pflichtabonnenten gelesene Ehrenblättchen zu feige. Zur Illustration der Ehrenhaftigkeit dieses Sudelblättchens sei hier hervorgehoben, daß es die Jnstallationsfeier des Dr. K a m i n k a, der auch auf Einladung seitens der Effegger israelitischen Cultusgemeinde der Veröczer Rabbiner beiwohnte, dazu benützte, in derartig bübischer und knabenhafter Weise eine versteckte Verdächtigung gegen den genannten, in unserer ganzen Gegend hochgeachteten Rabbiner vorzubringen, daß dieser sich nur auf eine Berichtigung beschränken mußte,.die entstellt gebracht wurde. Der Angriff soll aber, wie sich das Wiukelblättchen vertheidigte, nur aus Versehen geschehen sein. Der Vorsteher der Effegger israelitischen Gemeinde, Herr Dr. Hugo Spitzer hat sich in der That veranlaßt gesehen, zu erklären, daß weder er, noch der Secretär der jüdischen Gemeinde, Herr Nathan Schwarz, diesem Angriffe nahe standen. Die Gesinnungstüchtigkeit des verleumderischen Effegger Blättchens wird aber am besten durch folgende Thatsache charakterisirt: In einem Artikel, den Dr. Kaufmann in Ihrem geschätzten Blatte über Croatien veröffentlichte, ward ein Ausspruch, den ein croatischer Pfarrer anläßlich des Uebertrittes eines Juden zum Christenthume geäußert haben und fürs Judenthum verletzend sem soll, citirt, worüber der genannte Pfarrer den Herrn Rabbiner preßgerichtlich belangte. Als aber Se. Ehrwürden Herr Dr. Kaufmann darauf hinwies, daß dieser Ausspruch in dem Effegger Localblättchen etwa 14 Tage vor dessen Erscheinen in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienen ist, da trat der genannte Pfarrer, da er behauptet, keine das Judenthum verletzende Aeußerung gethan zu haben, gegen das ihn beschuldigende Blättchen klagbar auf. Da sollte man wirklich staunen, die erfreuliche Wahrnehmung machen zu können, wie so ein Effegger Blättchen, das sonst den Mund voll Phrasen nimmt, gegen „jüdische, wie nichtjüdische Pfaffen" lammftomm werden kann, wenn ihm ein „ehrwürdiger Herr Pfarrer" zu Leibe tritt und chm mit Klage droht. Am 23. Jänner l. I. brachte dieses Winkelblättchen, das, nebenbei bemertt, einen Juden — allerdings mit kaum genügender Volksschulbildung — zum Leiter hat, den Bericht über die genannte Preßklage, wobei es in echt mannhafter Weise vor dem ehrwürdigen Herrn Pfarrer, den es vor einigen Monaten erst ganz anders tittllirt hat, ehrfurchtsvoll den Hut zieht und wieder versteckt gegen den wehrlosen Veröczer Rabbiner eine indirecte Verdächtigung bringt. Wir hier kennen den Ehrenmann, welcher hinter diesem besoldeten Ehrenhandel steckt. Er und der Schreiber jenes Berichtes genießen in vollem Maße die Hochachtung ihrer Gesinnungsgenoffen. Leider gibt es derarttge Ehrenmänner bei uns in Croatien und Slavonien noch zu viel. Argus. Hlirrik. (Eine bedeutende Frau.) Vor 14 Tagen verschied hier die Frau des hiesigen Gemeindevorstehers Herrn Samy Novak, Frau Anna Novak geb. Neubauer im 65. Jahre eines reich an seltenen, vorbildlichen Tugenden gesegneten Lebens. Es darf dieses hehre Frauenbild in unserer Zeit allen Frauen als ein Muster an Frömmigkeit und Herzensgute vorschweben. Entsproßen einer gottesfurchtigen, großen Familie, aus der Meister der Gelehrsamkeit und Wissenschaft hervorgingen — die Heimgegangene war die Cousine des Orientalisten, Prof. Neubauer in Oxford — lebte sie den Jntereffen der israelitischen Religion und der Wohlthätigkeit, die weit und breit in jüdischen und christlichen Kreisen berühmt gewesen, neben den vielen Pflichten als Leiterin einer großen Oekonomie und eines bedeutenden Hauswesens, als Gattin und Mutter von fünf Söhnen und einer Tochter, der edlen Gattin des weit über die Grenzen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns bekannten Predigers Doctor D Leimdörfer zu Hamburg. Sie stand an der Spitze vieler humaner. Frauenvereine im Trentschiner Eomitat und erwarb sich durch ihre in unserer Zeit seltene Frömmigkeit, Tugend und allgemeine Menschenliebe einen hervorragenden Namen. Was König Salomo von der Biederfrau, Esches chajil, gesungen, das hat sie von A bis Z buchstäblich erfüllt. Sie stand dem vielbeschäftigten Manne als eine wackere Gehilfin zur Seite, fördette seine Wirksamkeit für die Gemeinde und Nr. 6 sonstige Ehrenämter, sie ließ.aus ihren Prachtgewändcrn Tenipelvorhänge und Thoramäntel, aus ihrem Silber heilige Geräthe anfertigen und was ihrer Hände Fleiß erarbeitete, spendete sie ohne Wissen der Ihrigen zu wohlthätigen Zwecken. Früh am Morgen verrichtete sie ihr Gebet in alter Weise, gab ihrem zahlreichen Personal dann das Programm der Tagesarbeit, wirthschaftete in Haus, Feld und Holzgeschäst unermüdlich, sorgte für die Erziehung ihrer und vieler armer Kinder, die sie an ihrem Tische speiste und mit ihren Mitteln lernen ließ. Ihr Haus war eine Zufluchtsstätte der Unglücklichen, Witwen, Waisen, Gelehrten und ein Sammelplatz aller Nothleidenden, denen sie mit Anmuth und Liebenswürdigkeit die Thränen getrocknet und das Leid gelindert hat. Sic führte einen streng religiösen Haushalt, am Sabbath war das Haus erleuchtet vom Lichte der Religion, an den Festen war es der Mittelpunkt aller Feiernden. Nie ging sie zur Ruhe, ohne vorher in herkömmlicher Weise das Abendgebet verrichtet zu haben. So erzog sie auch ihre Kinder, von denen einer, Dr. Josef Novak, sich als ein Lieblingsschiller Professor Nothnagel's in Wien als tüchtiger Arzt und Dr. Sandor Novak als Advocat in Budapest eines klangvollen Namens erfreuen. Nach langem schweren Leiden verschied sie am Ausgang des Sabbaths, 29. Tebeth, nachdem sie zuvor gewünscht hatte, daß man die von ihrer Hand selbst gefertigten Sterbekleider hole und die Frauen der Chewra-Kadischa für sie bestelle, nachdem sie einige Stunden im Gebete verharrte. An ihrer Bahre waren Tausende von Menschen versammelt, und Alle, die in den Ortschaften Bittse, Hlinik, Koteso, Silleiu, Tcschen, Budapest, Wien die edle Frau näher gekannt, ohne Unterschied der Confession, waren mit tiefster Trauer erfüllt. Nie hat man ein Leichenbegängnis in Ungarn gesehen, das eine größere Trauer knndgab. Unter den Leidtragenden sah man Gelehrte aller Facultäten, Rabbiner und sehr viel katholische Priester, Angehörige aller Stände und Berufsarten. Nahezu 400 Telegramme und doppelt soviel Briefe waren eingetroffen. Während des letzten Grabganges hörte man von den verschiedenen Kirchthürmen die Glocken läuten, eine Ehre, die die katholische Kirche sonst nur ihren Bekennern widmet. Nach einem Trauerpsalm, vorgetragen vom Synagogensängern vernahm die große Trauergemeinde unter Schluchzen die Rede des Schwiegersohnes Herrn Dr. D. Leimdörftr zu Hamburg, der amtlich verhindert war, persönlich zu erscheinen, die aus dem Manuscripte des Redners von dem Schuldirector Herrn Ignaz Singer zur Verlesung gelangte und Alle auf's Tiefste crschüttette. Hierauf sprach Herr Oberrabbiuer Dr. Friedmann aus Silleiu über den Text: „Dahin ist die Trösterin und Erquickerin meiner Seele", Worte der herbsten Trauer, die das ganze gottgesegnete Leben der Verklärten ergreifend schilderte. Dann folgte die Bestattung in altreligiöser, üblicher Form. Emil L e i m d ö r f e r. Eine aufgelöste Zionisten-Verfammlung. Berlin, 9. Februar. Gestern wurde eine von Zionisten einberufene Versammlnng polizeilich aufgelöst, weil es zu blutigen Schlägereien kam. Als erster Redner sprach Dr. H e r z l aus Wien, hieran knüpfte sich eine Debatte und es kam zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Dr. Herz l's. Als ein evangelischer Pastor, der bekannte Judenmissionär F a b e r, eine Rede für den Zionismus hielt, erklärte hierauf Einer, es sei eine Schande dieses Bündniß der Missionsgesellschaft mit den Zionisten! Da kam es zu einer blutigen Schlägerei und zur Auflösung der Versammlung durch die Polizei. Berlin, 29. Jänner. Am 25. v. M. fand hier die erste ordentliche Generalversammlung des vor etwa Jahresfrist begründeten „Palästina-Verein zur Unter st ützung jüdischer Bauern" statt, in welcher der Vorsitzende, Herr Wilhelm Goldschmidt, über das Resultat des verflossenen Jahres Bericht erstattete. Wir entnehmen demselben, daß sich der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens eine sehr stattliche Mitgliederanzahl erworben hat und bereits über viele Orte Deutschlands ausgebreitet ist. Die Gesammtkosten belaufen sich auf 199°03 Mark, die Einnahmen auf 811'59 Mark, so daß ein Cassebestand von 612 56 Mark vorhanden ist. Im neuen Jahre ist bereits eine Anzahl neuer Mitglieder hinzugetreten. Ferner hat ein bekannter süddeutscher Rabbiner dem Verein größere Beträge, über welche er für Colonisationszwecke verfügen kann, zugesichert. Berlin, 1. Februar. Wie alljährlich, veranstaltet auch in diesem Winter das Curatorium der L e h r a n st a l t für ö i e Wissenschaft des Judenthums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, welche im Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9, gehalten werden, sind folgende: Am 14. Februar: Herr Docent Dr. M. S ch r e i n e r: „Was lehrten die Pharisäer?" Am 21. Februar: Herr Rabbiner Dr. T. Cohn: „Die Frauen im Talmud". Am 28. Februar: Herr Professor Dr. L. Geiger: „Esther in der neuen Literatur". Vr. Vloch's Wochenschrift«

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