Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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'Seite 111 Nr. 6 Nr. Bwrtz'» MmtzeMchrW. vierhundert galizische und fast hundert Bukowinaer Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschasten, die noch ohne irgend einen gemeinsamen Verband sind und deshalb nicht nur genügenden Rechtsschutzes und periodischer Bücherrevision entbehren, sondern auch nirgends Rath und Beistand und im gehörigen Ausmaße billigen und leichten Credit finden, eine solche Centralstelle zu schaffen. Die erwähnten Genossenschaften repräsentiren beinahe 160.000 Mitglieder, circa 6 Millionen Gulden eingezahlter Mitgliedsantheile, anderthalb Millionen Gulden Reservefonds, 15 Millionen Gulden verzinster Einlagen, 40 Millionen Gulden ertheilter Darlehen und bei 250 Millionen Gulden Cassaumsatz. Die neue Volks- und Vereinsbank in Lemberg wird nun, unbeeinflußt von politischen Tagesströmungen, nach Grundsätzen der strengsten Gerechtigkeit als Centralorgan der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschasten wirken, ihnen mit Rath und That beistehen, sie periodisch revidiren und alle zusammenfassen, ihnen einen leichten und wohlfeilen Credit verschaffen. Bis heute gehören dem Verbände schon über 100 galizische Wirthschaftsgsnossenschaften an. Bei der am 14. December stattgefuudenen constituirenden Generalversammlung wurden in den Aufsichtsrath gewählt die Herren: Casimir Agopsowicz aus Chominakowka, Bezirk Kolomea, als Präsident, Dr. Moritz I e k e l e s, Advocat in Lemberg, als Vicepräsident. Jacob Agopsowicz, Gutsbesitzer in Kobylce, Cajetan P a s s ak a s, Gutsbesitzer in Czernowitz, Franz Papierkowski, Bankdirector in Stanislau, Filip Sambra-Kahane, Vertreter des gräflich Pvtocki'scheu Fideicommisses in Lancut, Theodor S t a ch i e w i c z, Kaufmann und Bankdirector in Stanislau. Emil Zauderer, Kanonikus und Decan in Lancut, Moritz B r a n d st ä t t e r, Fabrikant in Lemberg, Dr. Valentin S z p u n a r, Advocat in Lancut, Jacob Rosen, Kaufmann und Bankdirector in Gliniany, Anton K o s i n s k i, Fabrikant und Gutsbesitzer in Debeslawice, Eisig Grabscheid, Hauseigenthümer in Lemberg, Moritz Vogelf a n g e r, Bankdirectox in Gliniany. Dem Vorstande gehören an die Herren: Dr. Mor. I e k e l e s, Advocat in Lemberg, General-Director; W i s l o c k i, k. k. Hofrath in Czernowitz, Geueral-Director-Stellvertreter, Dr. Johann W a l e w s k i, Gutsbesitzer und Reichsrathsabgeordneter, Bronislaus S l o n e c k i, Bahnunternehmer in Lemberg, Arthur A l l e r h a n d, Bankhaus in Rzeszow, Josef B a a r, Gutsbesitzer. Skole (Galizien). Das „Deutsche Volksblatt" druckte vor Kurzem einen Bericht des „Dziennik Polski" nach, in welchem es hieß, daß sechs Juden, die als Mitglieder des hiesigen Casinos ausgenommen wurden, zur Theilnahme an einem vom Casino veranstalteten Liebhabertheqter nicht zugelassen wurden, deshalb die Vorstellung auf jede mögliche Weise zu hintertreiben und die 146 christlichen Mitglieder zu terrorisiren suchten. Am 6. Jänner sah sich der „Dziennik Polski" gezwungen, folgende Berichtigung des Casino-Ausschusses abzudrucken: „Der im „Dziennik Polski" vom 29. December gebrachte Artikel unter der Aufschrift: „Jüdische Arroganz" stammt von einer Person, die mit den Verhältnissen des Casinos nicht vertraut ist, und stellt, dieselben in falschem Lichte dar. Die confessionelle und Nationalitätenfrage wurde bis nun weder in Generalversammlungen noch in den Ausschußsitzungen berührt. Geringer, Obmann des Casinos." Herr V e r g a n i hat natürlich nur die Verleumdung, nicht aber die Berichtigung nachgedruckt. Thatsächlich strotzt die Notiz im „Deutschen Volksblatt" vou Unwahrheiten. Das Casino zählt nicht 146, sondern sammt den Juden nur 60 Mitglieder. Juden gibt es in demselben 10, nicht 6, von denen 2 dem Ausschüsse angehören. Für die Theatervorstellungen wurden auch diese zwei jüdischen Ausschußmitglieder ohne jeglichen „Krawall" gewonnen. Wenn auch nicht zu leugnen ist, daß unter den Casinomitgliedern sich einige Antisemiten befinden, so ist doch die Mehrzahl von collegialen Gesinnungen gegen die Juden beseelt, und es muß namentlich betont werden, daß die beiden geistlichen Mitglieder entschiedene Gegner jeder confessionellen Gehässigkeit sind. — (Wir haben zu dieser Einsendung Folgendes zu bemerken: Die „Berichtigung" des Casino-Obmannes ist eine windelweiche und weist die Lügen des Wiener und Lemberger Hetzblattes in höchst unvollkommener Weise zurück. Die zehn höchst achtbaren jüdischen Herren, welche dem Casino in Skole angehören und deren Namen uns bekannt sind, hätten auf eine energischere Widerlegung und auch auf die Entfernung des „Dziennik Polski" aus den Casino-Localitäten dringen und im Falle der Ablehnung dieser Forderung aus dem Casino austreten sollen. Wenn die Juden selbst ihre Rechte in so mattherziger Weise wahren, dann ist es begreiflich, daß die antisemitischen Verleumder immer dreister werden und immer neue Lügen ersinnen, von denen schließlich doch immer etwas hängen bleibt. Anmerkung der Redaction.) Krakau. Bei der letzten Plenarsitzung hat der hiesige Cultusvorstand auf Antrag des Präsidenten der Cultusgemeinde Dr. Leon Horovitz beschlossen, der Einladung des Lemberger Cultusvorstandes wegen Beschickung des jüdischen Gemeindetages in Lemberg Folge zu leisten. Der Gemeindetag wird sich eingehend mit der Frage der Ausgestaltung der galizischen Cultusgemeinden auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1890 beschäftigen. Die Wahl der Delegirten findet demnächst statt. — Hier ist ein Strike der jüdischen Talles-Arbeiter ausgebrochen, welche Erhöhung des Lohnes und Abschaffung der sanitätswidrigeu Zustände in ihren Arbeitsstätten verlangen. Bekanntlich kämpfen diese Arbeiter stets mit der bittersten Noth und stiften ihr Leben unter den schwierigsten Bedingungen. Die Arbeiter haben sich an den Bicepräsidenten der hiesigen Cultusgemeinde Herrn Hirsch Landau mit der Bitte gewendet, er möge in dieser Angelegenheit interveniren, was derselbe zu thun versprach. Hoffentlich werden die Arbeitgeber die gerechten Wünsche der Arbeiter berücksichtigen und sich ihnen in ihrer schweren Lage entgegenkommend zeigen. Die socialistische Arbeiterpartei unterstützt die Arbeiter soweit als möglich. F. Aufpitz. Der antisemitische Blödsinn treibt immer schönere Blüthen. So schreibt das hiesige czechische Hetzblatt »Slovanske Listy« anläßlich der Budweiser Gemeindewahlen, daß die Juden nur deshalb zu den Deutschen hielten, weil ihnen der Streit zwischen Czechen und Deutschen sehr erwünscht sei. Duodus disputantibus tertius gaudet. Sie sind Diejenigen, welche aus dem Hader der beiden Völker den alleinigen Nutzen ziehen wollen!! Wer aber die Geschichte‘ der Juden kennt, weiß ganz genau, dcH sie froh waren und sind, wenn man sie in Ruhe läßt. Deu antisemitischen Kläffern jedoch erscheint kein Mittel zu gering, um gegen den Prügelknaben, den armen Juden, zu hetzen! Andererseits ist es aber doch unbegreiflich, daß die Juden, die ja von beiden Seiten, von Deutschen sowohl wie von Czechen, mit Füßen getreten werden, noch immer diesen beiden Völkern nachlaufen, um sich auf dem Gebiete des Nationalismus Lorbeeren zu erwerben. Wenn sie statt deutsche oder czechische Propaganda zu treiben, ihre eigene Sache vertreten wollten, würden sie nicht nur dem jüdischen Volke unendlichen Nutzen bringen, sie würden auch in der Achtung ihrer christlichen Mitbürger bedeutend steigen. Das mögen die Juden bedenken!! E. T. HL Beraua, 1. Februar 1898. (Doctor-Jubil ä u m.) Der hierortige Cultusvorsteher Herr M. U. Dr. Leopold Weinstein, k. u. k. Regimentsarzt i. R., feierte heute sein 40jähriges Doctorjuüiläum. Das ursprünglich ganz intern geplante Fest gestaltete sich in Folge der allgemein bekannten Beliebtheit des Jubilars zu einer spontanen Feier, an der viele Kreise der hiesigen Bevölkerung theilnahmen. Obwohl das Geheimniß der Feier streng gewahrt und erst am Vorabende des Festes bekannt wurde, berief der Vorstandstellvertreter Herr Adolf Hecht ad hoc eine Ausschußsitzung ein, in welcher Art und Weise der Ehrung des Jubilars beschlossen wurde. Das gewählte Co mite begab sich unter Führung des Fabriksdirectors Herrn H e l l m a n n zum Herrn Dr. W e i n st e i n, um ihm zum Andenken an dieses selten schöne Fest einen Pocal mit der entsprechenden Widmung zu übergeben. Es gratulirten ferner: der Lehrkörper der von der Cultusgemeinde erhaltenen Schule; der Vorstand der Chewra-Kadischa und eine Abordnung des neugegründeten Frauenvereines. Ferner erschienen der Stationsvorstand der k. k. Staats-, früheren Böhmischen Westbahn, deren Arzt der Jubilar seit Erbauung dieser Bahn ist; Abordnungen der Arbeiter der Kubinzki'schen Fabriken, der Ellenbogen'schen Zuckerfabrik, der Kalkwerke rc. Von den persönlich überbrachten Gratulationen wären zu erwähnen, die des Herrn Louis Ritter von Kubinzky. des k. u. k. Oberstlieutenants Zavadil, des Advocaten Herrn Dr. Fischer. Unter den zahlreichen Telegrammen und (Glückwünschen befanden sich solche von H. Bachofen von Echt, Direction der Böhmischen Montangesellschaft der Karl Emilshütte, Generaldirector der Bnschtiehrader Eisenbahn Pfeifer. Universitätsprofesforen, Regimentsärzten und vieler Studiengenossen, Collegen und Freunden.