Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 110 Dr. B lortz'S WochrnschryL Nr. 6 ÄVien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Mit Bezug auf die in der letzten Nummer Ihres gefchätzteu Blattes erschienene Entgegnung der Armeuanstalt der Cultusgemeinde, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich die Richtigkeit der von mir angeführten Thatsachen aufrechthalte. Der Wohlthätigkeits-Verein. dem ich als Ausschußmitgliü» angehöre, erhält sehr oft Bittgesuche von Wöchnerinnen, welche anführen, daß sie weder von der Cultusgemeinde, noch vom Frauen-Verein Unterstützungen erlangen können, weil sie nur rituell getraut sind und keinen rechtsgiltigen Trauschein vorweisen können. Speciell dem in meinem „Eingesendet" erwähnten Ehemann wurde auf seine Bitte um Unterstützung im Bureau der Armenanstalt erwidert: „Wenn Sie keinen Trauschein vorweisen können, so erhalten Sie weder von der Cultusgemeinde, noch vom Frauen-Verein eine Unterstützung." Angesichts der Erklärung der Armenanstalt stehe ich jedoch nicht an, zuzugeben, daß derartige Vorkommnisse möglicherweise dem schlecht angebrachten Uebereiser von Beamten, die einen allzugroßen Andrang von Petenten abwehren wollen, zuzusckreiben sind, und im Interesse der armen Wöchnerinnen freut mich die Erklärung der Armenanstalt, daß sie von der Beibringung eines Trauscheines bei ihren Unterstützungen absehe. Sollte ihr eine Jngerenz aus den genannten Frauen-Verein zustehen, so wäre zu wünchen, daß auch diese Körperschaft von einer so harten Verfügung Umgang nehme. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung Ihre Abonnentin R. F. Praktischer Antisemitismus. Als der Hausirer Gidalje Breithart, Leopoldstadt, Rembrandtstraße 30 wohnhaft, Samstag Nachts um halb 11 Uhr, den Eckplatz in Simmering passirte, brachen hinter einer Verkaufshütte plötzlich drei Burschen hervor, überfielen ihn und schleppten ihn hinter die Hütte. Dort warfen sie ihn zu Boden, würgten ihn und traten ihn mit Füßen. Die Strolche zerrten an seinem Waarenkasten, der Gegenstände im Werthe von sechs Guwen enthielt und suchten ihm den Kram zu entreißen. Der Uebersallene schrie aus Leibeskräften um Hilfe und sein Schreien rief zwei Sicherheitswachleute herbei, die den Hausirer aus den Händen seiner Angreifer befreiten und zwei der Strolche festnahmen, während der dritte flüchtig wurde. Die Verhafteten sind der Spenglergehilfe Alexander Schwaiger, 18 Jahre alt, und der Monteur Franz W i l s a r t, 20 Jahre alt, Beide Simmering, Hauffgasse 30 wohnhaft. Dem Commissariate überstellt und einem Verhöre unterzogen, gaben sie an, daß sie sich mit dem Hausierer nur einenScherz machen wollten, um ihn zu erschrecken. Beide Burschen leugnen, ihren entsprungenen Complicen zu kennen. Dieser wurde jedoch in der Person des 16jährigen Eisengießers Carl H a s b a ch ausgeforscht und verhaftet. Alle drei Wegelagerer wurden wegen Verbrechens des Raubes dem Landesgerichte eingeliesert. Franzeusbad. (Aus dem Referat übcrden Antrag des Vorstehers Herrn B. Kraus der israelitische nCultusgemeindeinFranzensbad.) „Beschlußfassung über die Erbauung eines Gemeindehauses für curbedürftige arme Israeliten aus Anlaß des im Jahre 1898 stattfindenden Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef!.". Aus dem Referat erstattet von Dr. I. Kr a u s—Haslau. „Allerorten rüsten bereits die Völker Oesterreichs zu dem Jubiläums- Feste ihres erhabenen Monarchen, dessen fünfzigjährige, kampf- und sorgenreiche Regierung dem Wohle aller Bewohner dieses großen Kaiserstaates ohne Unterschied des Glaubens und der Nation in gleicher Aufopferung und Liebe galt. In freudiger und dankbarer Hingebung und Ergebenheit wollen die israelitischen Cultusgemeinden diesen Ehrentag des edlen und ritterlichen Herrschers begehen, und zahlreiche Werke der Wohlthätigkeit und Nächstenliebe sollen ein dauerndes Denkmal der Milde und Gstte des heißgesiebten und verehrten Kaisers bilden. Auch die israelitische Cultusgemeinde in Franzensbad rüstet zu einem Werke der Menschenliebe und Notwendigkeit und vertrauensvoll legt sie die Vollendung desselben in die Hände des gegenwärtigen Vorstandes der Gemeinde. Der Tag, an welchem unser gütiger Herrscher sein fünft zigjahriges Regierungsfest mit allen Völkern seines weiten Reiches begeht, soll in seinem gnadenvollen Sinne auch in unserer Mitte gefeiert werden: zum Nutzen der armen kranken Israeliten, die hierorts Hilfe suchen. Auf festem Grunde schlicht erbaut, soll das Krankenheim ein Wahrzeichen sein von dem gemeinsamen Wirken, das unsere Gemeinde beseelt, es soll ein Denkmal sein der nie ■ versiegenden Quelle jüdischer Nächstenliebe, es soll ein bleibend gastliches Dach sein für die kranken Armen. Lassen Sie uns den einmüthigen Beschluß zur Erbauung eines Gemeindehauses für arme curbedürfttge Israeliten fassen: Zum Lobe Gottes, zum Ruhme unseres Kaisers, zur Ehre unserer Gemeinde und Aller derer, die unser Werk der Liebe fördern helfen!" Spenden für d a s K a is er Fr a n z I o se f Jubi läums- Jsraeliten- Hospital. Frau Baronin Hirsch-Gereuth 3000 fl.; die Herren: Baron Rothschild, Wien 500 fl.; Gebrüder Guttmann, Wien 200 fl.; Ph. Thorsch, Wien 200 fl.; Frau Rosa Hildesheimer, Wien 200 fl.; Herr Baron Springer, Wien 100 fl. und das ganze Porzellangeschirr für das Hospital; Cultusgemeinde Berlin 300 Mark 180 fl.; Cultusgemeinde Wien 100 fl.; Frau Franziska Ginsberg, Berlin 60 fl.; die Herren: Salo Kohn, Wien 50 fl.; Moritz Karpeles, Wien 50 fl.; Hofrath Hahn, Wien 50 fl.; M. Bloch, Prag 50 fl.; Sigmund Haurowitz, Prag 50 fl.; kaiserlicher Rath Beer. Prag 50 fl.; Israelitische Gemeinde Prag 50 fl.; Brüder Porger Prag 50 fl.; Commercialrath Klinger, Wien 20 fl.; Commercialrath Trebitsch, Wien 20 fl.; Josef Sucharipa, Wien 20 fl.; Jacob Rothberger, Wien 20 fl.; Sam. Goldberger & Söhne, Wien 20 fl.; M. D. Mandl, Wien 30 fl.; Pollak & Söhne, Wien 30 fl.; Michael Benins, Prag 25 fl.; Baron Dormitzer, Prag 20 fl.; Selig Elbogen, Prag 25 fl.; M. B. Kohn, Prag 25 fl.; Otto Bondi, Prag 20 fl.; Sam. Kallberg, Prag 20 fl.; Löwig Wieterberg. Prag 20 fl.; Josef Pick & Co.. Prag 20 fl; Carl Thorsch. Prag 20 fl.; Gustav Jrmenbach, Prag 20 fl.; M. Rosenbacher, Prag 20 fl.; Joß & Löwenstein, Prag 20 fl.; Brüder Böhm, Prag 20 fl.; Dr. D. Petschek, Prag 20 fl.; Ferdinand Goldschmidt, Prag 20 fl.; Sig. Kann, Prag 20 fl.; M. B. Teller, Prag 20 fl.; Robert Fuchs, Prag 20 fl.; Dr. Eger, Prag 20 fl.; M. Fischel's Söhne, Prag 20 fl.; M. Grab & Söhne, Prag 20 fl.; Geheimrath Schwäbach, Berlin 30 fl.; Süskind Leipzig, 30 fl.; Grünfeld & Bloch, Wien 15 fl.; Zwieback L Bruder, Wien 10 fl.; Ritter v. Borkenau. Wien 10 fl.; Ludwig Engel, Prag 10 fl.; Brüder Austerlitz. Prag 10 fl.; Frau A. Lachmann, Berlin 18 fl.; Herr Justizrath Mayer 12 fl.; Herr Sigmund Groß, Leipzig 12 fl. Lemberg. Der hiesige israelitische Cultusvorstand hat bereits kundgemacht, daß das neue Statut genehmigt wurde und werden die Wahlen der 30 Cultusräthe, 69 Vertrauensmänner für Rabbinerwahlen für Monat März, ausgeschrieben. Sonntag den 5. d. M. hat hier im Cultusrathssaale eine Versammlung zum Zwecke der Bildung eines Wahlcomites stattgefunden. Die Versammlung war vom hiesigen Kammerrathe Herrn Max Epstein einberufen und an derselben haben sich etwa 50 Personen betheiligt. Herr Max Epstein eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, den Frieden in der Gemeinde anzustreben. Das Wahlcomite wurde aus 50 anwesenden Mitgliedern — wybei die conservative Partei sehr wenig vertreten war — mit einer bereits fertigen vorbereiteten Liste gebildet, und trotz Antrag des Gemeindemitgliedes Herrn Julius Hochfeld, nur solche Mitglieder ins engere Comits zu wählen, die als Cultusräthe nicht candidiren — um bisherige Agitation un> Korruption zu vermeiden, werden der Versammlung nur solche Mitglieder aufoctroyirt, welche nicht Bildung und Begabung besitzen, während gebildete, begabte und leistungsfähige Menschen, welche in der Gemeinde seit 25 Jahren hohe Verdienste aufzuweisen haben, umgangen sind. Wie vorauszusehen ist, werden auch in dieser Cadenz nur solche Vorsteher gewählt oder — wie man es hier „nennt" — gemacht, welche sich durch Corruption verdient gemacht haben. Wir rufen daher — (da es noch Zeit ist, den Frieden zwischen den Conservasiven und der Fortschrittspartei zu stiften) — unseren intelligenten Führern zu: Beobachtet das Recht und alle Schattirungen bei den Cultusrathswahlen, denn nur in. diesem Falle ist Friede in unserer Gemeinde zu erwarten, und nicht in der bisherigen Corruption und Agitation. Lapienti sat! Lemberg, 4. Februar. Am 15. d. M. eröffnet die neugegründete Volks- und Vereinsbank in Lemberg ihre statutarische Wirksamkeit, nachdem bereits am 14. December v. I. deren Constituirung stattgefunden hat. Die Gründung dieses Instituts entsprang dem dringenden-Bedürfnisse, für beinahe