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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Leite 109 Vr. Vwch » WochrnschrM Antrag des Obnramles der Finanz-Section, kais. Rath Hirsch, die Auszahlung der nachträglich pro 1897 bewilligten und der für heuer bereits budgetirten Subvention per je 500 fl. z u e r k a n n t. Herr Vicepräsident Dr. K o h n referirt sodann über eine weitere Eingabe derselben Gesellschaft um leihweise Ueberlassung von der Cultusgemeinde gehörigen Reliquien und Kunst gegen ständen unter Wahrung des Eigenthums- und Widerrufsrechtes. Nachdem die Localitäten der Gesellschaft feuer-- und einbruchsicher sind und Vorkehrungen für eine dem Liebhaberwerthe der Objecte entsprechende Versicherung getroffen werden, wäre vorbehaltlich der Zustimmung einzelner Familien, denen gegenüber sich die Gemeinde zur Obhut der ihr überlassenen Reliquien verpflichtet habe, das Ansuchen zu bewilligen. Herr Baurath S t i a ß n y dankt namens des Curatoriums der Gesellschaft für die wiederholte Unterstützung seitens des Vorstandes, wodurch geradezu der Bestand des Vereines gesichert sei, welcher nun durch den Beitritt zahlreicher Mitglieder und Stifter, auch materiell gefertigt sei. Den größten Dienst würde der Vorstand durch die Ueberlassung der im Besitze der Gemeinde befindlichen künstlerisch und historisch werthvollen Gegenstände erweisen. Nach der Mittheilung des Präsidenten, daß seitens des Vorstandes vorerst die Einholung der Zustimnrung der Familien der ursprünglichen Spender und ein Localaugenschein stattfinden werde, wird der Antrag des Vertretercollegiums einstimmig angenommen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist der Bericht der II. (Unterrichts-) Section, betreffend die periodische I nspection der Religionsschulen. Referent Dr. Kohn theilt mit, daß auf Grund des § 84 des Statuts seinerzeit über Antrag der U. Section das Plenum die periodische Jnspection des Religionsunterrichtes durch Mitglieder des Vorstandes — neben den bestellten Jnspectoren — beschlossen und sich die Herren Dr. S t e i n e r, S 1 i a ß n y, Fleischer, Dr. Spitzer, Dr. G r ü n f e l d, v. Mises, Dr. Berger, T a u s s i g, H o f f m a n n und Vogel hiezu freiwillig erboten haben. Hiedurch soll sich der Vorstand — bei allem Vertrauen zu den Religionsinspectoren — persönlich von dem Unterrichte in der Religion ein klares Bild verschaffen. Auch der Oberrabbiner Dr. Güdemann habe seine Theilnahme zugesagt. Gleichzeitig erstattet Herr Dr. K o h n Bericht über die in Gemäßheit des letzthin gefaßten Plenarbeschlusses eben eröffnete L e s e-U e b u n g s s ch u l e, in welcher mit Zustimmung ihrer Eltern Kinder, welche im Hebräisch-Lesen zu Hause keine oder nicht genügende Nachhilfe erhalten, die aber bei dem wöchentlich blos zweistündigen Religionsunterrichte in den Schulen notwendig erscheint und sich freiwillig zur Aufnahme melden, durch Uebung vervollkommnet werden, wobei nur ein correctes und geläufiges Lesen im Hebräischen als Ziel angesehen wird, damit die Kinder dem Gottesdienste mit Leichtigkeit folgen können. Es werden zunächst fünf Abtheilungen eröffnet und verspricht sich der Referent von dieser Institution einen bedeutenden Erfolg. Herr Vertreter kais. Rath Hirsch hält es für nöthig, diesbezüglich an die Eltern durch die Rabbiner von Zeit zu Zeit zu appelliren, ihre Kinder zum Beten im Hause aus dem Gebetbuche wenigstens anzuhalten. Der Präsident leitet diese Anregung zur weiteren Behandlung an die ll. Section. Sodann wird der Bericht genehmigt. Der Referent dankt für die Kenntnißnahme seines Berichtes und hofft, daß die Anregung des Herrn Vertreters Hirsch von der Section berücksichtigt werden wird. Er b erichtet weiters über die Conferenz der Religionslehrer an den Mittelschulen. Die vielfachen Klagen mehrerer Eltern seien glücklicher Weise nicht berechtigt, dennoch sei der Vorstand der Sache näher getreten und habe die Lehrer zu einer Conferenz einberufen, in der sie erklärten, den Intentionen des Vorstandes gemäß für die Erziehung der Jugend in jüdischem Sinne zu wirken. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß die Lehrer eine Vereinigung bilden und in Konferenzen sich mit den Fragen betreffs des Unterrichtes in der Religion und dessen Fortentwicklung beschäftigen sollen. Dabei handle es sich zunächst um die Lehr- und Gebetbücher, derentwegen schon Jahre hindurch vom Ministerium Schwierigkeiten gemacht werden, indem die jetzigen Lehrbücher stets zum Gebrauche verboten und nur über besonderes Einschreiten auf ein Jahr zur Benützung zugelaffen werden. Die Frage der Verfassung von neuen der Unterrichtsbehörde genehmen Lehrbüchern für die i s r a e l i t i s ch e Religion werde vom Vorstande nunmehr ernstlich behandelt werden. Mit der Kenntnißnahme dieses Referates wird die öffentliche Sitzung geschlossen. Wien. (E i n g e s e n d e t.) Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie einem mitein geladenen, aber leider nicht redegewandten Borstandsmitgliede eines Wohlthätigkeitsvereines an dieser Stelle einige Worte zu der interessanten Debatte, die sich Samstag Abends an die vortrefflichen Vorträge der Damen Frau Ottilie B o n d y und Frau Antonie Graf anschloß. Die allverehrte Frau Präsidentin des Hausfrauenvereines entrollte vor unseren Augen aus dem reichen Schatze ihrer Erfahrungen aus aller Herren Länder ein wahrhaft beneidenswerthes Bild — ausländischer Wohlfahrtseinrichtunaen. Wie glücklich sind Gemeinwesen, die ihren Armen Blumen, Bücher, Vorträge und Musik bieten können! Möge es der hochverdienten Frau Ottilie B o n d y vergönnt sein, einst noch hier, an der Stätte ihres segensreichen Wirkens, dieses ihr Ideal verwirklicht zu sehen! Einstweilen aber sind wir noch leider sehr weit davon entfernt, fast ebensoweit, als von dem ihr noch viel höherstehenden Ideale der interconfessiouellen Wohlthätigkeit. Wollen wir uns dem ersteren Ziele, das uns doch noch erreichbarer scheint, wenigstens schrittweise nähern, dann müssen wir vor Allem den Zustand der armen Juden in Wien, um die es sich fiir uns handelt, in's Auge fassen. Durch Krankheit, Noth und Mangel am Allernothwendigsten sind die Meisten in einen Stumpfsinn verfallen, der sich hauptsächlich im Fehlen jeden Sinnes für Ordnung und Reinlichkeit äußert. So tief wurzelt dieses Uebel, daß selbst bei einer günstigen Aenderung der Verhältnisse, die übrigens leider selten genug vorkommt, in dieser Beziehung Alles beim Alten bleibt. Wie ließe sich nun mit verhältnißmäßig geringen Geldopfern für diese traurigen Zustände eine Abhilfe schaffen? Ein vortreffliches Mittel hiezu wäre meines bescheidenen Erachtens die Errichtung einer Koch- und Haushaltungsschule für jüdische Mädchen, die nur zur ersten Einrichtung ein kleines Capital beanspruchen würde, sich dann aber ganz im Sinne der auf diesem Gebiete so erfahrenen Frau Ottilie Bondy selbst erhalten könnte. Eine einzige bezahlte Kraft — die eigentliche Köchin, und eine Schaar freiwilliger Aussichtsdamen, tüchtiger Hausfrauen, deren es Gottlob, wie Sr. Ehrwürden Prediger L ö w y an demselben Vortragsabende constatirte, nicht wenige gibt, würde genügen, um jährlich eine Anzahl Mädchen aus den allerärmsten, allerverkommensten Schichten der jüdischen Bevölkerung Wiens zu arbeitsamen, reinlichen, ordnungsliebenden Wesen zu erziehen, die mit Leichtigkeit einen guten lohnenden Erwerb als Dienstboten finden; aber selbst, wenn sie sich nach beendeter Lehrzeit einem anderen Berufe zuwenden sollten, der Anstalt eine schätzbare Mitgift fürs Leben verdanken werden. Als Externat gedacht, damit die am Abend heimkehrenden Mädchen das, was sie heute gelernt, auch gleich in der Familie praktisch verwerthen können, gewährt die Anstalt ihren Zöglingen doch die vollständige Verpflegung und Arbeitskleidung. Dies, sowie der Umstand, daß die Lehrzeit nur ein Jahr dauert, soll dazu dienen, die etwa noch vorhandene Abneigung der ärmsten jüdischen Mädchen gegen den dienenden Stand zu besiegen. In gleicher Absicht muß durch kleine entsprechende Prämien und Belohnungen die Ausdauer und der Ehrgeiz der Zöglinge angespornt werden. Wenn sämmtliche jüdischen Frauenvereine Wiens sich in dieser Idee vereinigen wollten, wenn jeder ein kleines Scherflein von seinem Capital und die bewährten Kräfte seines Vorstandes zur Verfügung stellen würde, dann könnte mit geringen Kosten — allerdings mit vieler Mühe — ein Jubiläumswerk geschaffen werden, dessen segensreiche Wirkungen in mehr als einer Richtung sich in kürzester Zeit bemerkbar machen würden. Ein vollständig ausgearbeiteter Organisationsplan steht den geehrten Damen, die sich dafür intereffiren, zur Verfügung.

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