Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 6 (11.2.1898)
- Date
- 1898-02-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 108 Dr. Vloch'* Wochenphrift. Nr. 6 Correspondenzen. Wien. In der am 3. Februar stattgefundenen Sitzung des niederösterreichischen Landtages leistete sich Abgeordneter Geßmann gelegentlich der Debatte über die Einführung des Religionsunterrichtes als obligaten Gegenstand an der Oberrealschule folgenden Ausspruch: „So ist es gekommen, daß an der Alma mater Rudolphina, die doch eine katholische Stiftung ist, zum allergrößten Theile Juden wirken." Dr. Geßmann, k. k. Scriptor an.der Wiener Universitätsbibliothek, hat hier — man kann dies getrost behaupten — eine bewußte Unwahrheit (um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen) ausgesprochen. Wir begreifen wohl, daß Prof. v. Philippovich mit einem Geßmann über derlei Dinge nicht polemisiren wird, allein au dieser Stelle seien in Bezug auf die christlich-sociale Wahrheitsliebe des Herrn Universiläts-Scriptors einige Ziffern angeführt, die für sich selbst sprechen sollen. In diesem Studienjahre zählte die juridische Facultät 17 ordentliche, 3 außerordentliche Professoren; darunter je zwei Juden. Die medicinische Facultät 38 Professoren, die dem Profefforencollegium angehören (darunter 13 Juden), 23 Profefforen, die außerhalb des Collegiums stehen, darunter 2 Juden. An der philosophischen Facultät 47 ordentliche Profefforen, darunter 5 Juden, 20 außerordentliche Professoren, darunter 3 Juden. So sieht es also mit der Alma mater Rudolphina ans, an der zum allergrößten Theile Juden wirken. Wien. Mittwoch den 2. d. M. fand unter dem Vorsitze des Präsidenten, kaiserlichen Rathes K l i n g e r, eine öffentliche Plenarsitzung des Cultusvorstandes statt, über welche uns folgender Bericht vorliegt. Einlauf: Zuschriften der S t a t t h a l t e r e i, betreffend die Kenntiüßnahme der Wahlen der beiden Bicepräsidenten, der Obmänner und Obmannstellvertreter der Sektionen, weiters die Bestätigung des Chocham P a p o des türkisch-israelitischen Gemeindeverbandes in Wien zum Gemeinderabbiner. Die Profefforen Ignaz Brüll und Julius E p st e i n und der Tondichter Carl Gold mark haben das Jurorenamt bezüglich der Ignaz Blumenfeld-Widmung für Musiker übernommen. (Beifall.) An Spenden sind in letzter Zeit eingegangen: Durch Herrn Vorsteher Dr. Spitzer von Herrn Philipp Weiner namens eines aufgelösten Losvereines im Restaurant Sohr: für den isaelitischen Handwerkerverein fl. 50.—; ' für das israelitische Armeninstitut fl. 50.—; für Arme unter Chiffre „C. G. K." fl. 10.-. Frau Rosalie Edle von Kuffner übermittelt fl. 12.000 (in Notenrente) für zwei Stiftplätze im israelitischen Altersversorgungshause. Für eine Jacob M a r m ar os ch's ch e Graberhaltungs- und Studenten-Stiftung sind 20.000 Kronen in Renten erlegt worden. Den Spendern und Stiftern wird der Dank v o t i r t. Es wird zur Tagesordnung übergegangen. Erster Gegenstand derselben ist der Bericht des Vertretercollegiums, betreffend die feierliche Begehung des Regierungsjubiläums des Kaisers. Referent Vicepräsident Dr. Stern: Wenn schon überhaupt die Begründung eines Antrages, welcher von sämmtlichen Collegen gestellt wurde, und heute, nur um der statutarischen Form zu entsprechen, als Antrag des Vertretercollegiums dem Plenum vorgelegt wird, eine kurze und einfache sein kann, so gilt dies in weit erhöhterem Maße von dem Anträge, welchen ich heute vorzubringen die Ehre habe. Von allen Völkern tu der großen österreichischen Völkerfamilie und von allen autoritären Körperschaften, von allen Corporationen und von allen Religionsgesellschaften wird in diesem Jahre das 50 jährige Regierungsjubiläum unseres erhabenen Monarchen festlich begangen. Es ist selbstredend, daß hierin die Wiener Judenschaft, die nunmehr neu organisirte israelitische Cultusgemeinde Wien, nicht zurückstehen wird, so wie überhaupt die österreichische I u bensch a s t in ihrer Treue und Opferwilligkeit gegenüber ihrem erhabenen Monarchen niemals und zu keiner Zeit zurückgestanden ist. Die Wiener Cultusgemeinde fühlt sich aber auch verpflichtet, bei diesem Anlaffe ihrem tiefen Dankesgefühle für den erhabenen Spender der Staatsgrundgesetze Ausdruck zu geben, und sie ist überzeugt, daß sie hierin sich als der Dolmetsch der Gefühle der gesammten österreichischen Judenschaft ansehen kann. Ein feierlicher Gottesdien st in allen festlich zu schmückenden Gotteshäusern der israelitischen Cultusgemeinde soll am Jubiläumstage die Wiener Judenschaft vereinigen, und wird es die Aufgabe des Bethausvorstaudes sein, hiefür die geeigneten Vorbereitungen zu treffen. Eine Huldig u n g s a d r e s s e der Wiener Cultusgemeinde an Seine Majestät wird den Gefühlen der unentwegten Treue, Opferwilligkeit, tiefsten Dankbarkeit, sowie des unerschütterlichen Vertrauens, mit welchem die Wiener Judenschaft auch in schwerster Bedrängniß zu dem erhabenen Monarchen emporblickt, Ausdruck geben. Der Cultusvorstand beabsichtigt ferner, in diesem Jahre den Grundstein zu legen zur Verfassung einer Geschichte der Wiener Juden sch a ft mit Berücksichtigung insbesondere des letzten halben Jahrhunderts. Das Vertretercollegium im Vereine mit der Unterrichtssection wird die Vorbereitungen treffen und dem Plenum zur Genehmigung vorlegen. Dem wiederholt kundgegebenen allerhöchsten Wunsche, es sei das Kaiserjubiläum durch Wohlthätigkeitsacte zu feiern und zu schmücken, glaubt der Vorstand am besten zu entsprechen, indem er eine sehr empfindliche Lücke in den Wohlthätigkeitsanstalten unserer. Gemeinde ausfüllt. Wir haben Armenanstalten und Vereine, wir haben Waisenhäuser, wir haben ein jüdisches Krankenhaus, wir haben ein Altersversorgungshaus, wir haben eine Kinderbewahranstalt, wir haben ein Taubstummeninstitut und eine Blindenanstalt, wir haben aber keine Stätte, welche jene Unglücklichen aufnimmt, die, dem Siechthum verfallen, nicht in dem Krankenhause und bei nicht vorgerücktem Alter auch nicht in dem Altersversorgungshause Unterkunft finden. Anläßlich des 40jährigen Kaiserjubiläums wurde das Versorgnngshaus eröffnet, im Anschlüsse daran möge anläßlich des 50jährigen Kaiserjubiläums das israelitische Haus der Barmherzigkeit für Unheilbare, das S i e ch e n h a u s mit einem Fassungsraum für mindestens 50 Pfleglinge errichtet und sollen die Kosten jm Wege einer Sammlung unter den Glaubensgenossen beschafft werden. Wenn wir uns auch vorläufig auf die hier vorgebrachten Anträge, welche wohl einer weiteren Begründung nicht bedürfen, beschränken, so soll damit nicht ausgeschlossen sein, daß wir in der Ausgestaltung der Wohlfahrtseinrichtungen unserer Gemeinde noch darüber hinausgehen und Ihnen noch weitere Anträge zu unterbreiten in die Lage kommen werden. Wir bitten Sie für heute, den gestellten Anträgen e i nmüthigund ohne Debatte Ihre Zustimmung zu ertheilen, welche kurz gefaßt dahin lauten: 1. Festgottesdienst in allen festlich geschmückten Gemeindebethäusern. 2. Unterbreitung einer Huldigungs-Adresse an den Stufen des a. h. Thrones. 3. Vorbereitung zur Verfassung einer Geschichte der Wiener Judenschaft. 4. Erbauung eines Versorgungshauscs für Unheilbare (Siechenhaus) mit einem Fassungsraume für mindestens 50 Pfleglinge. 5. Für letzteren Zweck Einleitung einer Sammlung unter den Glaubensgenossen. Der Präsident befragt die Versammlung, ob sie dieser Bitte des Referenten entsprechen und weiters eine Abstimmung über jeden einzelnen Punkt der Anträge oder eine en bwe-Annahme wolle. Vicepräsident Dr. K o h n bemerkt, daß diese Anträge nicht aus Mangel einer Debatte ohneweiters angenommen werden sollen, sondern die Zustimmung der Versammlung werde vielmehr erfolgen, weil alle von der Dankbarkeit gegen den Monarchen und von dem Bewußtsein durchdrungen seien, daß die feierlichen Acte ebenso angemessen, als auch im allgemeinen Interesse gelegen erscheinen. Ueber Einladung des Präsidenten werden die beantragten Loyalitäts- und Wohlthätigkeitsacte unter Erheben von den Sitzenen bl o c und einhellig ge* nehmigt. Es folgt nun das Referat über das Ansuchen der „G esellschaft für Sammlung und Conservirung v o n K u n stu n d historischen Denkmälern des I u d e u t h u m s" um Subvention. Es wird über