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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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-r. Bloch » Wochrnschrtfl. Seite 107 ■Hu 6 nächsten Herbst eröffnet werden können. Bemerken will ich hier noch, daß unser Lehrerseminar und unsere Handwerkerschule auch von Seiten edler Glaubensbrüder in Berlin eine namhafte Subvention bekommen werden. Damit wir die Neu-Organisirung unserer Schulen in der angedeuteteu Weise ausführeu können, ohne uns Verdächtigungen auszusetzen, rieth man Herrn Dr. Sonnenfeld, eine Audienz beim König und beim Ministerpräsidenten, Herrn Demeter A. S t u r d z a, nachzusuchen, um dem Staatsoberhaupte, wie dem Vertreter der Regierung einerseits, den Zweck seiner Reise auseinanderzusetzen, und um andererseits ihren moralischen Schutz für das große Culturwerk, das in Angriff genommen werden soll und ohne welchen ein ersprießliches Gedeihen desselben nicht denkbar ist, zu gewinnen. Die Audienz beim König fand aus formellen Gründen nicht statt, der Ministerpräsident jedoch, der Herrn Dr. Sonnenfeld am 18.(30.) Jänner in seinerPrivat-Wohnung empfing, versprach im Namen der Regierung, dem Werke jede wünschenswerthe Unterstützung und Förderung angedeihen zn lassen. Dr. Sonnenfeld besuchte auch noch den Verwalter der Krongüter, Herrn Jän K a l i n d e r u, der gleichfalls große Sympathien unseren Bestrebungen entgegenbringt und sich bereit erklärte, von denselben Sr. Majestät dem König Bericht zu erstatten. Auch Herr C a r p, das Haupt der Junimisten-Partei, die sich wohl im Augenblicke in der Opposition befindet, aber vielleicht schon in nächster Zeit die Zügel der Regierung in die Hand bekommt, wurde durch Herrn Dr. Sonnenfeld aufgesucht und von demselben sehr wohlwollend empfangen. So wäre denn die Bahn geebnet für ein Culturwerk, von dem wir uns für die ganze rumänische Jndenheit großen Segen versprechen. In den letzten Tagen hat eine unter dem Titel: „Doue mesuri“ („Zwei Maßregeln") erschienene Broschüre von dem als rumänischen Dichter rühmlichst bekannten Glaubensgenossen, R o n e t t i Roman, in allen Kreisen, in jüdischen wie in christlichen, großes und gerechtes Aufsehen erregt. Das Erstlingswerk dieses hochbegabten Dichters, der gegenwärtig als Gutspächter in Davideni, einem moldauischen Dorf im Distriet Neamtz lebt, erschien vor etwa 20 Jahren und wurde geradezu enthusiastisch ausgenommen. R o n e t t i Roman bekam damals den Namen des rumänischen Heine. Seitdem trat er nicht mehr vor die Oeffentlichkeit, umso freudiger wurden seine Verehrer und Freunde durch seine jüngste Leistung überrascht und mir Juden haben besonders Grund, dem Verfasser dankbar zu sein; denn überzeugender hat bis heute noch niemals Jemand unsere Sache verfochten. Dabei ist die Broschüre in einer Sprache geschrieben, die den Kenner des Rumänischen entzücken muß. Man ist in Verlegenheit, ob mau mehr die poetische Form oder die überzeugende und unwiderlegliche Kraft der Argumente des Verfassers bewundern soll. Als Ausgangspunkt dienen Herrn Roman die zwei in der letzten Zeit vielfach besprochenen Gesetzesvorschläge der Regierung: Das Berendeiu'sche Recrutirungsgesetz, durch welches die Juden von der Armee, und das Mittelschulgesetz Haret's, durch welches wir von den Gymnasien und Lyceen allsgeschlossen werden sollen. Dabei streift aber der Verfasser die ganze Judeufrage und weist nach, wie der Fremden- oder genauer Judenhaß der Rumänen das Land dem sicheren Verderben entgegenführt. Die Juden verdienen es am allerwenigsten, daß ihnen das Brandmal der Landesfeinde aufgedrückt werde; sie haben sich bisher bei jeder Gelegenheit als treue Söhne Rumäniens bewährt und würden dem Lande noch inehr Nutzen bringen, wenn man sie nicht auf Schritt und Tritt durch restrictive Maßregeln hindern würde. Die Broschüre, nur 68 Seiten stark, muß, dessen sind wir sicher, eine nachhaltige Wirkung ausüben. Der Bischof von Heiligenkreuz. War das ein Aufsehen, als vor ein paar Jahren die Kunde durch die Welt flog, eines der ältesten und reichsten Erzbisthümer der Welt, das von Olmütz, sei einem veritablen „Kohn" zugefallen! So was wäre wirklich noch nicht dagewesen, meinte man allenthalben, und die überraschte Welt meinte ohneweiters: dem guten, alten Ben Akiba sei diesmal ein Schnippchen geschlagen worden, von dem er sich nicht sobald erholen würde! Und doch hat Uriel Akostäs weiser Mahner vollkommen Recht. S. H. Sonnenschein erzählt nämlich in der „Deborah" : Ich habe ihn persönlich gekannt (nicht den Ben Akiba, dazu bin ich nicht alt genug), aber beit Mann, welcher von unmittelbarer Mischer Herkunft gewesen und der, was die Hauptsache, mit unverhüllten jüdischen Sympathien, vom Jahre 1851 bis zum Jahre 1874 auf dem Bischofsitz von „Heiligenkreuz", der uralten oberungarischen Sohler Diöcese thronte. Und „Moyses" hieß er, ein Name, der heute noch zu den verbreitetsten und geachtetsten unter den jüdischen Familien in Croatien zählt. Bischof Moyses war ein Mann, zum Kircheufürsten wie geschaffen. Eine Cavaliergestalt von Kraft und Adel, eine imposante geistige Persönlichkeit, voll gewinnender Suada und vielseitiger Gelehrsamkeit. Zur Zeit des Ausbruches der ungarischen Revolution war der dreißigjährige Priester bereits der populärste Professor am erzbischöflichen Seminar zu Agram, und als Ban Jelacic die dynastische Fahne gegen die entfesselte Freiheitsströmung der edlen Magyaren ins Feld führte, schloß sich der für die croatischen Sonderinteressen begeisterte Moyses als redegewaltiger Volksführer der Gränzer-Schaaren an. Die siegreiche Dynastie vergaß ihren Getreuen nicht, und nach völligem Niederbruch der Revolution empfing Moyses als Lohn für seine Loyalität das slovakische Sohler Bisthum. In den Comitaten Bars und Sohl, welche den Haupttheil und die reichsten Pfründen seiner Diöcese bildeten, dursten vormärzlich Juden nicht wohnen. Der Revolutionssturm aber hatte diese Ausnahmszustände hinweggefegt. Und Bischof Moyses war ein Freund, ein treuer, ein unentwegt treuer Freund der Juden. Er machte seinen ganzen Einfluß geltend, um die jüdische Freizügigkeit zu fördern, die erbgesessenen Borurtheile zu bannen oder wenigstens zu dännuen, besonders aber dem unduldsamen Fanatismus des niederen Clerus mit aller Macht entgegenzuarbeiten. Hier ein Beispiel seiner Thätigkeit auf diesem Gebiete, ein Fall, den ich selbst miterlebte. Zur Diöcese des Bischof Moyses gehörte auch das Thuroczer Comitat, dessen jüdische Bevölkerung seit denk Jahre 1826 denr Oberrabbinat meines gottseligen Vaters als Cultusgemeinde ganz im Geiste als altpatriarchalischer Würde zngethan war. Die Thuroczer Juden waren mit unter den Ersten, welche von der frischen Freizügigkeit Gebrauch gemacht hatten, und fast alle Pächter des weit ausgedehnten bischöflichen Großgrundbesitzes waren Thuroczer Juden. Da verstand es sich von selbst, daß bei der Rundreise, welche der Herr Bischof in seinem Sprengel veranstaltete, die Thuroczer Cultuszemeinde au den officiellen Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren Sr. Eminenz sich namhaft betheiligte. Da traf es sich, daß ich im August 1863, meine letzten Candidatsferien im Vaterhause zubriugend, mit Zeuge einer solchen, geradezu pompösen Willkommensbegrüßung Sr. Eminenz war. Eine Deputation der jüdischen Cultuszemeinde, bestehend aus dem Oberrabbiner, dem Vorstand und meiner Wenigkeit als Sprecher, hatte die übliche Vorstellung, und wir wurden, wie das so gang und gäbe, zu dem in der Dechantei für den Abend anberaumten Ehrenbankett officiell eingeladen. Wir folgten der Einladung. Die Gruppe der Juden wurde weder übersehen noch überhört. Ich sprach einen kurzen, wohlvorbereiteten Toast und brachte ein jüdisches Hoch auf Se. christliche Eminenz aus. Der Herr Bischof ließ sich herab, den jungen Rabbinatscandidaten mit ein paar herzlichen Worten auszuzeichnen und reichte mir die Hand. — Das war für einen der anwesenden alten geistlichen Herren denn doch „der Toleranz zu viel"! Mit einer in Folge des schweren Ballastes etwas komisch aussehenden Würde erhob sich dieser, „jeder Zoll ein Dominikaner"! Was er eigentlich sprach, das weiß ich nicht mehr, das habe ich vergessen, denn er sprach überhaupt nicht; er sagte blos etwas. So etwas ungefähr von viel zu viel Aufhebens, das man von den Juden macht, und dergleichen . . Aller Augen waren auf den Bischof gerichtet. Der aber schwieg. Toast folgte auf Toast. Und als endlich die Abschiedsstunde schlug (denn wir Juden befanden uns in gar peinlicher Verlegenheit), da erhob sich ruhig und mit der ganzen imponirendeu Liebenswürdigkeit seines Wesens der Herr Bischof und hielt eine kurze Ansprache des hauptsächlichen Inhaltes: „Er wünsche, daß die Herren Fratres etwas mehr studierten und etwas weniger tränken! Und daß sie sich ganz besonders die Werke des heiligen Augustinus zu Gemüthe führen möchten. Denn nur dann und so würden es sie lernen, mit welcher Anerkennung dieser größte aller römischen Kirchenväter von den Juden und von dem Judenthum und von der Mission, welche dasselbe noch zu Dülleu habe, ausdrücklichst bei mehr als einer Veranlassung sich ausspricht, und die Herren Fratres würden dann ganz gewiß keine Dummheiten mehr machen! —"

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