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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-11 · 6 (11.2.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
6 (11.2.1898)
Date
1898-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. VImh's Wmhrnsthris! Seite 103 r. 6 anständige Jndenschaft durchdrungen sein wird. An positiven Vorschlägen meinerseits, zu welchen, obzwar sie öffentlich kaum erst angedeutet, geschweige denn detaillirt bekannt gemacht sind, bereits sehr viele Zustimmungen vorliegen, darunter nicht wenige aus zionistischen Kreisen, an solchen positiven Vorschlägen zur Erleichterung der Lage des Judenthums fehlt es nicht und wird es nicht fehlen. Diejenigen Juden, welche vernünftigen und erreichbaren Zielen zustreben, werden sich um diese meine Vorschläge schaaren; alle übrigen mögen sich getrost in Palästina abschlachten lassen. Sie werden dereinst wenigstens nicht sagen können, daß sie nicht gewarnt worden sind. München, am 6. Februar 1898. Dr. Eduard Glaser. Die „Jüdische Presse" des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin, welche stets für alle zionistische und Colonisationsbestrebungen warm eingetreten, bringt in der letzten Nummer nachstehende Warnung: Berlin, 2. Februar. Von hiesigen Zionisten wird ein Flugblatt verbreitet, welches sich gegen den „Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" richtet und an die Vorstands-Mitglieder desselben zur Versendung gelangte. Eine Bemerkung des Vorsitzenden des genannten Vereines in der letzten General-Versammlung wird als Anlaß benutzt zu den ödesten Schimpfereien, welche auch die gerechteste Sache zu discreditiren geeignet sind und die nachdrücklichste Verwahrung herausfordern. Es geschieht unseres Wissens zum ersten Male, daß von Juden gegen eine jüdischen Zwecken gewidmete Vereinigung mit einem derartigen geradezu ungeheuerlichenDruckerzeug n i ß geeifert wird, und es erscheint uns deshalb eine Pflicht auch des Fernstehenden, dem Versuch, die Tonart der Antisemiten in unsere Reihen einzuführen, energisch entgegenzutreten. Wollen die Herren Zionisten recht schnell abwirthschaften, so können sie in der That nichts Wirksameres thun, als dieses famose Flugblatt verbreiten, das, ganz nebenbei bemerkt, sich auch mit den Beschlüssen des Baseler Congresses in Widerspruch setzt. Wie wir erfahren, herrscht auch in den Kreisen, die sich zu den Zionisten zählen, tiefgehende Erregung über das Flugblatt und wird eine öffentliche Kundgebung dagegen geplant." Zur zionistischen Propaganda. Sehr geehrter Herr Doctor! Ich gestatte mir, Ihnen anbei einen kleinen Artikel zur Klarstellung meines Standpunktes einzusenden. Wenn auch von einer juridischen Verpflichtung zur Aufnahme nicht die Rede sein ann, so zweifle ich doch nicht daran, daß Ihnen der ehrende Standpunkt Ihres geschätzten Blattes als Organ aller ernsten Richtungen in Israel gebieten wird, meiner Vertheidigung Raum zu geben. Als langjähriger Mitarbeiter Ihres geschätzten Blattes habe ich es stets vermieden, den Zionismus einzuschmuggeln, weil ich ehrliche Bahnen wandeln will. Ich liebe jeden Juden, der es ehrlich mit seinem Volke meint. Ich würde nie einem jüdischen Blatte einen Vorwurf machen, daß es anständige antizionistische Artikel aufnimmt, aber es soll auch sachlichen zionistischen Aeußerungen Raum geben.*) Zur Klarstellung. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes bringen Sie unter der Ueberschrift: „Zionistische Propaganda" einen Artikel, der den Zionismus wenig wohlwollend behandelt. Das wäre für mich kein Grund zu einer Erwiderung. Die Bekämpfung des Zionismus gehört heute zum guten Ton und Jeder hält sich für berufen zu dieser neuen Mission. Ich hätte viel zu thun, wenn ich auf alle antizionistischen Aeußerungen reagiren wollte. Allein der Artikel erweist mir die Ehre, sich mit meiner Person zu befassen. Denn, wenn ich auch mit dem neuen Namen Julius - beglückt worden bin, so bin ich doch offenbar damit gemeint. Ich *) In unserem Blatte gelangen jederzeit Zionisten und antizionistische Schriftsteller zum Worte. bitte daher, mir das Wort zu einer kurzen Klarstellung gütigst gestatten zu wollen. Ihr Artikel bezeichnet es als ein besonderes Charakteristikon, daß ich in meinem Frankfurter Referat das große zionistische Hilsswerk nicht erwähnt habe und er scheint daraus zu schließen, daß ich diesen gefährlichen Punkt diplomatisch umsegeln wollte. Man hat mir im Leben schon Vieles vorgeworfen, aber daß ich Opportunist bin und aus praktischen Rücksichten mit der Wahrheit zurückhalte — das hat mir noch Niemand nachgesagt. Die Hintertreppen-Politik entspricht weder meinem Temperament noch meiner Lebensanschauung. Ich betrachte den Zionismus als eine Reaction des jüdischen Volksgeistes gegen die äußere Knechtung der „civilisirten" Völker und gegen die innere Verkümmerung durch bas moderne Protzen- und Streberthnm in Israel. Wir Zionisten haben nichts zu verheimlichen und zu verstecken, was wir wollen, das braucht das Licht der Oeffeutlichkeit und der Wahrheit nicht zu scheuen. Ich habe in Frankfurt a. M. über die Agitation referirt und da wäre es schlecht angebracht, das große Hilfswerk zu behandeln. Wir Zionisten in Deutschland bilden nur einen geringen Theil der zionistischen Partei und wir können und wollen nur über die Mittel berathen, das Ziel ist uns Allen vorgeschrieben. Der Verfasser Ihres Artikels muß doch eine eigenthümliche Auffassung vom politisch-geistigen Leben haben, wenn er verlangt, daß man stets und überall den Hauptpunkt des Programmes wiederholen soll. Ich habe zu Zionisten gesprochen und konnte wohl das Hauptziel, das uns Allen vorschwebt, die Befreiung der Juden heit von äußerem Elend und innerer Schmach, als bekannt voraussetzen. Das Baseler Programm ist in seinen Grundzügen eine Umarbeitung der Thesen der Kölner zionistischen Vereinigung, die von mir verfaßt sind. Ich habe also durchaus keine Ursache, unser gemeinsames Programm zu verleugnen. Ich habe in Basel — und das hat mir wenig Dank eingebracA — nicht eine mildere, sondern eine schärfere und klarere Fassung des Grundgedankens befürwortet, aber das vom souveränen Congreß angenommene Programm gilt für mich wie für jeden ehrlichen Zionisten als bindende Richtschnur. Es gibt nur eine z i o n i st i s ch e Partei und e i n z i o n i st isches Programm in der ganzen Welt. Es ist übrigens oft geradezu komisch, wie unsere Gegner uns bekämpfen. Betonen wir unser Endziel, dann sind wir Utopisten und gefährliche Revolutionäre, schlagen wir praktische Mittel zur Bekämpfung der körperlichen und sittlichen Degeneration vor, dann heißt es, wir verleugnen unsere eigentlichen Bestrebungen. Es ist ein Glück, daß wir uns die Norm für unsere Handlungen nicht von den Gegnern holen, sonst müßten wir an uns selbst irre werden. Daß ich die Förderung auch solcher jüdischer Vereine, die keinen specifisch zionistischen Charkter haben, anregte, daraus sollte man doch weder mir noch dem Zionismus einen Vorwurf machen. Zionist sein heißt für mich, die jüdische Eigenart Pflegen und den jüdisch-historischen Geist stärken. Alles das, was das jüdische Leben social, intellectuell und moralisch zu heben vermag, das ist mir, dem Sohne des jüdischen Volkes, sympathisch. Mit vorzüglicher Hochachtung Fabius Schach. Köln am Rhein, im Februar 1898. Das Fiaseo des Balles der Stadt Wien. Das Fiasco des Balles der Stadt Wien, das längst kein Geheimniß war, wird diesmal im „Deutschen Volksblatt" ganz ehrlich und aufrichtig anerkannt. Die antisemitischen „Talmudisten" find natürlich über Erklärungen und Entschuldigungen nicht verlegen; während sie bei anderen Gelegenheiten sich nicht genug wundern können, die Macht des Judenthums zerschmettert, den jüdischen Einfluß vollkommen aus der Welt geschafft zu haben, holen sie diesmal aus der Rüstkammer wieder das abgebrauchte Requisit der „Judenfurcht" hervor und erklären, daß die Furcht vor den Juden die officielle Welt veranlaßte, den Ball der Stadt Wien so schnell als möglich zu verlassen, während sich Theater und Kunst, als im Dienst der jüdischen Clique stehend, gänzlich absondern. Daß der findige Abonnenten- und Obligationensammler Vergani diesen Anlaß nicht ungenützt vorüberstreichen läßt, um wieder eine geschickte Abonnenten-Einladung für sein Blatt zu versenden und wehklagt, daß, so lange liberale Blätter abonnirt würden, der Ball der Stadt Wien stets Fiasco machen würde, ist bei dieser Profitgier doch begreiflich.

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