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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 94 Dr. Bloch'* IVochenfttzrifl. Nr. 5 Prag. (Belobende Anerkennun g.) Der k. k. Bezirksschulrath hat dem Herrn Wolfgang Wilhelm Freund, Religionslehrer an den Volks- und Bürgerschulen in Prag „in Ansehung des unermüdlichen Fleißes, der allzeit getreuen Pflichterfüllung und der Verdienste," welche sich derselbe während seiner mehr als vierzigjährigen Lehrtätigkeit erworben hat, in einem besonderen Decrete die belobende Anerkennung ausgesprochen. Die Zahl derer, die im Laufe der Jahre bei ihm zum erstenmale das Wort Gottes hörten und lernten, geht in die Zehntausende. Herr Freund, der heuer auch das 35. Jahr seiner Ehe vollendet, hat drei Söhne, von denen der älteste Dr. Max Freund. Secretär der österreichischen Nordwestbahn in Wien, der zweite Otto Freund, Beamter der Unionbank in Prag, der dritte Emil Freund, Disponent eines Wiener Großhandlungshauses ist, und eine Tochter, die mit dem angesehenen Prager Kaufmann, Herrn Friedrich Bauml, verheiratet ist. Strakonitz. Nach Eröffnung der beschlußfähigen Jahresversammlung hielt der Vorsitzende, Herr Marcus Benisch, einen warmen Nachruf dem verstorbenen Vereinsmitgliede Sr. Ehrwürden Jacob Sittig, Rabbiner und langjährigen Volksschullciter in unserer Gemeinde, und beantragte, daß die ehrende Kundgebung in dem Protokollbuche als bleibendes Andenken verzeichnet werde, wozu der Verein seine Zustimmung ertheilte. Hierauf wurde der Rechenschaftsbericht vorgelegt und mit Befriedigung aufgenonunen. Der Revisor Herr Eduard Fuchs ertheilte Bericht und sprach in anerkennender Weise den Dank für die präcise Führung dem Cassier Herrn Adolf Fürth aus. Der Obercantor Herr W. Menkes wurde in Anerkennung seines mehrjährigen Wirkens als Vereinsmitglied mit Nachsicht der Taxen einstimmig ausgenommen. Auf Antrag des Herrn Josef Ehrmanu wurde zur Würdigung des Regierungsantrittes Sr. Majestät, unseres geliebten Kaisers Franz Josef bestimmt, am 2. December 1898 100 fl. als außerordentliche Vertheilung an die Armen gelangen zu lassen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenomme'n und hierauf die Sitzung geschloffen. Zungbunzlau. Daß unsere Cultusgemeinde von den December-Ereigniffen nicht verschont geblieben, ist aus den Tagesblättern bekannt. Durch die Intervention unseres eifrigen Vorstehers beim Bürgermeister und der politischen Behörde erfteuten wir uns einiger Ruhe. Da auf einmal wurde auch das zweite hier erscheinende, bisher mäßige Wochenblatt seit dem 1. d. M. antisemitisch und speit Feuer und Flamme gegen die Juden und die jüdischen Geschäftsleute. Die Gattin eines hiesigen k. k. Gymnasial-Profeffors geht von Haus zu Haus und predigt Judenhaß; man möge nur beim Christen kaufen. In den Gassen wurden Zettel mit folgendem Inhalt gefunden: „Kauft nicht beim Juden". Als sich die hiesigen Juden von den Theater- Vorstellungen fernhielten, raisonirte das obgenauute Blatt darüber, nannte die Juden engherzig, geizig rc. Als nun Sonntag einige junge Leute im Theater saßen, hieß es: „Juden hinaus!" Dies ist Alles nichts Neues und es hätte keinen Zweck, es weiter zu verbreiten. Es ist jedoch notorisch bekannt, Inden und Nichtjuden haben dies erzählt, daß zu den Hauptanstiftern und Rädelsführern der Ruhestörungen im December wie auch im Theater, ein hiesiger Wachslichter- und Pechfackel-Fabrikant, ein k. k. Hoflieferant, zählt, bei welchem eine große Anzahl jüdischer galizischer Handelsleute ihre Waaren beziehen, ja man erzählt, daß der Mann „jüdisa," geschriebene Bestellungen erhält, die er sich bei Juden lesen und übersetzen läßt. Wenn die galizischen Juden in einer Stadt, wo der Antisemitismus herrscht, Waaren beziehen, sollten sie bei ihren Glaubensbrüdern Nachfragen, ob ihre Bezugsquelle nicht judenfeindlich ist und einer solchen möglichst ausweichen. S. K. Krakau. Dieser Tage begab sich eine Deputation des hiesigen Cultusvorstandes unter Führung des Präsidenten der Cultusgemeinde Dr. Leon Horowitz zum neuernannten Oberlandesgerichtspräsidenten in Krakau Czyszczan und legte ihm die Angelegenheit der Umgehung der jüdischen Rechtspraktikanten bei Ernennungen von Auscultanten dar und richtete an ihn die Bitte, er möge in dieser Frage Gerechtigkeit walten lassen. Der Präsident versprach, diesem gerechten Wunsche nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. — Die Wahlen in den hiesigen Cultusvorstand, die ersten in Galizien nach dem Gesetze vom Jahre 1899, finden und zwar für die I. und II. Classe am 14. Februar für die III. hingegen am 15. Februar d. I. statt. Die Wahl- und Reclamationscommission hat sich bereits constituirt und zu ihrem Obmanne den Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Hirs ch Landau gewählt. — Der Abgeordnete Dr. Arnold v. Rgppaport hat durch das Präsidium der Cultusgemeinde 1000 Centner Kohle an hiesige arme Glaubensgenossen vertheilen lassen. Karlstadt (Croatien). Einen herben Verlust beklagt unsere Cultusgemeinde in Philipp Reiner, der am 21. Jänner, kurz vor Eintritt des Sabbaths, in seinem 72. Lebensjahre aus dem Leben abberufen wurde. Der Lebenslauf dieses Biedermannes, sein rastloses Wirken in unserer Cultusgemeinde können als Muster dienen, wie ein Jude sein soll, wie der Präsident einer Cultusgemeinde sein soll. Länger als vier Decennien gehörte der Verstorbene dem Vorstande unserer Gemeinde an, welche seiner Thatkraft, Entschlossenheit und zähen Ausdauer den Bau einer Synagoge und Schule verdankt. Mehr als zwei Jahrzehnte hindurch stand er an der Spitze unserer Gemeinde, ein Führer, der über Alles Friede und Eintracht aufrecht hielt. Trotz der geringen Anzahl der Mitglieder und der großen Lasten der Gemeinde gelang es seinem unermüdlichen Schaffen, die Cultusgenleiude schuldenfrei zu machen. Er fühlte die Notwendigkeit eines Rabbiners, welcher der Landessprache mächtig, damit er die Heranwachsende Jugend in ihrer Muttersprache für das Judenthum begeistere und erziehe. Mit einer Stiftung von 10.000 Kronen ermöglichte er vor zwei Jahren die Ausführung dieses von der ganzen Gemeinde auch ans patriotischen Rücksichten für nothwendig erachteten Planes. Welche Ehre er in unserer Stadt genoß, bewies der imposante Zug, der ihm das letzte Geleite gab, ein Trauerzug, wie ihn unsere Stadt selten sah, obwohl die Familie des Verstorbenen gemäß seinem einfachen, schlichten und jüdischen Lebenswandel jeden äußeren Pomp dankend ablehnte. Alle amtlichen Körperschaften und Vereine, Bekannte aus Nah und Fern, Deputationen der Gemeinden Agram und Sissek begleiteten seine irdischen Ueberreste auf den Gottesacker, wo Schreiber dieser Zeilen dem Verblichenen einen Nachruf hielt. „Wahrlich heute ist ein Großer in Israel gefallen" ein Ehrenmann aus unserer Mitte geschieden, ein frommer Jude zu Grabe getragen worden, mit diesen Worten schieden wir von der Stätte, wo ein frischer Erdhügel die irdischen Ueberreste unseres langjährigen, verdienstvollen Gemeindepräsidenten bedeckt. Friede seiner Asche. Dr. E. Schwär z, Rabbiner. Berlin. Eine neue „Deutsche Orient-Gesellschaft" ist hier gebildet worden zur Nachforschung und Wiedererschließung der altorientalischen Culturen vom Nil, vom Euphrat und voni Jordan. Wir begrüßen natürlich dies Unternehmen mit'ganz besonderer Genugtuung. In dem betreffenden Aufruf heißt es: „Die Cultur des alten Morgenlandes, die Cultur von Ninive und Babylon gewinnt an und für sich wie durch ihre Beziehungen zu der biblischen, egyptischen und altgrichischen Welt von Jahr zu Jahr ein höheres Interesse. Die ihr gewidmete Forschung hat für die Geschichte der Menschheit so überaus wichtige Thatsachen ergeben, daß ein in Religion und Staat, Kunst und Literatur reich gegliedertes Leben der Völker am Euphrat und Tigris an der Hand zuverlässiger Urkunden bis in ein hohes Alterthum zurück verfolgt werden kann, das noch bis vor Kurzem für die menschliche Erkenntniß völlig unerreichbar schien. Das Studium der in Babylonien und Assyrien ausgegrabenen Klmst- und Literaturdenkmäler hat unser Wissen von dem Werdegang der Menschheit um die Kenntniß vieler Jahrhunderte, man darf sagen — mehrerer Jahrtausende bereichert und einen Einblick in jene Urzustände eröffnet, in denen die Wurzeln unserer Eultur, der Zeitrechnung und Himmelsknnde, des Maß- und Gewichtswesens sowie wichtige Theile der im Alten Testamente niedergelegten religiösen Vorstellungen ruhen. Das in angelsächsischen Ländern so lebhafte Interesse für die Bibel hat diesem Studium die Aufmerksamkeit weiterer Kreise und damit eine mächtige Protection zugewcndet. Aber auch in Frankreich haben Negierung und gelehrte Vereine sich durch Errungenschaften auf diesem Gebiete stolze Ruhmestitel erworben. Die Säle der Museen von London, Paris und New-Uork zeigen der Mitwelt die Statuen der mächtigsten Herrscher jener Zeiten,' eines Tiglatpileser, eines Nebukadnezar und ihrer Götter sowie die Pracht ihrer Paläste. Die Unterzeichneten sind der Ansicht, daß für uns Deutsche die Zeit gekommen ist, an der großen Arbeit der Erschließung und Wiedergewinnung des ältesten Morgenlandes durch systematische Ausgrabungen tit höherem Maße als bisher theilzunehmen und dadurch der deutschen Wissenschaft die für den Ausbau der orientalischen Archäologie nötigen Materialien sowie unseren öffentlichen Sammlungen Denkmäler altasiatischer Kunst zuzuführen. Zur Verfolgung dieses Zweckes empfehlen sie die Griindung einer Deutschen Orient-Gesellschaft. Nach einem im Kreise der Unterzeichneten festgestellten Statutenentwurf, welcher der ersten Generalversammlung vorgelegt werden wird, verfolgt die Gesellschaft den Zweck:

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