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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 92 Nr. 5 Dr. Vwch's MmyrnptzrM Hochgeehrter Herr Sccretär! Infolge Verhinderung des Herrn Rcgiernngs-Rathes Professor Dr. Leopold O s e r bin ich vor die ehrenvolle Ausgabe gestellt worden, Sie aus Anlaß Ihres 23jährigen Dienstjubiläunls namens der Perm altungsbeamten der Cultusgemeindezu begrüßen. So schwierig auch diese Aufgabe für mich als ungeübten Redner ist, so leicht wird sie mir in Bezug auf die Herzenstöne, die sie erfordert, und daran sind Sie selbst, verehrter Herr Doctor, schuld. Berichtigen Sie mich, aber nicht auf Grund des 8 19, wenn ich als Nicht-Kenner der classischen Sprache behaupte, daß „Theo d o r" ins Deutsche übersetzt ein W e i h g e s ch e n k bedeutet. Damit will ich sagen, daß die Agenden des Secrctärs der Cultusgemeinde durch die Übertragung an Sie die richtige Weihe erhalten haben. (Beifall.) Die selbstlose, aufopferungsvolle, ja beinahe bis an die Hintansetzung der eigenen Gesundheit reichende Hingebung, die Sie in Ihrem Wirkungskreisen entfalten, läßt mit Gewißheit annehmen, daß Sie, Herr Doctor Lieben, Ihr Amt lieben (Lebhafte Zustimmung) und wir Verwaltnngsbeamte haben im täglichen Verkehre mit Ihnen und bestochen durch Ihr persönliches Entgegenkommen, das Sie auch dem Geringsten von uns zeigen, gelernt, Sie Herr Doctor Lieben zu lieben. (Lebhafter Beifall.) Es ist keine conventionelle Lüge und auch keine Jubiläums- Farcc, wenn die Verwaltungsbeamten der Cultusgemeinde Ihnen durch meinen Mund die aufrichtigsten, herzlichsten und wärmsten Glückwünsche darbringen und der Bitte zum Allmächtigen Ausdruck geben. Sie mögen im Kreise Ihrer Familie und Ihre Freunde die äußerste Grenze menschlichen Alters in ungeschwächter Körperkraft und bei stets ungetrübter Geistesftische erreichen. (Lebhafte Zustimmung.) Ich bitte, diese von Herrn Secretär-Stellvcrtreter Dr. Adler verfaßte Adresse und das Ihnen von den Vcrwaltungsbeamteu zugedachte Ehrengeschenk als Zeichen unserer Verehrung gefälligst cntgegenzunehmen und uns auch ferner Ihre Sympathie zu bewahren. (Lang anhaltender großer Beifall und Händeklatschen.) Herr Dr. Lieben dantte den Beamten für die schmeichelhafte und rührende Kundgebung ihrer Sympathie. Anknüpfend an die Worte ihres Sprechers, betreffend den Verkehr zwischen ihm — Redner — und der Beamtenschaft, bittet er, die ihm schon lange am Herzen liegende Bersicherimg entgegenzunehmen, daß, wenn er so manches Mal im Diensteifer mehr Strenge als Feinheit walten lasse, dies'ihm nicht vom Herzen komme, denn im Amte müssen bekanntlich die Glacehandschuhe abgelegt und der rauhe Dienftkittel getragen werden. Er spricht die Erwartung aus, daß der Beamteukörper auch fernerhin stets und unentwegt seinen Pflichten Nachkommen und so für das Wohl der Gemeinde thättg sein werde. (Beifall.) Das Ehrengeschenk. der administrativen Beamten besteht in einem prachtvollen, in Silber gearbetteten und reich vergoldeten Schreibzeug -Namens der Jncassanten der Gemeinde überreichte Herr Leopold L i b e s n y dem Jubilar einen silbernen Becher mit einigen Dankesworten für das ihnen stets bekundete Wohlwollen und brachte ein d r e i m a l i g e s H o ch auf den Jubilar aus, in welches auch die Versammlung fteudig einstimmte. Nachdem Herr Dr. Lieben auch für diese Kundgebung gedankt hatte, lud er die Beamten zu dem von ihm beigestellten Buffet ein, dessen Details sich Alle bei ungezwungener Unterhaltung munden ließen. Ani Abend fand zu Ehren des Jubilars in der Wohnung des Präsidenten kais. Rath K l i n g e r ein intimes Souper statt. Zur EnqrrSte über die Armenpflege. Von dem Vorstand der A r m e n a n st a l t der israelitischen Cultusgemeinde in Wien werden wir ersucht, in Bezug auf die Aeußerung einer geschätzten Einsenderin in Nr. 4 der „Oesterreichischen Wochenschrift", betreffend die Unterstützung armer Wöchnerinnen, welche in Galizien getraut sind und darum einen staatlich rechtsgilttgen Trauungsschein nicht vorlegen können, zu constatiren, daß die genannte Armenanstalt solche arme Frauen noch jederzeit unterstützt hat und daß das Unterstützungsgesuch überhaupt der Beigabe eines Trauuugsscheines nicht bedarf. Die Armenanstalt der israelttischen Cultusgemeinde hat nie die formale Gesetzlichkeit, vielmehr stets die Humanität und das Mitleid zu Rathe gezogen bei Vertheilung ihrer Gaben. Von der Frau kaiserlicher Rath Dr. Kohn, Präsidentin des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines, erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr verehrter Herr Redacteur! Der in Nr. 2 Ihres geschätzten Blattes vom 14. Jänner d. I. enthaltene Enquete-Bericht, sowie einige an mich gerichtete Zuschriften bewegen mich, um freundliche Aufnahme nachfolgender Zeilen zu bttten. In besagter Enquete tadelte es ein ausgezeichneter Herr Experte, daß die meisten Wohlthätigkeits-Vereine ihre Einnahmen nicht zur Gänze verausgaben, sondern eine beträchtlichen Theil „thesauriren", um in unabsehbarer Zeit vielleicht ein Heim zu gründen, das 5—10 Menschen Versorgung bieten soll. In der. Generalversammlung des Leopoldstädter Frauen- Wohlthätigkeits-Vereines fand über diese Frage eine eingehende Discussion statt und ich fühle mich veranlaßt, meinenauf Erfahrungen beruhenden Standpunkt an dieser Stelle kurz zu kennzeichnen. Der „Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Verein" wurde im Februar v. I. gegründet. Gleich zu Beginn unserer Thätigkeit war es uns klar, daß die momentane Unterstützung meist nur ein Palliativmittel sei, daß eine rationelle Armenpflege nur in präventiver Hilfe angestrebt werden könne. Obwohl wir in Fällen, wo wir uns an Ort und Stelle p e r s ö n li ch von der herrschenden Noth . überzeugten, s of o r t i g e Unterstützungen, insbesondere bei armen Wöchnerinnen oder bei drohenden Delogirungen gewährten und helfend eingegriffen, richten wir doch unser Hauptaugenmerk darauf, die Zukunft der Nothleidenden thunlichst vor der Wiederkehr der Noth zu sichern. Wir unterstützen gebrechliche, arbeitsunfähige Greise und Greisinnen continuirlich; wir ermöglichten es, durch Ankauf von Nähmaschinen, armen, vom Manne verlassenen Frauen eine Erwerbsquelle für sich und die Ihrigen zu schaffen; ganz besonders aber nahmen wir uns der nicht mehr schulpflichtigen Töchter dieser Frauen und der armen verlassenen Waisenmädchen an. Wir bemühten uns, ihnen gediegene Lehrstellen zu verschaffen, unterstützten sie nach Möglichkeit während ihrer Lehrzeit und controlirten deren Fortschritte. Heute schon sind wir in der Lage, Fälle anzuführen, wo Einzelne dieser nun ausgelernten Mädchen sich und ihre Familie erhalten. Diese Art der vorbauenden Hilfe ist, wie jeder vorurtheilslofe Beurtheiler zugeben muß, die einzig richtige. Solche schwere Verpflichtungen aber, die den Verein an fest normirte Beitragsleistungen binden, bedingen unter allen Umständen, ein stets vorhandenes Reserve-Capital. Wohin käme unser Verein nach dem Vorhergesagten, wollte er seine gesammten Einnahmen allezeit zur Gänze vertheilen! Wie stünde es da um unsere armen Lehrmädchen, wenn wir plötzlich mangels genügender Geldmittel gezwungen wären, ihnen diese wohlthätige andauernde Unterstützung zu entziehen? Was würden unter solchen Umständen die armen verlassenen, arbeitsunfähigen Frauen beginnen, wenn die ihnen zugesicherte monatliche Unterstützung, die ihren Daseinskampf denn doch um Vieles erleichterte — plötzlich ausbliebe?! Das wäre gewiß der schlechteste Dienst, welchen wir den. Bedürftigen, meist verschämten Armen, die ihr oft entsetzliches Elend nicht in professionsmäßiger Art zur Schau tragen können, leisten würden. Daher wollen wir auf dem nun einmal betretenen Wege unbeirrt weiter fortschreiten. Ein Verein muß aber auch an unvorhergesehene Ereignisse, Epidemien, Elementarschäden, denken, um rechtzeitig mit entsprechender Hilfe bei der Hand zu sein. Bei der Wasserkatastrophe von 1897 hat sich die Unzulänglichkeit der Staatshilfe erwiesen, und daß die private Wohlthätigkeit hier große Aufgaben zu erfüllen hat. Daß dieser Weg der richtige, erhellt aus der erfreulichen Thatsache, daß nach den in diesem Sinne vorgebrachten Argumenten in der letzten Generalversammlung zahlreiche Mitglieder ihren Beitritt bei unserem Verein anmeldeten. Ich gebe mich der angenehmen Hoffnung hin, daß auch meine heutigen Ausführungen die Anzahl unserer Gönner nicht nur nicht verringern, sondern sicherlich vermehren werden. Ihnen, hochverehrter Herr Redacteur, für die fteundliche Veröffentlichung innigst dankend, zeichne ich mich in vorzüglicher Hochachtung Wien, 29. Jänner 1898. Bertha Kohn, Präsidentin des Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsvereins. Wien. Heinrich Schwarz, ein seit Langem arbeitsloser jüdischer Speyglergehilfe, VII., Kaiserstraße 60, 3. Stock, Thür 20, theilt uns mit, daß in der Metallwaarenfabrik des Herrn N e ch v i l e, V., Griesgasse 14, wo die neupatentirten Bierautomaten angefertigt werden, vom Geschäftsführer keine Juden ausgenommen werden, auch solche nicht, die in dem speciellen Artikel tüchtig eingearbeitet sind. Es gibt übrigens auch jüdische Spenglermeister, die keine jüdischen Gehilfen aufnehmen. Also Achtung — oder vielmehr das Gegentheil davon! — auf die neuen reinarischen Bierautomaten. Wien. (Jüdisckes Museum.) Letzten Montag fand vor einem zahlreichen gewählten Publicum der zweite von der Gesellschaft fürSammlung undConservirung

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