Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 5 (4.2.1898)
- Date
- 1898-02-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Vr. VUntz's MochrnptzrM Seite 81 II. Es sollen, um einem notorischen Bedürfnisse zu eut- . sprechen, im Wiener Gemeindegebiete mehrere Gottesh ä u s e r (Tempel) erbaut werden. Hierzu sind zunächst in Aussicht genommen. 1. Ein monumentaler Centraltempel im I. Bezirke (Innere Stadt). 2. Ein Bezirkstempel im II. Bezirke (Brigittenau). 3. Ein Bezirkstempel für die Bezirke IV und V (Wieden und Margarethen). 4. Ein Bezirkstempel im XI. Bezirke (Simmering). Diese Gotteshäuser sind successive zu errichten, in erster Linie die genannten Bezirkstempel, später der Centraltempel. Der Baustyl und die bauliche Ausgestaltung sollen dem hehren Zwecke entsprechen, würdevoll, vornehm, aber einfach gehalten sein. Bei allen Gotteshäusern sei vorzusorgen, daß ein Theil der Betsitze von den Glaubensgenossen jederzeit unentgeltlich benütztwerde,! könne, so daß sie — eine wirkliche Jubiläumsgabe — als Volkstempel errichtet werden. Zur Durchführung dieses Programmes soll ein Baufond von 2,000 000 fl. österreichischer Währung, und zwar in folgender Weise beschafft werden: 1. Durch Emission eines Tempelbau - Anlehens „I nb i l ä u m s-A n l e ih e zur Erbauung von israelitischen Gotteshäusern in Wien" in der Höhe von 1,500.000 Gulden österreichischer Währung. Dasselbe wird nach Bedarf emittirt. und bleibt die Feststellung des Zinsfußes, der Amortisation, die Erwirkung allfälliger Steuerbefreiung und der übrigen Anleihens- Mödalitäten einem Detailstudium überlassen. 2. Durch Einleitung einer öffentlichen Subscription in der „Wiener-Zeitung". 3. Durch Widmung eines Betrages aus den eigenen Mitteln der Israelitischen Cultusgemeinde in der Höhe von 50.000 fl österreichischer Währung, welcher am 2. December 1898 dem Baufonde zugeführt wird. 4. Durch Uebertragung der durch die Erbauung der Bezirkstempel auf Kosten der Cultusgemeinde und durch die hierdurch naturgemäß erfolgende Liquidirung der betreffenden Tempelvereine sich ergebenden Aktivbestände (Werthe aus Sammlungen, Schenkungen, Baugründe) in den Besitz der Cultusgemeinde. III. Es sei eine umfassende Geschichte der Wiener Israelitischen Cultusgemeinde zu schreiben, und zwar von den ersten Anfängen der Niederlassung unserer Glaubensbrüder in Wien bis zun, heutigen Tage, und sollen hierbei die historischen, religiösen, politischen, communälen und finanziellm Verhältnisse dargelegt werden. Diese Studie soll Pläne und Illustrationen älterer und neuer Gebäude, welche jüdischen Zwecken dienen, enthalten, Biogrcchhien und Porträts von Personen, welche hier gewirkt haben, sollen in dem Werke ihren Platz finden und sei dasselbe durch statistische Daten und Tabellen zu vervollständigen. Die hervorragendsten Fachschriftsteller und Fachgelehrten Oesterreichs sollen zur Verfassung dieser Schrift berufen werden und eitte Redactions-Commisswn hätte deren Programm aufzüstelleu und deren Verfassung einheitlich zu leiten. Die Ausstattung in Papier, Drück, Plänen, Illustrationen u. s. w. soll durchaus vornehmen Charakter aufweisen. Hierzu widmet der Vorstand aus eigenen Mitteln den Betrag von 10.000 fl. österreichische Währung. Wien, 16 Jänner 1898. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat vorstehende Anträge einer eingehenden Berathung unterzogen und schließlich Antrag 1 und II! zur Ausführung genehmigt, Antrag II aus Rücksicht auf die finanzielle Lage der Gemeinde, welche keine erhebliche neue Belastung verträgt, und um neue Steuerhöhuugen zu vermeiden, a bgelehnt. Herr Baurath Goldschmidt gedenkt, zur Verwirklichung seiner Idee der Bezirkstempel eine eigene Actiou einzuleiten. Ferner wird gemeldet: In der am 30. Jänner 1898 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn kaiserlichen Rath K l i n g e r abgehaltenen Plenarsitzung des Vorstandes wurde der erste Secretär der Cultusgemeinde Herr Dr. Theodor Lieben anläßlich der Vollendung seiner 25jährigen Amtsthätigkeit in ausgezeichneter Weise geehrt. Zur Theilnahme an der internen Feier war die Familie des Jubilars vom Präsidium geladen und erschienen. In Anwesenheit der fast vollzählig erschienenen Vorstandsmitglieder, sowie sämmtlicher Oberbeamten der G.'meinde hielt der Präsident an den Jubilar eine Ansprache, welche von den Anwesenden stehend angehört wurde. In derselben betonte der Präsident, daß es am 1. F.'bruar 25 Jahre werden, seit Dr. Lieben als Secretariats-Adjunct in den Dienst der Gemeinde eingetreten ist und unter der Leitung des verewigten Secretärs Dr. Ludwig August Frankl seine Amtsthätigkeit begonnen habe. Nachdem er nunmehr 15 Jahre, und zwar dermalen als I. S e c r e t ä r an der Spitze der Beamtenschaft stehe, ist es dem Borst-ande wohl bekannt, mit welch seltenem Pflichteifer und mit welch musterhafter Arbeitsfreudigkeit er dem schwierigen Amte vorstehe. In Ausführung des in der Plenarsitzung vom 16. Jänner gefaßten Beschlusses des Vorstandes, Dr. Lieben anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiläums feierlich zu beglückwünschen und den wärmsten Dank und die vollste Anerkennung zum Ausdrucke zu bringen, gereiche es dem Präsidenten persönlich zur hohen Befriedigung, der Dolmetsch dieser Gefühle des Vorstandes sein zu können. (Beifall.) Dr. L i e b e n habe den Zeitenwandel an sich vorüberziehen gesehen, so mancher Vorsteher, deffen Bildniß sich in den Räumen der Gemeinde vorfinde, sei dahingegaugen, so Mancher in andere Bahnen gewandelt, aber unwandelbar und unveränderlich in diesen langen Jahren blieb die Pflichttreue und die eifrige Tüchtigkeit des Jubilars im Amte (Beifall) und wenn der Vorstand das Glück hat, einen Beamtenkörper zu besitzen, von dem man mit Recht sagen könne, daß er ein mustergiltiger sei, so sei dies sicherlich dem glänzenden Beispiele des ersten Secretärs zu danken. (Lebhafte Zustimmung.) Dr. Lieben genieße aber auch neben dem berechtigten Vertrauen des Vorstandes wegen seines concilianten und überaus liebenswürdigen Wesens unter den Mitgliedern der Gemeinde allgemeine Anerkennung. (Lebhafter Beifall.) Schließlich gibt der Präsident dem Wunsche Ausdruck, daß, so wie der Jubilar heute in physischer und geistiger Vollkraft begrüßt wurde, er an der Seite seiner Gattin und seiner Familie noch viele Jahre der Gemeinde erhalten bleibe (erneuerter Beifall) und ersuche denselben, auch ein sichtbares Zeichen der Sympathie der Gemeindevorsteher anzunebmen und demselben einen Raum in seinem Heime zu geben. Er hofft, daß der Vorstand auch in einem späteren Zeitpunkte Dr. Lieben als ersten Beamten feiern und beglückwünschen werde. Während dieser Schlußworte wurde den» Jubilar als Geschenk der Vorstandsmitglieder ein Tafelaufsatz aus getriebenem Silber, ein wirkliches Kunstwerk, überreicht. Architekt Fleischer überreichte namens des Tempel-Vereins im VI. und VII. Bezirke eine künstlerisch ausgestattete Adresse in reich verzierter Enveloppe. Dr. Lieben dankt hierauf in bewegten Worten, indem er hervorhebt, daß er in einer Weise ausgezeichnet wurde, welche seine kühnsten Erwartungen weitaus übertroffen habe. Der heutige Tag werde einer der schönsten Erinnerungstage seines Lebens bleiben und auch für seine Familie unvergeßlich sein. Nach dieser mit großem Beifall aufgenommenen Rede nähmen die Mitglieder des Vorstandes Gelegenheit, den Jubilar und dessen Angehörige zu beglückwünschen. Nach der Plenarsitzung versammelte sich das Präsidium mir der Beamtenschaft der Cultusgenreinde in dem mit Blumen und Blattpflanzen geschmackvoll decorirten Arbeitszimmer des Jubilars, an welchen der Amtsvorstand Herr Gustav Wiener nachstehende Begrüßungsrede richtete: