Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 5 (4.2.1898)
- Date
- 1898-02-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr 5 Seite 89 &Xi Bloch's Vochrnptzrifi Modernes Krnegstenlhum. (Aus Deutschland.) Nicht allein die alte, sondern auch die neue Geschichte ist reich an Episoden und wunderlichen Erscheinungen. Sie geißelt oft in beißender Ironie all die Absurditäten und grotesken Einfälle der entarteten Neuzeit. Jüngst erlebte das Salonjudenthum in Deutschland einen Witz, wie er treffender, aber auch grausamer kaum gedacht werden kann. Man kennt ja den Ghettogeist, von dem viele unserer modernen Stammesgenossen trotz ihres tadellosen Fracks beherrscht sind. Das Parfüm vermag den Sclavengeruch nicht zu verscheuchen. Diese Elemente sind wenig stolz auf die großen Gelehrten und bedeutenden Charaktere der Judenheit. Dagegen erheben sie ein Jubelgeschrei, wenn Einer für schweres Geld nach langem Bemühen den Titel eines Commercienrathes erlangt oder durch hohe Protection von dem Fürsten eines Zwergstaates einen Orden erhält. Wer begreift nun gar die gewaltige Freude, wenn ein Jude ein hohes Amt im Staate erlangt! Da herrscht Jubel überall, als wären Noth und Elend für immer verbannt, als wäre das Judenthum selbst dadurch zu Ehren gekommen. Jüdische Decorirte, jüdische Räthe und jüdische Beamten! Mein Liebchen, was willst Du noch mehr? Nun ist aber jetzt der tragikomische Fall passirt, daß man sich über etwas freute, was nur ein Traum war. In Berlin ist nämlich ein Herr mit einem jüdisch klingenden Namen zum Landgerichtsdirector ernannt worden. Ein Jude und Landgerichtsdirector im heiligen Preußen! Das bedeutet die Morgenröthe der messianischen Zeit. Dieses glorreiche Ereigniß wurde mit lyrischen Herzensergüssen begrüßt und man knüpfte allerhand rosige Folgerungen für die Zukunft daran. Da stellte sich aber plötzlich heraus, daß der betreffende Herr auch äußerlich nicht mehr zur Judenheit gehört, daß er seit 3 Jahren getauft ist. Das war eine harte Enttäuschung, und die Hallelujah-Sänger zogen sich beschämt zurück. Dieser Fall hat aber auch seine ernste, ja tieftraurige Seite. Er zeigt uns nämlich die Wunde, an der die Judenheit Westeuropas seit Jahrzehnten krankt: die feige Fahnenflucht mancherSöhne Israels. Die Quantität macht es im Judenthum nicht, und wir würden es nicht beklagen, wenn manche Elemente die losen Bande, die sie äußerlich niit der jüdischen Gemeinde verbinden, gänzlich lösten. Wie lieb und theuer uns auch alle Mitglieder der Judenheit sind, so lange sie sich stolz und frei zu ihrer Abstammung und ihrer Gesammtheit bekennen, so betrachten wir doch diejenigen für einen Krebsschaden, die durch ihren materialistischen Geist und durch ihre Würdelosigkeit das Judenthum zum Gespött der Völker machen. Diese Stiefsöhne der Judenheit können uns nur dadurch nützen, daß sie gänzlich von uns sernbleiben,. so daß wir für ihr Thun und Lassen nicht mehr verantwortlich gemacht werden können. Bei den meisten Renegaten ist der heuchlerische Act der Taufe nur die letzte Cönsequenz ihrer traurigen Lebensanschaunng, die nothwendige Folge ihrer' verfehlten Erziehung. Dieser Proceß der Zersetzung fängt mit dem unseligen Jndifferentismus an und endet mit dem Uebertritt. Wenn also diese Elemente, die innerlich nie zu uns gehört haben, von uns scheiden, dann rufen wir ihnen zu: ^Adieu, Ihr Herren, Ihr habt uns von einem Uebel befreit!" Ganz anders aber gestaltet sich die Sache, wenn man erwägt, daß der Staat durch die Beförderung aller jüdischen Beamten, die sich zum Schritte der Taufe leichten Herzens entschließen, gewissermaßen eine Prämie auf diese Charakterlosigkeit setzt. Wenn man sieht, daß die Beamten, die noch dem Judenthume angehören, auf jede Weise zurückgesetzt werden, während die Getauften zu den höchsten Aemtern und Würden leicht gelangen, so könnte man fast, glauben, daß dem Staate mehr an dem Scheine eines zur Schau getragenen Christenthums als an der innern sittlichen Gediegenheit gelegen ist. Es ist gar kein Zweifel, daß ein Mann, der sich in seinem reifen Lebensalter entschließt, die Religion, in der seine Väter gelebt haben und in der er geboren ist, wie ein altes Kleid abzulegen, es nicht aus innerer Ueberzeugung thut, sondern um social und gesellschaftlich weiter zu kommen. Daß aber ein solcher Mann nicht dazu berufen sein kann, ein hohes wissenschaftliches Lehramt oder eine hohe Richterwürde zu bekleiden — das liegt auf der Hand. Wer mit seinem religiösen Gewissen so leicht umspringt, daß er diejenige Religion wählt, die ihm den höchsten Vortheil briugt, der ist für solche Aemter, die einen ernsten sittlichen Charakter und eine felsenfeste Treue vvranssetzen, gänzlich unqualificirt. Ist denn der Staat so kurzsichtig, daß er nicht einzusehen vermag, welch' einen schlechten erziehlichen Einfluß solche Elemente aus das Volk ausüben müssen? Welche Achtung kann der jüdische oder christliche Student dem akademischen Lehrer entgegenbringen, der, um ein besseres Einkommen gesichert zu sehen, plötzlich ohne jede innere Wandlung vor den Altar tritt und mit einer Lüge aus den Lippen sich zu einer Religion bekennt, an die er nicht glaubt? Welchen Respect können die Rechtsuchenden von der Gerechtigkeit desjenigen Richters empfinden, der noch vor acht Tagen jüdischer Amtsrichter gewesen und heute christlicher Landgerichtsrath ist? Muß da nicht jedes Gefühl der Ueberzeugungstreue, jeder Glaube an die unerschütterliche Gerechtigkeit vernichtet werden? Es gibt nichts, was Eineil so lächerlich machen kann, wie die Jnconsequenz, die freilich im modernen Leben nicht selten ist. Der Staat aber muß, wenn er seine Autorität im Volke nicht untergraben will, sich selbst treu bleiben. Hält der Staat die Männer jüdischen Blutes für minderwerthig, so muß er consequenter Weise auch die Getauften zurückweisen. Denn es ist und bleibt wahr, auch die getauften Juden sind Juden, aber freilich schlechte Juden, oder — um mit Max Nordau zu sprechen — sie stammen vom Bodensätze der Judenheit ab. Ter Racenantisemitismus ist bestialisch und ein Hohn aus jede menschliche Cultur, aber er ist in seiner brutalen Logik noch immer consequenter als der Antisemitismus, der vor der Scheintaufe Halt macht. Wahrlich, es ist eine verkehrte Ordnung, wenn man die ehrlichen Männer, die ihrer Ueberzeugung leben, zurücksetzt und die Heuchler und Lügner, die Priester des Streberthums, bevorzugt. Eine solche Ordnung kann nur dahin führen, daß man im Volke die Lüge als ein Privilegium der höheren Stände betrachtet und sich die Philosophie des mundus vult decipi zu eigen macht. Wenn man über den Rückgang der Sittlichkeit klagt, so hat der Staat in erster Reihe die Pflicht, dadurch veredelnd auf die Bürgerschaft zu wirken, daß er alle Eleniente von Aemtern und Würden ausschließt, die sich durch gewissenlose Handlung den Zugang dazu verschaffen wollen. . Es wird erst dann auf dem Gebiete der sittlichen Erziehung besser werden, wenn man die gähnende Kluft zwischen Theorie und Praxis, zwischen dem tobten Buchstaben und der lebendigen That beseitigt und endlich beweist, daß man es ernst mit der Religiosität und der Ethik des Volkes meint. F. S. Ungarisch - jüdische Gemeindebibel. Die heiligen Schriften sowohl Alten wie Neuen Testaments werden in der Ursprache, dem Hebräischen und Griechischen, am allerwenigsten gelesen; alle Völker, welche die Heiligkeit der Bibel anerkennen, besonders aber die einzelnen Kirchen oder Gemeinden, schaffen sich ihre eigene nationale oder Gemeindebibel, welche nebst der Sprache auch in der dogmatischen Auffassung der Offenbarungslehren das Gepräge des sie benützenden Gemeinwesens an sich trägt. Heutzutage lesen selbst die wildesten Völker die Bibel in ihrer eigenen Sprache, und in vielen Fällen ist es die nationale Bibel, welche die nationale Cultur schafft. Das Buch der Bücher, wie man die heilige Schrift oft nennen hört, oder das Buch par excellence, wie es durch das griechische Wort „Bibel" so treffend ausgedrückt wird, ist beim Volke noch heute das meist gelesene Buch und so steht die schaffende, singende und dichtende Volksseele gänzlich unter der Einwirkung des Geistes, der aus jedem Worte dieses eigenartigen Geisteserzeugnisses zu ihr spricht. Die Bibel ist culturschaffend und sprachbildend zugleich; uncivilisirte Völker verdanken Cultur und Literatursprache ausschließlich ihr, aber auch bei civilisirten Völkern ist sie wenigstens eine der mächtigsten Factoren des Culturlebens und der sprachlichen Entwicklung. Wie die Erfahrung lehrt, muß die Bibelübersetzung, wenn sie wirklich national und kirchlich sein will, aus der betreffenden Gemeinschaft selbst hervorgehen, nicht aber ihr von Außen her importirt sein. Nur wenn ein Volk oder eine Gemeinde das B e d ü r f n i ß nach einer eigenen Bibel empfindet, wird niit der Nebersetzung der Bibel ein Werk geschaffen, welches gleichsam aus dem Herzen gesprochen auch zum Herzen spricht. Eine aus der Gemeinde selbst hervorgegangene Bibel schafft für die betreffende Gemeinde eine eigene Bibelsprache. Eine solche Schöpfung geschieht in der Regel nur einmal; ist einmal der Wurf gelungen, hat sich einmal das Volk in seine Bibelsprache eingelebt, so erklingt das Lied, so tönt die Predigt, so spricht das Schristthum in Weisen, welche von denk Worte Gottes, iSifiBSBbiBBiaaMi