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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5 Vr. Vloch's MochrnschrM Seite 87 in Bamberg, später Landrabbiner in Hessen und zuletzt Rabbiner in Worms, wo er an 14 Jahren das Rabbineramt bekleidete. Die angedeutete Stelle in jenem Buche lautet: „Mendel war ein bedeutender Talmudist, der Kabbala sehr mächtig und Verfasser vieler hebräischer Werke; er fastete mehrere Jahre alltäglich, spendete der Synagoge eine Thorarolle mit einem Vorhänge vor der Bundeslade, auch einen niächtigen Leuchter, auf welchem an Sabbath- und Festabenden Lichter angezündet und die Kosten hiefür zum Theil von den Zinsen der hinterlegten 50 Gulden bestritten werden sollten. Auf dem Leuchter, der noch gegenwärtig in der Synagoge benützt wird, findet sich eine eingravirte hebräische Rundschrift in sehr erhebender Weise auf den wohlthätigen Spender." Die Familie Rothschild entstammt nach der Angabe des Verfassers des »Schein hagedolim« der Familie des erwähnten Rabbi, weshalb es nicht überflüssig sein mag, wenn wir hier auch nach dem Werke »Ani bslew jam« (Fürth 1766) die Stammtafel der Familie Rothschild, soweit sie unfern Rabbi Mendel betrifft, geben, Jsak Rothschild (Vorsteher in Frankfurt a. M.), Salomon Rothschild (Rabbi in Würzburg und Friedberg), Mendel Rothschild, dessen Epitaph auf einem Grabsteine des israelitischen Friedhofes zu Worms zu lesen, Salomon in Ettingen, Boas Rafael Rothschild, Verfasser des obigen Werkes. Boas fügt hinter Jsak noch die Worte hinzu: »Migesa hopchus umidos ascher meolom Anscbe hoschom«. Es ist die Familie Rothschild eine der ältesten in Israel. F. „Christenhatz" der Juden. Pilsen, 27. Jänner. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich erlaube mir, Ihnen anbei einen Ausschnitt aus der heutigen Nummer der „Bohemia" einzusenden, in welchem eines Seitenstückes zum Abgeordneten Schneider Erwähnung geschieht. Diese Gelegenheit benützend, möchte ich Sie auch von einer kleinen Episode in Kenntniß setzen, die gewiß geeignet ist, Ihnen einen heiteren Moment zu verursachen. Es war vor drei Jahren am Bersöhnungstage, als ich Zeuge davon war, wie ein Ordens- Bruder zu einem, an einer Häuserecke postirten Expreßmann herantrat und ihn ersuchte, ihm bei seinem Rundgange durch die Stadt als Cicerone dienen zu wollen. „Ja, mein lieber Freund", bemerkte der Dienstmann, „da haben Sie es heute schlecht getroffen; die Jnben haben Feiertag und da ist nicht viel zu machen." Der Mönch machte ein verdutztes Gesicht und erwiderte resignirt: „Nun, da wird mir nichts Anderes übrig bleiben, als bis morgen zu warten" und erbat sich für den anderen Tag die Dienste des erfahrenen Expreßmannes. Tableau! Ein antisemitischer Sittenrichter. B u d w e i s, 25. Jänner. Der Lackirer Anton Stifter aus Oberplan, welcher bei den verschiedensten Wahlen im Böhmerwalde so vielfach genannt wurde und bei den letzten Reichsrathswahlen sogar als Candidat der Christlich-Socialen ausgetreten ist, wurde von einem Vierrichter-Collegium des hiesigen Kreisgerichtes unter dem Vorsitze des Kreisgerichtspräsidenten Herrn F. Geist wegen des Verbrechens der Verleitung zur falschen Zeugenaussage vor Gericht zu drei Monaten Kerkers verurtheilt. Der Selbstmord in der Armee. Aufsehen erregt der traurige Vorfall in Budapest, wo sich ein jüdischer Soldat wegen der ihm als Juden zugefügten Beschimpfungen und Mißhandlungen entleibte. Isidor P o l a s ch e k, Infanterist vom 32. Infanterie-Regiment in Budapest, wurde, wie der »Egyetertds« berichtet, von seinem Corporal und seinem Lieutenant wiederholt beschimpft, geohrfeigt und mit Füßen getreten. Da er sich als gewesener Buchhalter um die Zuweisung in die Kanzlei bemühte, rief ihm einmal der Lieutenant zu: „S a u j u d', Sie kommen nicht in die Kanzlei!" und gab ihm eine Ohrfeige. Der junge Mann besaß zuviel Selbstgefühl und Stolz, um diesen Schimpf zu ertragen, und erschoß sich. Dieser eine Fall kommt in die Oeffentlichkeit. Wie viele Fälle gelangen über die Kasernenmauern nicht hinaus! Wie oft bekommen in den galizischen Kasernen jüdische Soldaten das Compliment »zyd parch» und einen Rippenstoß dazu, die sie dann in der Kantine mit einem Glas Schnaps und Bier an den „Herrn Gefreiten" oder „Herrn Corporal" quittiren müssen! ^; Nach den Angaben des französischen Militärarztes Longuet kommen Selbstmordfälle auf je 100.000 Soldaten in: Italien: 40. Frankreich: 29. Belgien: 24. England: 23. Rußland: 20. Oesterreich-Ungarn: 149. - Hundert vierzig neun. Dieses Ergebniß ist wahrhaft fürchterlich! — Als das Rundschreiben des Prinzen Georg von Sachsen über die verübten Grausamkeiten im sächsischen Armeecorps durch den „Vorwärts" allgemein bekannt wurde, und ungeheures Aufsehen verursachte, hörten wir von Officieren unserer Armee, daß solch .scheußliche Zustände bei uns nicht möglich wären, denn bei uns ginge alles ordentlich, ja gemüthlich zu. Diese optimistische Annahme wird leider auf das Entschiedenste durch die hohe Selbstmordziffer Lügen gestraft. — Was muß der arme Soldat erlitten haben, ehe er den Entschluß faßt, sich selbst zu tödten? Wir sehen die antisemitische Aussaat reifen. Zionistische Propaganda. Die „national - jüdische Vereinigung für Deutschland" versendet, um ihrer Sache neue Freunde zu gewinnen, zwei zionistische Schriftstücke. Die Herren haben vor 2 Monaten in Frankfurt a. Mai n einen Delegirtentag abgehalten, auf welchem die Grundzüge der zunächst nothwendigen Agitation festgestellt wurden, und verbreiten jetzt als Ergebnisse dieser Zusammenkunft die dort gehaltenen Vorträge der Herren Julius Schach und Dr. Schauer. Der Erstere sprach über das Thema: „Bon Theorie zur Praxis" und wies nach, wie für die zionistische Bewegung zunächst tüchtige Führer und tüchtige Kampfer ausgebildet werden müßten, damit das in Bafel verabredete Programm verwirklicht, das jüdische Leben gepflegt, der jüdische Charakter, die jüdischen Sitten und Eigenthümlichkeiten entwickelt und gestärkt werden können. Charakteristisch für das Referat ist vor Allem die Thatsache, daß es mit keiner Silbe des großen H i l f s w e r k s erwähnt, das doch an der Spitze der Baseler Beschlüsse steht und das allgemein als das Wichtigste vom zionistischen Programm bezeichnet wurde, dem gegenüber die andern Punkte gewissermaßen nur Mittel znnl Zweck sein sollten. Zur Erreichung der zionistischen Ziele schlägt Herr Schach in erster Reihe die Gründung von jüdischen T u r nvereinen und zweitens die Gründung jüdischer Geselligkeilsvereine vor, beide zunächst tendenzlos, d. h. ohne Betonung des Zionismus. Die „ohne Tendenz" versammelten jüdischen jungen Leute würden, wenn unter sich und befreit von dem Drucke, den sie in allgemeinen Vereinen empfinden, sicherlich bald „einen specifisch jüdischen Turn- Comment bilden, jüdische Lieder singen" u. s. nr. Hier entfalte sich der männliche, militärische Charakter, da wäre eine Stätte, wo die Makkabäer-Tugenden gepflegt werden. Der ztveite Referent auf jenem Delegirtentage, Herr Dr. Schauer-Bingen, führt die von seinem Vorredner gegebenen Anregungen über die formelle Propaganda aus und knüpft daran interessante Aufschlüsse über die materielle Propaganda. Er unterscheidet sich von dem ersten Referenten zunächst dadurch, daß er wenigstens von dem Hilfswerk spricht; aber sein Vortrag liefert nichtsdestoweniger genügendes Material, um die Zionisten bed. h. verurtheilen zu können. — Um Anhänger für ihre Sache zu gewinnen, wollen, respective sollen sie vor keinem diplomatischen. Kunststückchen zurückschreckem Die Agitation dürfe nicht überall uniform sein, sondern müsse sich nach den Anschauungen der zu werbenden Kreise richten. Hier, in Deutschland, sei das „nationale I u d e n t h u m" n i ch t g e n e h m, darum müsse man sich einer „a l l z uschroffen Betonung desselben" wohlweislich enthalten. Eine besondere Ueberraschung enthält aber Herrn Dr. Schauer's Rede, wenn er ferner sagt: man müsse den Gedanken der Gründung eines I u d e n st a a t e s beiseite lassen. Während nach den bisherigen Kundgebungen der Judenstaat in Basel bereits ad acta gelegt war, verkündet Herr Dr. Schauer, er für seine Person verstehe sich zu allen C o n s e q u e n z e n des B as e l e r Programms, auch wenn sie die S ch a f f u n g e i n e s Judenstaates betreffen; allein den Deutschen, die ihn perhorresciren, müsse mau erklären, daß unter der öffentlichen, rechtlich gesicherten Heimstätte nicht not h w endig z ein eigentliches Staatengebilde verstanden sein müsse. — Er

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