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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Vr. Vloch's Wochenschrift Seite 85 streut, fortsetzen werde — das darf nicht geduldet werden" u. s. w. Die Freunde Frankreichs und der liberalen, demokratischen, friedlichen Republik — erheben, immer eindringlicher und bekümmerter ihre warnenden Stimmen angesichts des drohenden Unheils einer von den Feinden der republikanischen Grundsätze und Institutionen, der Freiheit, der ruhigen Entwicklung und des Friedens ausgebenteten, total zerfahrenen Lage. Wie vor hundert und mehr Jahren die vornehmsten Geister des Landes es waren, die die Revolution vorbereiteten, so wirft fick jetzt der erste Schriftsteller Frankreichs der drohenden Gegenrevolution, welche Errungenschaften gefährdet, die inzwischen Gemeingut der Menschheit geworden sind, kühn entgegen. Aber während ein Voltaire, ein Beaumarchais wußten, daß sie von den Besten der Nation getragen und gefördert wurden, schwimmt Zola gegen den Strom, der vielleicht über ihn hinweggehen wird. Er kann nicht mit dem stolzen Bewußtsein Beaumarchais' ausrufen: „Die Nation fitzt nicht auf den Bänken derer, die das Urtheil sprechen, aber ihr majestätisches Auge schwebt über ihnen; wenn sie nie der Richter Einzelner ist, so bleibt sie doch stets der Richter der Richter." Dem Lande der Gewissensfreiheit ist dieses Majestätsgefühl der Vorfahren abhanden gekommen, der französischen Nation ist heute dies re8 judicata — wenn sie einen Juden oder Protestanten trifft — heiliger als ihr souveränes Richteramt." Ehrenmänner. (Eine Konferenz.) Der Großindustrielle: „Gestatten Sie mir vor Allem, liebster Freund, Ihnen aus Anlaß Ihrer jüngsten Erfolge inein innigstes Beileid auszusprechen. Ich nehme gewiß den herzlichsten Antheil. Lassen Sie diesen Händedruck Ihnen sagen, was unaussprechlich ist. Der Bürgermeister hat Ihnen ordentlich zugesetzt in der hin- und herreißenden Ansprache, als er das Gas seiner Beredsamkeit voll ausströmen ließ. Es hat gerochen." Der B a n k d i r e c t o r: „Außerordentlich verbunden für die warme Antheilnahme. Sie wurden übrigens auch nicht besonders zärtlich von ihm gehätschelt. Selbst bemerkt man das gar nicht so, wie die Andern. Sie thun mir wirklich leid. Ein in jeder Hinsicht so verdienstvoller Mann, wie Sie." Der Großindustrielle: „Unsereins ist das schon gewohnt. Macht nur mehr wenig Eindruck. Aber wie Sie ihm nachgelanfen sind. Ich bewundere Ihre Unver —drossenheit, natürlich, —drossenheit!! Sie sollen ja geradezu Unerhörtes auf dem Gebiete des moralischen Harikiri geleistet haben. Und Sie mußten ja doch so ungefähr wissen, was der Mann über Juden und Banken für Anschauungen geäußert hat. Und dennoch! Das macht Ihnen so leicht nicht Jemand nach. Sie haben aus das Recht der Selbstachtung großmüthig verzichtet, bedingungslos resignirt. Das war aufgelegte Seelengröße, Heroisnms! Ihr Vorkriechen steht einzig da in der Geschichte der Anlehen. Es ist natürlich auch Einiges gegen Sie geäußert worden in Cirkeln, wo noch altmodische Anschauungen herrschen, aber ich, als Ihr Freund, habe Sie gegen alle lieblosen Bemerkungen in Schutz genommen." Der Bankdirector: „Sehr gütig. Wir verstehen uns. Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden. . . ." Der Großindustrielle: „Aha, eine kleineReminiscenz an Ihre Religionsstudien, an die Zeit, als Sie den Glauben wechselten. Ein Arbitragegeschäft, wie ein Anderes. Sie haben auch brav die zweite Backe hingehalten nach dem ersten Streich. Sie nehmen das Alles viel zu wörtlich." Der Bankdirector: „Meinen Sie? Der Großindustrielle: „Ja wohl, ich meine das und denle auch, daß es nicht besonders nothwendig war, zum Lueger zu rennen, um ihm die hochwichtige, weltbewegende Neuigkeit brühwarm zu versetzen, daß Sie — n a ch B e r l i n fahren! Sie haben ihn auch gefragt, ob er an der Spree nichts zu bestellen hätte? „Nein" war die deutliche Antwort. Und d i e haben Sie auch noch mißverstanden." Der Bankdirector: „Freilich, freilich, das war unüberlegt, voreilig, übereifrig, unklug. Ich hätte mich beinahe lächerlich gemacht. Jetzt sehe ich das Alles sehr gut ein." Der Großindustrielle: „Ihr Verstand geht nach, lieber Director. Wollen Sie mir gestatten, ganz frei von der Leber weg zu Ihnen zu reden? Ja? Nun denn, Sie haben in der ganzen Sache die Rolle einer sehr bekannten heiteren Figur gespielt, die Alles besorgen will, Teppiche anslegen, Reiten halten. Lichter anzünden und ablöschen, Tänzerinnen auf die Schimmel heben, dabei Jedermann nur im Wege steht, über die eigenen Beine stolpert und schließlich ausgelacht wird. Der Name ist mir momentan entfallen, Juni oder Juli heißt der Mann." Der Bankdirector: „Der Vergleich ist schmerzhaft, aber doch nicht ganz unzutreffend." Der Großindustrielle: „Und wie Sie gar biblisch feierlich und geheimnißvoll zu sprechen anhoben, im Ton eines erleuchteten Propheten und gotttrunkenen Sehers: „Es werde ein Mächtigerer kommen, der eine gute Offerte stellen werde!" Sie haben wohl damals gerade das neue Stück vom Sudermann gelesen — da ist auch immer von einem Mächtigeren die Rede, der da kommen wird. Das ist Ihnen im Kopf herumgegangen. Der Bankdirector: „Es hat beinahe so den Anschein. Ich war damals ganz unbegreiflich zerstreut." Der Großindustrielle: „Und schließlich verlegten Sie sich gar auf's Bitten und Betteln und flehten im de- und wehmüthigsten Winselton um sein Mitleid, dessen Sie allerdings wohl würdig waren. Erst H a u s i r e n und dann Betteln!! Beides ist in den Aemtern streng verboten. Wie ein alter Pfründner, der um Gotteswillen in die Versorgung will, wimmerten Sie, man möge doch ihre Gesellschaft mitnehmen." Der Bankdirector: „Wir sind auch mitgenommen worden, und zwar sehr arg!" Der Großindustrielle: „Na, sehen Sie? Haben Sie das Alles nöthig gehabt?!" Der Bankdirector: „Es war eine ganz abscheuliche Jndiscretion von diesem alten Plauscher Lueger, derartige vertraulichste Unterredungen an die Qeffentlichkeit zu zerren, die Leute bis auf die Knochen' zu blamiren und bloßznstellen. Es ist geradezu — —" Der Großindustrielle: „Vollständig Ihrer Meinung. Niemand wird mehr mit ihm in die Laube gehen wollen. Die Juden der Deutschen Bank werden ihn auch noch näher kennen lernen im Verlaufe der Begebenheiten." Der Bankdirector: „Nein, diese bloß stellenden Enthüllungen waren zu arg!" Der Großindustrielle: „Man hat rein geglaubt, man sitzt im Theater bei einer neuen Operette." Der Bankdirector: „Welcher Mangel an Tact! Wo blieben, die primitivsten Anforderungen des Anstandes. Es war einfach ein Mißbrauch." Der Großindustrielle: „Ja, ein sehr mießer Brauch. Discretion ist eben eine Ehrensache und daher momentan nicht beliebt. Warum sind Sie auch mit Hochquell- und nicht mit Spree- und Themsewasser getauft, Director? Dann wäre die Geschichte vielleicht doch noch eher gegangen. Unserem heimischen Markt soll eben dadurch anfgeholfen werden, daß man alles Geld in's Ausland schickt und ihn zwingt, sich, geh's wie's geh', ohne dasselbe zu behelfen. Dadurch wird sich erst seine Lebensfähigkeit erweisen. Oder möglicherweise auch nicht. Die Sache wäre wirklich gar zu eintönig gewesen, wenn nicht Sie, Verehrungswürdigster, durch Ihre Episode als lustige Person und durch ihre eminenten komischen Talente einigen Humor hineingebracht hätten. Dafür muß Ihnen jeder Freund einer gesunden Heiterkeit aufrichtig dankbar sein." Der Bankdirector: „Sie sind sehr nachsichtig nnd überschätzen meine bescheidenen Leistungen. Und wie denken sie über die Tramwayangelegenheit, wenn die Frage gestattet ist?" Der Großindustrielle: „Ich? Wie alle Well! Ich baue felsenfest darauf, daß das Gegentheil von dem wahr ist, was der Lueger ex cathedra verkündigt hat. Alls diesen Mann kann man sich unbedingt verlassen. Er hat vollständig freie Hand. Die Deutsche Bank ist sein Gefangener, aber sie läßt ihn nur leider nicht los! Der Himmel tröste Sie, lieber Director! Machen Sie sich nichts daraus. Es wird schon bald, sehr bald vielleicht wieder im Rathhause drinnen Geld gebraucht werden, da fragen Sie sich nur wieder an, als wäre gar nichts vorgefallen zwischen ihm und Ihnen. Ihrem Rufe als Charakter und Finanzgenie wird das nicht im Mindesten schaden. Lueger wird doch nicht immer die ungetansten Deutsche Bankjuden den Wiener Finanz-Täuflingen vorziehen . . . ." Johann Jacob Wendehals.

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