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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-02-04 · 5 (4.2.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
5 (4.2.1898)
Date
1898-02-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Vr Vloch's Wochrnptzrist Seite 83 nicht sehr irren, auch der über das antisemitische „Gespenst" so sittlich entrüstete Graf Adalbert Dzieduszycki theilnahm, und in diesem Conventikel wurde das „Gespenst" so gründlich beschworen, daß unmittelbar darauf über das ganze Land ein Netz von antisemitischen Blättern gespannt wurde und der Landmarschall Graf Stanislaus Badeni seinen sämmtlichen jüdischen Pächtern, darunter solche, die 20 und 30 Jahre auf seinem Boden wirthschafteten, kündigte. Und mau beschwor das „Gespenst" immer weiter, immer gründlicher. In aller Stille wurde ein wirthschaftlicher Krieg von unerhörter Grausamkeit gegen die Juden organisirt. Während die Lippen der polnischen Führer von der „traditionellen Toleranz und Humanität" des polnischen Volkes Überflossen, entzog man den Juden Schritt für Schritt auf allen Gebieten des Erwerbslebens jede Möglichkeit der Existenz. Seit einem Jahre hat das Elend unter den galizischen Juden grauenhafte Formen angenommen. Das war und ist die Rache der Schlachta für den Wahlsieg D a s z y n s k i's und Kozakiewicz', den man nicht etwa den allgemeinen socialen und wirthschaftlichen Verhältnissen, sondern ausschließlich den Juden auf's Kerbholz schrieb. Aber die Herren wögen sich vorsehen! Mit dem > Gesperrte" des Antisemitismus treiben sie ihren Spott, allein ein viel gefährlicheres Gespenst wächst neben diesem empor! Das unwissende jüdische Proletariat ist bei den Wahlen der V. Curie einem dumpfen Drange gefolgt. Die Politik aber, die heute von den Häuptern der Schlachta beliebt wird, ist ganz dazu geeignet, auch die jüdische Intelligenz in das Lager des Socialismus zu treiben. Und das würde in Galizien Wirkungen nach sich ziehen, von deren Tragweite man außerhalb des Landes gar keine Ahnung hat. Denn so tief auch die Masse der galizischen Juden als wirthschaftlicher' Factor steht, als politischer Factor bei den Wahlen repräsentirt sie eine Macht, mit der man rechnen muß. Sie haben diese Macht bewiesen, als sie in Przemysl, dem Sitze dreier Bischöfe, gegen den Willen des Central-Wahlcomitss die Wahl Dr. K o l i s ch e r's durchsetzten. In vielen Wahlbezirken des Ostens verfügen sie über die Majorität oder entscheiden sie doch den Ausgang der Wahl. Die maßgebenden Persönlichkeiten in Lemberg mögen zusehen, daß sie durch die Entfesselung des Antisemitismus nicht gerade dasjenige herbeiführen, was sie verhindern wollten — ein gewaltiges, die Wurzeln der Adelsherrschaft bedrohendes Aufflammen der socialistischen Bewegung. Mehr als eine halbe Million galizischer Juden hat nichts mehr zu verlieren und kann leicht dem Raisonnement der Verzweiflung folgen. Dann mag der edle Graf Adalbert zusehen, wie er die „Gespenster" los wird, die er gerufen hat: Die Wotanisten. „Das Judenthum fühlt für das Christenthum, was eine Mutter für ihre Tochter fühlt, wenn diese auch, zu den höchsten Ehren, zur Weltherrschaft gelangt, öfter als billig Anlaß zu dem Stoßseufzer des Propheten Micha (7, 6) gibt: „Die Tochter erhebt sich wider ihre Mutter!" Das Brünner Leibjournal der Deutschnationalen, die sich zu dem echten rechten Deutschthum so verhalten wie ein bösartiges Geschwür zu dem Leibe, der damit behaftet ist, das deutsche Blatt vom 22. Eismond 1898, entblödet sich nicht, mit gewohnter Perfidie den beabsichtigten, vom Herrn Landesrabbiner Dr. Placzek entschieden abgelehnten Uebertritt zahlreicher czechischkatholischer Bauernfamilien zum Judenthum folgendermaßen wiederzugeben: „(I üble Israel!) Wie dem hiesigen „Tagesbote", dem nationalen und liberalen, und dem Ministerblatte in der Rennergasse, genannt „Correspondent", von amtlicher Seite, wahrscheinlich aus der Rabbinatskanzlei, gemeldet wird, erschienen vorgestern bei dem Landesrabbiner Dr. Placzek mehrere czechische Dorfbewohner aus Bukowitz und Schreibendorf, um ihre Beschneidung zu verlangen. Trotz aller Bemühungen des Dr. Placzek, die Operation zu verhindern, bestanden die Abgeordneten aus dem Schildberger Bezirke mit aller Gewalt auf der Beschneidung und fuhren dann wieder in die Heimat. Wir berichteten seinerzeit zuerst von dem auffallenden Schritte, den mehrere czechische Familien in dem nordwestlichsten Winkel Mährens zu machen gedenken; nun soll es Thatsache werden, daß ein Bezirk, der, wenn nicht einige Beamten Israeliten wären, vollständig judenrein wäre, gleich eine ganze Judengemeinde auf einmal erhält. Zur Feier der festlichen Beschneidung dürften sich Juden aus allen Bezirken Mährens einfinden und so die Deutschen im Schildberger Bezirke ein seltenes Schauspiel erleben." Es sind dieselben Deutschnationalen, die, ein seltenes Beispiel von Atavismus, den Rückfall in jene Zeiten herbeisehnen, wo ihre Ahnen beinahe zwei Jahrtausende, nachdem unsere Ahnen von Manna sich genährt, mit gewissen Thieren um die Wette an Eicheln sich mästeten und zur Abwechslung wohl auch das Blut ihrer Kriegsgefangenen, die von deutschen Jungfrauen geschächtet wurden, sich hinter die Binde gegossen. Ihren brutalen Jnstincten ist das Zerrbild eines W u o t a n sympathischer als die Lichtgestalt des Juden Jesus und sie ziehen die Äsen lehre dem durch und durch semitischen Christenthume vor. Freilich für das deutschnationale Aas ist die Asenlehre eben gut genug. Ihr ganzes Gehaben riecht ja nach Asa foetida. Es sind dieselben Teutomanen, die vor einigen Monaten in Brünn in einem heftigen Wahlkampfe sich mit Czechen und Clericalen verbanden, um ihren deutschen Brüder» den Dolch in den Rücken zu bohren — so oder ähnlich war es damals an allen Straßenecken in dem Aufrufe des deutschen Wahlcomites zu lesen: Wotanisten sind keine Christen! Sie würden sonst nicht einen Act bübisch verhöhnen, der an Christus selber vollzogen wurde und den Beginn der ganzen christlichen Zeitrechnung bezeichnet. „Christi Beschneidung" wird fast in jedem Kalender der 1. Jänner genannt — was jüngst erst der wackere Kronawetter den Irokesen im niederösterreichischen Landtage köstlich unter die Nase gerieben hat — und zu welchem Acte die Reliquienkästchen, welche in mittelalterlichen Klöstern den Anziehungspunkt für zahlreiche Wallfahrer abgegeben haben, in näherer Beziehung standen. Verlotterte Burschen können allerdings nicht mehr eine gewisse Haut zu Markte tragen, die schon dem Messer eines Chirurgen verfallen war. Ueberdies nehmen solche Cumpane vor jeder blanken jüdischen Klinge reißaus und riskiren lieber eine tüchtige Tracht Prügel. Wotanisten sind keine Christen, ebensowenig als Christliche sociale von der Prägung eines Ernst Schneider, der sich nicht mit dem Rebach der Gasmesser begnügen will und nach dem Schächtmesser greift. Die Ehre, für ihn „Schußgeld" zu verlangen, thun wir ihm nicht an; denn er ist keinen Schuß Pulver werth. Das Scheusal soll ganz anders enden. Wie? das wurde ihm vor einiger Zeit in folgenden Stachelreimen prognosticirt: Tollhäusler, sagt man, haben nach andern blöden Thaten, Erkoren zu Vertretern sich Zuchthauscandidaten. Sie schänden, was nur heilig, beschmutzen alles Reine, Verthieren, was nur menschlich, vergöttern das Gemeine, Und gegen Recht und Wahrheit getobt wird und gewettert; Wohl wurden sie gebrandmarkt und nieder oft geschmettert Von edlen Geistheroen mit blitzeblanken Worten, Und sonst soll nichts geschehen mit Schneider und Consorten? Man führt sie in den Kerker; da rasseln mit den Ketten Die Mörder und die Räuber: „Hinweg! Wir wollten wetten, Von der Verbrecher-Ehre weiß nicht ein solch' Gesindel. Uns graut vor dem gemeinen Antisemiten-Schwindel". Der Teufel weist sie grinsend, hohnlachend von der Schwelle: „Es bleibt mit oieser Sippschaft mir keiner in der Hölle; Ein anderes Gehinnom soll öffnen Euch die Pforten!" Was soll nunmehr geschehen mit Schneider und Consorten? Aus einem dumpfen Hofe, welch' Quieken dringt und Kreischen! Was mag man dort in Jagdlust und wilder Wuth zerfleischen? Es jagen eine Ratte schmutzstarrende M e g ä r e n; Sie tauchen alte Besen, zerschlissen schon vom Kehren, Mit geiferndem Gekeife in jauchige Cloaken, Das häßliche Canalthier zu stäupen und zu placken. Nicht wird die winzige Ratte den Furien entgehen — Mit Schneider und Consorten soll Gleiches bald geschehen! Beliphachad. Zur Tage in Frankreich. Wir stehen unmittelbar vor dem Proceß Zola. Bedeutsam für den Verlauf ist die Erklärung des italienischen Unterstaatssecretärs Graf B o n i n im italienischen Parlament in Beantwortung einer Anfrage des Deputirten Del B a l z o über die Action der italienischen diplomatischen Vertretung, daß weder der italienische Militärattache, noch irgend ein anderer italienischer Agent oder Vertreter der italienischen Regierung jemals

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