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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-28 · 4 (28.1.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
4 (28.1.1898)
Date
1898-01-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 74 Vr Bloch's Wochrnphrifi Nr. 4 wird mit unverfälschtem turor teutonicus gegen die Juden gehetzt, und bezeichnend für die Dimensionen, welche dieser methodische Wahnsinn bereits angenommen hat, ist die Thatsache, daß der hiesige liberale Bürgerverein unter Führung des Buchhändlers Haus Fellcr und des Med. Dr. Nagl in seiner jüngsten Vollversammlung mit fliegenden Fahnen und dröhnenden Heilo-Rufen in das Lager des deutschnationalen Antisemitismus übergegangen ist/ Soweit dies meine Person betrifft, erkläre ich hiermit, daß obige Mittheilung auf Unwahrheit beruht, daß ich nicht in das Lager des deutschnatioualen Antisemitismus übergegangen bin, weiters, daß die Führung des „Bürgervereines" nicht in meinen, sondern anderen Händen ruht. Hans Feller, k. u. k. Hofbuchhändler, Buchdruckereibesitzer und Redacteur des „Karlsbader Tagblatt". Karlsbad, 17. Jänner 1898. Geehrter Herr Redacteur In Ihrem geschätzten Blatte vom 14. Jänner 1898, Nummer 2 befindet sich unrer den „Correspondenzen" auch eine aus Karlsbad vom 11. Jänner (Aus dem antisemitischen Karlsbad), in der es unter Anderem heißt: Im privaten und öffentlichen Leben wird mit unverfälschtem knror teutonicus gegen die Juden gehetzt und bezeichnend für die Dimensionen, welche dieser methodische Wahnsinn bereits angenommen hat, ist die Thalsache, daß der hiesige liberale Bürgerverein unter Führung des Buchhändlers Haus Feller und des Med. Dr. Nagl in seiner jüngsten Vollversammlung mit fliegenden Fahnen und dröhnenden Heilo-Rufen in das Lager des deutschnationalen Antisemitismus übergegangen ist. Soweit dies meine Person betrifft, erkläre ich hiemit, daß ich nicht in das Lager des deutschnationalen Antisemittsmus übergegangen bin, daß daher obige Mittheilung auf Unwahrheit beruht, weiters daß die Führung des Bürgervereines nicht in meinen, sondern in andern Händen liegt. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Med. Carl Nagl. Die „Karlsbader Zeitung" Nr. 2 vom 9. Jänner brachte folgenden Bericht, den wir zur Beleuchtung der vorstehenden Berichttgungen wörtlich folgen lasten: „Vollversammlung des Bürgervereines. Nach längerer Pause berief der Vorstand des Bürgervereines in Karlsbad für Donnerstag den 30. December 1897, Abends 8 Uhr, im „Schützenhcmse" wieder eine Vollversammlung ein. Derselben wohnten 52 Mitglieder bei. Der erste Programmspunkt: „Mittheilungen des Obmannes" wurde durch den Obmann-Stellvertreter Herrn Rudolf Damm erledigt, welcher zur Kenntniß brachte, daß Herr Obmann Anton Pupp krankheitshalber verhindert sei, der Versammlung beizuwohnen und aus der gleichen Ursache einen Urlaub von 2'/, Monaten erbitte. Ferner gelangt ein Brief zur Verlesung, mittelst welchem Herr Vincenz Weczerzick seinen Austritt aus dem Vereine zur Anzeige bringt, da sein hohes Alter es ihm nicht mehr gestatte, so lebhaften Antheil an den Bestrebungen des Bürgervereines zu nehmen, wie es sonst sein Wunsch wäre. Zum zweiten Programmpunkt: „Besprechung über definitive Constituirung der Bürgerbank" referirt Herrn Richard P ö h l. Derselbe gibt die Gründe bekannt, warum mit dem Jnslebenrufen der Bürgerbank solange gezögert worden sei, und gibt schließlich der Versammlung die Zustcherung, daß der Vorstand längstens Mitte Jänner die Constituirung der Bürgerbank vorzunehmen beabsichtige. Hieran anknüpfend, stellt Herr Hans Feller den Antrag: der Bürgerverein möge die bei der bevorstehenden Liquidation der Karlsbader Spar¬ und Vorschußcaffa freiwerdende Concession der Pfandleihanstalt zu erwerben trachten, welcher Antrag Annahme findet. Mit großer Spannung sah man dem dritten Programmpunkt: „Anttäge und Berathungen betteffs der zukünftigen Gemeindewahlen entgegen. Herr Hans Feller empfiehtt der Versammlung, zu beschließen, auch ber den diesjährigen Gemeindewahlen thättg einzugreifen. Herr Med.-Dr. Nagl befürwortet diesen Antrag mtt dem Zusatze: „die ''Versammlung möge, da der Bürgerverein ziemlich geschwächt ist, dem Vorstande die Erlaubniß ettheilen, sich mit einer andern kräftigen Partei (Rufe: „Deutschnationale Pattei") in Verbindung zu setzen, beziehungsweise mit derselben gemeinsam Candidaten aufzustellen und in die Wahlbewegung energisch einzugreifen. Bei der hierauf folgenden Abstinnnung wird dieser Anttag angenommen. Der vierte Programmpuntt enthält eine neuerliche Aenderung der Satzungen und wird beschlossen, den bisher nicht politischen Verein in einen politischen umzuwandeln. Unter „Freie Anttäge" bringt Herr Gastwitth Wolf („Sonne") im Anschlüsse an den Vorschlag des Herrn Dr. Nagl und mit dem Zusatze, daß die Versammlung erfahren solle, welche Partei Herr Dr. Nagl gemeint habe, den Anttag: „der Bürgerverein möge sich zum Zwecke der Durchführung der Gemeindewahlen mit dem deutschnationalen Wahlcomite in Verbindung setzen und ferner in der Tagespresse verlautbarcn, daß die Mitglieder des Bürgervereines mit den Deutschnationalen eines Sinnes seien und daher auch mit diesen gemeinsam in den Wahlkampf eintreten werden. Dieser Antrag ruft stürmischen Jubel und dröhnende Heil- und Heilo-Rufe hervor. Herr Hans Feller bittet jedoch die Versammlung, den Anttag des Herrn Wolf vorläufig noch nicht zur Abstimmung zu bringen, da der Verein noch ein unpolitischer sei. Man müsse erst abwarten, bis die Statutenänderung von der Behörde die Bestätigung erlangt hat, dann könne man in die politische Action eingreifen. Dann werde auch der Verein das Recht haben, von seinem Abgeordneten zu verlangen, daß er seinen Rechenschaftsbericht im Schoße des Bürgervereines ablege; man könne aber auch jeden anderen Abgeordneten einladen, in einer Versammlung des Bürgervereines einen Stimmungsbericht über die augenblickliche politische Lage zu halten. (Rufe„Jro! Schönerer! Wolf!") Nachdem keine weiteren freien Anträge mehr Vorlagen wurde die Versammlung mit einem Hoch auf den Obmann Herrn Anton Pupp geschlossen". Eine weitere Ergänzung nach diesem Bericht ist wohl überflüssig. Krakau. Die letzten Ernennungen von Auscultanten im hiesigen Gerichtssprengel haben die schmachvolle Angelegenheit der Umgehung der jüdischen Rechtspraktikanten wieder auf die Tagesordnung gebracht. Auch diesmal, obwohl viele Ernennungen erfolgten, wurden sämmtliche jüdische Praktikanten umgangen. Ein Schrei der Entrüstung ging durch die hiesige intelligente Judenschaft und es wurde eine Äction unternommen, um diesem schmachvollen Zustande ein Ende zu machen. Die Anregung hiezu ging vom Präsidenten der hiesigen Cultusgemeinde Dr. Leon Horowitz und vom Vice-Präsidenten der Cultus gemeinde HirschLandau, ans die diesbezüglich alle gesetzlichen Mittel anwenden wollen, um die Frage zu einem gedeihlichen Abschlüsse zu bringen. Demnächst begibt sich von hier nm Deputation unter Führung des Präsidenten Dr. Horowitz zum Justizminister behufs Klarlegung des Sachverhaltes. Es ist bezeichnend, daß sich die Führer der Juden in Galizien, die stets den Polen-Club unterstützten, zu einem energischen Schritte doch aufraffen, während unsere jüdischen Abgeordneten aus Galizien, die vor den Wahlen schöne Versprechungen machen, sich weiterhin passiv in dieser Frage verhalten. Die hiesige Handelskammer hat abermals einstimmig den bisherigen Präsidenten Herrn Albert Mendelsburg zu ihrem Präsidenten gewählt. Frankfurt a. M, Mitte Jänner. (Todesfall.) Dieser Tage starb nach kurzem Krankenlager Dr. Heinrich H e i n e m a n n, Inhaber des bekannten Mädcheninstituts, erst 53 Jahre alt. Eminentes Wissen, persönliche Liebenswürdigkeit, eine große Rednergabe und ein starker Wohlthätigkeitsdrang vereinigten sich in diesem Manne, dessen Verlust die Vereine, die ihn zu ihren Vorstandsmitgliedern zählen durften — und deren sind nicht wenige —, schwer empfinden werden. Wir erwähnen unter Anderem die Israelitische Religionsschule, den Verein für jüdische Geschichte und Literatur, die Kirchheim'sche Stiftung, den Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina, den Palästinensischen Hilfsverein Lemaan Zion, die Frankfurt-Loge. Berlin. Dem Geheimrath Julius S ch w a b a ch, Chef der Firma S. Bleichröder, wurde das Großkreuz des österreichischen Franz Josef-Ordens und das Großkreuz des Ordens der Italienischen Krone verliehen. Dem Generaldirector Isidor L o e w e wurde der königlich spanische Militär-Verdienst-Orden dritter Classe verliehen. Bei dem letzten Ordeusfeste erhielten Geheimer Sanitätsrath Dr. A. B a e r und Generaldirector Juliusburger, hier, Justizrath K o r p u l u s in Breslau und Notar L e v y in Saarburg den Rothen Adler-Orden vierter Classe. 6. Berlin. Ein amüsantes Stückchen Judenriecherei häben neuerdings einige antisemitische Organe geleistet. Sie haben den General Weyler in Spanien, dessen Auftreten ihnen wahrscheinlich mißfallen hat, zum Juden gemacht, der sich in die spanische Armee eingeschlichen hat. Was wird man in Spanien zu diesem Kunststück sagen, man bedenke doch, in dem judenreinen Land^ der Jnqusition, ein Jude ein General! Unsere Antisemiten können sich ihr Schulgeld wiedergeben lassen, notabene wenn sie je solches bezahlt haben. Petersburg. Nicht wenig bedeutungsvoll ist es, daß Bauern und Bürger in allen Theilen des Reiches die Juden z urückw ün sch e n! Die Zeitung „Orlowski Westnik" berichtet aus Orel:

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