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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-28 · 4 (28.1.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
4 (28.1.1898)
Date
1898-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Vr. Vlochs WvchrnkchrM Seite 65 einer Person vereinigen. Bei den 14 Eisenbahnen fungiren 142 Verwaltnngsräthe, unter diesen nur 20 Juden, und zwar bei der Süd-norddentschen Verbindungsbahn unter 10 fünf, bei der Südbahn unter 12, bei der Nordbahn unter 12, bei der Nordwestbahn unter 14, bei der Graz—Köflacherbahn unter 6, je zwei, bei der Oesterreichisch-ungarischen Staatsbahn unter 19, bei der Bnschtiehrader unter 8, bei der Böhmischen Nordbahn unter 7, bei der Ungarisch-galizischen Bahn unter 6, bei der Kaschau-Oderbergerbahn unter 11, bei der Ostrau-Friedländer unter 8, je einer, bei der Leoben-Bordernbergerbahn unter 5, bei der Aussig-Teplitzerbahn unter 8 und der Aspangbahn unter 8 keiner, wobei noch" zu bemerken ist, daß sich 4 Verwaltungsrathsstellen bei den Eisenbahnen in einer Person vereinigen. Und da spricht man ndch von „Verjudnng der Banken" und Eisenbahngesellschaften. Eher könnte man noch von einer Nobilisiruug und Christianisirung des Bankwesens sprechen, da der größte Theil der Verwaltnngsräthe aus Adeligen, und zwar hochadeligen Christen besteht, wie wir schon einmal in diesem Blatte statistisch nachgewiesen haben. „Spar- und Rentenzeitung." Eiu Wiener — Bürgermeister in Südafrika. Wir haben vor wenigen Wochen kurz die Meldung verzeichnet, daß ein Herr Hirschler, ein gebürtiger Wiener, zum Bürgermeister Buluwayos in Rhodesia gewählt worden sei. Man sendet uns nunmehr aus Buluwayo unter dem 31. December v. I. einige interessante Daten über den Lebenslauf unseres Landsmannes in der Ferne. Herr Hirschler steht im 43. Lebensjahre. Er wurde in Wien als Sohn eines angesehenen Wiener Bürgers geboren. Seine Familie stammt aber aus Ungarn. Sein Onkel, Professor Dr. Ignaz Hirschler, war sogar Mitglied der ungari- -schen Magnatentafel. Der derzeitige Bürgermeister von Buluwayo verließ nach absolvirten Studien und nach Erfüllung seiner militärischen Dienstpflicht in den Siebziger-Jahren Oesterreich, verblieb mehrere Jahre in Frankreich und England und wandte sich endlich im Jahre 1888 nach Afrika, wo er sich vorerst in Johannesburg (Transvaal) ansiedelte. Späterhin nahm er an mehreren Expeditionen ins Innere Afrikas theil und ließ sich Anfangs des Jahres 1894 an der Stelle des jetzigen Buluwayo nieder, welcher Länderstrich damals eben dem Matabelekönig Lnbengula entrissen worden war. Unser Landsmann nahm an der Gründung der Stadt hervorragenden Antheil und rief dann zur Ausbeutung der von ihm erworbenen Länderstrecken und Goldminen im Matabeland die Actienqesellschaft Rhodesia Limited, deren leitender Director er noch heute ist, ins Leben. Als die letzte Matabelerebellion ausbrach, diente Herr Hirschler als Rittmeister in Gifford's Cavallerieregiment, wobei er einige Gefechte mitmachte. Später wurde er dem Generalstabe zugetheilt. Er war einer der Mitbegründer der Oesterreichisch-ungarischen Gesellschaft in Johannesburg und in seiner neuen Heimat Rhodesia gilt er als der natürliche Schutzpatron aller dort befindlichen Oesterreicher und Ungarn, deren er selbst mehrere beschäftigt. Bor einigen Monaten wurden der Stadt Buluwayo die Corporationsrechte verliehet!. Die Stadt wählte ihren ersten Gemeinderath. Als dessen Mitglied wurde dann Herr Hirschler, der auch schon seit Langem als Friedensrichter (Justice of the Peace) für den District fungirt hatte, vom Rathe zum ersten Bürgermeister Buluwayos gewählt. Und der High Commissioner der englischen Regierung bestätigte die Wahl. Von der Solidarität der Juden. Die Antisemiten fabeln soviel von der Interessengemeinschaft aller Juden der Erde, und die Phantasien unter ihnen haben den mystischen Begriff eines Weltbundes erfunden. Daß sich Juden menschlich, allzumenschlich wie alle Sterbliche befehden, erscheint dem Menschenkenner klar, d. h. den Antisemiten nicht. So erzählt der „Israeli t" (13. Jänner) aus London: „In Leeds, einer bedeutenden Fabriksstadt des nördlichen England, erscheint ein Jargonblatt The Jewish-Express, das mit einer Gehässigkeit, wie sie nur mit den Wörtern des Jargon-Lexikons kräftig genug zum Ausdruck gebracht werden kann, gerade die deutschen Juden beehrt. Wenn es eine schlechte Seite des deutschen Juden tadelt, so muß man ihm zwar Recht geben, aber man wird sofort aus der ganzen Darstellung ersehen, daß der Schreiber nicht zu bestem, sondern zu verhöhnen strebt. In einer der letzten Nummern — ich greife eine von vielen heraus — brachte die Zeitung unter der Ueberschrift Made in Germany die Nachricht, daß zwei Deutsche (mit jüdisch klingendem Namen) wegen Diebstahls verhaftet worden. In deutscher Uebertragung, der nur die Kraft des Ausdrucks fehlen wird, lautet der Anfang folgendermaßen: „Deutschland hat anscheinend fest beschlossen, England zu untergraben. Deutschland sucht einen Dreibund gegen England zu bilden, Deutschland hat ein Telegramm an Präsident Krüger geschickt, Deutschland schickt jedes Jahr für einige tausend Pfund Producte nach England. Sie concurriren mit englischen Fabrikanten und nehmen englischen Arbeitern das Brod weg, jevr hat Deutschland beschlossen, englischen Spitzbuben zu schaden und schickt deutsche Spitzbuben nach England." Durch derartige lächerliche Füllartikel, die gewöhnlich geeignet sind, den deutschen Juden in den Augen des Jargon-leseuden herabzusetzen, macht das „nationale" Blatt den Verkehr zwischen deutschen und russischen Juden in England unmöglich. Man sieht, die dortigen Juden nehmen an dem in England jetzt herrschenden Deutschenhaß redlichen Antheil. Eine jüdische Kunst- und Gewerbeschule. Der Jahresbericht des Ausschusses der „Kunst- und Gewerbeschule" zu Gunsten der bedürftigen Israeliten des Unter-Elsaß ist den Mitgliedern zugegangen. Darnach haben im verflossenen Jahre 16 Schüler nach Vollendung ihrer Lehrzeit die Anstalt verlassen und zwar ein Goldschmied, ein Kutschenmacher, ein Möbelschreiner, zwei Mechaniker, zwei Lithographen, drei Schneider und sechs Tapezierer. Neu ausgenommen wurden 17 Schüler, welche sich auf die verschiedenen Fächer, wie folgt, vertheil n: ein Sattller, ein Hemdenzuschneider, ein Möbelschreiner, ein Schlosser, ein Kutschenmacher, ein Maler, zwei Goldschmiede, zwei Tapezierer, zwei Lithographen und fünf Schneider. Während des 70jährigen Bestehens der Anstalt sind in derselben mehr als 1000 arme jüdische Kinder zu tüchtigen Handwerkern, geschickten Meistern, hervorragenden Fabrikanten, berühmten Künstlern und zu ehrenwerthen Bürgern, reichlich ausgestattet für den Kampf ums Dasein, herangebildet worden. Zn den hervorragendsten, berühmten Künstlern gehörten die im Jahre 1871 aus der Anstalt entlassenen Herren: Emannel Hanau aus Metz und Henry Wolf aus Eckwersheim, Letzterer Holzgraveur in New-Iork, von denen beiden in dem Pariser Salon mehrere bemerkenswerthe Kunstwerke ausgestellt sind. Interessant ist das Anerkennungsschreiben, das der Museumsdirector und Conservator des Straßburger städtischen Kunstmuseums, Herr S e y b o t h, vor vier Jahren an den Präsidenten der Anstalt betreffs des aus derselben hervorgegangenen Herrn Henry Wolf richtete: „Tausend Dank für Ihre hochgeschätzte Vermittlung, welcher ich die prachtvollen Holzstiche verdanke, womit das Museum soeben bereichert wurde. Niemals ist mir als Holzsticharbeit etwas so Perfectes zu Gesicht gekommen und es ist den lobenden Artikeln der amerikanischen Zeitungen, die ich in Händen habe, nicht ein Wort beiznsügen. Es ist nicht möglich, Besseres zu schaffen, sowohl als Interpretation von Bildhauerei oder Malerei, wie als Kunstwerke an und für sich. Ich werde unserem eminenten Mitbürger, dem großen Künstler schreiben, um ihm meine volle Bewunderung auszusprechen." Nochmals Fürst Bismarck über Antisemitismus und Juden. Die von Memminger in Würzburg herausgegebene bauernbündlerisch - antisemitische „N. Bayerische Landesztg.", deren Eigenthümer in Bad Kissingen öfters vom Fürsten Bismarck empfangen wurde, schreibt: „In einem Gespräche mit unserem Schriftleiter A. Memminger erwähnte Fürst Bismarck ebenfalls die Judenfrage und meinte: Der bedeutendste und erfolgreichste Antisemit war zweifellos der Hofprediger Dr. Stöcker; er hatte als ein vortrefflich unterrichteter Redner, dann als ein finanziell sehr günstig gestellter und also wirthschaftlich ganz unabhängiger Mann, dazu in seiner einflußreichen geistlichen Stellung alle Voraussetzungen in sich, den herrschenden Juden Berlins und deren „freisinnigen" Genossen ein Gegengewicht zu schaffen. Aber gleichwohl konnte ich mich für Stöcker nicht erwärmen, weil bei ihm wie bei allen politischen Agitatoren in geistlichem Gewände, seien sie protestantisch oder katholisch, immer wieder die mehr oder weniger verhüllte Absicht zu Tage tritt, die weltliche Vorsehung zu spielen und die Regierung in ihrem Herrschaftsberufe unterzukriegen. Die geistliche Herrschaft hat aber noch nirgends etwas oder wenigstens nicht viel getaugt, die geistlichen Fürstenthümer im alten deutschen Reich bedrückten das Volk in jeder Richtung und brachen beim ersten feindlichen Anprall thaten- und wehrlos zusammen. Die geistliche Herrschaft war zum Theil auch Schuld

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