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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-21 · 3 (21.1.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Vr. Bloch's WochrnsrtzrM Seite 55 Nr. 3 Charles Mn in Elboeuf, Weinzüchter David Jslar in Osyris, Fabrikant Paul Cahn in Paris, Director der Tabakmanufactur in Marseille, M. Carvallo, Director Uhlmann vom Comp fair Nation alat Escompte. B. Paris. Pater H y a c i n t h e hat in einer Vorlesung, die er in der Capelle der Rue Tailbout abgehalten, neuerdings Gelegenheit genommen, sich in den schärfsten Ausdrücken gegen den Antisemitismus zu wenden, der odtz Frankreich von 1789 beschmutze. Der Gute meint es ja vortrefflich, aber er vergißt, daß ja die Antisemiten Frankreich und am liebsten auch die anderen Culturstaaten auf einen Zustand zurückschrauben möchten, der noch weit hinter 1789, der nur auf das tiefste Mittelalter zurückgehen kann. B. St. Petersburg. Einige Juden in Gradenitz, Gouvernement Odeffa, hatten ein Minjan zu den letzten hohen Feiertagen veranstaltet und sich vorsichtigerweise die Erlaubniß der Ortsbehörde dazu geholt. Aber trotz der ertheilten Erlaubniß ging der Polizeicommissär gegen sie vor, denuncirte die armen Teufel und das Ortsgericht verurtheilte sie zu 200 Rubel Geldstrafe. Auf ihre Appellation wurde von dem höheren Gericht die Strafe auf 50 Rubel ermäßigt, aber auf erneute Appellation wurde von der obersten Instanz die Strafe ganz aufgehoben und die Untersuchung gegen den Polizeicommissär angeordnet. — Eine bedeutsame Neuerung ist in Perm eingeführt worden. Die dortige Regierung hat den Rabbiner beauftragt, im Gymnasium jüdischen Religivns- und Geschichts-Unterricht zu geben und die jüdischen Schüler müssen sämmtlich an diesem Unterricht theilnehmen, sowie am Ende jeden Schuljahres ein Examen in diesen Fächern machen. — In Marianopel hat ein Herr | Tregubow eine größere Summe zur Errichtung eines Arbeits- Hauses für Arbeitslose gegeben und in die Statuten einen Passus! aufnehmen lassen, wonach auch Juden Aufnahme finden müssen,! was bei diesen Anstalten nur selten der Fall ist. Die Regierung? hat, auch eine Ausnahme, diesen Passus genehmigt. I Salonich. Der Cure der katholischen Kirche hat anläßlich der - Jahreswende eine Broschüre herausgegeben und an die Kirchen- \ besucher vertheilt, in welcher verschiedene Fragen der Kirche und j der Gemeinde erörtert wurden. Damit hat er vollständig richtig! gehandelt. Daß es ihm aber in den Sinn kommen konnte, in! eben dieser Broschüre die Dreyfus-Affaire zu berühren und als! Trumpf gegen die Juden auszuspielen, muß wohl als Geschmackj losigkeit betrachtet werden, die nicht ermangeln wird, ihre Folgen nach sich zu ziehen, umsomehr als in wenigen Tagen ein Wohlthättgkeitsbazar stattfinden soll, bei welchem man auch auf das Wohlwollen der hier sehr zahlreichen israelitischen Mitbürger rechnet. Der Herr Cure hat bereits einen Protestbrief erhalten, der ca. 150 Unterschriften hiesiger angesehener Israeliten trägt. Die hiesigen Juden haben bisher nie eine feindselige Stellung gegen die katholische Kirche eingenommen. —a— Constantinopel. Die „Freie osmanische Post" bringt unter dem Titel „Eine Wohlthäterin" folgende Notiz: Frau Baronin Clara v. Hirsch-Gereuth, die Witwe des bekannten Millionärs Baron Moritz v. Hirsch- Gereuth, hat sich in fast allen europäischen Ländern unvergängliche Denkmale gesetzt. Wir wollen nur einer neuerlichen hochherzige» Entschließung dieser Wohlthäterin gedenken, welche darin besteht, daß sie allen ehemaligen Be amten und Bediensteten der orientalischen Bahnen, welche 10' Jahre unter ihrem verstorbenen Gemahl treu und ehrlich gedient haben, oder deren Witwen und Waisen einen Jahresgehalt ausgeworfen hat. Im gleichen Ausmaße sind alleniederenBediensteten und Ar b eiter, welche noch im Dienste stehen und eine 10jährige Thätigkeit unter Baron Hirsch aufweisen, bedacht worden. Mit ihrem hochherzigen Entschluß hat Frau Baronin v. Hirsch einen Lichtstrahl in viele arme Hütten geworfen, der den Bewohnern derselben das Dasein freundlicher erscheinen läßt. Für die activen Beamten der orientalischen Bahnen hat bekanntlich Frau Baronin v. Hirsch zum Andenken an ihren verstorbenen Gemal zwei Millionen Francs zur Gründung einer Pensionscasse gespendet, welche mit 1. Jänner d. I. zu functioniren begonnen hat. Möge die edle Frau in ihrem segensreichen Wirken in jenen Kreisen Nachahmer finden, die in der Lage sind, die socialen Ungleichheiten und Gegensätze auf diesem Wege abzuschwächen und die Armuth zu mildern. B. Washington. Zu den größten Capitalisten gehörte zur Zeit der Unabhängigkeitskriege Hyam Solomon, der den aufständischen Colonien wiederholt auf das Uneigennützigste größere Darlehen theils selbst gab, theils beschaffte. Schließlich hatte er noch 300.000 Dollars zu fordern, als er starb, aber weder er selbst, noch seine Erben vermochten in den Besitz dieser Summe zu kommen. Es ist erst vier Jahre her, daß die Erben ihre nutzlosen Bemühungen einstellten. Eine wenn auch späte Genugthuung wird dem Patriotismus Hyam S o l o m o n's jetzt zu Theil werden, denn in Washington wird durch die Bemühungen des bekannten Schriftstellers Simon Wolf die Frage erwogen, wo ein geeigneter Platz für die Errichtung der Statue des alten Patrioten zu finden ist. Wolf, der Verfaffer des auch in Europa viel gelesenen Werkes „The American Jew as Patriot, Citizen and Soldier" plaidirt dafür, daß diese Statue ihren Platz in der Ehrenhalle des Capitols in Washington finden soll. New-Aork. In Brooklyn las unlängst in der St. Peter- und Paulskirche an Wythe Aven ein Mann die Messe, der als Kind schon die ganze katholische Welt und das Judenthum in eine Erregung versetzte, wie kaum zuvor ein anderer Mensch. Pater Dr. Edargo Levi M o r t a r a, der seit 40 Jahren als das „Kind von Mortara" bekannt ist, wurde von Dr. Sylvester Malone am Schluffe der letzten Messe der Gemeinde vorgestellt. Er kam von Rom hieher mit der Absicht, unter ärmeren Italienern in Groß New-Nvrk Missionen zu verrichten. Die Lebensgeschichte dieses Priesters, dessen Erscheinung einen stark jüdischen Typus aufweist, ist eine hochinteressante. „Ich habe in Bologna, Italien, 1851 das Licht der Welt erblickt", erzählte Pater Mortara. „Meine Eltern waren strenggläubige Juden. Als 11 Monate altes Kind erkrankte ich plötzlich sehr schwer. Die Aerzte gaben alle Hoffnung auf Rettung auf. Da ließ mich ein frommes, christliches Dienstmädchen im Hause meiner Eltern, Anna Morise, heimlich taufen. Wenige Tage später gesundete ich vollständig und die Aerzte waren verblüfft. Sie bezeichneten meine Genesung als ein Wunder. Sechs Jahre lang behielt Anna ihr Geheimniß. Dann aber erzählte sie mir, daß ich als Katholik getauft worden war, und ich bestand als Knabe darauf, in dem neuen Glauben auferzogen zu werden. Die Nachricht von der Begebenheit verbreitete sich über ganz Italien. Sie kam auch nach Rom und zu den Ohren des verstorbenen Papstes Pius IX. Meine Eltern leisteten großen Widerstand, doch ermöglichte es Papst Pius, daß ich nach Rom kam und meine Studien begann. Meine Eltern folgten mir nach Rom und suchten mich zur Rückkehr zu bewegen. Ich sagte ihnen, daß ich es nur dann thun werde, wenn sie vorher Christen würden. Ich liebte meine Eltern und stand mit ihnen in schriftlichem Verkehr, bis mein Vater 1870 und meine Mutter 1878 starben. Im Jahre 1870 erließ sogar die italienische Regierung ein Edict, durch welches ich gezwungen werden sollte, zu meinen Eltern zurückzukehren. Ich studirte damals auf der katholischen Universität in Rom. Ich mußte daher Rom verlassen und begab mich nach Oesterreich, wo ich meine theologischen Studien beendete." Wie Dr. Mortara erzählt, hat er sich bereits dem Erzbischof Corrigan vorgestellt, dort jedoch wenig Ecmuthigung gefunden, weil seine Vergangenheit zu großes Aufsehen verursachen könnte. Daraufhin wandte sich dieser neue Apostel an Bischof Mc. Donell von Brooklyn, mit besserem Erfolge. B. Johannesburg Am 3. December fand hier die erste Jahresversammlung der Mitglieder des jüdischen Schulvereines statt, der die jüdische Schule in unserer Stadt unterhält. Die Zahl der Schüler ist von 137 auf 164 gestiegen und die Erfolge des Unterrichtes sind recht bedeutende. Fünf Schüler meldeten sich zu dem Borlaffungsexamen bei der Universität in Capstadt, vier davon bestanden das Examen, einer davon oder vielmehr eine, Namens Vera Rappiport errang sogar den zweiten Platz unter den sämmtlichen Examinanden, die aus ganz Süd-Afrika in der Capstadt zusammenströmen. Die Einnahmen des Vereines betrugen circa 23.000 Mark, die Ausgaben noch etwas mehr, so daß ein Deficit von circa 900 Mark entstand, das aus dem Fonds gedeckt werden mußte. Hier sind Kindergottesdienste eingerichtet worden, welche jeden Sabbath Nachmittag in der neuen Synagoge stattfinden. Bei dem ersten dieser Gottesdienste, der unter Leitung des Rev. Wafferzag stattfand, waren 100 Kinder zugegen. Der jüdische Frauenverein hielt am 5. December seine Generalversammlung ab, der wir entnehmen, daß die Einnahmen von 2700 Mark auf 4900 Mark gestiegen sind, für die großen Bedürfnisse des Vereines jedoch beiweitem nicht ausreichen.

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