Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 3 (21.1.1898)
- Date
- 1898-01-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021227--07496-3031827- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 54 Vr Bloch's WochrnkchrM Nr. 3 Dieses Hotel Kleiner ist ein Gasthaus, welches von der Oernahora-Actienbrauerei, deren Actionär unter Anderen auch Landtagsabgeordneter Pfarrer Leföik aus Wisek ist, gepachtet wurde; mit einem Worte gesagt: ein antisemitisches Unternehmen. Warum sollten die Boskowitzer Juden nicht ein antisemitisches Gasthaus unterstützen, wenn auch hier drei jüdische Wirthe sind. Wann werden die Juden einmal zur Einsicht kommen. Jglau, 9. Jänner. (W a h l e r g e b n i ß.) Bei der am 6. Jänner l. I. vollzogenen Constituirung des am 19. December 1897 neugewählten Cnltusausschusses der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurde die Neuwahl des Cultusvorstandes und der anderen Amtswalter vorgenommen. Es wurden mit Stimmeneinhelligkeit oder nahezu einstimmig gewählt: Zum V o r st a n d der bisherige, um das Gemeindewesen hochverdiente Vorsteher Herr Adolf Lieblich; zum Vorsteher-Stellvertreter Herr Simon F e l d m a n n; zu Beiräthen des Cultusvorstandes die Herren : Albert Pokorny, Jonas Heim, Ignaz N. Schulz, Wilhelm O e st r e i ch e r; zu Tempelvorstehern die Herren: Abraham T a u s s i g und Maximilian Metzl; zum Tempelvorsteher-Stellvertreter Herr Max W u r m s o h n; in das Schulcomite die Herren: Gustav H e l l m a n n, Dr. Rudolf Schwarz, Jonas Heim, Wilhelm P o l l a k und Hermann Pollack. Ferner wurden in den Cultusausschuß gewählt die Herren : Josef G r ü n f el d, Ignaz K o h n, Edmund Mayer, Moriz Ochs, Karl Schnürmann. Zu Vertrauensmännern in den verstärkten Cultusausschuß wurden gewählt die Herren: Albert B o n d i, Eduard B r e t h, Adolf Geller, Emanuel G r ü n h u t, David Lauer, Ignaz Lang, Leopold P o l l a k, Max P o l l a k, Jacob Sommer, Emanuel Spitzer, Moriz Singer, Karl S t r a n s k y, Moriz Schwarzkopf, Sigmund S u b a k, Ignaz N. Schwarz, Wilhelm T a u s s i g, Ludwig Weiner, Heinrich W e i ß e n st e i n. Troppau. (C z e ch i s ch e Drohungen.) Das hiesige Organ der schlesischen Czechen bringt in seiner letzten Nummer einen spaltenlangen Artikel, welcher von Beleidigungen und verletzenden Angriffen gegen die Bevölkerung Troppaus erfüllt ist. Man würde dem Blatte zu viel Ehre anthun, wollte mau auf solche Anwürfe näher eingehen. Nur eine charakteristische Stelle des Artikels soll angeführt werden. Der deutschen Bevölkerung wird nämlich vorgeworfen, daß sie eventuelle Excesse gegen die Czechen Troppaus sicherlich herbeiwünsche, und es werden an diese Bemerkung folgende Worte geknüpft: „Eines ist gewiß: die Excesse würden nicht bei der „Beseda" und beim czechischen Privatgymnasium in Troppau Halt machen und w i r a m a l l e r w e n i g st e n würden u n s d azu berufen fühlen, diesen Ausschreitungen vor den Kaufläden, Fabriken und Wohnhäusern der Troppauer Juden Einhalt zu gebieten!" Das Blatt fordert mit diesen Worten doch in deutlicher Weise zu Exceffen auf und zeigt in dem Schlußsätze, daß diese Ausschreitungen nach dem berühmten Prager Vorbilde ihm nicht unwillkommen wären. Trotzdem wagt es ein solches Blatt, noch zu behaupten, die czechische Bevölkerung Troppaus, überhaupt Schlesiens, sei friedfertig gesinnt! Berlin, 11. Jänner. (R a b b i n e r c o n f e r e n z.) Die Conferenz deutscher Rabbiner, die am 13. März hier stattfinden sollte, ist auf den 15. Mai einberufen worden, weil an dem früheren Termin viele Mitglieder unabkömmlich waren. Unter Anderem wird auf dieser Conferenz die Zionistenfrage behandelt werden. Berlin, 11. Jänner. (V o r st a n d s w a h l im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.) Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat am Montag den 10. Jänner seine ordentliche Generalversammlung im Saale der Gesellschaft der Freunde abgehalten. Herr Rittergutsbesitzer Oberamtmann Ludwig Cohn hielt einen durch Form und Inhalt gleichmäßig ansprechenden, sehr instructiven Vortrag über „die Betheiligung der deutschen Juden an der Bodencultur". Gerade durch das Fernhalten von jeder Ueberschwänglichkeit, durch Betonung nüchterner und erreichbarer Ziele wirkte der Vortragende in günstigster Weise. Danach wurde der Geschäftsbericht erstattet, der von erfreulichem Erstarken des Vereins Zeugniß ablegt. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden durch Zuruf wiedergewählt, nämlich die Herren: Rechtsanwalt Leopold Dorn, Professor Dr. E. Mendel, Commerzienrath I. M. Friedländer, Justizrath Josephthal—Nürnberg, Stadtrath F. Pringsheim— Breslau, Privatdocent Dr. M. Mendelsohn. Fabriksbesitzer Dr. I. Ginsberg, Director Dr. R. Löwenfeld, Oberlehrer Dr. I. Schneider. In der Discnssion gab Herr Apotheker I. Löwenstein Anregung zu entschiedener Erklärung des Vereinsvorstandes gegen den Zionismus, welcher Erklärung sich auch Herr Doctor Hirsch Hildesheimer anschloß. Straßkurg. Esterhazy ist einstimmig freigesprochen. Der Vorsitzende des Kriegsgerichts drückte ihm gerührt die Hände; andere Officiere des Kriegsgerichts umarmten ihn; auf der Straße ließ man Esterhazy hochleben; mit ihm die Armee. Und das ist der Mann, der die im „Figaro" veröffentlichten Briefe geschrieben hat; und das ist derselbe Mann, der die antisemitische Hetzpresse mit Nachrichten versorgte und für den unter Juden Geld gesammelt wurde, um ihn finanziell über Wasser zu halten. Ueber den Geschmack läßt sich nicht streiten. Aber es verdient bemerkt zu werden, wie geartet der Pariser Geschmack heute ist und mit welcher Vergangenheit man der gefeierte Held des Tages in Paris zu sein-vermag. lieber den Proceß, der nicht gegen Esterhazy, sondern zum Zweck seiner Glorificirung geführt wurde, braucht man kein Wort zu verlieren. Die Proceßverhandlung, die einen Mann wie Esterhazy reinwaschen sollte, war zugleich bestimmt, einen Mann, wie den Oberst Picquart in den Schmutz zu ziehen. Dieser Oberst ist nämlich so unvorsichtig gewesen, an die Unschuld von Dreyfus zu glauben, auch nachdem seine Vorgesetzten einen solchen Glauben als inopportun erklärt hatten. Nichts daher natürlicher, als daß Oberst Picquart jetzt hinter Schloß und Riegel sitzt; er ist außerdem der einzige für die Dreyfussache gefährliche Belastungszeuge, der damit im Gefängniß verschwindet. Warum thaten dies die Vorgesetzten? Darüber gibt es nur Vermuthungen, freilich sehr plausible. Ihr Interesse muß jedenfalls kein kleines gewesen sein, denn es will schon etwas besagen, daß der Adjutant und Ordonnanzofficier des Generalstabschefs Boisdeffre, Herr Pauffin de Saint-Morel, sich zu Rochefort begab, um ihm in der Campagne gegen Dreyfus und für Esterhazy jenes Material zu liefern, das weder die französische Nation, noch die tadellosesten Ehrenmänner Frankreichs zu Gesicht bekommen durften — im .Staatsinteresse. Der Ordonnanzofficier Boisdeffres Arm in Ärm mit Rochefort als Retter des französischen Staates, das ist ein charakteristisches Sittenbild ohne Gleichen. Was könnten militärische Spione verrathen, das auch nur entfernt so wichtig wäre, wie dies alles, was hier alle Welt sieht! Die allgemeinen sittlichen Zustände einer Nation sind es, die schließlich allein über den Ausgang eines Krieges entscheiden; das ist die zutreffende Ansicht von Montesquieu; dem militärischen Spionenwesen hingegen eine wesentliche Bedeutung beimessen, kann nur eine Nation, der die Wirklichkeit zu einem Sensationsroman wird. Beendet ist die"Dreyfus-Affaire, nachdem Zola seine wuchtige offene Anklage erhoben hat, für Frankreich nicht, aber vielleicht für Dreyfus; denn nach dem, was sich vor den Augen Europas abgespielt hat, muß man nunmehr mit der Thatsache rechnen, daß Dreyfus den intereffirenden Personen den Gefallen thut, die Augen für immer zu schließen; aber auch dann wird es eine Dreyfus-Affaire geben.. Wenn Rochefort und der Adjutant des französischen Generalstabschefszusammen der Sittlichkeit und Gerechtigkeit zum Siege verhelfen, so kann das auch auf Elsaß-Lothringen nicht ohne Eindruck bleiben. Man berichtet denn auch aus den Reichslanden, daß Panama und daß vor Allem Dreyfus an den Elsaß-Lothringern nicht ohne Wirkung vorübergegangen sind. Scheurer-Kestner kennt man im Elsaß gut genug, um richtig abschätzen zu können, was es für einen Staat bedeutet, wenn ein Mann wie Rochefort den Vicepräsidenten des Senats als erkauften Schächer behandelt. Die Sehnsucht aber nach staatlichen Zuständen kann nicht groß sein, in denen Rochefort und Esterhazy triumphiren und die Helden des Tages sind. Bedauern kann man die vornehmen und anständigen Elemente Frankreichs. v. Paris. Bei der diesjährigen Ordensverleihung - zum Neujahrstage haben die folgenden Israeliten Auszeichnungen erhalten. Officier der Ehrenlegion wurde der Dr. Hajem, Professor an der medicinischen Facultät in Paris; Ritter der Ehrenlegion wurden der Professor Adolf Waltz in Bordeaux, Dr. Edgar Hirtz, Arzt am Hospital Tenon, Fabrikant