Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 3 (21.1.1898)
- Date
- 1898-01-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 3 Seite 53 Vr. Bwrtz's WortzeNptzrM leise geleitet werden könne. (Beifall.) Wenn nun Damen, wie Frau Dr. Grün selb sich dieser Sache widmen werden und uns mit Rathschlägen unterstützen wollen, werden wir dies immer dankbarst begrüßen. In gleicher Weise will ich auch der heute anwesenden, als Wohlthätertn bekannten Frau Cäcilie Adler gedenken, die uns in ihren trefflichen Ausführungen offenbart hat, über welch reiche Erfahrungen auf dem Gebiete der Armenpflege diese Dame verfügt. (Beifall.) Ich muß auch in dieser Hinsicht die großen Verdienste der anwesenden geehrten Frau Ottilie B o n d y hervorheben, welche in der Gemeinde als Wohlthätertn nicht minder bekannt rst, und gestatte mir, der Überzeugung Ausdruck zu geben, daß unsere Frauen, von welchen ja Viele in dankenswerther Werse den Berathnngen mit Ausdauer gefolgt sind, nach wie vor ihre ersprießliche Mithilfe im Dienste der Wohlthätigkeit nicht versagen werden. (Beifall.) Nun werden Sie nicht verkennen, daß unser Reformwerk so schwierig ist, daß vom Vorstand nicht verlangt werden kann, die Sache — um mich populär auszudrücken — so nur übers Knie zu brechen. Es muß im Gegentheil Alles sorgfältig nach allen Richtungen wohl erwogen werden (Zustimmung) und wir müssen — wie ich schon in meinen einleitenden Worten gelegentlich der Eröffnung der Enquete erklärt habe — mit der berechtigten Autonomie und mit der begreiflichen Empfindlichkeit der Vereine rechnen. Die hochgeehrte Frau Adler hat heute ein großes Wort gesprochen, nämlich vom Zusammenschmelzen jener Vereine, welche gleiche Zwecke verfolgen. Ich will den Beschlüssen des Gesammtvorstandes nicht vorgreifen, aber das scheint unsere nächste Aufgabe zu sein, mit den Vereinen Berathungen, abzuhalten. Die verehrten Anwesenden können überzeugt sein, daß der Gesammtvorstand der Sache vollen Ernst entgegenbringt, und dieses schon aus dem Umstande erkennen, daß die Wohlthätigkeitssection in solchen Händen wie in denen ihres Obmannes, des geehrten Herrn R. v. G o l d.s ch m i d t, liegt (Beifall) und daß als Referent der hochgeschätzte College Herr Dr. Steiner fungirt (Erneuter Beifall), Männer, welche mit ganzer Seele und echt jüdischem Herzen bei der Sache sind. Gestatten Sie mir. meine hochverehrten Anwesenden, nochmals Ihnen namens des Vorstandes den innigsten und verbindlichsten Dank.auszusprechen. Hiemit erkläre ich die Enquete für g e s ch l o s s e n. Budapest. Am 20. December waren es 30 Jahre, seitdem der ungarischen Judenheit die bürgerliche Gleichberechtigung gesetzlich gewährt wurde, im Jahre 1867 wurde der Gesetzentwurf dem Abgeordnetenhause vorn Referenten Kerkäpoly in einer kurzen Rede zur Annahme empfohlen, worauf sich Koloman von Tisza erhob, um die Erklärung abzugeben, daß er seinen Gesetzentwurf, der den Juden die vollkommene Gleichberechtigung ertheilen sollte, nunmehr zurückziehe, damit „die Lösung, der brennendsten Frage des ungarischen Parlaments keinen Aufschub erleide und die ungarische Nation je eher ihrer Ehrenpflicht Nachkommen könne." Ohne weithin tönendes rednerisches Festgelänte wurde der Gesetzentwurf sodann angenommen, ohne daß eine Abstimmung nothwendig war. Nach der noch am selben Tage im Oberhause erfolgten Annahme wurde der Gesetzentwurf sanctionirt und publicirt. Der „Gleichberechtigung der Israeliten in bürgerlicher und politischer Beziehung" folgte erst nach achtundzwanzigjähriger Pause die Reeeption, wodurch die Gleichberechtigung der Juven eine vollkommene wurde. — DiePe.tersburger kaiserliche Akademie der Wissenschaften hat den gefeierten Arabisten Dr. Ignaz Goldziher in Würdigung seiner Verdienste um die orientalische Wissenschaft zu ihrem auswärtigenMitgliede gewählt. — Herr Dr. Adolf Schermann ist zum O b e r p h y s i k u s der Stadt Budapest ernannt worden. — Vorige Woche ist im Armenhause Armin S u r a n y i, der erste jüdische Schornsteinfeger Ungarns, gestorben, dessen Lebensgang beweist, welche Schwierigkeiten früher den jüdischen Handwerkern in den Weg gelegt wurden. Ein Kind armer jüdischer Eltern, mußte er es schon als Glück betrachten, daß ein Meister in Kalosca ihn in die Lehre nahm. Gegen das Versprechen des Glaubenswechsels sollte er zum Gesellen freigesprochen werden, er blieb jedoch seinem Bekenntnisse treu und erhielt erst nach Jahren auf directe Anordnung des Erzherzogs Alb recht den Freispruch. Da er als Jude nirgends Arbeit fand, wandte er sich nach jahrelangem llmherwandern an den König Franz Josef, der ihm in einer Audienz seine Hilfe zusagte. Die Innung verhinderte ihn aber unausgesetzt an der Ausübung des Gewerbes, und er blieb nach wie vor brodlos, bis ihn im Jahre 1870 die Congregation des Neutraer Comitats zum Meister machte. Bald darauf wurde er „Herrschafts-Rauchfangkehrer" der gräflich Karolyi'schen Familie und kam später hierher, wo er, von feinen Glaubensgenossen ausreichend unterstützt, sein Gewerbe unverdrossen fortsetzte, bis ihn die abnehmenden Körperkräfie zwangen, im Armenhause Unterkunft zu suchen. — Der Großgrundbesitzer Adolf Jonas de B e r v e hat eine 20.000 Kronen-Stiftung für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke des Alsö-Feherer-Comitats errichtet. Die Cultnsgemeinde in Karlsburg, deren Präsident er lange Jahre war, erhielt 4000 Kronen. Budapest, 9. Jänner. Der Professor am hiesigen katholischen Priester-Seminar, Herr Leopold Huber, der sich als Lehrer und Schriftsteller auf dem Gebiete der christlichen Theologie hohen Ansehens erfreut, veröffentlicht soeben eine Studie über den Talmud, und zwar vom culturgeschichtlichen Standpunkte Im Eingänge seines Werkes, das ber Verfasser auch dem deutschen Publicum zugänglich machen will, orientirt er über Natur und Bedeutung des Talmuds, um dann in einer ' reichen Blumeulese Citate aus allen Gebieten des Wissens und der Praxis zu geben. Wenngleich der Talmudkenner in dem j 280 Seiten starken Bande manche Jrrthümer entdeckt, so wird er doch mit Genugthuung zur Kenntuiß nehmen, daß ein Kritiker des antisemitischen Blattes „Alkomany" in den Stoßseufzer ausbricht : „Die künftigen Führer der in den Kreisen der Intelligenz immer mehr um sich greifeliden antisemitischen Bewegung müssen aus diesem Werke die Ueberzeugung schöpfen, daß man nunmehr auf Talmud-Motiven keinen Antisemitismus mehr aufbauen kann." Als besonders bemerkenswerth verdient hervorgehoben zu werden, daß die Kosten der Drucklegung des Buches Erzbischof Georg Volk Csaszka getragen hat. Prag. Herr.Redacteur! In der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" lese ich eine Notiz, daß aus Deutschland wiederum 50.000 fl., darunter 15.000 fl. von Rothschild-Frankfurt zur Unterstützung der geplünderten Juden eingelaufen seien. Diese Notiz ist ursprünglich eine Erfindung eines nordböhmischen antisemitischen Blattes mit der sehr durchsichtigen Tendenz, an den Spenden, welche hier bei dem christlichen Comite einlaufen, sowie an der zu erwartenden Regierungs- Subvention die Juden nicht theilnehmen zu lassen, weil für die „doch Rothschild sorge". Auf Grund authentischer Informationen erkläre ich Ihnen, daß Rothschild-Frankfurt nicht einen Gulden gespendet hat und daß alle Sammlungen in ganz Deutschland 3000 fl. nicht erreichten. Genehmigen Sie, Herr Doctor, die Versicherung aufrichtiger Werthschätzung, mit der ich bin Ihr langjähriger Abonnent. Prag. (»Prävo Li du« über den Abgeordne t e n B k e z n o v s k y.) Dieses socialdemokratische Blatt charakterisirt den Abgeordneten Bteznovsky als Durchschnittstypus der rerchgewordenen Fleischhauer, Selcher und K r ä m e r, mit deren Reichthum auch ^er Uebermuth wächst. Der gewesene Huffite, welcher um des Mandats willen sich den Clericalen verschreibt, der entschiedenste Bertheidiger der Regierung Badeni's und aller seiner Gemaltthätigkeit, ist der echte Typus der jung-altczechischen-feudalen-aristokratischen-clericalsortschrittlichen-radicalen Politik der Jungczechen. Bieznovsky gehört zu jener Sorte von Politikern, die in Wien durch die Antisemiten Schlwider, Gregorig und Bielohlawek vertreten wird. So lange der Chauvinismus eine Rolle spielt, gilt derjenige am meisten, der es versteht, am ausgiebigsten zu lärmen. Und in dieser Beziehung vermag es Herr Meznovsky mit jedem der Obengenannten aufzunehmen! Boskowitz. In dem bis vor nicht allzu langer Zeit von antisemitischen Hetzern freien Städtchen Boskowitz haben es heute i einige dieser eingewanderten Herren so weit gebracht, daß die Boskowitzer Czechen einem antisemitischen Kinde, »Öeskä. Samostatnost« benannt, das Leben schenkten. Wir haben es mit einem ganz gewöhnlichen Hetzblatte zu thun, einem Blatte, das sich zu Ehrabschneidereien hergibt. Auf Seite 3 schreibt * Ceskä Samost^nost« : „Demonstration gegen Juden in Boskowitz. Verflossenen Freitag war in Boskowitz das Gerücht verbreitet, daß um 8 Uhr Abends gegen die Juden demonstrirt werden sollte. Auch von auswärts fanden sich Theilnehmer ein, welche jedoch vergebens bis 12 Uhr Nachts im Hotel ves Herrn , Kleiner warteten."