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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-21 · 3 (21.1.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 32 Dr. Vüntz» WmtzrnlrtzrM 'Jii 3 Ueber Antrag des Vertreter - Collegiums wird als Functionär bei Sterbenden in Krankenhäusern der bekannte hebräische Schriftsteller Herr Leon Smolensky provisorisch' bestellt. Der Präsident theilt mit, daß die Berathungen der Enquete, betreffend die Armenpflege, vier Sitzungen in Anspruch genommen haben. Hiebei hat sich eine sehr rege Antheilnahme der zugezogenen Enquete-Mitglieder gezeigt und er sei sicher, daß in derselben fruchtbringende Anregungen gegeben worden seien. Besonderer Dank gebührt dem Herrn Naurath von Goldschmidt, welcher die Enquete leitete, und dem Referenten der lll. Section, Herrn Dr. Steiner. Schluß der Sitzung um 1 Uhr. Wien. Samstag den 15. d. M. wurde in einer Abendsitzuug die letzte Enquete-Sitzung über Armenpflege in der Cultusgemeinde abgehalten. Bei der 6. Frage, ob und wie die Gründung einer „Altersversicherungscasse" anzustreben wäre, spricht sich Experte Lichtenstadt für einen Versuch ans und schlägt zum gründlicheren Studium der Angelegenheit die Einsetzung eines Comites unter Zuziehung von Fachmännern vor. — Frau Eisenberger erhofft sich hingegen on einer solchen Institution keinen Erfolg. — Die nächste Frage handelt von der Fürsorge für verlassene Kinder.*) Dr. Maximilian Steiner erörtert ausführlich — als Experte — die Nothwendigkeit der Errichtung eines Kinderasyls. Bisher sei die Obsorge für solche bedauernswerthe Kruder privaten Vereinen überlassen gewesen, allein mit der Subventionirung derselben erfüllte der Vorstand seine moralische Pflicht noch nicht. Er verweist auf die Cultusgemeinden in Berlin und Budapest, denen allerdings reiche Fonde zur Verfügung stehen, wovon eigene Waisenhäuser errichtet wurden; dieselben unterstehen einer eigenen Waisen-Commission, zu der auch Vorstandsmitglieder gehören. In Wien liege die Waisenpflege überhaupt sehr im Argen, denn es finde sich bekanntlich nicht einmal die genügende Zahl von Personen, die das Amt eines Waisenvaters ausüben wollen. Redner appellirt an die enthusiastischen Anhänger der freiwilligen Armenpflege, sich beim jüdischen Waisenverein diesfalls zu melden. In den Kindern liege die Zukunft, sie sollen zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft und zu Juden erzogen werden, das sei nur durch ein Asyl durchführbar. Bisher seien zu dessen Gründung bereits Vorbereitungen getroffen worden, aber leider chabe das glänzende Beispiel eines wohlthätigen Ehepaares, die Spende von 20.000 fl., keine Nachahmung gefunden, es müsse daher das nöthige Geld durch Sammlungen aufgebracht werden. Experte Lichtenstadt ist für die Gründung von ländlichen Colonien für verlassene Kinder, in welchen vorzugsweise auf landwirthschaftliche und gewerbliche Erziehung Gewicht gelegt werden solle. Herr Landau regt die Errichtung von Ausspeiseküchen für Schulkinder an, deren Leitung Damen zu überlassen sei. — Zur 8. Frage, ob Armenärzte und Pflegepersonen für Kranke bestellt werden sollen, ergreifen zahlreiche Experten das Wort. H. K a u d e r s hält eigene Armenärzte nicht für nöthig, weil voraussichtlich genug jüdische Aerzte in allen Bezirken arme Kranke gerne behandeln werden. Er regt die Bildung von Bezirkscomites an, die an die Aerzte besondere Receptblocks für Arme ausgeben sollen; die Apotheker sollten um einen größeren Nachlaß ersucht werden. Armenarzt kaiserlicher Rath Dr. Kohn bemerkt, daß Staat, Land und Gemeinde für die Armen zu sorgen verpflichtet sind, daher auch die armen Kranken bereits bestellte Armenärzte vorfinden, überdies aber bei jedem Arzte, sowie in den Ambulatorien unentgeltlich behandelt werden. Dagegen hält er die Bestellung von Accoucheuren für arme Frauen für dringend nöthig, diese würden rascher ihrem Erwerbe wiedergegeben und so das Armenbudget der Gemeinde entlastet werden. Er empfiehlt schließlich eine Remuneration an jene Hebammen, die bei armen jüdischen Wöchnerinnen interveniren. (Zustimmung.) Frau Ottilie Bondy ist für die Einführung des englischen und amerikanischen Systems der Districts.Pflegerinnen, welche unter Aussicht der Armenärzte und eines Dan.encomites stehen. *) Sämmtliche Redner verstehen unter „verlassenen Kindern" solche, die der Elternpflege aus welcher Ursache immer entrathcn. Experte Lichtenstadt wünscht eigene Armenärzte; die Kosten für diese, sowie für die nöthigen Medicamente soll die Armenanstalt mit den verschiedenen Vereinen gemeinsam tragen. Experte L a n d e s fordert eine Decentralisation bei der Gratisbetheiligung mit Medicamenten seitens der „Chewra- Kadischa". Die Experten A s ch er und Frau Ottilie B o n d y machen bezüglich der Krankenpflege auf die Thätigkeit des „Vereines für sociale Hilfe" aufmerksam. Expertin Frau Eisenber.ger tritt für die baldigste, gedeihliche Lösung der in Rede stehenden Frage ein. Frau Dr. G r ü n f e l d verspricht sich von der Errichtung von Pflegerinnenschulen die Erschließung eines neuen Erwerbszweiges für arme jüdische Mädchen. (Beifall.) Dr. Steiner begrüßt — als Experte — die Anregung des Herrn B u ch w a l d bezüglich der Gratisbehandlung; diese Einrichtung in der Cultusgemeinde wiirde nunmehr wieder aufleben. Auch die Vereinfachung der Recepte nach dem Wunsche des Dr. Kohn wäre ebenso nothwendig, wie die Decentralisirung der Betheilung, wodurch viel Zeit utib Geld erspart würde. Nachdem der Vorsitzende bekannt gegeben, daß im diesjährigen Budget zur Gründung einer Pflegerinnen-Schule 1000 fl. eingestellt seien, hält es Frau Dr. G r ü n f e l d fürgeboten, einen Aufruf zur Theilnahme an die Mädchen ergehen zu lassen und die Krankenhausverwaltung zu ersuchen, die Ausbildung zu Pflegerinnen durch einen Curs zu bewerkstelligen. .Hiemit sind sämmtliche Punkte des Quästionnärs erledigt. Experte Dr. Ascher glaubt, daß auf Grund der Enquete so viel Neues zu schaffen und Manches zu verbessern sei, so daß die Bildung größerer Commissionen, denen Vorstands- und Gemeindemitglieder angehören, nothwendig erscheine. Schließlich dankte er, gleich den Experten K anders' und Commercialrath S t i a ß n y, dem Vorstande für die Einberufung und dem Vorsitzenden für die vorzügliche und objective Leitung der Enquete. Frau Cäcilie Adler bringt noch nachträglich Vorschläge zu den einzelnen Fragen; insbesondere verspricht sie sich von einer Lotterie bei guter .Organisation und a l ls e i t i g e r Theilnahme ein großes Erträgniß für die Armen. Referent Dr- Steiner resumirt in großen Zügen die zu den einzelnen Fragen gemachten Vorschläge. Es werde die heiligste Pflicht des Vorstandes sein,- nach Fertigstellung des stenographischen Protokolles sämmtliche Anregungen zu studiren und möglichst zu berücksichtigen. (Beifall.) Der Vorsitzende R. v. G o l d s ch m i d t dankt im Namen der Wohlthätigkeitssection den Experten für ihr Erscheinen und ihre auf gründliches Wissen und reiche Erfahrungen gegründeten Mittheilungen. Der Vorstand habe mit Befriedigung ihre Zusicherung der Mitwirkung bei allfälligen Reformwerken zur Kenntniß genommen. Er schließt mit den Worten: Seien Sie überzeugt, daß wir dem Ernste und der Initiative Ihrer Auseinandersetzungen einen ebensolchen Ernst im Studium des reichen und interessanten Materiales, welches uns nun zur Verfügung steht, entgegenbringen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident der Cultusgemeinde kaiserlicher Rath Heinrich Klinger: Hochgeehrte Anwesende! Gestatten Sie mir zunächst, an die letzten Worte des hochgeehrten Collegen R. von Goldschmidt an^uknüpfen, der von einem „Abschiedsworte" sprach. Ich glaube, meine verehrten Damen und Herren, daß wir diesen Ausdruck nicht wörtlich nehmen sollen. Sie Alle haben sich mit seltenem Eifer den Berathungen unterzogen und ich spreche Ihnen namens des Gesammtvorstandes unseren innigsten Dank dafür aus. Die Anregungen, welche Sie uns gegeben haben, werden — dessen mögen Sie gewiß sein — vom Vorstande in ernste Erwägung gezogen werden, und, wenn Sie bei dieser nicht geringen Arbeit uns auch weiter Ihre Mitwirkung widmen wollen, werden wir sie, wie Herr College G o l d s ch m i d t ganz richtig bemerkt hat, dankbarst annehmen. (Beifall.)Die geehrte Frau Dr. G r ü n f e l d hat heute in beredten Worten die Frage der Pflegerinnenschule besprochen und es ist Ihnen bekanntgegeben worden, daß bereits im diesjährigen Budget für die Gründung einer solchen Schule 1000 fl. eingestellt worden sind, damit die Angelegenheit in das richtige Ge-

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