Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 3 (21.1.1898)
- Date
- 1898-01-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021227--07492-3031823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seihe.HO Laß sie eventuelle Copieu von Inschriften zu nehmen - im Stande - waren. Ihren Auftrag, vollführteu die heü>e»^^ ChiMen-.'iu^ -einer j lobeuswerthen Weise. Unter Anderem brachten sie einen .Theil^ des Wen Testamentes, das aus eine Art Pergamentpapier ge-f schrieben war, mit nach Shanghei. Dieses Buch müßte allem- Anschein nach bereits sehr att sein. Ihr weiterer Bericht.brachte' Weniger erfreuliche Kunde. Die Synagoge hatte durch die große Ueberschwemmung im Jahre 1849 sehr gelitten. Die Gemeinde, - welche vielleicht noch 200 Seelen zählte, hatten sie in tiefster Armuth, Unwissenheit und Niedergeschlagenheit gefunden. Keiner von ihnen verstand ein Wort Hebräisch. Biele der Gebäude, die Gozani in seinen Schilderungen erwähnte, hatte man des Materials wegen verkauft, um aus dem Erlös das Leben zu Fristen. Im Februar 1866 besuchte W. A. P. Marti n, der Director des Tung-wen-kwan oder Institut für ausländische Sprachen (und Bildung), Peking, Kaifoug. Nachdem er erfahren, wo die jüdische Gemeinde lebe, begab er sich nach einem offenen Platz, in dessen Mitte ein einzelner Stein stand. Eine Inschrift auf der einen Seite desselben nannte die Errichtung der Synagoge als in das Jahr 1183 fallend. Die andere Seite kündete einen Wiederaufbau derselben im Jahre 1488. Martin schreibt über die Ergebnisse seiner Nachforschungen: „Sind Einige unter Euch aus dem Hause Israel", fragte ich die umstehenden Neugierigen. „Ich biner Einer", antwortete ein junger Mann, dessen Gesicht das Gesagte bestätigte. Bald traten Mehrere hervor, so daß ich schließlich Vertreter von sechs der sieben Familien, in die die Colonie sich theilt, sah. Da auf diesem Platz, wo selbst die Grundsteine der Synagoge aus dem Boden genommen waren, so daß tatsächlich kein Stein auf dein anderen geblieben waren, gestanden sie mit Scham und Kummer, daß sie selbst ihr einst so stattliches und schönes Heiligthum niedergerissen hätten. Lange schon wäre die Synagoge in einem ruinenartigen Zustand gewesen. Geld für die nothwendigsten Reparaturen hätten sie nicht gehabt. Ihre Kenntniß der heiligen Sprache, sei ganz verloren gegangen. Die Ueberlieferungen der Väter gingen nicht mehr auf die Söhne und Enkel über. Der rituelle Gottesdienst würde nicht mehr abgehalten. Sie waren zuletzt der drückenden Noth gewichen und hatten Holz und Steine des ehrwürdigen Gebäudes verkauft, um die nothwendigsten Bedürfniffe des Körpers fristen zu können. Sie schätzten ihre Kopfzahl selbst auf 2—300. Alle von ihnen waren arm. Nunmehr, wo der Mittelpunkt des früheren Zusammenhaltes verloren gegangen, werden sie wahrscheinlich zerstreut werden. Das Tablet in Goldbuchstaben, welches sich früher am Eingang des Tempels befunden, war in eine Moschee gestellt worden. Einige Mitglieder der Gemeinde hatten bereits schon lange am Gottesdienste der Muhamedaner theilgenommen." Soweit Dr. Martin. „Die Orgelfrage". „War' ich hier weg! Mir ist, als ob die Orgel mir Den Athen: versetzte ..." G ö t h c, Faust, Damscene. Ein Büchelchen von nicht ganz 27 Seiten, aber inhalts- und aufschlußreich, das wohlthuend klar und übersichtlich sein Thema abhandelt.*) Diese Knappheit, welche gleichwohl das Nöthigste beibringt, ist in unserer eiligen Zeit, wo die Leser immer ungeduldiger und die Schreiber immer weitläufiger werden, gar nicht hoch genug anzuschlagen. Wie leicht hätte nicht das Bändchen zum umfänglichen Bücherei-Elefanten, zum ungelesenen Bibliotüeks - Staubfänger anschwellen können! Mit gelehrtem Citatenkram und Phrasen füllt sich ja bequem Bogen um Bogen au, aber „kurz und gut" ist die beste Devise auch beim Büchermachen. Was istdie Orgel? Der Verfasser definirt sievollkommenrichtig als ein „ihrer ganzen musikalischen Wirkung, sowie ihrer geschichtlichen Entwicklung nach ausgesprochen christliches Instrument, das den Gemeindegesang in der Kirche in souveräner, tonangebender Weise beherrscht". Als Erfinder der Wasserorgel (organum hydraülium) wird Klesibios (170 vor der üblichen Zeitrechnung) genannt. Zimmer („Die Kirchenorgel") bemerkt, daß sie durch Jahrhunderte langen heiligen Dienst so recht das *) T ie Orgelfra gc. Beantwortet von Rabbiner I. N o b c l in Halverstadt, Mainz 1897. Instrument ,.pe§. ffyv-i stl ich e n, GoWhquses geworden, und W a n g e fitanit ^Meschichtedep DfigelMfagt» >haßsienur als Ausdruck des. k i r-chl i,ch e fi Geistes dient. Diese beiden Autpri- -täten auf dem Gebiete der Kirchenmusik. werden -von .dem Verfasser angerufe'n, - aber noch ungezählte Andere hätte er hinzucitiren können. Uebrigens denkt - Jedermann, wennman' nur das Wort Orgel nennt, schon in Folge bloßer Gedankenässociation an die vom Weihrauchdunst erfüllteMtche müden wunderschönen Heiligenbildern, den 'lebens^wHirMneiHen aus Stein und Holz -- die Menge hat sich in AndächtsverzückungaufdieKnie niedergeworfcn — und über sie hinweg erbraust ein wogendes, rauschendes Tönemeer — gewaltig-- uferlos! Es hieße offene Kirchenthüren einrennen, wollte man erst lang und brefi beweisen, daß die Orgel das Instrument des christlichen Gottesdienstes ist. Das weiß doch jedes Kind! Große Meister — wir nennen nur die Namen Bach und Händel — haben ihre Glaubensüberzeugungeu mit der Orgel starker Hilfe in Töne gesetzt und ihre Kirche verherrlicht. Und je Schöneres — im rein künstlerischen Betracht — sie für diese zu ihrem Ruhm und Preis als frommgläubige Söhne geschaffen, Um desto mehr wurde sie das christliche Instrument kat’.exochen, desto inniger und unlöslicher verknüpften sich die Begriffe Orgel und christlicher Gottesdienst. *. Betrachten wir nun, vom gelehrten Verfasser durch dunkle Zeitabschnitte geleitet, die Geschichte des Instrumentes. P l a t i n a, der Historiograph der Päpste, meldet, Papst Vitalianus (657—672) habe verordnet, der Kirchengesang sei mit der Orgel zu begleiten. Wangemann bezweifelt das, ebenso, daß 555 schon in der Kirche zu Pariseine Orgel in Gebrauch gewesen sei. 757 schickte der byzantinische Kaiser Constantinus Copronimus dem König Pipin für die Kirche St. Corneille in Compiögne eine Orgel. Der große Frankenkaiser Carl erhielt eine vom Fürsten Michael. Im IX. Jahrhundert finden wir die Orgel als Schulinstrument in den Klöstern vor. Vom X. Jahrhundert ab erhalten die bedeutendsten Bischofsitze in Deutschland: Freysing, München, Aachen, Halberstadt, ihre Orgeln. Der Psalmengesang ging in die christliche Liturgie früh über. Zimmer tadelt, daß diese pyn den Hebräern überkommenen liturgischen Gesänge mit der Orgel begleitet werden. Er findet das direct unpassend. Sie werden nach seiner gewiß maßgebenden Meinung am besten o h u e Begleitung ausgeführt. So weit ein christlicher Musikgelehrter über die Orgel im christlichen Gotteshause. Zur" Begleitung des Gemeindegesanges hält er sie hinwiederum für ganz vorzüglich geeignet, weil sie dem einstimmigen Gesang melodischen und rhythmischen Halt gewährt. Das Alles ist vollständig richtig. Wenn wir aber eine zarte Umschreibung auflösen, so heißt das nichts Anderes, als daß die Orgel das unvermeidliche Falsch- und Durcheinandersingen mit ihren brausenden Tönen überschallt und zusammenhält, so daß die andächtige Stimmung durch gutgemeintes schlechtes „Singen" nicht gestört und die Weihe eines, vielen Menschen heiligen Ortes nicht gänzlich aufgehoben werden kann. Auch finden wir Interessantes über Sancta Cacilia, die nicht verbürgte Erfinderin der Orgel. Sie zählt zu den Märtyrerinnen des Christenglaubens. Der 22. November ist der ihr heilige Tag. Im fünften Jahrhundert schon wird ihr eine Kirche geweiht, wo heute noch ihre Gebeine ruhen sollen. Wenn sie wirklich die Orgel erfunden hat, sie würde sich sehr wundern, sie heute in so vielen jüdischen Tempeln vorzufinden, für die sie sie gewiß nicht bestimmte. Die bildende Kunst — Raphael voran — hat sie immer mit der Orgel oder die Orgel spielend verherrlicht. Zahllos sind derartige Darstellungen. .Sancta Cäcilia in der Synagoge zu malen, hot — bis jetzt wenigstens — noch kein Künstler unternommen. Das würde man — mit Recht! — für eine Ungehörigkeit erklären dürfen, denn weder die Erfinderin noch ihr Instrument gehören in ein anderes, als in ein christliches Gotteshaus. Das sollte doch klar sein! Es sollte . . . 1250 schrieb Thomas von Aquino: »Ecclesia nostra non adsumit instrumenta musica, sicut citharas et psalteria, in divinas laudes, ne videatur jüdaicare.» Er wollte keine Harfe Und keine Zither im katholischen Gotteshause haben. Sie schmeckten ihm allzusehr nach Judenthum und Tempel zu Jerusalem. Das waren ja specifisch israelitische Musikinstrumente. Die konnte er füglich nicht gebrauchen. Ein Mitglied einer großen jüdischen Gemeinde in Deutschland, in der eine Orgel in die Synagoge eingeführt werden sollte, stimmte dafür, aber nur unter einer Bedingung: er ver- I; -