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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-21 · 3 (21.1.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 48 Vr. Vloch's WochrnschrM Nr 3 Aucheil an der Verwaltung nahmen. Andere Anstalten haben die Logen aus eigenem Antriebe gegründet, in eigene Verwaltung genommen oder besondere Vereine hierfür ins Leben gerufen. So haben die westlichen Logen das Kinderheim zu Dietz für Knaben geschaffen, hierfür ein eigenes Haus gebaut, eine Heilstätte in Nauheim gegründet. Eine der schönsten Einrichtungen, die unter der Aegide der Frankfurt-Loge gegründet worden, ist die israelitische Curanstalt in Soden, eine Musteranstalt mit großem Hause und herrlichem Garten, ausgerüstet mit allen denkbaren Hilfsmitteln der Ernährung und ärztlichen Behandlung. Bon der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß alle Bestrebungen zur Verbesserung der socialen Lage unserer Glaubensgenossen bei dem Heranwachsenden Geschlecht zu beginnen haben, find im ganzen District vielfache Veranstaltungen zur Kräftigung der Gesundheit und zur Hebung der geistigen Fähigkeiten der Jugend getroffen worden. Mjährlich zu Cbanuka und Purim find circa 3000 Kinder mit Wäsche und Kleidung beschenkt worden, eine Einrichtung, an der sich fast alle Logen betheiligt haben. Erhebende Festlichkeiten wurden veranstaltet, Ansprachen an die Kinder gerichtet, die in schönster Weise bewirthet wurden. In Berlin und in der Henry Jones-Loge traf man die sinnige Einrichtung, die beschenkten Kinder mit denen der Brüder gesMg zu vereinigen und zu bewirthen, damit den Kindern das drückende Gefühl erspart bleibe. In einigen Logen bestehen gut besuchte Kindergärten unter steter Beaufsichtigung; in einer Loge ist eine Jugendbibliothek eingerichtet; eine andere Loge sorgt für FrühMck für arme Kinder; in einer Loge wird Nachhilfe-Unterricht ertheilt, eine andere Loge theilt Milch aus für schwache Kinder; wiederum eine andere hat Schulbücher angeschafft. Diese herzerfreuende Wohlthätigkeit erstreckte sich nicht nur auf die Kinder unseres eigenen Landes, auch nach Rumänien wurde eine namhafte Summe zur Errichtung und Unterhaltung jüdischer Volksschulen abgesandt. — Einen erfreulichen und wesentlichen Antheil haben die Logen an der Errichtung von Feriencolonien genommen. Außer einigen Logen haben die Berliner Logen unter Führung von Ad. Meyer in umfassender Weise in sorgfältiger, verständnißvoller Verwaltung gearbeitet! Nahe an 3000 Kinder haben die Wohlfahrt dieser Einrichtung genoffen. Am wohlthuendsten berührt der Umstand, daß es durch unausgesetzte Bemühungen des Obercantors Sarasohn- Stettin ermöglicht wurde, 1064 Kinder in die Familien als Freistellen unterzubringen. Die Krone dieser menschenfreundlichen Schöpfung bildet das von Eugen Rosenstiel und seiner Gattin in Elmen errichtete Heim für erholungsbedürftige Kinder, das nach den besten Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstet wird. Aber muh nach einer anderen Richtung nahmen sich die Logen der Kinder an. Auf Anregung der Allemannia-Loge wurden Mittel hergegeben, um den Kindern an kleinen Plätzen mit geringer jüdischer Bevölkerung durch Wanderlehrer oder sonstige Organe Religionsunterricht ertheilen zu lassen; auch wurde Controle und Aufficht geübt; die Erfolge waren geradezu überraschend. In engem Zusammenhänge mit der Fürsorge für Kinder stehen die Bemühungen der Logen um die Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden. In den Confereuzen zu Köln wurde der Grundsatz aufgestellt, daß die Erziehung zum Handwerk schon in das Kindesalter zu verlegen sei, und die Logen wurden aufgerufen zur Anregung von Vereinen, wo keine bestehen, zur Unterstützung und Mitarbeit bei schon bestehenden, Logen-Berbände zu schaffen, um eine intensive Zusammenfassung der Kräfte herbeizuführen. Dahin zielen die Beiträge von verschiedenen Logen für den Düffeldorfer Verein, badische und andere Handwerkervereine, Einfühuung eines Handfertigkeitsunterrichts in Köln und Hainburg, Subventionirung des Lehrlingsheims in Pankow. Bor Allem ist dieser humanitären Idee die Anstalt in Ahlem gewidmet, begründet von Consul Simon, mit einer namhaften Summe von der Groß- Loge unterstützt, in der Knaben lediglich in der Bodencultur unterrichtet werden. Vom Werthe waren die Bemühungen vieler Logen, mit den Organen der Gemeinde in systematischer Weise eine Organisation zu schaffe», daß aus der regellosen Armenspende in eine geordnete, zielbewußte Armenpflege eingetreten, daß eine Erziehung zur Arbeit das leitende Motiv wurde. Eine weitere Folge war die Einrichtung von Arbeitsnachweisstätten. Der Frankfurt-Loge gebührt das Verdienst, zuerst damit aufgetreten zu sein. Im Verlauf der Zeit ging sie dazu über, Gelder zu beschaffen für den Ankauf von Maschinen und Werkzeugen für Handwerker. In Halberstadt, Kassel, Köln, Hamburg hat man 'ich ebenfalls für Schaffung von Arbeit interessirt. In jüngster Zeit haben die Berliner Logen einen Arbeitsnachweis gegründet, der nach dem letzten Ausweis in einem Jahre 661 Personen Arbeit und Anstellung verschafft hat. Auch die Frauen haben von Anfang an dieser neuen Erscheinung der Logen nicht theilnahmlos gegenüber gestanden. So bildeten sich denn in den verschiedenen Logen Frauenvereine mit mehr oder weniger umfassender Thätigkeit. Wie in der Natur der Frau gelegen, galt ihr Arbeitsfeld der allgemeinen Wohlthätigkeit. So wird es in Berlin, Mainz gehalten; in Beuthen pflegt der Frauenverein die Geselligkeit und . die Krankenpflege; in Posen überwachen die Frauen den Nachhilfe- Unterricht der Kinder; in Mannheim pflegt der Frauenverein vornehmlich die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und Aushilfe. In Breslau hatte man ein noch höheres Ziel ins Auge gefaßt. Dort gründete der Frauenverein ein Mädchen-Heim mit eigenem Hause, wo junge Mädchen als Lehrerinnen over aus kaufmännischem Berufe Unterkunft unter Aufsicht der Frauen finden. Auch nach einer anderen Richtung wurde ein Stück Frauenfrage in geradezu epochemachender Weise gelöst, wir meinen das Institut zur Ausbildung von jüdischen Krankenpflegerinnen; und da war es wiederum die Frankfurt-Loge, die dieses bisher für unmöglich gehaltene Problem in glänzender Weise gelöst hat. Und nun sehen wir, daß in Berlin sich eilt Verein mit gleicher Tendenz seit drei Jahren gebildet hat mit ungeahntem Erfolge. Ein Gleiches strebt die Henry Jones- Loge an, und auch in München will man sich der Sache widmen. Der Orden hat selbstverständlich niemals zurückgestanden, wo es galt, Wohlthätigkeit in großem Stile zu üben, sowohl für die russischen Juden, wie bei großen Landescalamitäten, Ueberschwemmungen und verheerender Seuche in Hamburg. Große Summen sind von den Logen allein aufgebracht und an die betreffenden Staatsbehörden oder Comitss abgeführt worden. Inden in China. Die Vorgänge in Ostasien lenken die Blicke des gesammten Europas nach China, welches in der Geschichte Europas eine hervorragende Rolle zu spielen berufen ist. Aus diesem Anlaß erinnert man sich auch unserer versprengten Glaubensgenossen in jenem ungeheuren Reiche. Die erste größere Einwanderung der Juden nach China fällt in die Zeit vor nunmehr fast 2000 Jahren. Schon längst ist die Existenz einer solchen jüdischen Colonie in China bekannt gewesen, aber wenige genaue Angaben über ihre frühere Kopfzahl, ihre Lebenslage und ihre Wohnsitze sind vorhanden. Von dem Sitz einer alten jüdischen Gemeinde in Kai fongfu berichtet zuerst Trigaltius im Jahre 1617. Ein Jude dieser Stadt war auf Einladung der Missionäre zu Pater Ricci nach Peking gekommen, um wie er vermuthete, die. Bekanntschaft seiner Glaubensgenossen zu machen. Der Bericht, den Menasse ben Israel in seiner Schrift „Mikweh Israel" ausgenommen hat, verdient die größte Beachtung und als erster seiner Art angeführt zu werden. Derselbe lautet in wörtlicher Uebersetzung: „Eine Gesellschaft holländischer Kaufleute begab sich vor einigen Jahren nach Peking. Ein chinesischer Jude, der davon gehört hatte, suchte den bei der Gesellschaft sich befindenden Missionär Mathias Ricci auf und sagte zufthm: „Ich habe in einem chinesischen Buche gelesen, daß die Nazarener nicht wie die Conchim (Goim) seien, sondern dem Gotte dienen, der die Welt erschaffen hat." Bei diesen Worten bekundete er große Freude, denn er dachte, daß die Christen das mosaische Gesetz beobachteten. Er wußte nicht, daß es ein Neues Testament gibt. Der Missionär führte den Juden hierauf in ein Zimmer, wo dieser das Bildniß von Christus und Maria, vor welchen Johannes kniet, erblickte. Der Jude, der den Missionär für einen Glaubensgenossen und das Bild sür eine Darstellung der Rebekka mit ihren beiden Söhnen Jacob und Esau hielt, sagte hocherfreut: „Niemals habe ich vor Bildern gekniet, doch heute will ich es thun, da mich dieses Bild an meine ehrwürdigen Vorfahren erinnert", und er verneigte sich. Als er dann auf einem Postamente eine Gruppe von vier Statuen der Apostel erblickte, fragte er: „Sind dies die zwölf Söhne Jacobs?" Der Pater, der seine Sprache nicht genau verstanden hatte, antwortete bejahend. Hierauf führte er den Juden in sein Zimmer und ftagte ihn, welchen Glauben er bekenne. Aus der Antwort vernahm der Missionär, daß der Mann sich zum mosaischen Glauben bekenne. Doch wiederholte er seine Frage: „Bist Du Je-

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