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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-21 · 3 (21.1.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Seite 47 Vr. VloiVs Wochrnptzrist Urheber richtet sich eine Kritik in der „Antisemitischen Correspondenz" des Herrn Liebermann von Sonnenberg, durch welche sich Goldschmidt beleidigt fühlte. Er strengte die Privatklage gegen den Redacteur jenes Blattes, Herrn Louis Hogrefe, und den Verfasser der Kritik, den Privatgelehrten Dr. Erich Bischoff aus Leipzig an. Am vergangenen Sonnabend war der erste Termin vor dem hiesigen Schöffengerichte. Nach längerer Verhandlung beschloß das Gericht, im nächsten Termin drei Gelehrte als Sachverständige zu vernehmen. Die Verhandlung wird sich wiederholen und es erübrigt, heute auf Einzelheiten einzugehen. Aber eine Episode verdient schon jetzt der breiteren Oeffentlichkeit mitgetheilt zu werden, nämlich die, daß der Privatgelehrte vr. Erich B»schoff es fertig gebracht, über dasselbe Werk, über denselben Autor zwei sich diametral gegenüberstehende Kritiken zu bringen. Damit der Leser sich selbst ein Urtheil bilden kann, drucken wir beide Publicationen neben einander wörtlich ab. In den „Internationalen Literaturberichten", Organ des deutschen Schriststellerverbandes vom 2. April 1896 heißt es: „Der babylonische Talmud. Text (nach der editio princep8) mit Varianten nebst Uebersetzung und Erklärung. Herausgegeben von Lazarus Goldschmidt. S. Calvary und Co. Berlin. Erste Lieferung M. 5. — Der Talmud ist ungeachtet seiner Wichtigkeit nicht blos für das Judenthum, sondern auch für die Culturgeschichte, Theologie und Philologie u. s. w. heute doch noch den meisten Gebildeten mit Ausnahme eines kleinen Häufleins Fachmänner im Ganzen ein Werk mit sieben Siegeln. Gerade weil sich seit den letzten Jahrzehnten Polemik, Apologetik, Neugier und wissenschaftliches Interesse in erhöhtem Maße mit ihm beschäftigen, muß eine vollständige Uebersetzung dieses Buches — richtiger: — dieser Bibliothek — von allen Seiten mit Freuden begrüßt werden, da bisher nur einzelne Tractate in (theilweise recht schlechten) Uebersetzungen vorliegen.. Was nun die erste Lieferung des auf ca. 80 Lieferungen ä 5 Mark berechneten Unternehmens anlangt, so stehen wir nicht an, die Uebersetzung (mit dem ersten Tractat, Berachoth, beginnend), die ja gerade bei diesem Tractate auf circa sechs früheren Uebersetzungen fußen kann und z. Th. auch fußt, für im Allgemeinen recht gut gelungen und deutlicher zu halten, als die meisten früheren. Manche Unklarheiten (z. B. S. 63 „Frage von R. Simon b. G. auf R. S." statt „wider" und „Verwechselt sei der Lehrsatz", statt „man muß die Sätze (auf die Disputirenden) anders (umgekehrt) vertheilen") hätten wenigstens durch Anmerkungen aufgehellt werden müssen, wohingegen andere Anmerkungen, z. B. die schon dem hebräischen Texte beigedruckten Vibelcitate fehlen könnten. Ueber einzelne Auffassungen läßt sich natürlich streiten, im Ganzen aber dürfen wir sagen, daß wenn die anderen, bisher sonst noch nicht völlig übersetzten Tractate, zumal der 2.—4. Ordnung (Seder), vom Verfasser in gleicher Weise übersetzt werden und das Werk nicht, wie verschiedene frühere, nach dem ersten Seder oder schon früher, stecken bleibt, der Verfasser sich nicht nur ein großes wissenschaftliches Verdienst, sondern den Dank aller Gebildeten er- »verben wird. Die Textrecension ist leider als ganz mißlungen zu bezeichnen, da hier der Herausgeber sich seiner ungemein schwierigen Aufgabe nicht gewachsen zeigt. Die editio princeps mußte diplomatisch genau wiedergegeben, die vom Autor „beseitigten Mängel" durchweg in die Anmerkungen verwiesen werden, in denen die preßgesetzlich sehr anfechtbare Ausschreibung der Varianten des Münchener codex (einen cod. Monau, wie Verf. S. 58 schreibt, gibt es nicht!), die noch dazu ungenau sind, aus Rabbinowicz fehlen durste. Eine böse Flüchtigkeit ist die Citirung von Tan. 24b zu »Mehar Chorab*, wo Verf. in seinem Talmudtexte nach links,. statt nach dem asterixus rechts gesehen hat (S. 63), noch böser das Citiren von Synk. 19a, welches sich am Rande des Urtextes auf eine Tosaphotstelle bezieht, zu den Worten der Mischna: limmad thanu rabbenu (S. 58). Auch übersetzt der Autor nicht immer nach seinem Texte. Möge Autor und Verleger den wohlgemeinten Rath annehmen, die zumal im Verhältniß zu den Satzkosten durchaus mangelhafte Textrecension fortzulassen und nur das zu . geben, was dem Unternehmen wirklich seinen Werth und seine Bedeutung verleiht, eine in klarem Deutsch geschriebene, vollständige m»d objektive Uebersetzung mit etwas mehr Erläuterungen schwieriger Stellen. Druckkosten und Preis werden dadurch billiger, der Absatz größer und das Werk wirklich werthvoll werden. Leipzig. Dr. Erich Bischoff." In der „Antisemitischen Correspondenz" des Herrn Liebermann von Sonnenberg vom 10. September 1.896 dagegen schreibt Dr. E. Bischoff — dieses Mal find nur zwei Buchstaben des Namens untergesetzt — Folgendes: Jedermann sei vor diesem schwindelhaften Unternehmen gewarnt, das auf 80 Lieferungen berechnet ist und dessen Anschaffung directe Geldvergeudung wäre. Trotzdem so profunde Talmudkenner wie die bekannte Else von Schabelsky und Isidor Wittkowski das Unternehmen über die grüne Wiese loben, sei es doch der Wahrheit zur Ehre gesagt, daß 1. der Text nicht auf der editio princeps gegeben ist, die Goldschmidt überhaupt nicht eingesehen hat; 2. daß die Varianten aus der bekannten Variae lectiones von Rabbinowicz sinnlos abgeschrieben find, daß 3. die Uebersetzung nicht nur auf jeder Seite grobe Fehler, sondern auch grobe Blasphemien enthält, 4. daß die „Erläuterungen" zum großen Theile falsch oder mangelhaft sind, 5. daß das Ganze überhaupt so unglaublich lüderlich gearbeitet ist, trotzdem schon sechs Uebersetzungen des Tractates Berachoth (des ersten im Talmud) Vorlagen, daß keine Seite unter einem halben Dutzend Falschheiten enthält. — Goldschmidt hat schon eine literarische Fälschung vor einigen Jahren begangen, wo er ein selbstgefertigtes Opus für den Inhalt einer uralten Handschrift ausgab, als er noch im Schatten der Flügel des bekannten Straßburger Professors Noeldeke weilte. Es wäre besser gewesen, Herr Eliser ben Gabriel (Lazarus Goldschmidt ist der „deutsche" Name!) wäre in Rußland geblieben, von wo er (nach der Mythologie der „Zukunft"), ein Sträuße! am Hut, den Stab in der Hand, eigens nach dem gelobten Lande Erez Aschkenas (Deutschland) gekommen sein soll, um die Welt mit seinem Talmud zu beglücken. Indem wir bereit sind, unsere sämmtlichen Behcurptungen eventuell unter gerichtlichen Beweis zu stellen, machen wir darauf aufmerksam, wie dringend angesichts solcher Machwerke eine staatliche Uebersetzung des Talmud geboten ist. D—f." Die Virtuosität, mit der der Verfaffer das eine Mal den wissenschaftlichen, das andere Mal den antisemitischen Jargon handhabt, verdient volle Anerkennung. Die Bne-Brrith-Logen. B e r k i n, 12. Jänner. Die Logen des unabhängigen Ordens Bne-Berith, über deren segensreiche Wirksamkeit ein sehr interessanter Bericht soeben autoritär veröffentlicht wird, bestehen nunmehr seit zwölf Jahren in Deutschland. In rascher Folge stieg seit der Begründung die Zahl der Tochterlogen auf 12 mit 1150 Mitgliedern, als die Groß-Loge eingesetzt wurde, zu der später noch 6 mit 670 Mitgliedern hinzukamen. Bald machte sich ein Stillstand in der Propaganda geltend, der aber jetzt ftischerem Leben gewichen ist, so daß heute 3200 Mitglieder in 33 Logen im Dienste des Ordens thätig sind, und die Gründung von 4 großen Logen in naher Aussicht steht. Damit stieg auch die Achtung für den Orden in den Augen der Außenstehenden und die Werthschätzung seiner Arbeit. Diese Arbeit gilt vor Allem der Entfaltung werkthätiger Gesinnung, sofern die Brüder. selbst oder ihre Hinterbliebenen Witwen und Waisen der Hilfe bedurften. Zahlreiche, gut ausgestattete Fonds sind in den Logen hierfür vorhanden: Witwen- und Waisenfonds, Aussteuerfonds, Altersversorgungsfonds, Unterstütznngsfonbs, Hilfsfonds. Es gilt als höchste Pflicht, sich der Witwen und Waisen anzunehmen; jeder Witwe wird ein Pfleger gestellt, der ihr mit Rath und That zur Seite steht, sich um ihr Wohl und das ihrer Kinder kümmert, deren Schulzeit überwacht, ihren Lebenslauf verfolgt, in der Berufswahl sie unterstützt. Und wo eine Fürsorge nicht nöthig, sucht der Pfleger die Verbindung zwischen Hinterbliebenen und dem Orden aufrecht zu erhalten. Es wurden mit namhaften Jahresbeiträgen bedacht: Die Taubstummenanstalt zu Weißensee, die Hospitäler in Jaffa und Jerusalem, das Erziehungshaus für Mädchen in Pankow, das Waisenhaus zu Rybnik, die Heilstätten zu Kolberg, Jastrzemb, das zu bauende Waisenhaus in Ems, die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Verein zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen, Unterstützung hilfsbedürftiger Studirender, das Seminar zu Breslau und die Anstalt Ahlem. Für diese schon bestehenden Juftitute wurden nur Beittäge geleistet, ohne daß die Logen iä ■Mn

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