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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-21 · 3 (21.1.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
3 (21.1.1898)
Date
1898-01-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 46 Vk Bloch's Wochenschrift der Wiener «Fleischselcher an die Cabinetskanzlei des Kaisers mit der Bitte herangetreten, es möge ihr gestattet werden, alljährlich am 5. Jänner, am Tage der Eröffnung der Kochkunstausstellung, dem Kaiser einen Schinken überreichen zu dürfen. Diesem Ansuchen wurde jedoch nicht stattgegeben. Die Antwort der Cabinetskanzlei drückt die Freude des Kaisers über den loyalen und patriotischen Wunsch der Wiener Fleischselcher aus, allein demselben könne aus dem Grunde nicht entsprochen werden, weil sonst auch andere Genossenschaften mit dem gleichen Ansuchen kämen. Das würde aber zu weit führen und auch den Intentionen des Kaisers nicht entsprechen, da der Monarch es lieber sähe, wenn die anläßlich seines Jubiläums beschloffenen Aufwendungen wohlthätigen Zwecken zugeführt würden. Der Brauch, daß der Kaiser alljährlich von der Preßburger Judengemeinde Martinigänse entgegennehme, sei sehr alt und daher werde an demselben auch nichts geändert. — Die Borstehung der Fleischhauergenoffenschast hat daraufhin, den humanen Intentionen des Kaisers Rechnung tragend, dem Armenrath von Favoriten 1200 Paar Frankfurter Würste für die hungernden Schulkinder dieses Bezirkes übermittelt und unter die arbeitslosen Fleischselchergehilfen 400 Paar Debrecziner Würste vertheilen laffen. Zum Kampfe «m das Staatsgrundgesetz. In Nummer 2 des „Aerztlichen Centralanzeigers 1898" Seite 31, sind 10 ärztliche Stellen vom oberösterreichischen Landesausschuffe vom 26. December 1897, Zahl 20.985, ausgeschrieben, wo es am Schluffe heißt: „Bewerber um eine dieser Stellen wollen ihre mit dem Nachweise der ärztlichen Befähigung und der bisherigen praktischen Verwendung, des Alters und der Confession versehenen Gesuche bis längstens Ende Jänner 1898 an den oberösterreichischen Landesausschuß in Wien einsenden." Es ist nicht denkbar, daß das Landessanitätsgesetz für Oberösterreich vom 22. September 1893, Landesgesetzblatt Nr. 35, der Grundlage der Staatsgrundgesetze entbehrt und entsteht deshalb die Frage, ob es denn kein Mittel gibt, diesem willkürlichen Vorgehen, welches dem Gesetze Hohn spricht, die gebührenden Schranken zu setzen. Adam Mickiewicz. Wadowice. Geehrte Redaction! Dem vorwöchentlichen Artikel über Adam Mickiewicz möchte ich noch Eines hinzufügen : Der darin erwähnte Vers lautet im Original: »Z matki obcej, krew jego, dawne bohatery A imif jego czterdziesci i cztery.« in wörtlicher Uebersetzung: „Bon fremder Mutter sein Blut, Helden der Vorzeit, und sein Name vier und vierzig." Ist es Zufall oder beabsichtigte Wirklichkeit. Die Zahl 44*) stimmt im Hebräischen, sowohl mit dem im ersten Verse vorkommenden Worte „Blut", als auch mit dem Namen des Dichters Adam überein. Wohl bildet »dam* blos die zweite Silbe des Namens Adam, aber einerseits ist dies unwesentlich, andererseits ist es nicht ausgeschlossen, daß das am Anfang der zweiten Verszeile gebrauchte Bindewort »A« absichtlich gesetzt wurde, um die erste fehlende Silbe zu ersetzen. Durch Umstellung der Worte »A czerdziesci i cztery« imif jego, erhält mau auf die einfachste Weise den Namen Adam. Freilich mag dies Alles Zufall und das Nachgrübeln darüber eine Spielerei sein, nachdem weder die Herkunft Mickiewicz von einer jüdischen Mutter, noch die Beziehung des Verses auf die Person des Dichters feststeht. Auffallend bleibt immer die erquickende Herzlichkeit, mit der Mickiewicz im »kau Tadeusz« den Juden Jankiel schildert. So wahr, so patriotisch wurde in Polen weder vor noch nach Mickiewicz ein Jude gezeichnet: »Jankiel miat stawe dobrego Polaka«. (Jankiel hatte den Ruf eines guten Polen) und an anderer Stelle: »Zyd poczcuvy Ojczyznf jako Polak kochat« (der biedere Jude liebte das Vaterland als Pole.) Der Jude Jankiel wird somit von Mickiewicz nicht blos als ehrlicher und biederer Charakter, sondern geradezu als Pole und dazu als Patriot geschildert. Dem Dichterfürsten waren die Racentheorien der Jetztzeit noch durchaus ftemd. Mickiewicz hat in seinem Jankiel Nr. 3 den Typus des polnischen Juden für alle Zeiten festgestellt und sich dadurch in unserem Herzen ein Denkmal gesetzt, dauerhafter als Erz. Wadowice, 12. Jänner 1898. D r. Daniel. Die rituelle Beschneidung vor der Wiener Aerztekammer Antisemitische Blätter publiciren folgende Meldung: Die Wiener Aerztekammer hatte sich dieser Tage mit einer aus dem Vereine der Aerzte in Mederösterreich hervorgehenden Eingabe zn beschäftigen, in der sie ersucht wird, an maßgebender Stelle zu erwirken, daß die Ausführung der rituellen Beschneidung durch Laien strengstens verboten werde. Die Kammer, deren Mitglieder grundsätzlich für ein solches Verbot sind, hat die ausführlich begründete Eingabe einem Berichterstatter zugewiesen, der demnächst die entsprechenden Vorschläge erstatten soll. In der Eingabe wird zunächst die Geschichte und Handhabung der Beschneidung erzählt, die bis noch vor wenigen Jahren ausschließlich von Laien vorgenommen worden sei und mit der sich letzt nur hie und da Aerzte beschäftigen würden. Es wird sodann auf die Schädlichkeiten dieser Operationen durch Laien hingewiesen und betont, daß nicht selten Mundkrankheiten dauernde Gebrechen, Übertragung ansteckender Krankheiten, ja sogar vollständige, mithin tödtlich endigende Verblutungen im Gefolge solcher Laienoperationen gewesen seien. Würden doch diese noch heute nach den Vorschriften vollzogen, wie sie bei den alten Juden in Palästina zu Recht bestanden hätten. Ein Gegenstück zum Afall Dreyfus. Im Sprechsaal der „Times" weist ein sarkastischer Einsender auf eine große Aehnlichkeit hin, die zwischen dem System der französischen Kriegsgerichte und einer Gerichtsverhandlung in dem englischen Märchen „Alice im Wunderlande" obwaltet. Im zwölften Capitel der Dichtung heißt es: „Der König erbleichte. Er klappte sein Notizbuch zu und sprach mit bebender Stimme zu den Geschwornen: „Ueberlegt Euer Verdict." Da sprang das Weiße Karnickel mit einem Satz empor und rief: „Das kann jetzt mit mehr Sicherheit geschehen, Eure Majestät; denn dieses Schriftstück ward soeben aufgegriffen." Die Königin ftagte: „Was steht drin?" „Ich hab's noch nicht geöffnet," sagte das Weiße Karnickel, „aber es scheint ein Brief zu sein, den der Gefangene an Jemanden geschrieben hat." „Es muß wohl so sein," sagte der König, „Ihr wißt, es ist nicht üblich, einen Brief an Niemanden zu richten." „An wen ist er adressirt?" fragte ein Geschworner. „Er ist überhaupt nicht adressirt," sagte das weiße Karnickel, „es steht tatsächlich nichts auf der Außenseite." Dabei entfaltete er das Papier und fügte hinzu: „Uebrigens ist es gar kein Brief, es sind Verse." „Ist es die Handschrift des Gefangenen?" ftagte ein zweiter Geschworner. „Nein", sagte das weiße Karnickel, „die ist es nicht, und das ist gerade das Verfängliche an der Sache." Bestürzung spiegelte sich in den Mienen der Jury. „Er muß die Handschrift irgend sonst Jemandes nachgeahmt haben", sagte der König. In den Gesichtern der Jury dämmerte die Erkenntniß. „Erlauben Euere Majestät", sagte der Knappe, „ich hab's nicht geschrieben, und es kann nicht bewiesen werden, daß ich's schrieb; es steht kein Name darunter." „Wenn Du es niHt unterzeichnet hast", sagte der König, „umso schlimmer steht die Sache. Du mußt kein reines Gewissen haben, sonst h ä t t e st Du Deinen Namen wie ein ehrlicher Mann daruntergesetzt." Alles klatschte Beifall zu diesem Wort, dem ersten wirklich gescheidten Wort, das der König an dem Tage geäußert hatte. „Das beweist seine Schuld", sagte die Königin .... Soweit das Märchen. Der Einsender bemerkt dazu mit grimmiger Laune: „Sollte „Alice im Wunderland" noch nicht ins Französische übersetzt sein, so gestatte ich mir den Vorschlag, daß in dieser Hinsicht ungesäumt ans Werk gegangen werde." Antisemitische Kritiker. Berlin, 14. Jänner. Eine Berliner Verlagshandlung gibt den Talmud (Text und Uebersetzung) heraus. Der Autor ist ein junger, jüdischer Gelehrter, Lazarus Goldschmidt. Gegen dieses Werk und seinen *) Aehnlich schreibt uns Herr I. Schönwetter aus Krakau.

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