Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 3 (21.1.1898)
- Date
- 1898-01-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Sk. 3 Vr. VLoch's ZvochrnschrM Sette 45 gaben fl. 4265. Das Vereinsvermögen belauft sich auf fl. 18.765-69. Nachdem der langjährige, ausgezeichnete Obmann Herr Sigmund Mauthner im Vorjahre nach Wien übersiedelte und von der Generalversammlung zum Ehrenmitgliede ernannt worden war, trat uunmehr der verdienstvolle Obmannstellvertreter Herr Philipp F a l k o w i c z an die Spitze des Centralvereines. Wir verzeichnen mit aufrichtiger Freude das fortschreitende Wachsthum dieser Pflanzstätte jüdischen Geistes, jüdischer Frömmigkeit, jüdischer Menschenliebe in Böhm n, die in schweren Tagen berufen ist, ein Sammelpunkt all unserer böhmischen Glaubensbrüder zu werden, und wünschen derselben aus vollstem Herzen auch fernerhin Segen und Gedeihen! Karls englische Sprachstudien.! Karl (sitzt am Tisch und lernt eifrig. Vom Bnch aufblickend seufzt er tief): „Ich hätt's nie 'glaubt, daß das Englische gar so viel schwer ist. Die meisten Vocabeln sind schrecklich zu merken. Manche sind dafür zum Glück wieder einfacher. Zum Beispiel: Das Gas — the ga8. Die Gas — the goat. Das thut's noch! Gas bereiten — to generate gas. Die späteren Generationen werden schon Gas haben. Man muß sich die Sache nur ein bissel mnemotechnisch erleichtern. In Gas verwandeln heißt: to convert into gas. Aha! Convertiren, das kann i scho'! Das mirk i mir scho'! Also zum Exempel: Ich verwandle das Geld der Stadt in Gas — I convert into gas. Das *geht ja prächtig. Gas-Anstalt — gas-estadlishment. Etablissement! Aber die meisten Etablissements haben schon längst das Elektrische. Macht nichts. Gas-Beleuchtung — gas iliumination. Illumination mit Luegerbüsten, Blumenstöckeln, merk' ich mir auch. Gaserzeugung — gasification, klingt beinahe wie Gratification, hab's scho'. Gasleitungsröhre — gasdeliveringpipe. Das ist ein verflucht schweres Wort. Na, die Gasröhr'n sein halt schwer. Gasmesser — Gasmesser? steht nit da! Messer heißt knife, folglich Gasmesser gas-knife. Vielleicht schneid' i mi da mit dem Messer a bissel. Macht nix. die Herrn Engländer werd'n mi scho' versteh'n, wann i orndtli' mit'n Geld außerruck, das heißt mit'n versprochenen Geld. No a paar von die allerwichtigsten, nothwendigsten englischen Wörter muß i mir gut einprägen. Gewähren — to aftord. Aff-fort, Aff-fort! Hab's scho'. Wie haßt denn nur glei ausschließen? Aha! w lock out, hinauslocken gewissermaßen. Der Herr Gemeinderath Brunner ist ausgeschlossen: Mr. Brunner is locked out, Dr. Stern is locked out, Dr. Mittler and Vogler are locked out — all, all jews locked out for three sessions! Für drei Sitzungen. Bravo, bravo! I kann's scho'! Rasch die Wörter gelernt. Das Geld — the money. Geld ist ein Hauptwort. Zahlen — to pay. Das is eilt Zeitwort, 's Zahlen hat allerweil Zeit. Zinsen — Interest. Eilt Verhältnißwort, wenn auch die Höhe der Zinsen nicht immer den Verhältnissen des Gläubigers angepaßt werden. Anleihe — loan (sprich lohn). Der Lohn der eifrigen Bemühungen, offenbar ein Bindewort, denn durch die Anleihe ist man gebunden. Der Jude — the jew. Ein Eigenschaftswort, nichts anderes. Für den Antisemiten wenigstens. Stets Object — des Angriffs. Miether — lodger. Anch ein Eigenschaftswort, namentlich in städtischen Häusern. Ist steigerungsfähig. Jetzt muaß i aber glei' die englischen Sätz' übersetzen, die mir der Doctor Rabenlechner aufg'eben hat. Sonst, wann er zu der Lection kommt und i Hab' die Aufgab' nit g'macht, wird er wild. I, der Herr von Wien, muaß auf meine alt'n Täg no Englisch lernen. Hätt 's nia glaubt. Alsdern, geh'n ma 's an und Übertrag'» wir das Zeug nur munter in die harbe Weanersprach. Er hat sich eigens die Müah g'nommen, eine eigene Grammatik, frei nach Ollendorf für mi zu verfass'n, damit i do mit die englischen Herrn red'n kann, wann's kumman .... Der Hunger der Kinder der Schule von Favoriten nicht thut weh mir. — Die Concurrenz der Anstalt der Versicherung des Brandes des Schadens des Landes immer ist gewesen eine streng loyale und anständige in der That. — Hast Du gehört sprechen den Gregorig neulich, ein Mann von hoher Bildung, reichem Wissen und einer edlen Form des Ausdrucks, welche muß bezeichnet werden mit dem Worte gewählt. — Das Sodawasser bei dem Wirthe des Namens Wimberger wird getrunken zur Erhaltung der Gesundheit in abgesonderten Kammern. — Neumayer und Strobach sind zwei Männer von vielen Talenten, aber jedes anders in seiner Art; Jener stiftet oft an Verwirrungen, Dieser streitet herum gerne mit den Kutschern der einspännigen Fahrzeuge. Jener hat ein ausgesprochenes Talent zu leiten Versammlungen, Dieser sich zeichnet aus durch kräftige Worte. Wohl, Lehrer, welche nicht find antisemitisch, müssen gebracht werden aus der Schule heraus. — Hast Du gesehen nicht den Zahnstocher des Prinzen Liechtenstein? Nein, aber ich habe gesehen das große Schächtmesier des Abgeordneten Schneider. — — — Verflixter Kerl das! Na, so was!! Wart' nur! Kumm nur! — — Was nutzt mir mei' Giften, die Gasg'schicht'n muaß i halt do durchstudir'n. Die schölten Röhren des Gases aus Eisen herum liegen lange Zeit auf alle»! Straßen, Gassen und Plätzen von der schönen Stadt von Wien. Daneben aufgeschüttet sind hohe Erdhaufen, zu verhindern, daß man nicht mag fallen hineilk in die Gruben, welche gegraben sind ziemlich tief von den ausländischen Werkelmännern. Und die Leute der Geschäfte haben lebhafte Freude über die Hebung der Erde von Wien. Die kleinen Leute sich beklagen zuweilen, daß sie nicht mögen können zu schauen hinüber über die Haufen aus aufgeworfener Erde, welche sind hoch und breit. — Mir scheint, er tvill mi frozzeln. Na, wart'! — Warum hat der Herr Bürgermeister von der Stadt Wien gesagt zuerst, er nicht wolle haben englische Männer, zu machen Geschäfte mit ihnen und nun er laufe nach kriecherisch — verflixter Kerl! — ihnen und bittend sie, zu machen wieder Geschäfte mit ihm und nicht zu sein böse mehr mit ihm? Warum das? John Bull hat erbarmt sich selbst und geöffnet seine Tasche und gegeben großmüthig (sehr großmüthig! na i dank'!) dem Herrn Lueger ein Stück von Geld, zu machen schönes Gas für Leuchten. Die Juden von Wien nicht haben wollen geben, weil sie sind unpatriotisch und nicht haben Lust, zu verlieren ihr Besitz, zu machen davon schönes Gas. Zuerst haben gerufen der Herr Doctor Lueger: „Hinaus mit den englischen Männern!" und nnn er ist rufend ganz laut: „Herein mit den englischen Männern!!" Warum er doch ist thuend so?! Johann Jacob Wendehals. - Vom Jahrmarkt des Lebens. Rumänische Anleiheverhandlungen. Aus Berlin wird uns telegraphirt: Die Verhandlungen der rumänischen Regierung mit der D i s c o n t o - G e s e l l s ch a f t und Bleichröder wegen Abschluß einer vierpercentigen Anleihe von 220 Mill. Francs haben noch nicht zum Ziele geführt. Voraussichtlich werden die beiden betheiligten Bankfirnien Garantien dafür verlangen, daß nicht wieder Excesse herbeigeführt und regierungsseitig geduldet werden, die den Wohlstand Des Landes mtd damit die Interessen seiner Gläubiger zu beeinträchtigen drohen. Die freiconservattve „Post" hat in einer Besprechung der Sachlage nicht nur gegen die Forderung von Bürgschaften gegen antisemittsche Ausschreitungen nichts einzuwenden, sondern das Blatt gibt ferner zu bedenken, daß von der rumänischen Regierung beansprucht werde, sie möge die Bestellungen auf Dinge, die dem Lande gelten, bei der deutschen Industrie machen, damit das in Rumänien untergebrachte deutsche Capital wieder in bestimmter Weise nach Deutschland zurückfließe. Ein Land, welches über alle Verpflichtungen des Völkerrechtes cynisch sich hinwegsetzt, darf das Vertrauen einer Anleihe gar nicht beanspruchen. Rumänien wird alle neuen Verpflichtungen in derselben Treue ausführen, wie die Verpflichtungen des Berliner Congresses. Prestvurger Martinigänse «nd Wiener Schinken. Wie bekannt, liefert alljährlich zu Martini nach altem Herkommen die Preßburger israelittsche Gemeinde durch eine Deputatton eine Anzahl von Gänsen für die kaiserliche Hofküche ein. Unter Bezugnahme auf diesen Brauch ist nun die Genossenschaft