Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-14 · 2 (14.1.1898) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021226--07478-3031808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 8 Vr. BUnV» VtzntzrnfchrM Geile 7 O s ch i n s k i ein Comits zusammen, um arme» und bedürftigen jüdischen Kiudern durch eine Beschenkuug eine würdige Channka- Freude zu bereiten. — Der Rittergutsbesitzer Dr. Ferdinand G u r a d z e ist heute nach kurzer Krankheit verstorben. Derselbe gehörte seit einer Reihe von Jahren dem Borstande der hiesigen Synagogengemeinde an. Amsterdam. Einer der beliebtesten, geschicktesten und kenntnißreichsten Aerzte unserer Stadt, Herr Dr. Da Costa Gomez de la Pen ha, feierte vorgestern sein fünfzi gjäriges Doctorjubiläu m, aus welchem Anlasse sämmtliche hiesige Blätter ehrende Artikel über die Verdienste, die menschenfreundliche Hingebung und Selbstlosigkeit des allverehrten Arztes veröffentlichten. Constantinopel. Robert M i s r a ch i Esseudi, Dolmetsch in Adrianopel, ist zum Director der politischen Angelegenheiten der Provinz ernannt worden. — David und Menachem L e v i in Janina haben den Osmanie-Orden, Isidor Gerson in Constantinopel den Medschidie-Orden erhalten. Washington. Die Chancen für Passirung einer Bill zur Beschränkung der Einwanderung sind thatsächlich günstiger als selbst die ärgsten Nativisten zu hoffen wagten. In beiden Häusern des Congresses ist man fast einmüthig für Restrictionsmaßregeln und die beiden im Haus und Senat eingereichten, im Wortlaut fast gleichen Bills werden sicher denmächst angenommen werden. Meinungsverschiedenheiten existiren überhaupt nur über unbedeutende Details. Eine Bill zur Beschränkung der Einwanderung wird im Haus eine genau so große Majorität finden, wie die Stone-Bill im 54. Congreß. Damals war die Majorität ungefähr 150 Stimmen. Fast alle Repräsentanten scheinen den sogenannten Bildungstest zu wünschen. Da die Stellung des Präsidenten in der Einwanderungsfrage hinlänglich bekannt ist, so existirt thatsächlich die Gewißheit, daß innerhalb der nächsten Monate eine Vorlage zur Beschränkung der Einwanderung zum Gesetz erhoben wird. New-Aork. Herr William H. Cohen ist zum Richter am obersten Gerichtshöfe für den ersten Bezirk des Staates New-Iork ernannt worden. Feuilleton. Chanukralichtchen. Aus einenl Frauenlebeu. Von Regina N e i s s e r. (Schluß.) Frau Kroneck hat sich allmälig von ihrem Staunen erholt, die Kinder blicken wie verzückt, geblendet auf die edle, hoheitsvolle Erscheinung, die sich ihnen als ein irdisches Menschenkind zeigt, Hut und Mantel auf den nächsten Stuhl legt, Messer und Korkzieher fordert und sanft sagt: „Gute Frau Kroneck, die Kinder werden hungrig sein; bereiten Sie schnell Thee, ich helfe Ihnen." Sie bringt zuerst dem kranken Manne ein Glas Wein, das seine Lebensgeister erfrischt; er wähnt, Feenhände reichen ihnl den belebenden Trank und flüstert: „Möge der Herr Ihnen Ihren Edelmuth lohnen." Sie schneidet unermüdlich Brodschuitten und bestreicht dieselben; so ärmlich diese Häuslichkeit auch, so anmuthig deucht sie ihr; sie denkt, ach, gewiß nur zu richtig, die armen Kinder sind wohl noch ohne Vesperbrod. Die Mutter hat mittlerweile draußen ein Feuer angezündet; ehe das Wasser kocht, kehrt sie in das Zimmer zurück; sie traut ihren Augen kaum, ein Laut der Bewünderung entfährt ihren Lippen, als sie die schöne fremde Frau so lieblich geschäftig walten sieht. „Welche Güte, welche Ehre, gnädige Frau! Sie bringen Licht und Sonnenschein in ein durch Krankheit und Sorgen verarmtes, verfallenes und verdüstertes Haus. Wo finde ich Worte des Dankes!" flüstert die abgehärmte Frau in tiefer Bewegung. „Ich habe nur zu danken, daß Sie mich hier gewähren lassen", gibt Leonie sanft zurück. „Man nennt mich reich, vom Geschick bevorzugt, und ich bin auch beneidenswerth als die geliebte Gattin des edelsten, besten Mannes; aber Sie, liebe Frau Kroneck, sind ungeachtet ihres sorgenvollen, kummerschweren Herzens'doch die bei weitem reichere von uns. Gott gab Ihnen fünf blühende Kinder; ich hatte nur eins, und dieses, meines Herzens Abgott, forderte er wieder zurück! Könnten Sie Vertranen genug fassen, liebe Frau Kroneck, mir Mariechen zu überlassen", fuhr sie bittend fort, während Thränen in ihre schönen Augen stiegen. „Ihr Kind soll Ihnen nicht entzogen werden, ich will es hüten, pflegen und erziehen iu Liebe zu seinen Eltern, in Gottesfurcht als mein theures Pflegekind. Gott führte nlir das Kind iu den Weg, es war ein Fingerzeig von ihm. mir. Ihnen wohl zu thun. Seit Jahren dringt mein Mann in mich, mir eine jugendliche Gefährtin, eine Gesellschafterin zu nehmen, ich lehnte es jedoch stets ab; ich weiß, mein Mann wird meinen Entschluß billigen, gutheißen, Mariechen an unser Haus, an mein Herz zu fesseln." Mariechen hat sich dicht an die schöne fremde Frau geschmiegt und ihre feine Hand erfaßt. Der kranke Mann, die abgehärmte Frau sind zu Thränen gerührt; es war nicht Zufall, es war Gottes Fügung, daß Mariechen auf einsamer Wanderung diesen Engel in Menschengestalt fand. Welche Milde, welche Holdseligkeit, welche Bescheidenheit! Die schöne Frau bemüht sich ihnen klar zu machen, daß sie es als eine Gunst von ihnen erbittet, Mariechen erziehen zu dürfen, sie will ihnen nicht als die Gebende, sondern als die Empfangende erscheinen. Und dennoch, die armen Eltern können sich nicht leicht von ihrem geliebten. Kinde trennen; ein jedes ihrer Kinder ist ein Stück Leben ihres eigenen Lebens. Aber die schöne Frau darbt inmitten ihres Reichthums, ihres Glückes, die Gattin eines berühmten, edlen Mannes zu sein, an den köstlichsten Erdenfreuden eines Menschen, eines Frauenherzens. Es wäre grausam, ihr diese Gunst zu versagen, ihr von ihrem größeren Reichthum nicht mitzutheilen. Und wie sagte doch die holde Frau? „Ihr Kind sott Ihnen nicht entzogen werden; in Liebe zu seinen Ettern will ich es erziehen." Leonie sieht und ehrt den Kampf, den die Eltern, ohne Worte einander verstehend, ausfechten. Gespannt blickt sie von dem kranken Manne zu der abgehärmten Frau: ersterer winkt ihr mit bittender Geberde näher an sein Bett. „Möge der Herr Sie segnen! Ihnen vertrauen wir gerne unser Kind an", flüsterte er leise wie ein Hauch. Leonie faßte in festem Druck die fieberheiße abgezehrte Männerhand, die hartgearbeitete kleine Frauenhand; dieser stumme Händedruck ist ihnen der beredteste Dank, das feierlichste Gelübde; sie sind überzeugt, Leonie wird jederzeit über das Kind wachen, für dasselbe einstehen. Wirst Du mir gern und freudig folgen, mein liebesKind? fragt Leonie sanft, thränenden Blickes. „Du sollst oft Deine guten Eltern besuchen, Deine lieben Geschwister werden oft zu Dir kommen", setzt sie herzgewinnend freundlich hinzu. Zwei weiche Kinderarme schlingen sich fest um Leonie's Hals, ein kleiner rosiger Mund bedeckt ihre Wangen mit heißen Küssen, die blauen Kinderaugen strahlen in hellem Glanze, bebende Lippen flüstern: „Ich habe Dich so lieb, Du schöne, gute Fee!" Leonie hat zuerst das ruhige Gleichmaß wiedergefunden; sie wendet sich an Frau Kroneck und sagt sanft: „Darf ich mir noch Ihr Vertrauen erbitten, mir Einiges aus Ihrem Leben zu erzählen." ^Die Tochter eines Lehrers, selbst Lehrerin, hatte Frau Kroneck ihren Mann, den Buchhalter eines bedeutenden Handlungshauses kennen und lieben gelernt. Jahrelang hatten sie ein bescheidenes, durch die Kinder erhöhtes Glück genossen, konnten bei Fleiß und Anspruchslosigkeit Ersparnisse zurücklegen. Da fallirte vor drei Jahren das Handlungshaus und fast zu gleicher Zeit fing ihr Mann an zu kränkeln. Eine leichtere passende Stellung zu finden wollte ihm durchaus trotz aller Bemühungen nicht gelingen, die Krankheit machte Fortschritte, ihn leider bald ganz arbeitsunfähig. Alle Ersparnisse wurden aufgezehrt, die besseren, entbehrlichen Gegenstände allmälig verkauft, eine billigere, kleinere Wohnung war längst genommen; doch hatte sie bis jetzt, wenn auch mühevoll, noch immer den kranken Mann, die Kinder durch ihrer Hände Arbeit vor Mangel schützen können. Schlicht und einfach, mit Thränen in den arbeitsmüden, gerötheten Augen hatte Frau Kroneck gesprochen, nun schloß sie mit den Worten: „Wenn die Roth am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten. Da sandte Gott Sie, gnädige Frau, als guten Engel in unser Haus und mit Ihnen zieht neuer Lebensmuth in unsere Herzen!" Gerührt, erschüttert hat Leonie der Erzählung der verhärmten Frau gelauscht. Wie richtig sagt doch der unsterbliche Dichterfürst, der große Menschen- und Herzenskenner: „Greift

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.