Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 2 (14.1.1898)
- Date
- 1898-01-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite. 34 Vr. Klortz's Svoürenfrtzrtft 'Jt\ 2 der sich durch die Herausgabe eiues wichtigen historischen Quellenwerkes bekannt gemacht hat. — Aus I ekat er i n o s l a w berichtet der dortige amtliche „Gouvernements-Anzeiger", daß dieser Tage für die Delegirten, die dieses Gouvernement zur Beglückwünschung Sr. Majestät des Kaisers gelegentlich Seiner Vermählung entsandte, 18 Orden aus Petersburg eingetroffen sind. Zu den Tecorirten gehören auch sechs unserer Glaubensgenossen, und zwar aus Jekateriuoslaw der Rabbiner, Herr S. S ch o ch u n, der Stadtverordnete Herr M. M e i d a n s k i und der Rechtsanwalt W. L o w a n d a, ferner aus der Provinz die Herren L o e w e n st e i n, W e r ch o l e s und M u k a z e r. — In Lodz waren nach einer dortigen Blättermeldung am Ende des Schuljahres 1897 von den 632 Schülerinnen des Mädchen-Gymnasiums 332, von den neu aufgenommenen 181 Schülerinnen 58 Jüdinnen. — Aus P r u s ch k o w, einem Dorfe bei Warschau, wird dem „Hazefirah" geschrieben, daß dort seit vielen Jahren eine kleine Anzahl j ü d i s ch e r B a u e r n in bestem Einvernehmen mit ihren polnischen Nachbarn leben. Auf dem Gemeindetage wurde kürzlich der jüdische Bauer M. Gutowitsch emstimmig zum G e m e i n d e ä l t e st e n ernmhlt. 8. London. Am 2. Jauner fand die Monalsversammlung der Anglo Jewish Association statt, in der verschiedene neue Berichte aus dem Orient mitgetheilt wurden. Aus Persien kommt die betrübende Botschaft, daß Anfangs November die Geistlichkeit in Teheran wieder die Hetze gegen die Juden begonnen hat. Auch Placate an den Straßenecken forderten zu einem Massacre der Juden an dem Geburtstage des Schah auf. Die Behörden sind zwar sofort eingeschritten, auch der englische Geschäftsträger begab sich sofort zum Schah und sandte nach der Audienz seinen Secretär in das Judenguartier, um den geängstigten Juden zu sagen, daß sie ruhig bleiben dürften. Trotzdem und obwohl der Großvezier Emin Dowlah ein Freund der Juden ist, sind dieselben doch äußerst beunruhigt. Die Anglo Jewish Association wird sich gemeinsam mit dem Board of Deputies bei dem englischen Geschäftsträger für seine raschen Maßregeln bedanken und seine fernere Hilfe erbitten. Ferner liegen sehr günstige Berichte vor über die Schule in Bassorah, wo der Unterricht so vollständig im Argen liegt und die von 150 Knaben besuchte Anstalt die einzige Schule ist. Ebenso günstig lauten die Berichte aus Bombay. in welchem Orte 221 Knaben und 85 Mädchen die Schule der Anglo Jewish Association besuchen. Das Couritö wird daher die Subvention für diese Anstalt auf 2500 Mark per Semester erhöhen, an solchen Subventionen wird ferner bewilligt 400 Mark für die Mädchenschule in Bottuschani und 800 Mark für die Talmud-Thoraschule in Smyrna. An die Mädchenschule der Anglo Jewish Association wird eine neue Lehrerin gesandt werden, leider fand sich keine Jüdin zu diesem Posten und au dieser jüdischen Schule muß daher eine Christin angeftellt werden. Endlich theilte das Executiv-Comite der Anglo Jewish Association noch mit, daß das Ministerium des Aeußern auf Ersuchen des englischen Consuls, sich über die Haltung der Rabbiner in Jerusalem gegenüber der englischen Mission beschwert hat. Das Executiv-Comite hat deshalb zwei Briese an den Oberrabbiner und an Lord Salisbury gerichtet: in dem ersten spricht die Anglo Jewish Association demselben ihre Anerkennung aus, für seine Haltung gegenüber der Mission, warnt aber dringend vor ungesetzlichen Maßregeln; in dem zweiten schreibt die Anglo Jewish Association an Lord Salisbury den wahren Sachverhalt der Vorgänge in Jerusalem und betont das Recht der Nothwehr der Juden gegenüber den Schlichen der Mission. Die Haltung der Anglo Jewish Association in dieser Angelegenheit verdient volle Anerkennung. B. London. Unsere Presse bespricht die Bemühungen der Juden, in Cypern Colonien zu errichten, sehr wohlwollend. Richtig ist, daß in diesem Eiland schon zwei Unternehmungen von Juden verunglückt sind, jedoch war die damalige Gesellschaft Ahawats Zion aus lauter Personen zusammengesetzt, welche von der Bodenbearbeitung nicht das Geringste verstanden; die Leute aber, welche gegenwärtig dorthin auszuwandern beabsichtigen, sollen alle schon etwas vom Ackerbau verstehen und tüchtige Arbeiter sein. Die Regierung wird freilich nicht mit Geld, wohl aber mit Rath oder sonstiger Hilfe den Ansiedlern gern zur Seite stehen, vorausgesetzt, daß die Jewish Colonisation Association die nöthigen Gelder bewilligt. Dieselbe hat neuerdings außer M. Walter Cohen von London auch M. Nugo aus Jaffa dorthin gesandt, um diese Frage zu studiren. 6. Rom. Das officielle Organ der päpstlichen Partei, der »Osservatore Romano«-, von dem man behauptet, daß er nichts ohne officielle Genehmigung der höchsten Geistlichkeit bringt, predigt neuerdings wieder in den schärfsten Ausdrücken den Judenhaß. Er sieht in den Excessen gegen die Juden in Frankreich, Böhmen und Rumänien nur die strafende Hand Gottes. Für die Stimmung in den päpstlichen Kreisen Roms äst eine solche Auffassung charakteristisch. 8. Corfu. Die hiesige Gemeinde beklagt den Verlust eines ihrer besten Mitglieder, des Herrn Marchetto Besso. Er war bei Christen und Juden gleich beliebt- und sein Begräbniß legte Zengniß für die allgemeine Liebe ab, deren er sich erfreute. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Nationalitäten auf unserer Insel haben sich überhaupt gebessert. 8. Hongkong. Auch unsere Insel hat eine jüdische Gemeinde, wie fast alle englischen Colonien. Dieselbe ist freilich klein und zählt nur circa 150 Seelen, 52 Männer, 26 Frauen, 25 Mädchen und 40 Knaben, sie besitzt auch eine kleinere Synagoge, in der zum Bersöhnungstage 57 Erwachsene und 10 Kinder versammelt waren. Freilich nicht die ganze Gemeinde. Die Mehrzahl der Gemeinde ist arm, sind doch nicht weniger als 40 männliche Personen in dem einen Geschäft von Messieurs Sassoons angeftellt, aber trotzdem besteht auch hier ein Zweigverein der Anglo Jewish Association. 6 Oran. Am 23. December kam im hiesigen Schwurgericht abermals eine antisemitische Angelegenheit zur Verhandlung. M. P f e f f a u, ehemals Major der französischen Artillerie und Officier der Ehrenlegion, gegenwärtig Vicebürgermeister von Oran und Mitarbeiter des schlimmsten antisemitischen Hetzblattes des „Petit Africain" klagt gegen Bidal Chalom, Herausgeber des „Colen Arauais" und Israeliten, weil ihn dieser in sehr heftigen Ansdrücken beschuldigt, die Excesse vom letzten Mai angestiftet zu haben. Diese Klage war schon einmal zur Verhandlung gelangt und hatte, es war noch zu Zeiten des verflossenen Generalgonverneurs Cambon, mit einer Verurtheilung von Chalom zu zwei Monaten Gefängniß und 10.000 Francs Buße an den Beleidigten geendet. Auf Appellation des Verurtheilten hob der Cassationshof diesen Spruch auf und am 23. December fand die neue Verhandlung statt. Für Pfeffau plaidirte B o g r o s auf Bestätigung des früheren Urtheils, während L a d m i r a l, einer der ersten Advocaten in Algier, die Sache des Beklagten führte. Die Nachsicht des Präsidenten gestattete dem Ersteren, eine rein antisemitische Rede zu halten und provocirte dadurch lebhafte Unruhe im Gerichtssaal. Mr. Ladmiral wußte indessen durch sein geschicktes Plaidoyer die Stimmung der Geschwornen zu ändern und obgleich auch der Procnrator (Staatsanwalt) ebenfalls auf scharfe Bestrafung plaidirte, weil man die Herren von der Presse an einen anständigen Ton gewöhnen müsse, so begnügten sich die Geschwornen mit einem Schuldig unter mildernden Umständen. Das Gericht verurtheilte darauf Chalom zu acht Tagen Gefängniß, 100 Francs Strafe und 100 Francs Buße an den Beleidigten, doch wird derselbe sofort Appellation einreichen und hofft schließlich doch ganz frei zu kommen, obwohl er sich in der Form arg vergriffen hat. 8. Jerusalem. Am 19. December fand-unter großer Theilnahnie die Einweihung der neuen Anbauten bei der Alliance- Schule statt. Mr. Benedict hielt die Einweihungsrede, nachdem der Chacham Baschi Oljuschar die Ceremonie durch ein hebräisches Gebet und Predigt eröffnet hatte. Benedict zollte den Leistungen Nissim Behars seine volle Anerkennung und sprach die Hoffnung aus, daß derselbe jetzt für die sephardische Gemeinde in der heiligen Stadt, deren Vorstandsmitglied er geworden ist, ebenso nützlich wirken werde, als bisher für die Alliance. Die neuen Leiter der Schule, Mr. Antebi für den technischen, Mr. Levy für den wissenschaftlichen Theil, sowie Madame Antebi für die Hauswirthschaft werden sicher allen Ansprüchen gerecht werden trotz ihrer Jugend. Rabbi Jacob und Vir. M. A. Riolin folgten mit hebräischen Reden und das Abendgebet und Anzünden der Chanukalichter schloß die schöne Feier. — Eine wichtige Nachricht ist tu diesen Tagen hiehergelangt, der bekannte. Protector hat seine Administration angewiesen, wo nur irgend. angängig, Juden als Arbeiter anznstellen, auch wenn ihr Tagelohn ein höherer ist, als der der Fellachen, denn er ist willens, diese Differenz zu tragen, die zum Theil wieder einkommt durch die größere Leistung, zu der bei den meisten Arbeiten die Juden vermöge ihrer höheren Intelligenz befähigt werden. — Wie nöthig