Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 2 (14.1.1898)
- Date
- 1898-01-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Vr Vloch's VoryenMrrist Seite 33 Nr. 2 z,wenn er bei der Beürtheilung, welche Rüstung Deutschland brauche und ertragen könne, den Generalen lieber folge, als dem Führer der Volkspartei Eugen Richter." In der schwebenden Frage selbst faßt er seine Darlegungen in folgenden Schlußsätzen zusammen : „Die Juden selbst haben für ihre Glaubensgenossen im Osten Europas allerhand coloniale Pläne in Kleinasien; einige Anfänge sind schon gemacht worden, und einige Tausend Juden sind in Palästina angesiedelt worden, aber alle diese Gründungen hängen gleichsam in der Luft, weil dort eine geordnete Landesberwaltung fehlt. Was nützt das Wohlwollen des Türken, wenn er durch seine Mißverwaltung jedes Land, über das er sein Scepter hält, ruinirt, wenn er friedlicher Arbeit gegen räuberische Angriffe keinen Schutz gewährt? So können wir uns nur mit Zittern freuen, wenn über das Gedeihen der jüdischen Eolonien gute Botschaft kommt. Ueberdies, wie lange wird diese türkische Herrlichkeit dauern! Diese Frage ist freilich schon ein Jahrhundert alt und darüber, aber sie kann doch an einem Tage entschieden werden, und der Russe rückt dann vor, und die eben erst der russischen Geißel entronnen sind, fallen ihr auf's diene anheim. Als jüngst in französischen und englischen Blättern Theilungspläne, die das gegenwärtige türkische Reich betrafen, besprochen wurden, fanden wir Frankreich, Rußland und England als lachende Erben ani Bette des kranken Mannes, an Deutschland dachte Niemand. Wie rasch würde sich dies ändern, wenn es eine stattliche deutsche Flotte gäbe! Jetzt liegt für uns Kleinasien wie in einer fremden Welt; es wäre uns sehr nahe gerückt, und wir könnten daran erinnern, daß wir auch da sind, wenn deutsche Schiffe in achtunggebietender Zahl und Größe im Mittelmeere vorhanden wären. Hat der Russe nicht auch ohne Kleinasien genug? Welch' ein glänzendes Neu-Deutschland könnte sich auf diesen Stätten einer uralten Cultur erheben! Von diesem Boden wissen wir, daß auf ihm nach einer Erfahrung von Jahrtausenden eine Cultur möglich ist, während in den Wildnissen Afrikas jedes ColonisireN ein unsicheres Experimentiren ist. Dann wäre den Russen ein Halt geboten und die jüdischen Eolonien brauchten die gefährliche Umarmung durch die Macht des Czaren nicht zu fürchten. Kleinasien unter deutschem Scepter würde auch größere Mengen russisch-jüdischer Ansiedler aufnehmen, die dort sicherer wohnten als irgendwo. Denn der Deutsche würde die Bürgschaft der Ordnung in diese Lande bringen; was ist aus Bosnien geworden, seitdem Oesterreich dort das Regiment führt, und Vorderasien ist doch noch in ganz anderer Weise von der Natur gesegnet. Die glücklichsten Aussichten für das deutsche Volk eröffnen sich, wenn es ihm vergönnt wäre, ein so nahe gelegenes Land der Cultur zurückzugewinnen und für den Strom der jüdischen Auswanderung gäbe es dort ganz andere Hoffnungen, als unter dem Regiment der Türkei, dem jede Kraft, sei es zu nützen, sei es zu schaden, fehlt. Aber nur wenn Deutschland auf dem Meere herrscht, sind solche Pläne mehr als Luftschlösser. Wir wissen, wie unser Kaiser seine ganze Kraft einsetzt, um diesen Plan, eine mächtige Flotte herzustellen, zu verwirklichen; es wird ihm zweifellos gelingen; sollen wir deutsche Juden zu den vielgeschmähten Nörglern gehören und bekritteln, statt zu helfen? Diese Flotte soll kein Paradestück werden, sondern ein starker Factor in der Entfaltung des deutschen Volkes, das jetzt bei allem Ruhme wirthschaftlich leidet. Uns Juden kann es gar nicht gleichgiltig sein, wenn die wirthschaftliche Lage des Landes sich zum Vortheil verändert. Wir sind nicht nur als deutsche Bürger bei diesen Erwägungen betheiligt, sondern auch als Israeliten; denn das Mißbehagen, das durch den erschwerten Erwerb entsteht, wendet sich zuerst gegen die Inden. Aber der deutsche Israelit spielt auch, wenn er sich in einer so wichtigen Angelegenheit in schroffe Opposition zu den kaiserlichen Plänen setzt, um einen weit größeren Einsatz als die deutsch-freisinnige Partei. Wir sind schon jetzt vielfach bedrängt, viele rohe Patrone in den sogenannten höheren Ständen warten nur auf ein Zeichen von oben, um uns unser Judenthum nur noch härter fühlen zu lassen. Es geht oft nicht anders, daß wir um Rechts und Gewissen willen einzelnen Maßregeln der Regierung entgegentreten müssen. Aber die Frage, wie groß unsere Flotte sein muß, gehört in das Gebiet der Technik, und das Gewissen braucht sich nicht beschwert zu fühlen, wenn wir hier uns der höchsten staatlichen Autorität, die von den tüchtigsten Sachverständigen berathen ist, unterordnen. Wir sollen als Staatsbürger zuvörderst an das deutsche Vaterland denken; aber wir können doch unser Judenthum nicht ganz vergessen; wir dienen beiden am besten, wenn wir die Freunde der deutschen Marine so viel als möglich unterstützen." Berlin, 3. Jänner. Am 1. Jänner waren fünfundzwanzig Jahre verstrichen, seitdem Herr Professor Dr. James Israel, der Leiter der chirurgischen Abtheilung des jüdischen Krankenhauses, seine Thättgkeit an diesen! Institut begonnen hat. Zur Jubiläumsfeier haben sich außer der Familie ein großer Kreis von Verehrern des Gefeierten, darunter die Herren Professoren A. F r ä n k e l und Senator und eine Anzahl jüngerer Aerzte, eingefunden. Der Vorsitzende des Vorstandes Herr Stadtverordneter Louis Sachs hat in trefflicher Rede die Verdienste des Jubilars um die Anstalt geschildert und den Empfindungen der Dankbarkeit und Verehrung herzlichen Ausdruck gegeben. Wenn jüngst Herr Geheimrath von B e r gm a n n dem jüdischen Krankenhanse den Beinamen „das berühmte" gab, so habe an der Schaffung und Erhaltung dieses Ehrentttels nicht zum geringsten Theil Herr Professor Israel mitgewirkt, indem er als ein durchaus würdiger, ebenbürtiger Nachfolger seiner großen Vorgänger iit der Leitung der chirurgischen Abtheilung, der Meister Langen beck und B a r d eleben, sich bewährte und das Vertrauen glänzend rechtfertigte, das bei seiner Anstellung ihm entgegengebracht wurde. Drei Bewerber hätten zur Zeit die Stelle eines Assistenten erstrebt. Jsrael's Meldung kam zu spät, aber er brachte die trefflichsten Empfehlungen des Schöpfers der modernen Klinik Ludwig T r a u b e's und Langenbeck's und wurde gegen alle Ordnung angestellt, zum Glück für die Anstalt, die ihn seitdem mit gerechtem Stolz zu den Ihrigen zählt. Beredtester Beweis für seine Leistungen sei die Thatsache, daß er als ein kaum Dreiunddreißigjähriger auf die Befürwortung Langenbeck's zu dessen Nachfolger als dirigirender Arzt ernannt wurde. Welch' unermeßlichen Segen er seitdem in unermüdlicher Hingebung gestiftet, werde unvergeffen in den Annalen des Krankenhauses fortleben, und es sei nur ein schwacher Ausdruck der Dankbarkeit und Verehrung, wenn der Vorstand dem Jubilar eine künstlerisch ausgeführte Urkunde über eine Ehrengabe von 10.000 Mark zu einer „Prof. Dr. James Israel-Stiftung" überreiche, welche, um 3000 Mark, die der Gefeierte hinzusügte, vergrößert, für arme Heilungbedürftige Verwendung finden soll. Im Namen der früheren und der gegenwärttgen Assistenten feierte Herr Dr. K a r e w s k i den psadfindenden Lehrer und pfadweisenden Meister der Chirurgie und überreichte als Zeichen des Dankes das von dem Bildhauer Klein gefertigte Erzbild des Jubilars, das den Operationssaal schmücken soll. Tiefgerührt wies Prof. Israel darauf hin, daß er sich glücklich schätze, dazu beigetragen zu haben, daß wir in Deutschland jetzt eine bedeutende Schaar angesehener jüdischer Chirurgen besitzen. Es sei noch nicht allzu lauge her, daß ihm Langenbeck gesagt habe: „Ich kenne keine Chirurgen, die Juden wären, mit Ausnahme eines Einzigen, der wirklich Talent hat." Nachdem Herr Sanitätsrath Dr. Lazarus, der Leiter der inneren Abtheilung des jüdischen Krankenhauses, auf die Bereicherung hingewiesen, die Jsrael's chirurgische Thätigkeit auch der inneren Medicin gebracht, übermittelte Herr Geh. Sanitätsrath Dr. Boas die Glückwünsche des Vorstandes der jüdischen Gemeinde. Der Jubilar erwiderte, daß ihn zwar seine Berufsarbeit und wissenschaftliche Interessen gehindert hätten, sich am jüdischen Gemeindeleben zu betheiligen, daß er aber dennoch glaube, nicht zur Unehre des jüdischen Namens gewirkt zu haben. Warschau, 8. Jänner. Aus Petersburg wird gemeldet, daß die vom Unterrichtsministerium eingesetzte Special- Commission zur Revision der bestehenden Gesetze über die Juden beschlossen hat, dem Reichsrathe die A u f h e b u it g der unter Alexander III. geschaffenen percentualen Beschränkung der Anzahl jüdischer Zöglinge in den höheren Lehranstalten Rußlands vorzuschlagen. Wie verlautet, ist zum erstenmale seit fünfzehn Jahren mit kaiserlicher Ernennung ein Jude, Dr. S ch a p i r o, zum Professor und Leiter einer Klinik ernannt worden. Schapiro ist einer der tüchtigsten Mediciner Rußlands. Der Czar hat ihm das kaiserliche Spital „Helene" zur Leitung, eingeräumt. — Der ordinirende Arzt am St. Petersburger Alexander-Hospital Dr. I. T u w i m wurde _ zum Collegien-Assessor. die Aerzte am jüdischen Krankenhause in Warschau Dr. Rosenthal und Dr. Z i m m e r m a n n, ferner die Herren Dr. G i n z b e r g in Krestez und Dr. Fradkin in Jaroslaw wurden zu Hofräthen ernannt. — Eine neue Ackerbauschule für Juden wird demnächst auf Veranlassung der Herren Rubin und Rabbinowitsch in O r l o f eröffnet werden. An der Aufbringung der nöthigen Fonds haben sich auch Christen betheiligt; einer der ersten Zeichner war Graf Janishewitz, welcher 500 Rubel zur Verfügung stellte. — Der bekaimte Mäcen W. W i s s o tz k y in Moskau hat dem Odeffaer Zweigverein der „Gesellschaft für Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands" 4300 Rubel überwiesen, um damit einen Preis für die beste hebräisch-historische Arbeit zu begründen, welcher alle drei Jahre zur Verkeilung gelangen soll. Die ersten Preisaufgaben lauten: „Der Kosakenkrieg in Kleinrußland und Polen", und „Geschichte der neuhebräischen Literatur". — In M i n s k ist am 1. v. M. ein verdienstvoller jüdischer Gelehrter, N a f t a l i M a s k i l e i s o n, gestorben,