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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-14 · 2 (14.1.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 32 Nr. 2 Vr. Vwch'M MochrMWM nehmigt. In dieser Sitzung sprach der Stadtverordnete Herr S. ' C. Moder gegen diese neuerliche Erhöhung, der anfänglich mit fl. 360.000, später mit sl. 500.000 und nun auf fl. 820.000 erhöhten Baukosten. Er sagte, er stehe auf dem Standpunkte, daß man mit einer halben Million ganz gut das neue Kaiserbad Herstellen könne. Aber das Collegium genehmigte dennoch die fl. 820.000. Aber schon in der Sitzung vom 24. October 1894 verlangte der Stadtrath zu dieser erhöhten Summe schon wieder einen Nachtrag von fl. 29.300, so daß sich die gesammten Kosten schon auf fl. 977.000 und inclusive, des Grundes, der abzüglich des für abverkausten Grund eingegangenen Erlöses fl. 151.000 gekostet hat, ans fl. 1,128.000 stellten. Die wirklich verbrauchte und ausgegebene Bausumme betrug jedoch ohne die Grundeinlösung fl. 1,075155 81 und inclusive des Grundankaufes und aller anderen Arbeiten fl. 1,199 288 53 Mit einer Maximalsumme von einer halben Million wurde angefangen und rund mit Gulden 1,200.000 wurde aufgehört. Natürlich nahm auch das Architektenhonorar für die Herren Fellner und Helmer in Wien ein erkleMches Sümmchen, u. zw. fl. 38.000, in Anspruch. Hiernach kann sich Jeder, der noch seine süuf gesunden Sinne beisammen hat, selber an den Fingern abzählen, wie groß die Kostenüberschreitung beim „Kaiserbade" gewesen ist, aber nur sein in der Stille, damit keine Berichtigung darauf erfolgt." Daß Herr Bürgermeister Schäffler seine Villa gleichfalls von den - Wiener Architekten Fellner und Helmer erbauen ließ, daß er hiebei die Tischler- und Schlosierarbeiten nicht durch Karlsbader, sondern durch Wiener und Egerer Gewerbetreibende Herstellen ließ, hat er selbst zugestanden. So sehen die Männer aus, die es ruhig dulden, ja sogar in öffentlicher Sitzung ohne ein verdammendes Beiwort constatiren, daß die Juden Karlsbads als „S chädling e" bezeichnet und in ihrem Leibblatte in der gemeinsten Weise besudelt werden. Prag, 10. Jänner. Die Vorträge im Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums „Afike Jehuda" wurde in diesem Winter, Mittwoch Abend, am 5. Jänner, mit dem Bortrage des Herrn Rabbiner Dr. Nathan Grün eröffnet. Das Thema lautete: „Die israelitische Gemeinde in Prag im 18. Jahrhundert." Der Vortragende bot eine sehr intereffante, auf reiche Quellenstudien beruhende Schilderung des religiösen, politischen und socialen Lebens der Prager Judenschaft in dieser Zeit. Ausgehend von dem patriotischen Feste, welches aus Anlaß der Geburt des Erzherzogs Leopold, Sohnes Kaiser Karl VI., im Jahre 1716 von der Prager jüdischen Gemeinde gefeiert wurde, gab er ein höchst anziehendes Bild von dem damaligen Jeschibaleben und der Bedeutung der Prager Talmudschule für die Gemeinde. Als charakteristisch für die damalige Zeit-besprach er die Anordnungen des Rabbinats über den Besuch der Kaffeehäuser im Ghetto und gab hierauf eine anschauliche Vorstellung der Leiden der Juden während des schlesischen Krieges, wo die Juden Prags, trotzdem sie damals zu Kriegsdiensten nicht verpflichtet waren, freiwillig solche leisteten; sie ließen sich sogar nach einem in Wien erschienenen Berichte bei der Artillerie verwenden. Dieser Patriotismus wurde ihnen jedoch schlecht gelohnt. 1744 wurde die Judenstadt geplündert. Die mitgetheilten Berichte auch von nichtjüdischen Augenzeugen schildern in grauenerregender Weise die durch die Plünderung angerichtete Zerstörung, und ein Monat nach derselben langte der schreckliche Befehl zur Ausweisung der Juden aus Prag herab. Israel hat sich groß gezeigt in seinem Märtyrerthum, und die Glaubensstärke der jüdischen Gemeinde in Prag leuchtete im hellsten Glanze in dieser finstern Zeit. Das zahlreich erschienene, aus Danren und Herren bestehende Auditorium zollte dem lichtvollen und mit packenden Seitenblicken auf die Gegenwart versehenen Darstellungen lauten, wohlverdienten Beifall. M. W. Budapest, 2. Jänner 1898. Der in der Geschichte des ungarischen Israel immer denkwürdig bleibende Tag, an dem die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in Ungarn zum Gesetze erhoben wurde, jährte sich jüngst zum dreißigsten Male. Am 20. Deccmber 1867 wurde der Gesetzentwurf dem Abgeordnetenhause vom Referenten Kerkapoly in einer kurzen Rede zur Annahme empfohlen, worauf sich Koloman von Tisza erhob, um die Erklärung abzugeben, daß er seinen Gesetzentwurf, der den Juden die vollkommene Gleichberechtigung ertheilen sollte, nunmehr zurückziehe, damit „die Lösung der brennendsten Frage des ungarischen Parlaments keinen Aufschub erleide und die ungarische Nation je eher ihrer Ehrenpflicht Nachkommen könne." Ohne weithin tönendes rednerisches Festgeläute wurde der Gesetzentwurf sodann angenommen, ohne daß eine Abstimmung nothwendig war. Nach der noch am selben Tage im Oberhause erfolgten Annahme wurde der Gesetzentwurf sanctionirt und publicirt. Der „Gleichberechtigungder Israeliten in bürgerlicher und Politischer Beziehung" folgte erst nach achtundzwanzigjähriger Pause die Reception, wodurch die Gleichberechtigung der Juden eine vollkommene wurde. Budapest, 2. Jänner. Die Testamentsvollstrecker des vor zwei Jahren verstorbenen Industriellen ' Adolf M a ch l u p haben aus der Hinterlassenschaft dem „Ungarischen Rothe Kreuz- Verein" 434.000 Kronen zur Errichtung eines Reconvalescentenheims überwiesen, das den Namen.Ä. Macklup's tragen wird. Die Plätze werden gleichmäßig durch die Pester Cultusgemeinde, die Haupt- und Residenzstadt Budapest, das Landesvertheidigungs-Ministerium und den Verein besetzt, wobei zur Bedingung gemacht wird, daß die jüdischen Kranken rituell verpflegt werden müssen. Die Nachricht von dieser fürstlichen Stiftung erregt in allen Kreisen lebhaftes Aufsehen. — Eine interessante Statistik hat der verdienstvolle Secretär Dr. F. Mezey zusammengestellt. Von den 1430 neuen Mitgliedern, die sich in den Verband der Chewra-Kadischa aufnehmen ließen, sind: 35 Advocaten, 48 Aerzte, 24 Professoren und Lehrer, 7 Schriftstellers 15 Ingenieure, Bildhauer und Baumeister, 2 Apotheker, 5 Grundbesitzer, 1 Richter, 33 Privatiers, 428 Kaufleute, 267 Beamte, 14 Landwirthe, 186 Industrielle, 113 Handelsangestellte und Kleinhändler und 261 verschiedenen Berufes. Mit den neu aufgenommenen Mitgliedern zählt die Chewra 7646 Mitglieder. Szolnok. (Subventionirung eines Synagogenbaues.) Die hiesige Stadtvertretung . hat unlängst einen bemerkenswerthen Beschluß gefaßt. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hatte sich an die Stadtvertretung um eine Subvention zur Erbauung einer neuen Synagoge gewendet. Die Stadtvertrelung beschloß in ihrer kürzlich abgehaltenen Generalversammlung, nachdem der Bürgermeister und. mehrere christliche Stadtrepräsentanten das Ansuchen, befürwortet hatten, eine Anleihe von 60D00 fl. aüfzünehmen' und diese Summe der israelitischen Cultusgemeinde unverzinslich zur Verfügung zu stellen. Lemberg. (... aber gesund.)Die „Neue Revue" bringt folgende köstliche Notiz: Eine Annonce, die auf den ersten Blick auch den geübtesten Räthsellöser verblüfft haben mag, gelangte vor einigen Tagen in dem Krakauer Stanczykenblatte „Czas" zur Veröffentlichung. In dem Inserate wird der Verkauf eines großen galizischen Gutes angekündigt und dem präsumtiven Käufer unteranderen ihm winkenden Vortheilen auch die verführerische Chance in Aussicht gestellt, „die Besitzung aus jüdischen Händen zu befreien". Trotz dieses mehrspaltigen Appells an das antisemitische Pflichtgefühl zahlungsfähiger Patrioten enthält aber die Annonce einen Zusatz, der geeignet erscheint, die Freude rasch in ihr Gegentheil zu verkehren. Denn das Inserat verkündet nicht nur den Antisemiten die Möglichkeit, das Gut aus jüdischen Händen zu befreien, sondern gibt zugleich auch den Juden volle Gelegenheit, dasselbe Gut wieder in jüdische Hände zu spielen. In der Ankündigung heißt es nämlich zum Schluffe, daß vom Kaufbewerbe um das aus jüdischen Händen zu befreiende Gut: „Reflectanten jüdischen Glaubens nicht ausgeschlossen" seien. Wie man sieht, vereinigen sich in dieser vielseitigen Annonce Antisemitismus und confeffionelle Duldsamkeit zn einem sympathisch anmuthenden, neuartigen Gebilde. Mit seltener Concilianz wendet sie sich sowohl an die christlichen als auch an die jüdischen Hände, unter der selbstverständlichen Voraussetzung, hier oder dort dem zu begegnen, was hoch über allem ungesunden Confessionshader steht: dem Kaufschilliyg. Der Verfasser des Inserates vertraut nicht vorschnell der Tragkraft des antisemitischen Gedankens, sondern läßt sich weise das Hinterpförtchen zum Ghetto offen. Dieses Beispiel edler confeffioneller Toleranz sei hiemit allen Verkäufern zur Nachahmung wärmstens empfohlen. Berlin. Hier ist in dieser Woche eine Broschüre erschienen, die den Titel führt: „Die deutsche Flotteund die jüdischen Reichstags Wähler" (Berlin 1898. Verlag von Albert Katz.) Der anonyme Verfasser schildert das Verhältniß der Juden zu den fortschrittlichen Parteien mit Sachkenntniß und kommt zu der Ueberzeugung, daß der Jude nicht dem Liberalismus und nicht der liberalen Partei untreu werde,

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