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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-14 · 2 (14.1.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 28 Vr. Blmtz's Wochrnschrtfl. Rr. 2 Ln Anatole, wie Schnitzler bekennend, woher ihm die Anregung zu dieser seiner Lieblingsgestalt gekommen, diese seine Figur getauft hat. Und er hat den unermüdlichen Fleiß des Künstlers, der immer und an jede Arbeit sein Bestes setzt. Das Proletarierdrama hat uns Philipp Langmann gegeben. Er, der selber schwer in sich gerungen und gekämpft, hat in „Bartel Turaser" mit heiserer Stimme zu uns gesprochen von der ewigen Noch und wie schwer es ist, ehrlich und anständig zu bleiben, wenn man nichts zu essen hat, ohne falsches Pathos, aber mit einer furchtbaren Eindringlichkeit. Man horchte ihm gerne und man wird ihn immer mit Antheil hören. Auch bei ihm sind Hauptmann'sche Einflüsse, aber sie sind innerlich verarbeitet. Wir könnten noch viele Namen nennen. Aber wir wollten doch nur Typen aufweisen, Personen, die schon fest zu umschreiben sind. Es ist selbst in ihnen eine erstaunliche Mannigfaltigkeit — nicht Einer gleicht dem Anderen, und man staunt, daß es einer Mutter Kinder sein sollen. Manche davon haben sich ehrlich und tapfer arbeitend in die erste Reihe durchgeschlagen. Flügelmann ist allerdings Keiner: noch Keiner hat das Losungswort ausgegeben, das Andere bestimmt und gelenkt hätte. Sie Alle aber muß man mit allen Ehren nennen, wenn man von der deutschen Dichtung und zumal vom Drama der Gegenwart spricht: nicht Einem von Fallstaff's Gesellen konnte man bei dieser Musterung aufftoßen. Uns will scheinen, es sei genug, ein so stattliches und so wehrhaftes Trüpplein auf die Beine gestellt zu haben, das Manches geleistet, das Biel verheißt. Denn noch ist Keiner, mit einer Ausnahme, anch nur vierzig Jahre alt unter ihnen. ' Nemo. ZU Hrrrl's „Ghetto". Berehrliche Redaction! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes lese ich verschiedene Recensionen über Dr. Herzl's „Neues Ghetto", und wollen Sie mir nicht als Recensenten, sondern als „Juden" gestatten, hieran einige Bemerkungen zu knüpfen. Ein Gefühl des Unbehagens ist's, das ich empfand, als ich die „Jüdinnen", die Dr. Herzl als das Prototyp Wieners?) Jüdinnen ausmarschiren läßt. Es gibt Gott sei Dank noch andere Jüdinnen in Wien, die anders denken, anders sprechen, als jene Börseanerinnen, die Dr. Herzl vorführt. Und erst sein Börseaner Wasserstein! Das ist auch kein Wiener Wasserstein! Wafferstein, der 300.000 Gulden im Handumdrehen verdient, weiß seine Generosität nicht anders zu documentiren, als daß er einem Stubenmädchen fünf Gulden in zweideutiger Weise anbietet! Fehlgeschofsen mein lieber Dr. Herzl! Das erste, was Wasserstein in seinem Glücke unternimmt, ist, daß er Wohlthaten übt, das Geld mit vollen Händen hingibt. Da müssen die Functionäre aller humanitären Vereine, Krankenvereine, Rettungsgesellschast, der Verein zur Ausstattung alter arischer Jungftauen und der Bekleidungsverein für ftierende Kanarienvögel ausmarschiren — Alle — Alle werden reichlich beschenkt. Das ist der Wiener Börseaner Wasserstein! Ihn blos als Glückspilz hinzustellen, der blos leicht Geld ergattert, auf einen solchen Einfall sollte ein Bergani — nicht aber der Wieder- Entdecker Jerusalems, verfallen. Marcus. Zur Erziehung. Von Marcel Weis mann. Ueber Erziehung schreiben ist wohl gleichbedeutend „Eulen nach Athen ttagen". Nicht daß es die Pädagogik nicht verdiente, aber im Laufe der Jahrtausende ist so viel Gutes, ja Vorzügliches geschrieben worden, daß es unmöglich ist, diesen Arbeiten hinanzureichen, geschweige dem: sie zu überbieten. Es ist daher nur eine müßige Arbeit, über diese wenn auch erste Disciplin seine Zeit zu verlieren. Nichtsdestoweniger wird ein fürsorglicher Vater eklettisch Vorgehen, etwas besonderes „Apartes" für die Erziehung seiner eigenen Kinder versuchen, von dem er sich ganz Ersprießliches verspricht. Diese meine Kinder sind die Kinder unseres großen Volkes; ihrer Erziehung sind diese Wotte gewidmet. Wir sind jetzt in einer Zeit der „Bildung", wir arbeiten für die Zukunft unseres Volkes, wir wollen aus unsern in alle Windrichtungen verstreuten Brüdern eine Nation bilden. Wohlgemerkt! Eine Nation; die Religion hat ja bisher uns zusammengehalten, jetzt wollen wir andere einigende Momente, ohne daß wir die alten in die I Rumpelkammer werfen möchten. Da müssen wir ab oso beginnen, 1 mit der Erziehung der Jugend den Anfang machen. Bei den Alten > geht es ja wohl gar nicht, oder nur sehr schwer. Wenn man 30—4o Jahre gewohnt war, in einem gewissen, wenn auch voreingenommenen Sinne zu denken, so kann man jetzt nicht auf einmal anders, besser zu denken ansangen, man müßte denn ein Rabbi Mba sein. Und dann liegt ja die Zukunft eines Volkes in seiner Jugend, diese müssen wir gewinnen, vollkommen für unsere Idee gewinnen. Es ist hier nicht der Platz, der Reformen, welche Ms diesem Gebiete versucht wurden und sich auch bewährt haben, zu erwähnen. Doch noch ist nicht alles, gethan, man muß weiter schreiten^ weiter auf dieser reformatorischen Bahn. Zuerst räume Man gründlich mit der dummen Storchgeschichte auf. Warum anch das arme Kind gleich bei seiner ersten Regung des Bedürfnisses nach einer Gottheit belügen? Ist es viel plausibler dem Kinde ein Märchen aufzubinden, als ihm einfach und ernst zu sagen, „Der liebe Gott hat Dich zu uns geschickt, und Du wirst bei uns bleiben, wenn Du brav und rechtschaffen bist." Dieses ist doch der Wirklichkeit viel näher als die unsinnige Storchgeschichte, die sich nur deshalb einer solchen Verbreitung erfreut, weil sie unsere Denkfaulheit unterstützt. Wenn das Kind logisch dächte, würde es noch eine Frage stellen: wohin es später kommen wird? Das ist auch der Fall, wenn Kinder anwesend sind, wo Jemand stirbt. Und da gilt dieselbe Antwort: Zum lieben Gott! Ist dieser Vorschlag mehr allgemein menschlich als national, so ist der folgende besonders geeignet, die jüdische Idee zu fördern. Bekanntlich unterscheidet man biblische und postbiblische Feste; jene sind die von Moses festgesetzten, diese knüpfen sich an historische Begebenheiten. Die nachbiblischen Feste sollen nun zu nationalen Festen gestempelt und ihnen auch der Charakter solcher gegeben werden. Unsere zurückgehaltene und eingedämmte Heiterkeit könnte sich an diesen Tagen Luft machen, keine Bacchantenzüge, keine sinnberauschenden Orgien, aber vernünftige lülaritao und von Allen empfunden. Ich möchte gern wissen, ob der 25. Kislew nicht dem 14. Juli in gewissem Sinne die Waage halten kann? Hier wie. dort gilt es das Aufwachen einer edlen, bedrängten Nation aus ihrem Schlummer, um der Knechtschaft und Tyrannei ein Ende zu machen. Die Franzosen feiern den Tag der Einnahme der Bastille mit einer Pracht, die unbeschreiblich ist, und wir wissen nicht einmal, wann die Makkabäerhelden löwenmuthig ihr Blut für uns verspritzten. Diese postbiblischen Feste könnten auch ferner dazu verwendet werden, die Einwirkungen der christlichen Feiertage auf uns zu paralysiren. Nichts ist im Menschen menschlicher als das Aeffische, die Nachahmungssucht. Wir sind ohnehin gegen unseren Willen den Einflüssen unserer Umgebung Unterworfen Da nützt kein „für" und „wider", das ist nun einmal so und hat daher auch seine Existenzberechtigung. Die christlichen Feiertage mit ihrem sinnlichen Reiz üben auf uns mit der Zeit Einflüsse aus, die wenn auch nicht zur Assimilation, so doch zur Abstumpfung unserer nationalen Gefühle führen. Diesen Einwirkungen entgegenzuarbeiten, ist unserePflicht, wir müssen ein „Aequivalent" dafür schaffen, wenn schon nicht für uns selbst, so doch für unsere Kinder. Ihre ganze Phantasie füllt „Niklo" und das „Christkindl" aus. Beide greifen auch so sichtbar unsichtbar ein, daß man sich ihres Einflusses kaum erwehren kann. Darin ist eben der Katholicismus so bedeutend, daß er viel für's „Aeußere" thut. Er sucht dem lebensfeindlichen, verneinenden Urchristenthum etwas vom lebensfreudigen, bejahenden Hellenenthum hinzuzufügen, er mischt christlicher Fastencur heidnischen Freudentaumel bei. Daß das Heidnische als das mehr Menschliche von der großen Menge besser ergriffen wird, als das eigentlich Christliche, ist selbstverständlich. Man hält weniger strenge oder gar nicht die Fasten ein, aber man freut sich umso unbändiger auf den Christbau m, der ein Abbild der Weltenesche Uggdrasil ist, welche die Jduna-Aepfel ewiger Jugend trug. Von diesem christlich-heidnischen Weihnachtsfest, auf welchem eine ganz besondere Weihe ruht, empfängt das kindliche Gemüth unauslöschliche Eindrücke. Es wird auch kein Fest von. der Jugend so ersehnt wie gerade dieses. Und ein Jubel erfiillt die Kinderwelt, wenn sie sich um den schön geschmückten, hell brennenden Weihnachtsbaum tummelt. Um dieses Fest mit seinem eigenartigen Zauber werden unsere Kinder betrogen, und nur in Folge unserer Indolenz betrogen; bisweilen aber auch nicht betrogen, dann ist es noch ärger. In manchen Häusern ist es nämlich Usus, den Kindern zuliebe— bisweilen auch der Dienstboten wegen — einen Weihnachtsbaum zu haben. Es ist dann selbstverständlich, daß es Jahre bedarf, um die Eindrücke, die ein solches leicht empfängliches Kinderherz in sich ausgenommen, wieder zu verwischen. „Was thut man aber nicht, um den armen Kindern ein l bischen Freude zu machen, sie waren ja das ganze Jahr so viel brav" ist die stereotype Antwort, die man erhält, wenn. man das Falsche dieses Vorganges aufdeckt. Und doch ist es nicht nöthig, man kann „den braven Kindern eine Freude machen" und dabei keine Apostasie betreiben. Unser Chanukafest fällt nämlich so ziemlich mit den Weihnachten zusammen. Wie wäre es da, wenn wir diesem Fest den Glanz verschafften, der das Weihnachtsfest auszeichnet? Der innere Grund für dieses Freudenfest rm größeren Maßstab sind die glänzenden Makkabäersiege, die nicht verwelken noch verallen, gewiß von solcher Wichtigkeit wie die weltliche Und geistliche Bedeutung des Weihnachtsfestes zusammen. Auch oie „Aeußerlichkeiten" für diese Feier ließen sich mit Noth zusammenstellen: die Chanukalichter, schön arrangirt, könnten den brennenden Weihnachts-

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