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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-14 · 2 (14.1.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Vr. »lortz » ZvoÄrenl^rrM Seiie 27 die Tramwayfrage dazu — entweder wir' i no verrückt oder meschugge. Schlesinger: Ich habe des Problemen endgiltige Lösung gefunden. Wir behandelten es bisher analytisch, es erfordert aber Synthesis — Lueger: — Geld erfordert's, sonst nix! Schlesinger: Die Gas- und Tramwayfrage muß zu einer Einzigen umgeknetet werden. Die Gasröhren werden mit der Tramway geführt, Umsteigkarten haben wir ja glücklicherweise. Uebrigens könnten noch einige Straßenkehrer erspart werden. Es wird viel zu viel gekehrt — noch immer. Ich bin für das Mystische seit jeher gewesen. Lueger: Geh, Du bist an alter Plauschcr, ein Confusionsrath, schad' für die Zeit, die man bei Dir zubringt mit was Ernstem. Schlesinger: Ich seh's kommen. Es wird doch schließlich nichts anderes übrig bleiben, als mein — Volksgeld. Ob Du 30 oder 60 Millionen gebrauchest — des Gleichen, Gleiches. Mein Bolksgeld basirt nämlich — — Lueger: Wann Du wieder mit dem anfangst. ist vor übermorgen kein End' abzusehen. Servus! (Eilt hinaus.) Schlesinger (bleibt sinnend stehen; dann rennt er ihm nach und ruft ihm über'sStiegengeländer hinunter): Wie wär's mit dem edlen Prinzen Liechtenstein? Oder mit den hochwürdigen schwarzen Herren? Probiren könnt' man's allenfalls, was? I Lueger ruft etwas nicht ganz genau Verständliches, aber dem Tone nach sicher nichts Schmeichelhaftes hinauf, springt in den Wagen und rollt, ohne dem Kutscher zu sagen, wohin, weil der es ohnehin schon weiß, einer Judenbank zu. (Vorläufig noch kein Ende. Schluß folgt hoffentlich bald.) Jüdische Dramatiker. Die Erfolge einiger jüdischer Dramatiker in dieser neuen Saison lenken die Aufmerksamkeit wieder auf die merkwürdige Anziehungskraft, welche die Bühne auf die Juden ausübt. Und nicht erst seit heute, denn schon S ch u d t berichtet von einem sehr eigenthümlichen Josefs-Spiel, welches von jüdischen Comödiauteu im Jargon dargestellt wurde, das so glanzvoll ausgestattet war, daß sich selbst Frankfurter Bürgersleute zur Schau drängten. Die Künstler aber wanderten weiter nach Metz; so finden wir schon an der Schwelle der Neuzeit bei dem Volke, das im Hiob der Welt das vielleicht älteste und eines der schönsten Drameu gegeben hat, ein Drama, dessen Einfluß auf den „Faust" längst erkannt und gewürdigt ist, wandernde Truppen, gebildet wie die viel späteren deutschen Reise-Gesellschaften aus verlaufenen Studenten. Auch ist das kein Wunder. Denn mindestens eine Eigenschaft bringt der Jude meist mit, ohne die der Dramatiker nicht gut zu denken ist. Wir meinen die Fähigkeit der Dialectik. Nicht umsonst spricht man von der Dialectik der Leidenschaften bei jedem großen Schauspieldichter. Dazu kommt, gleichfalls jüdisch, die Neigung zur Analysis. Im dramatischen Schaffen aber gibt es nur ein analytisches Verfahren. Man muß aus bloßen Einzelzügen das Gesammtbild der wirkenden Persönlichkeiten, den Gesammteindruck der Begebenheiten zusammeusetzen und aufbauerl und verlangt Klarheit der Mittel und Klarheit des Zieles; man muß wissen, wohin man will und auf welchem Wege man dahin kommen will. Daß aber Klarheit eine der Haupteigenschaften des semitischen Geistes sei, ist noch nie und von Niemandem bestritten worden. So sind denn gewisse Vorbedingungen gegeben. Es ist nun nicht ohne Interesse, in wie sehr mannigfaltiger Weise die jüdischen Dramatiker der Gegenwart sich bethätigen. Wir wollen hier von den Tantiemen-Speculanten ganz absehen, von denen, welche lediglich das seichte Unterhaltungsbedürfniß der seichten, leider einer allzugroßen Menge mit Platten Scherzen zu befriedigen suchen. Es gibt davon Juden wie Christen, die, so gut wie der große Kaufnkann alljährlich seinen neuen Artikel zu lauciren sucht, genau so alljährlich ihr neues Stück oder besser deren zwei vom Stapel lassen müssen. Denn mit zwei Stücken läßt sich zwar kaum mehr, aber sicherer Geld verdienen, als mit einem. Sie thun's mit mehr oder minder Ehrlichkeit, mit mehr oder minder Geschick und Geist, und die Fähigkeit des Wortwitzes, die Freude daran galt ja abermals immer für eine gern geübte Gabe dieses Volkes, das so ernsthaft im Grunde ist. Von ihnen schweigen wir; denn einen literarischen Anstrich muß die Sache doch haben, wenn wir sie hier in Betrachtung ziehen sollen. Es ist immer eigenthümlich, daß aus der ganzen Schaar, welche wir mustern wollten, eigentlich nur zwei sich überhaupt mit dem Judenthum abzufinden oder zu stellen versuchen. Es sind dies der junge H i r s ch f e l d und der muthige H e r z l. In den beiden Stücken, mit denen Georg Hirschseld mit so ungleichem Erfolge um die Gunst des Publicums geworben hat, spielt gleicherweise das jüdische Milieu einer nicht unbemittelten, aber enggesichtigen jüdischen Kaufmannsfamilie hinein. Hirschfeld aber hat noch nicht den rechten Standpunkt zu seiner Schilderung gewonnen. Man kann darstellen, worin man mit Liebe verharrt, womit man sich in Neigung Eins weiß, oder was man innerlich überwunden hat. Er aber empfindet sein Judeuthum quäleny und beengend, wie etwas, das man gerne abstreifen möchte, und eine geheime und also ängstliche Anklage gegen seine Mutterreligion zittert bislang durch das, was er schreibt. Herzl aber gibt sich als Anwalt seiner Stammesgeuossen, ist es mit Geist, Entschiedenheit und Tapferkeit. Er weist nicht nur Anwürfe zurück — er geht sogar zum Angriffe über. Er ist ein glänzender Dialectiker. Zwar kein trefflicherer Photograph der Typen innerhalb des Ghettos, aber zweifellos ein Dramatiker von Talent. Die Anderen sind kaum noch an einem leisen Beigeschmäcklein als jüdischer Herkunft zu erkennen. Da ist Ludwig Fulda. Eine durchaus liebenswürdige Natur, ein Kenner des deutschen Philisters, wie wir ihm seit Benedix nicht mehr gehabt haben und, wenn er sich erst aus dem Wege zurechtgesunden haben wird, den er nach mancher Irrung eingeschlagen hat, auch wohl sein berufenster Nachfolger. Vielleicht steckte im Dichter des „Talisman" und Robinsons Eiland" mehr, vielleicht selbst einer jener seltenen Satyriker, welche die Wahrheit sagen können, ohne zu verletzen, wenn er nur immer den Muth und die Folgerichtigkeit seiner Einfälle besäße. Er ist aber leider nicht nur ein Ironiker — er übt die zweischneidige Waffe der Ironie auch au sich selber. Aber sein Formtalent ist ungewöhnlich groß; er meistert diese unsere schöne aber so unsäglich schwere Sprache so sehr, daß er ihr einen mustergiltigen, wenn auch manchmal etwas zu Fulda'sch zahmen Mvliere abzwang, daß es keine Kunststücke und -Stückchen gibt, welche ihin nicht gelängen. Dann wäre die geistvolle und rührige Gattin des Münchener Anwaltes Bernstein, die unter dem Namen Ernst Rosmer bekannt ist. Sie wandelt mit Glück und Entschiedenheit beharrlich in den Spuren Hauptmann's. Aber ihre Lyrik ist durchaus original; gleich ihrem Muster und Meister malt sie mit kleinen und kleinsten Zügen; kehrt sich aus der Realität der Gegenwart durchs Märchenland, darin die Königskinder einander zu frühem und schmerzlichen Tode finden, in die Vergangenheit des „Themistokles" immer eine eigene Natur. Bei aller Anregung, immer eine ungewöhnliche und sehr ernst zu nehmende Künstlerin besonders in Empfindung und Ausgestalten einer Stimmung. Und nun zu den Unseren. Da ist zunächst K a r l w e i s' Das Wiener Volksstück im guten, alten Sinne hat er neubelebb Er hat eine Schlagkraft des Witzes, die an Nestroy erinnert \ eine intime Kennlniß dieses so schwer zu ergründenden Wiene^ Volkes, wie sie heute vielleicht Niemand besitzt. Er weiß, man die Leute in Wien zu packen hat, damit sie lachen mr weinen und mitgehen; weiß es mit iustinctiver Sicherheit und nicht etwa wie ein Rechner, der sich also auch verrechnen kann. Eine sehr beachtenswerthe Gabe zur Schilderung gewisser Kreise, vielleicht der Gruudsuppe der Wiener Gesellschaft hat neuerdings Felix D ö r m a n n betuie|eu, den man bisher nur als Lyriker gekannt und geschätzt hat. Vielleicht geht er von unten nach oben, im Schlamme beharren, wie in „Ledige Leute", wird ihm kaum behagen. Die Wienerin, wie sie ist, haben mct nugleicheul Glücke E b e r m a u u, griechisch vermummt als „Phryne" oder für die keuschen Ohren der Hofburgtheaterbesucherinnen umgetauft in Charis und David in „Ein Regentag" zu schildern versucht. Ebermann hatte entschiedenen Erfolg; vielleicht gerade, weil man sich in der Maske Manches sagen läßt, was man sich anders nicht bieten ließe. Viel Glück auf der Bühne hatte Arthur Schnitzler und verdiente es. Denn er brachte einen neuen Männertypus auf die Bühne: den wienerischen Lebemann^ der mit einer schmerzlichen Innigkeit die Schönheiten dieser Stadt genießt, der eine starke Note persönlicher Neigung in jede Beziehung bringt, den eine nervöse Furcht zum Genüsse tteibt und wieder vom Genießen aufschreckt. Es ist ein ewiges Schwanken

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