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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-01-14 · 2 (14.1.1898) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 24 Vr. Bloch's WochrnsttzrM Nr. 2 Der ganzen Menschheit müßten im Gegentheil die Herren Nordau und Herz! laut und offen verkünden, daß sie persönlich für das eiustehen, was ohne Angabe des Autors in der „Welt" publicirt ist. Was sehen wir aber statt dessen? Da erscheint an erster Stelle des Blattes ein Revolverarttkel schlimmster Sorte von „Spectator", zu dessen Autorschaft Herr Dr. Nordau sich schwerlich bekennen dürfte, zumal er sich darauf berufen kann, daß ja in derselben Nummer des Blattes ein zweifellos von ihm herrührender, weil von ihm.Unterzeichneter Arttkel über denselben Gegenstand enthalten ist, so daß er a nscheinend doch nicht auch den Revolverartikel Spectators geschrieben haben kann. Ist Spectator identisch mit Doctor Nordau, dann wäre nichts bezeichnender für diesen Führer der zionisttfchen Bewegung, als dieser Vorgang. Und ich, der Wüstenwanderer, der mit so vielen Spectatoren in der Wüste zu thun hatte — dort wird jeder friedliche Wanderer möglichst aus dem Hinterhalt überfallen — kenne die Spectatoren. Sie sind alle lichtscheu. Was wird aber aus dem verblendeten Zionisten Volke werden, wenn es sich von licht- und verantwortungsscheuen Spectatoren zu namenlosen Abenteuern und Gefahren verleiten läßt? Dann werden sie Alle rufen: „Wo ist Spectator? Wir werfen Dich in's Wasser, wenn Du uns nicht hilfst!" Aber die Redaction der „Welt" wird erklären: „Spectator" ist unbekannt, verantwortlich für die Redactton ist Dr. Simplicius Sttohmann, das Bad aussaufen aber müsset Ihr Alle, die Ihr einfältig genug wart, an Spectator zu glauben!" Nun möchte ich noch einen ganz nebensächlichen Punkt berühren. Spectator nennt mich stets „Herr Eduard Glaser", unter, wie es scheint, geflissentlicher Weglassung meines Doctortitels. Man merkt die Absicht und man wird verstimmt. Eduard Glaser ist ja mein ehrlicher Name, dessen ich mich nicht zu schämen brauche. Aber ich würde mich durchaus nicht beleidigt fühlen, wenn Spectator mich ab und zu auch Doctor Eduard Glaser nennen würde, obzwar das nur ein Ehrendoctortitel ist, den mir für meine wissenschaftlichen Verdienste um die Erforschung Arabiens eine königlich preußische Universität im Jahre 1890 verliehen hat. Allein, da der Ehrendoctortitel in der Regel nur alleren, um die Wissenschaft besonders verdienten Männern und zwar auf Grund einstimmigen Beschlusses sämmtlicher ordentlicher Professoren der betreffenden Facultät verliehen wird, also: an Professoren, namhafte Dichter, Schriftsteller, ferner an hohe Beamte, Staatsmänner, ja auch an Mitglieder regierender Häuser und selbst gekrönte Häupter, die dessen Annahme nicht unter ihrer Würde finden, so glaube ich mich in ganz guter Gesellschaft zu befinden und mich dieses Titels nicht schämen zu müssen. Doch, wie gesagt, zwingen möchte ich Spectator beileibe nicht, den Beschluß einer preußischen Universität anzuerkennen; denn schließlich kann man es einem fin de ÄLcle-Messias nicht verübeln, wenn er auch in Titeldingen seine eigenen Ansichten hat. So souveräne Herren, wie die Führer der Zionsstürmer sind, können ja selbst neue Titel creiren, und in der „Welt" sind sie ja schon promulgirt: „Protestrabbiner", „Manschet", Kannegießer", „Kläffer" rc. Weiter habe ich vorläufig nichts zu bemerken. Höchstens möchte ich die Kenntnisse des fin de siLele-Messias oder besser: Messiasverkünders^ noch in einem andern persönlichen Punkte durch die Mittheilung erweitern, daß ich nicht „aus dem Umkreise der Prager Altneuschul herrühre", sondern laut Geburtszeugniß, Heimatschein und Paß ein Kind bin des bescheidenen Dörfchens Deutsch-Rust, Bezirk Podersam in Deutsch-Böhmen, allwo ich zum Unglück des Zionismus und zur Entlarvung Spectators am 15. März 1855 das Licht der Welt erblicken mußte. In Prag habe ich zunächst sechs Jahre, 1870—1876, meines verruchten Lebens zu Sttldienzwecken, dann noch einige Monate des Jahres 1886, diesmal schon als „bürgerlicher Arabist und Wüstenwanderer", zugebracht, nicht als literarischer Seichtbeutel oder frechgeistiger Schwäger, wie gewisse anonyme oder pseudonyme Weltenstürmer. Dre ehrwürdige Altneuschul, die ich als. Geschichtsforscher natürlich sehr gut kenne und respectire, war aber nicht im Umkreis meiner jeweiligen Prager Wohnung gelegen j denn den größten Theil meiner Prager Studienzeit verlebte rch im gräflich Schlick'schen Palais in der Ferdinandstraße, allwo ich die Stellung eines Lehrers bei dem Sohne des damaligen fakttschen, wenn auch nicht nominellen, commandirenden Generals von Böhmen innebatte. Nach der Pensionirung meines Chefs, des Feldzeugmeisters Frecherrn von D., und dessen Uebersiü>elung nach Wien wohnte ich in Prag im gräflich Harrach'schen Palais in der Heinrichsgasse bei den Eltern eines meiner College«, welche eine gräfliche Beamtenstellung innehatten und schließlich schlug ich meine Zelte tnt Gebäude der deutschen polytechnischen Hochschule auf. An all diesen Orten habe ich gelernt, mich zu „affimiliren" und mit Leuten von Welt zu verkehren, fteilich einer anderen Welt als „die Welt" der Herren Herz! und Nordau. Aber ich bin beileibe, wenigstens bis jetzt nicht selbst Feldzeugmeister, Graf, Baron, Ritter oder dergleichen geworden, sondern zum Unglück des Zionismus nur ein einfacher „Wüstenwanderer", der es allerdings an Kaltblütigkeit, Besonnenheit und Entschlossenheit niemals hat fehlen lassen, und dies in Situationen, wo gar manchem zionistischen Maul- und Federhelden Hören und Sehen vergangen wäre. Nach Geburtsort und Vorleben der Herren Dr. Herzl und Dr. Nordau ist zu fragen weder nothwendig noch erlaubt; denn solche fin de sieele-Messiasse können natürlich nur direct vom Himmel in „die Welt" gesetzt worden sein. Oder sollten sie nicht in „die Welt", sondern in die altehrwürdige Altneuschul hineingefallen sein? Möglich wäre das immerhin, weil es sonst unerklärlich wäre, daß dem vicemessianischen Geiste Spectator's bei seiner „Abrechnung" mit mir gerade die Altneuschul vorschwebte. Dagegen ist noch nie ein Gelehrter vom Himmel gefallen. Geschähe es dennoch, dann könnte er auf den Kopf fallen, und das würde der Gelehrsamkeit ein Ende machen, dieweil sie nur irdischen Ursprungs ist. Aber fin de sieele-Messiassen schadet es nichts, wenn sie bei ihrer Niederfahrt vom Himmel auf den Kopf gefallen sind; denn die Welt wird da« durch nicht alterirt, insbesondere nicht die Welt mit Gänsefüßchen, die ihre Umdrehungen und Purzelbäume unentwegt sortsetzt, zur Erhebung und Erbauung der sich nach Zion Sehnenden, zum Gaudium der Uebrigen. Zur Illustration der Absicht Nordau's (siehe „Berliner Tageblatt" vom 4. Jänner), „niemals einen Schritt thun zu wollen, ohne der Zustimmung Europas, ganz Europas und mit i n e r st e r R e i h e R u ß l a n d s, das in jeder Beziehung am nächsten dazu ist, vollkommen sicher zu sein", und zur Illustration des Ausspruches, welchen der sich unter der Maske eines Pseudonyms (Spectator, aber nicht zu verwechseln mit dem gelehrten Spectator eines Münchner Blattes) feige verbergende literarische Seichtbeutel in der „Welt" vom 7. d. M. zum Besten gibt: „Jawohl, die Hoffnung des Zionismus beruht auf dem Entgegenkommen des Großherrn in Consta n t i n o p e l, aber nicht mit Hintergedanken irgend welcher Art, sondern mit der Loyalität einer großherzigen Idee wird um dasselbe geworben", zur Illustration dieser beiden Aussprüche, die als Beweis für meine angebliche Heuchelei und Verleumdung hingestellt werden, mögen einfach die folgenden Stellen eines Feuilletons dienen, das Dr. Max Nordau — glücklicherweise unter seinem wirklichen Namen — in der Nummer der Wiener „Neuen Freien Presse" vom 1. Jänner 1898 veröffentlicht hat. Nordau schreibt dort, nachdem er die Ansprüche der Griechen „auf alles griechische Gebiet, das. noch unter Barbarenherrschaft steht", anerkannt hat: „Europa fiel den Hellenen (auf Kreta) roh in den Arm, und dies allein gab den Türken den Muth, es auf den Krieg ankommen zu lassen." Weiter schreibt der edle loyale Türkenfreund: „Europa hat es über sein Gewissen gebracht, einer kleinen Volksgruppe (nämlich den Kretensern), die den Anschluß an den geistigen Mittelpunkt ihres Volksthums sucht, um sich in der nationalen Gemeinschaft und mit ihrer Hilfe zu höheren Gesittungsstufen emporzuringen, Gewalt anzuthun. Die Geschichtsschreibung wird die Männer, die für dieses Verbrechen verantwortlich sind, zu finden und zu brandmarken wissen." Also die Staatsmänner „von ganz Europa", mit denen Nordau laut „Berliner Tageblatt" vom 4. d. M. alle Möglichkeiten und Schwierigkeiten seines jüdisch-palästinensischen Reiches „durchspricht", werden sich fortan zu der englischen Forderung des Zionisten Nordau nach einem alle Grieche umfassenden Großgriechenland bequemen müssen; denn „Griechenland hat gewaltige Aufgaben zu erfüllen. Es muß alle versprengten Glieder der hellenischen Familie unter Ein Dach sammeln"

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